Begegnung der Ethikgruppe des Kantonsrates mit Religionsvertretern Empfehlung zu Kopfbedeckungsverbot im Zentrum St.Gallen, 23. August 2010: Die interfraktionelle Ethikgruppe des Kantonsrats St.Gallen und Vertreter der grossen Religionsgemeinschaften des Kantons haben sich am Donnerstag Abend, 19. August, zu ihrer traditionellen jährlichen Begegnung getroffen. Gastgeber war diesmal der Bischof von St.Gallen, Markus Büchel. Vom Dachverband der islamischen Gemeinden in der Ostschweiz (DIGO) war dessen Präsident, Dr. Hisham Maizar, anwesend. Rund 25 Kantonsrätinnen und Kantonsräte der Ethikgruppe waren der Einladung von Bischof Markus Büchel gefolgt. Von der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons war der Kirchenratspräsident Dölf Weder anwesend und vom Katholischen Konfessionsteil Hans Wüst, Präsident des Administrationsrates. Im Zentrum des Gesprächs standen Themen wie ?Aufbau und Strukturen der muslimischen Gemeinschaft in der Schweiz?, ?Ausländerfeindlichkeit im Arbeitsmarkt? und die kürzlich vom St.Galler Erziehungsrat an die Schulgemeinden herausgegebene Empfehlung, Schülerinnen und Schülern während des Unterrichts das Tragen einer Kopfbedeckung zu verbieten. In der aktuellen Situation reduziert sich diese Empfehlung faktisch auf ein Kopftuchverbot für muslimische Schülerinnen.
?Empfehlung nicht nötig?
Die angeregte Diskussion zwischen Politikern und Religionsvertretern fand in einem Klima gegenseitiger Achtung, Offenheit und hoher Wertschätzung statt. Am meisten zu reden gab die erziehungsrätliche Empfehlung, Kopfbedeckungen in der Schule zu verbieten: Es brauche eine einheitliche Lösung in den Schulen, und Mädchen dürften nicht durch den Zwang, ein Kopftuch tragen zu müssen, diskriminiert werden, war zu hören. Andere Stimmen riefen dazu auf, endlich zur Kenntnis zu nehmen, ?dass die Muslime in unserer Gesellschaft eine Realität sind?, und dass es gelte, die Religionsfreiheit zu respektieren. Ein Kopfbedeckungsverbot löse keine Probleme. Vertreter der Schule in der Ethikgruppe unterstrichen, dass die erziehungsrätliche Empfehlung nicht nötig sei. Von kirchlicher Seite kam schliesslich der Vorschlag, aus der Mitte der Ethikgruppe mit dem Erziehungsrat zu dieser Frage das Gespräch zu suchen. Ziel soll sein, dass der Erziehungsrat seine Empfehlung mit den zuständigen Vertretern der Muslime diskutiert und gegebenenfalls revidiert.
Forum für Meinungsbildung Die Ethikgruppe des Kantonsrates St.Gallen besteht seit dem Jahr 2000. Ihr gehören rund 30 Kantonrätinnen und Kantonsräte aller Parteien an. Die Co-Präsidenten der Ethikgruppe sind Felix Bischofberger, Altenrhein, und Monika Lehmann, Rorschacherberg. Gemäss Statut prüft die Ethikgruppe Sachvorlagen und politische Fragen aller Art unter dem Blickwinkel der Ethik, namentlich der christlichen Ethik. Sie ist ein Forum für die Meinungsbildung der Mitglieder, die sich dann in den Fraktionen, in den vorberatenden Kommissionen und im Kantonsrat gezielt für Anliegen der Ethik einsetzen.
An die Medienschaffenden: Für weitere Informationen und Fragen stehen ihnen die beiden Co-Präsidenten der Ethikgruppe zur Verfügung: Felix Bischofberger, Telefon 071 855 19 47 (11-12 Uhr) Monika Lehmann, Telefon 071 855 11 14
Anhang
Bildlegende Begegnung der Ethikgruppe des Kantonsrates mit Religionsvertretern. (Von links): Dr. med. Hisham Maizar, Präsident des muslimischen Dachverbandes DIGO; Pfr. Dölf Weder, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen; Hans Wüst, Präsident des katholischen Administrationsrates; Monika Lehmann, Co-Präsidentin Ethikgruppe; Markus Büchel, Bischof von St.Gallen; Felix Bischofberger, Co-Präsident Ethikgruppe Bildnachweis Bild: zVg.