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Zwei Winterthurer Teens auf dem Weg zum IS?

 
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Do 25 Dez, 2014 15:37    Titel: Zwei Winterthurer Teens auf dem Weg zum IS?

INTERVIEW TAZ


Sehr geehrter Herr Hanel,


wie besprochen sende ich Ihnen die Fragen schriftlich zu. Es geht um folgenden Fall:
http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Zwei-Winterthurer-Teens-auf-dem-Weg-zum-IS--23574000



- Zwei Teenager aus Winterthur sollen sich radikalisiert und in die Türkei abgesetzt haben. Ihr Ziel: der IS. Überrascht Sie diese Meldung?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Bedauerlicherweise NEIN. Radikal atheistische, resp. anti-theistische Ideologie und extreme ideologisierte Religionsinterpretation schaukeln einander in bestürzende Positionen auf. Fehlende Zukunftsperspektiven, mit welchen nicht nur muslimische Jugendliche, diese aber ganz besonders konfrontiert werden, aufgrund der immer schlimmer werdenden – und unbedingt zu stoppenden – Ausgrenzungspolitik gegen Islam und Muslime, treiben diese zu desaströsen Entscheidungen. “Islamunterricht” von Hass predigenden Komikern, Egozentrikern und Möchtegern Rädelsführern auf beiden Seiten, propagiert und verbreitet im öffentlichen “Unterricht” der Medien tun das ihre, um Orientierungslosigkeit und teuflische Einseitigkeit ihr Unwesen treiben zu lassen.


- Die Geschwister sollen regelmässig eine Zürcher Moschee besucht haben. Ist es möglich, dass es dort zur Radikalisierung gekommen ist?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Wir haben darüber KEINE konkreten, überprüften Informationen! Fragen im Konjunktiv lehne ich eigentlich grundsätzlich zu beantworten ab – denn es ist kaum etwas NICHT möglich. Diese Art von Fragen suggerieren eine Antwort, die NIEMALS die Wirklichkeit korrekt abzubilden vermag. Darüber hinaus ist alles Mögliche und auch scheinbar Unmögliche letztlich möglich. In den mir bekannten Moscheen selbst, also von den zuständigen IMAMEN und VORSTÄNDEN wird allerdings alles ihnen Mögliche getan, um Verführungen jedweder Art keinen Platz zu geben. Es fehlt allerdings an qualifizierten, in der Schweiz ausgebildeten Theologen und Religionslehrern, um das richtige Potential religiöser Bildung gegen solche Auswüchse zu aktivieren und die Jugendlichen zeitgemäß anzusprechen und abzuholen.


- Wissen Sie welche Moschee die Jugendlichen besuchten?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Nein. Habe allerdings das Gefühl, dass bestimmte, in diesen Fall längst involvierte Medien mir gegenüber hier einen Informationsvorsprung haben. In der Zwischenzeit wurden mir von den Medien selbst nur widersprüchliche Informationen zugetragen.


- Auf welche Weise könnten sich die Teenager sonst noch radikalisiert haben, wenn nicht in Moschee?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Hauptsächlich im Internet und beim “Abhängen” mit Kollegen aber grundsätzlich natürlich überall.


- Wie häufig kommt es im Raum Zürich zu Radikalisierungen (Vergleich zur Restschweiz, Vergleich jetzt zu früher etc.)?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Darüber gibt es keine Zahlen. Doch eines ist klar, je häufiger die radikalen Angriffe gegen Muslime, nicht nur im Alltag, sondern auch in den Medien und auch anderswo auf derWelt werden (Beispiele mehren sich massiv: Komiker als Islamgelehrte, mehr oder weniger renommierte Zeitschriften geben in ihren Blättern “Islamunterricht für die Experten Hinz und Kunz”, großmächtige Hegemonialansprüche, usw. usw.), um so größer muss die Zahl jener Jugendlichen werden, die sich radikalisieren lassen und immer leichter radikalisiert werden können.


- Was spielt der islamische Zentralrat für eine Rolle in der Radikalisierung junger Leute? (Koordination, Vorgehen)

Der IZRS spielt vielleicht eine etwa vergleichbare “revolutionäre” Rolle, wie sie die schweizerischen Jugendbewegungen in den 1968 Jahren einnahmen – allerdings OHNE die damals durchaus übliche aktive Gewaltbereitschaft!

- Die Vereinigung Islamischer Organisationen in Zürich plant gemäss El Guindi einen Notfallseelsorger. Was steckt dahinter?

Die professionelle Einbindung muslimischer Kräfte in wichtige soziale Öffentlichkeitsarbeit. Natürlich soll diese Notfallseelsorge auch als Anlaufstelle für Jugendliche in Gewissens- und Seelenkonflikten, wie auch für betroffene Eltern wahrgenommen werden.

- Weshalb übt der radikale Islam offenbar eine starke Anziehungskraft auf Jugendliche (auch in der Schweiz) aus?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Diese Frage ist grundsätzlich falsch gestellt. Eine Feststellung, mit der ich Ihnen nicht persönlich nahetreten möchte, Herr Sturzenegger. Mangelhaftes, vor allem religiöses Wissen, gepaart mit oberflächlichem Sprachgebrauch und sensationslüsterner Kommunikationsintention führt in wahrhaft dunkle Ecken!

Es ist NICHT der radikale ISLAM, der eine starke Anziehungskraft ausübt!

Die Frage muss korrekt lauten: Warum üben radikale ISLAM-INTERPRETATIONEN eine so starke Anziehungskraft auf Jugendliche auch in der Schweiz aus.

Mögliche Antworten finden Sie vielleicht in mancher philosophischer Arbeit über soziologische und politische Entwicklungen in der heutigen globalen Gesellschaft.

Aber kurz gesagt – das blanke Regieren von Macht, Gewalt und Zinskapital, die Entstellung von Wahrheit, Aufrichtigkeit und Mitgefühl haben ein weltweites Milieu geschaffen, in welchem die grundsätzlich reine Seele des Menschen mit WLAN Geschwindigkeit in die materiellen, geistigen und spirituellen Abgründe getrieben wird.



Ich bedanke mich bereits jetzt für die Beantwortung dieser Fragen.


Freundliche Grüsse

Martin Sturzenegger
Tagesanzeiger Zürich

Hier der Link zum erschienen Artikel

Moscheen sollen striktes Personenregister führen
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Moscheen-sollen-striktes-Personenregister-fuehren/story/27774279
Zwei vermisste Winterthurer Jugendliche sollen sich in einer Zürcher Moschee radikalisiert haben. Eine Moschee in Embrach steht im Fokus. Imame fordern die Behörden zum Handeln auf.
_________________
Wassalam
M.M. Hanel


Zuletzt bearbeitet von M.M.Hanel am Do 25 Dez, 2014 15:55, insgesamt 2-mal bearbeitet
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Do 25 Dez, 2014 15:52    Titel: Moscheen sollen striktes Personenregister führen

INTERVIEW 20 MINUTEN

Sehr geehrter Herr Hanel

Wie soeben telefonisch besprochen, sende ich Ihnen meine Fragen zu dein beiden Jugendlichen aus Winterthur.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antworten.

Freundliche Grüsse
Tobias Wedermann

20 Minuten AG
Werdstrasse 21
Postfach
CH-8021 Zürich

T: +41 44 248 60 13
F: +41 44 248 68 21

www.20minuten.ch
www.facebook.com/20min
www.twitter.com/20min



Herr Hanel haben Sie bereits Kenntnis über den Fall der entlaufenen Jugendlichen, die offenbar auf dem Weg nach Syrien sind?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Ja, ich habe es via 20 Minuten erfahren.


Der Vater der beiden Jugendlichen macht eine Moschee in der Region Zürich dafür verantwortlich, dass seine Kinder sich dem IS anschliessen wollen. Wie gehen Sie in der Vereinigung der Islamischen Organisation Zürich (VIOZ) mit solch einem Vorwurf um?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Dass wir – sobald wir wissen, um welche Personen es sich hier konkret handelt – mit diesen bedauernswerten, leidgeprüften Eltern Kontakt aufnehmen und ihnen Beistand und Unterstützung zukommen lassen, sofern sie das wünschen.

Allerdings wäre es wohl ganz allgemein wünschenswert, dass solche Verdachtsmomente oder konkrete Hinweise auf ähnlich gelagerte Fälle an die VIOZ gemeldet werden. Bislang liegt der VIOZ allerdings nicht eine einzige solche Meldung vor.


Ist Ihnen bekannt, dass in einer Zürcher Moschee für den IS geworben wird? Bisher hatten Sie ja stets betont, dass dieses Problem in Zürich nicht bestehe.

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Nein – das ist uns nicht bekannt. Vielmehr wissen wir, dass in den Moscheen alles getan wird, um Verführungen jeder Art keinen Platz einzuräumen. Es fehlt allerdings an qualifizierten, in der Schweiz ausgebildeten Theologen und Religionslehrern, um das richtige Potenzial religiöser Bildung gegen solche möglichen Auswüchse zu aktivieren und die Jugendlichen zeitgemäss anzusprechen und abzuholen.

Wissen Sie, um welche Moschee es sich handelt?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Von Zeitung und Rundfunk wurden uns widersprechende Informationen mitgeteilt. Wir werden alle Informationen überprüfen.


Aufgrund der ersten Erkenntnisse in diesem Fall: Was gedenken Sie bei der VIOZ zu unternehmen?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Das werden wir entscheiden, sobald wir über die Fakten Bescheid wissen. Ein aufklärendes Gespräch mit den wirklich betroffenen Moscheen und deren Vorständen sowie eine Kontaktnahme mit den Eltern ist allerdings obligatorisch.


Sind Präventionsmassnahmen geplant oder bereits in Kraft, um Gemeindemitglieder vor IS-Werbern zu schützen?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Natürlich wird zurzeit in den uns bekannten Moscheen in den Predigten und Vorträgen auf die Kraft ideologischer, diabolischer, in theologischem Gewand verkleideter Verführung hingewiesen. Ich bin auch überzeugt, dass die betreffenden Verantwortlichen, so sie Kenntnis von den Ansichten oder Absichten der Jugendlichen gehabt haben, fürsorglichen Kontakt mit den Eltern aufgenommen haben.

Muss ein Imam merken, wenn in seiner Moschee für den IS geworben wird und wie sollte sich ein Imam in diesem Fall verhalten?

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Offene Werbung für IS dürfte es in keiner Moschee geben. Selbstverständlich ist das Thema IS ganz allgemein auch in den Moscheen aktuell und wird entsprechend diskutiert. Verführung, Missbrauch, Instrumentalisierung von Religion wie auch profaner Politik ist immer ein Thema gläubiger Menschen. Die heutzutage offenkundig schamlos dargestellte pervertierende Verquickung von Religion und Politik, die mitnichten integraler Bestandteil islamischer Lehre ist, wie den Menschen aber mit hohem Budget weisgemacht wird, leistet ganze Arbeit, vor allem, aber nicht nur Jugendliche zu verwirren und zu verführen.

Hier der Link zur Veröffentlichung:

«Offene IS-Werbung gibts wohl in keiner Moschee»
http://www.20min.ch/schweiz/news/story/-Offene-IS-Werbung-gibts-wohl-in-keiner-Moschee--21805692

In italienischer Sprache

http://www.tio.ch/news/svizzera/cronaca/1011298/tranquilli-nelle-nostre-moschee-non-parliamo-di-is/Mobile
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Fr 02 Jan, 2015 16:08    Titel: Interview für 20 Minuten

Interview - gegeben vom Präsident des Moscheevereins in EMBRACH für 20 Minuten

Hier der LINK zu einer Veröffentlichung:
http://www.20min.ch/schweiz/news/story/22548413


- Wie wurden Sie darauf aufmerksam, dass sie radikales Gedankengut hegen? (Ich kann mir vorstellen, dass man das nicht gross herumerzählt)
Es war ca. mitte November kurz unmittelbar vor dem Gespräch mit den Eltern des Jungen als wir in einem Gespräch, welches der Junge mit anderen Besuchern führte mithörem mussten, wie er sich zur IS und derem Ideologie hingezogen fühlte. Damals wurde dann auch das Hausverbot ausgesprochen.


- Haben die beiden offen darüber gesprochen? Oder haben die beiden mit jemandem deswegen das Gespräch gesucht?
Nein, da der Vorstand mehrmals unmissverständlich klar gemacht hatte, dass die Vereinsführung und dessen Mitglieder gegen den IS und seine Ideologie sowie allgemein gegen extremistische Gruppen und Ansichten ist und es zudem ausdrücklich untersagt ist sich über den IS zu unterhalten und dessen Ideologien gut zu heissen, wusste man also dass dies bei uns nicht geduldet wird.

- Versuchten die beiden, andere von ihrem Gedankengut zu überzeugen?
Nein, dies konnten wir nicht feststellen. Wie schon erwähnt war es ausdrücklich untersagt solche Ansichten in der Moschee zu vertreten.

- Haben Sie persönlich das Gespräch mit den Jugendlichen gesucht? Wie haben die beiden darauf reagiert?
Wie bereits erwähnt bemerkte man erst Mitte November, dass der Junge Sympathie zur Ideologie des IS hatte. Danach kam es zu einem Gespräch in dem man nochmal erwähnte, dass es bei uns keinen Platz für die Ideologie des IS gibt und man sich von diesen gefärlichen Ansichten distanziert. Ausserdem ist es die Aufgabe eines Imams den Islam in einer Moschee zu lehren, da dieser dazu ausgebildet ist. Aus diesem Grund war es nicht üblich, dass jemand anderes bzw. ein Vorstandsmitglied diese Aufgabe übernahm. Danach kam es zu besagtem Hausverbot und einem persönlichen Gespräch mit den Eltern. Der Junge kam danach auch nicht mehr in den Verein und die Verantwortung sahen wir bei den informierten Eltern.

- Können Sie sich vorstellen, von wem die beiden beeinflusst wurden? Übers Internet oder von einer Person?
Der IS betreibt grosse Werbung übers Internet, leider werden da sehr oft Junge Leute manipuliert.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der Junge dadurch eines dieser Opfer wurde.

Meine Fragen zu Tariq und Yusuf:

- Hat man bei den beiden ebenfalls eine Radikalisierung bemerkt?

Gar nicht, dass überrascht mich sehr. Ich kann mir das eigentlich gar nicht vorstellen. Es waren bislang sehr gute Schüler unseres Imams.

- Haben diese beiden ebenfalls offen darüber gesprochen?
Über den Krieg und das Leid der Menschen in Syrien wurde hin und wieder gesprochen im Verein, das ist aber auch verständlich, dieses Thema bewegt viele Muslime. Die Jungen erwähnten und zeigten aber nie irgendwelche Neigungen zu extremen Ansichten.

- Wie hat man in der Moschee auf die Teenies reagiert? Wurde mit ihnen ebenfalls das Gespräch gesucht?
Es gab hierfür keinen Grund, da sie unauffälig waren. Ausserdem hatten die Jungen einen Unterricht mit dem Imam speziel für Jugendliche, in dem ihnen die wahren Werte des Islam vermittelt wurden.

- Wie spricht man mit 15-jährigen Jugendlichen, die im Glauben noch nicht gefestigt sind – und nach Identität und Halt suchen? Gibt es im Koran vielleicht Passagen oder Suren, die den beiden helfen könnten, vom Extremismus wegzukommen? Oder wie sind Sie da vorgegangen?
Das sind eher Fragen für einen Imam der für solche Angelegenheiten geschult wurde. Aber wie gesagt, unser Imam gab sich grosse Mühe den Islam so weiterzugeben wie er ist und verurteilte wie oben beschrieben die Ideologie und die Handlungen des IS, da sie dem Islam diametral entgegensteht. Ich bin kein Iman, aber als Muslim denke ich, es gibt sehrwohl einige Passagen im Koran und viele Ahadith, die man den Jugendlichen zeigen könnte. Von dem Respekt vor den Eltern, dem Schutz der Schöpfung, dem Respekt vor Mitmenschen, dem Schutz von Frauen, Kindern und den Schwachen...

- Was würden Sie den Eltern der beiden raten, wie sie mit ihren Söhnen umgehen sollten?
Ich würden ihnen raten einen Imam ihres Vertrauens aufzusuchen und mit den Kindern zusammen ein offenes Gespräch zu führen. Ausserdem sollen die Eltern sorge tragen mit wem die Kinder verkehren und vorallem acht geben, welche Seiten im Internet besucht werden. Wobei letzteres von mir aus das wichtigste ist.
_________________
Wassalam
M.M. Hanel


Zuletzt bearbeitet von M.M.Hanel am Fr 02 Jan, 2015 17:47, insgesamt 2-mal bearbeitet
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Fr 02 Jan, 2015 16:14    Titel: Interview des ehem. Embracher IMAMS S. R.

Interview des ehem. Embracher IMAMS S. R.

- Wie haben Sie die Teenager in der Moschee erlebt?

Sie waren wie all anderen Jugendliche mit üblichen Sorgen wie z.B. Schule oder Lehrstelle beschäftigt. Zusätzlich waren sie sehr interessiert den Islam zu praktizieren.

- Haben diese offen über ihre Geisteshaltung gesprochen? Wie haben sie sich geäussert?

Da ich nur teilzeit als Imam beschäftigt war (20%) hat man sich zwar regelmässig während den Unterrichten gesehen, jedoch kam es aus zeitlichen Gründen nur selten vor, dass man mit ihnen längere Gespräche führen konnte.
Die Fragen und Themen drehen sich eher um die Berufswelt, Familie und Erklärungen wie man das Gebet korrekt verrichtet.
Auch wenn Thema Syrien und der Krieg nachvollziehbar auf der ganzen Welt ein vielbesprochenes Thema ist, haben wir nicht speziell über dieses Thema gesprochen.

- Haben die Teenager mit Ihnen persönlich das Gespräch gesucht? Oder haben Sie das Gespräch mit den Teenagern gesucht?

Neben dem Unterricht gab es manchmal auch Zeit persönlich mit den Jugendlichen zu sprechen oder manche stellten Fragen (siehe oben).

- Was denken Sie, was oder wer hinter der Radikalisierung der Jugendlichen steckt? Internet? Oder eine Person?

Es ist sehr schwierig hier einen klaren Grund zu finden, jedoch gehe ich davon aus, dass das Internet eine wichtige Rolle in dieser ganzen Geschichte spielt.
Ich kann auch sagen, dass es bei Jugendlichen oftmals die Angst ist nicht genug guter Muslim hier in der Schweiz zu sein.
Es ist der Gedanken, dass man vielleicht am falschen Ort ist.
Ich persönlich habe mich bemüht auch zu erklären, dass man auch in der Schweiz ein guter Muslim sein kann und probiert das zu verhindern was neulich geschehen ist.

- Was kann man als Imam tun, wenn man merkt, dass die Teenager solche Tendenzen entwickeln? Hat man noch eine Macht?

Es ist sehr schade, dass meistens die Eltern keinen Kontakt mit den Moscheen suchen.
Wenn die Jugendlichen im Internet von etlichen Videos beängstigt werden sie müssten ausreisen oder in den Krieg ziehen, dann ist es auch als Imam, der Jugendlichen ein paar Stunden sieht, schwierig etwas dagegen zu tun im Sinne "de chline seit nie am Grosse wenn er en Seich baue wot"...
Ich finde, dass die Eltern hier den wichtigsten Teil zu übernehmen haben, weil die am meisten mit dem Kind verbunden sind.

- Was treibt Jugendliche dazu, nach Syrien zu fahren – ist es auch eine Art Identitätssuche?

Wie bei der letzten Antwort erwähnt, ist es oftmals das Gefühl man mache zu wenig für die Religion und das kann dann zu einer alltägliche Sorge werden.
Die heutige Welt ist durch das Internet über Kontinente verbunden und das ist ohnehin schon eine neue Herausforderung.

Als Schlusswort möchte ich gerne betonen, dass wir hoffentlich alle aus dieser Situation gelernt haben. Deswegen sollten wir dieses Thema ernst nehmen.

Freundliche Grüsse
S. R.
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Wassalam
M.M. Hanel
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BeitragVerfasst am: Fr 02 Jan, 2015 16:21    Titel:

Interview des EMBRACHER Moscheevereins für WATSON

- Wie und wann traten die "entflohenen" Teenies erstmals mit Ihnen in Kontakt?

Ich kenne den Jugendlichen noch aus der Zeit in der An Nur Moschee in Winterthur. Ich besuchte damals die Moschee um Vorträge in Deutsch zu hören, die dort von unserem späteren Imam gehalten wurden.
Dann, seit 2013, konnten wir den Imam für unsere Moschee gewinnen, dadurch besuchten die Jugendlichen ab Sommer 2013 unsere Moschee für Vorträge in Embrach.

- Kamen Sie mit weiteren Freunden an Vorträge bei ihnen? Wenn ja, mit wie vielen? Und von welcher Nationalität und wie alt waren sie etwa?

Die deutschsprachigen Vorträge wurden generell von vielen Jugendlichen im Alter von ca. 14 - 18 Jahren besucht.
Die Besucherzusammensetzung war multikulturell, neben Schweizern waren Arabisch-, Afrikanisch- und Balkanstämmige zugegen.

- Warum bzw. woran (an welchen Aussagen beispielsweise) haben Sie gemerkt, dass bei den Teenies eine "Radikalisierung" stattfand?

Der einzige unter den jugendlichen Besuchern, bei dem erst spät, ca. Mitte November unmittelbar vor dem Gespräch mit dessen Eltern Auffälligkeiten bemerkt wurde, war der Junge, der mit seiner Schwester dann in die Türkei reiste.
Die übrigen Jungen waren uns gegenüber unauffällig und hielten sich an die Moscheeordnung.

- In der Pressemitteilung sprachen sie von einer "persönlichen Belehrung" und einem "Moschee-Verbot", gibt es weitere Massnahmen, die sie in solchen Fällen treffen?

Ja, bei Jungen Leuten wie V.L. sucht man nach Möglichkeit ein Gespräch mit den Eltern, was wir auch unmittelbar taten.

- Sie erwähnen auch, die "Hausordnung der Moschee", dürfte ich diese vielleicht einsehen?

- Was denken Sie, warum wird ihre Gemeinschaft immer wieder der Radikalität verdächtigt?

Auslöser für diese Situation war ein Artikel in dem man uns fälschlicher Weise mit einem Verein in Deutschland verwechselte bzw. fälschlicherweise aufgrund der Namensgebung in Verbindung brachte.
Seit dann versuchen wir, wie es scheint vergeblich, von den Vorwürfen radikal zu sein loszusagen, eine Entschuldigung seitens derjenigen, die als sogenannte Experten unhaltbare Spekulationen in die Medien absetzten erhielten wir bis dato nicht.

- Ist die Linie zwischen Salafismus und Extremismus so fein? Oder wo ziehen Sie da genau den Unterschied?

Ehrlich gesagt weiss ich nicht wie diejenigen, die den Begriff Salafist verwenden diesen definieren.
Wir mögen es nicht als Salafisten bezeichnet zu werden, wir sind normale Muslime und unterscheiden uns höchstens äusserlich durch einen Bart, wie man ihn etwa von Wilhelm Tell Darstellungen kennt.

- Wie ist es für Ihre Gemeinschaft, dass sie immer wieder negativ in die Schlagzeilen kommen? verletzt das? Wenn ja, warum?

Es ist natürlich verletzend, wenn man ungerechter Weise beschuldigt wird, ein Extremist, Radikalist. ja sogar Terrorist zu sein.
Zudem werden wir auf diese Weise zu unrecht in unserer Gemeinde negativ exponiert.
Ich glaube die Frage nach dem warum ist nicht weiter nötig zu beantworten.

- Erklären Sie es einem Laien: Was ist ein Salafist?

Wie oben geschrieben, verwenden andere diese Bezeichnung.
Da dieser Begriff von Medienschaffenden verwendet wird, würde ich gerne Sie fragen warum uns Medien als Salafisten bezeichnen dürfen?

- Was denken Sie: Warum wirken "extreme" Ideologien und der IS anziehend für so junge Menschen?

Junge Menschen drängen ins Erwachsen sein und wollen sich bestätigt wissen -sprich brauchen persönliche Erfolge und Freiheiten um sich selbst zu entwickeln, zudem ist der ihnen entgegengebrachte Respekt für das jeweils erreichte bzw. eine Anerkennung Bestandteil des Erwachsenwerdens.

Dies ist nicht neu und hat wohl jede Generation auf ihre Weise durchlebt.
Wenn jedoch ein eingeschlagener Weg perspektivlos scheint, Jugendliche sich missverstanden und vor allem ausgegrenzt fühlen, gibt es nebst der Einsicht aber eben auch den Protest - so etwa wie in den 68'ern.

Wenn wir in den Moscheen versuchen den Jugendlichen Ihre Rolle in der Gesellschaft aufzuzeigen und ihnen Perspektiven und Role Models vermitteln, dann steht diesem Bestreben jedoch u.a. auch ein teilweise ausgrenzender Alltag entgegen.

Die Jugendlichen lernen in der Schule über Toleranz und persönliche Freiheit in unserer Gesellschaft, merken dann aber bei der Stellensuche, dass Vieles diesem 'Eigenbild' nicht entspricht.

Wenn dann in einem rechtsfreien Raum das Erwachsensein, Freiheit sowie Verantwortlichkeit im Sinne von bewunderter Macht vorgegaukelt wird und dies durch pseudoreligiöse Verdrehungen als höchster gottgefälliger Life Style zum Nulltarif angepriesen wird, dann fallen einige darauf rein.

Nicht zu unterschätzen ist das zeitgleiche Predigen des Islam als unbarmherzige Kampfreligion in den Medien, das unserem Verständnis der letzten Offenbarung Gottes an die Menschheit diametral entgegensteht.
Was Scheich Youtube und Mufti Google hasspredigen, wird den Jugendlichen ebenso an jedem Kiosk angeboten - dieselbe kranke Ideologie.

Jugendliche, insbesondere wenn sie einer Minderheit angehören, brauchen statt Ausgrenzung und plakativer Blossstellung ('plötzlich' trug sie Kopftuch) die Unterstützung und den Schutz der tragenden Gesellschaftskräfte.
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
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