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Weltfrieden und Religion aus der Sicht des Islam

 
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Mi 25 Sep, 2013 13:19    Titel: Weltfrieden und Religion aus der Sicht des Islam

Bismillahir-Rahmanir-Rahim


Weltfrieden und Religion aus der Sicht des Islam

(10-minütige Gastrede des Vertreters der Muslime, Markus KLINKNER)


Sehr verehrte Gäste,


zuerst möchte ich mich bei den Veranstaltern bedanken, dass wir Muslime diesen Sonntagmorgen mit Ihnen verbringen dürfen und bedanke mich für Ihre Einladung - auch im Namen der ‚Vereinigung der islamischen Organisationen des Kanton Zürich’ von ganzem Herzen.

Es gibt wohl kaum ein umfassenderes Thema als den Weltfrieden oder eben, den Frieden auf der Welt. Lassen sie mich also als Muslim den Islam in Bezug auf den Weltfrieden etwas durchleuchten:

Der Name ‚Islam’, leitet sich direkt aus dem Stamm des Wortes ‚salam’ ab, was ‚Frieden’ bedeutet und Muslime grüssen sich weltweit mit ‚assalamu’alaikum’ was bedeutet ‚der Friede sei auf Dir’ und, freuen sich auf die Antwort ‚wa alaikum salam’ – also ‚und (auch) auf Dir sei der Friede’. Ein Grussform, die übrigens auch die arabischen Christen untereinander verwenden. Und im selben Sinne kennen Sie sicher auch das häbräische ‚shalom’.

Daher wünsche ich Ihnen gerne ‚assalamu’alaikum’.

‚Islam’, der Name meiner Religion, bedeutet vom Wortstamm her aber noch mehr, nämlich nebst ‚Frieden’ auch ‚Hingabe’. Daher verstehen wir ‚Islam’ als ‚die Religion und Lebensweise der Hingabe zum Frieden’ und ‚Friedensstiftens’.

In den islamischen Botschaften und Schriften – unserem ‚Kanon’ – dem ‚Koran’ (das Wort Gottes) und der ‚Sunnah’ (dies sind die persönlichen Aussprüche und Lebenshandlungen) des Propheten Muhammad (saw) werden die verschiedenen Bereiche der Friedensstiftung einzeln und sehr detailliert erklärt und zwar in all jenen Bereichen, die für den Menschen relevant sind.
Daher soll der Mensch mit sich selbst und Gott im Reinen sein. Dies ist die Basis um mit der Welt, die ihn umgibt im Frieden zu leben.
Dann, soll der Mensch Frieden mit seiner Familie und seinen Mitmenschen schliessen. Und schliesslich, im Frieden mit Gottes Schöpfung und der Umwelt leben.

Und, ein Mensch, der versucht Frieden zu verwirklichen heisst arabisch ‚Muslima’ bzw. ‚Muslim’.

Leider, ist der Mensch oft unwissend oder er vergisst als fehlbarer Mensch zu häufig, wozu er erschaffen wurde und wie er sich benehmen soll. Terror und anderes Unrecht können und dürfen nicht einer Religion angelastet werden.

Terror hat keine Religion.

Für die Friedenssicherung legt der Koran in aller Klarheit die selbstständige und freie Willensbildung des Menschen als Grundlage für Freiheit an und verbietet dadurch jeden „Zwang gegenüber der eigenen Überzeugung“.
Gottesdienstliche Handlung, die nicht durch eigenen freien Willen vollzogen werden - also durch Zwang entstehen - werden von Gott nicht angenommen.

Damit verbietet der Islam beispielsweise; Glaubenszwang, Repression oder Tyrannei und deren Ableitungen wie Rassismus oder Unterdrückung des jeweils anderen Geschlechts. Ein Beispiel das ich hier ad expressia nennen möchte ist, dass der Islam die Zwangsehe seit über 1400 Jahren klar verbietet und gerade – wie im Koran und der Sunna geboten - Gleichwertigkeit zwischen Mann und Frau, die Rechtspersönlichkeit von Mann und Frau und die wirtschaftliche Vollmündigkeit von Mann und Frau bis hin zum Scheidungsrecht gebietet.

Neben solchen friedenssichernden, persönlichen Geboten sind gesellschaftliche Gebote wie das Spenden an die Armen, der Schutz der Weisen, die Witwenfürsorge, oder die Verhältnismässigkeit in der Notwehr und vieles mehr - wie z.B. der erwähnte Frieden mit der Umwelt – einer jeden Muslima und jedem Muslim Pflicht; ebenso wie das friedliche Miteinander, auch zwischen den Religionen.

Damit ist der Frieden nicht nur im Sinne ‚keine Gewalt’, sondern auch der Frieden mit den Namen ‚Soziale Gerechtigkeit’, ‚Rechtsstaatlichkeit’ oder ‚Umweltschutz’ seit je her inhärentes Elemente der muslimischen Friedenspflicht.

So heisst es im Koran: ...denn Versöhnung ist das Beste. (4:128)

Und, da wir in einem mehrheitlich von Christen bewohnten Land sind, möchte ich im Speziellen folgendes aus dem Koran erwähnen:

Und streitet nicht mit Angehörigen der Schrift (gem. Christen und Juden); es sei denn am wohlgefälligsten (gem. mit Respekt und durch gute Argumente), außer mit diejenigen, die ungerecht sind. Und sprecht: Wir sind überzeugt von dem, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde; und unser Gott und euer Gott ist Einer; und Ihm sind wir ergeben.
(29:46)

Unser Prophet Muhammad (saw) hat gesagt:
Soll ich euch mitteilen, was noch besser ist als Fasten, Gebet und Almosen?
Es ist: Aussöhnung schaffen.
(Sunna - Abu Dawud, Tirmidhi)

Daher wundert es kaum, dass bei der Erarbeitung moderner Verfassungen, wie etwa diejenige der Vereinigten Staaten, die Verfassung von Medina herangezogen wurde.

Oder, ein schönes Beispiel einer friedlichen Welt, war das Licht der Freiheit, des Respekts und der Wissenschaft im muslimischen Spanien zwischen dem 8. und 15 Jhdt. Dies war nicht nur die Blüte der Philosophie und der respektvollen interreligiösen Harmonie, sondern brachte Europa die Renaissance, vermittelte die Grundlagen der Aufklärung und es entstanden die ersten wissenschaftlichen Universitäten. So entstand die erste Universität, wie wir sie heute kennen im 9 Jhdt. in Marokko, gegründet von einer Muslima – Prinzessin Fatima.

Zu den zahlreichen Belegen der Friedensstiftung durch die Religionen heutzutage zählen – um nur zwei konkrete Beispiele zu nennen – die Vermittlung der Katholiken (Sant Egidio Laienbewegung) zwischen Bürgerkriegsparteien in Mosambik. Nur diese Vermittlung führte zu einem Friedensvertrag. Oder, die Rolle der ruandischen Muslime, die dem Völkermord - mit Berufung auf den Koran - entsagten und christlichen Tutsi stattdessen Unterschlupf in ihren Moscheen gewährten.
Religion kann also eine aktive friedensfördernde Wirkung haben und dieses ‚Aussöhnung schaffen’, wie es der Prophet (saw) nannte, müssen WIR dem angelasteten Image der Religionen als Konfliktauslöser – Stichwort ‚Glaubenskriege’ – durch Wissen und Ermahnung entgegengehalten.

Der deutschsprachige ‚Rapper’ Amar 114 formulierte es etwas kürzer: „wir Muslime lieben den Frieden und wollen in Frieden leben“.
Damit bin ich ‚schon’ fast am Schluss angelangt und bitte Sie, lassen sie uns gemeinsam diese ‚aktive friedensfördernde Wirkung’ der Religionen zusammen und für den Weltfrieden – im Namen Gottes - entfalten.

Da, leider nur zu oft – ohne uns Muslime - über den Islam gesprochen wird, nehme ich die heutige Gelegenheit wahr Sie persönlich einzuladen ihre Fragen an uns zu stellen sowie mit uns Muslimen zu sprechen und besuchen Sie uns in unseren Moscheen, z.B. am 6. November am ‚Tag der offenen Moschee’.

Sie erreichen mich und die Vertreter der Zürcher Muslime ganz einfach über www.vioz.ch.

Herzlichen Dank
Assalamu’alaikum
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Do 26 Sep, 2013 11:04    Titel:

[center]
Bismillahir-Rahmanir-Rahim


Familien & Friedens Festival 2011

"Die Herausforderung des Erschaffens des Friedens"
(The Challenges of Peacebuilding)

(5-minütige Gastrede des Vertreters der Muslime, Markus KLINKNER, VIOZ)[/center]


Sehr verehrte Gäste,


zuerst möchte ich mich bei den Veranstaltern bedanken, dass wir Muslime diesen Sonntag mit Ihnen verbringen dürfen und bedanke mich für diese Einladung von ganzem Herzen, Frau Goya Ordonez-Cheytanov, bei Ihnen im Speziellen für Ihren unermüdlichen Einsatz für diese wichtige Sache.

Ich wünsche Ihnen allen inneren Frieden, dass Sie Zufriedenheit finden und diese in ihre Familien und Ihre Gemeinschaften einbringen und so zum Frieden auf der Welt den wichtigsten Beitrag leisten, nämlich Ihren - ‚assalamu’alaikum’ – der Friede sei auf Ihnen.

„The Challenges of Peacebuilding“ – also die Herausforderung des Erschaffens des Friedens - ist zuallererst eine persönliche Herausforderung, die dann in der Gemeinschaft und nur gemeinsam gemeistert werden kann.

Gott, Der uns erschaffen hat und uns daher am besten kennt, gab uns durch Seine Offenbarungen Wissen und zeigt uns auf, was die für uns beste Art zu Leben ist.

Die Familie, als Brücke zwischen der individuellen und gesellschaftlichen Ebene eignet sich als Beispiel um das Wissen um die Friedensstiftung und Erhaltung zu erkennen.

Frieden lässt sich in Bezug auf den Koran anhand folgender Grundlagen erreichen:

Erkennen dass unser Gegenüber ‚aus uns‘ erschaffen ist – Wir sollen erkennen, dass wir eine grosse Gemeinschaft von gleichwertigen Geschöpfen und miteinander verbunden sind – uns also nicht über andere Stellen oder uns einbilden, individuell unabhängig zu sein.
Wir sollen Ruhe bei einander finden, also gegenseitig ‚Ruhe‘ gewähren und ‚Liebe‘, ‚Barmherzigkeit‘ als Brücke zwischen den Menschen zulassen sowie Güte walten lassen indem man im Anderen das Gute sucht und Gutes zuteilwerden lässt.
Weiter werden auch Vertrauen, Gerechtigkeit und Ehrlichkeit genannt (Qur’an 75:37, Qur’an, 30:21, Qur'an, 2:231, Qur'an, 4:20).

Und schliesslich, so heisst es im Koran: „...denn Versöhnung ist das Beste. (Qur'an, 4:128) und unser Prophet Muhammad (saw) hat über den Stellenwert dieser Aussöhnung gesagt: „Soll ich euch mitteilen, was noch besser ist als Fasten, Gebet und Almosen? Es ist: Aussöhnung schaffen.“ (Sunna - Abu Dawud, Tirmidhi)

Wenn kein Friede herrscht, so liegt einer der Hauptgründe für Streit oft im Zwist über das ‚Rechthaben‘ oder in der Verletzung von Rechten.
Auch hier können wir von den Offenbarungen lernen, wenn wir erkennen, dass anstatt von Rechten vielmehr von Pflichten die Rede ist, was eine sehr viel klarere Lage schafft, da in jeder Pflicht das Recht eingebettet ist.
So beinhaltet beispielsweise die Führsorgepflicht der Eltern das Recht des Kindes.
Oder die Pflicht zur Abgabe ,eines Teils seines anvertrauten Vermögens, an Bedürftige (Zakah) das Recht der Bedürftigen.
Diese den Offenbarungen oft innenliegende Logik wird zunehmend auch in unseren menschlichen Legislativen erkannt, so dass viele neue Gesetze sinnvollerweise heute Pflichten beschreiben.

Peace Building sollte dieses Verständnis vermehrt nutzen, denn wo Pflichten vereinbart werden, ist das Recht i.d.R. auf der Gewinner Seite.

Um hierfür ein Beispiel zu geben und, um auf die friedensstifte Wirkung von Religion aufmerksam zu machen – und dies ist eine wichtige Aufgabe, da Religionen medial zu oft nur für Konflikte verantwortlich gemacht werden – sei das Beispiel der Türkei bzw. ihrer Regierung genannt, die am 28 August 2011 – also vor knapp 3 Wochen – aus ihrer muslimischen Pflicht heraus ‚Gerechtigkeit‘ walten zu lassen, die Enteignung von Eigentum der nicht-muslimischen Minderheiten in der Türkei unter Atatürk aufzuheben und den nicht-muslimischen Minderheiten ihr Eigentum zurückzugeben, wo dies nicht mehr möglich ist, sollen hierfür zum Marktpreis Entschädigungen in Milliardenhöhe entrichtet werden.

Damit bin ich ‚schon’ fast am Schluss angelangt und bitte Sie, lassen sie uns gemeinsam diese ‚aktive friedensfördernde Wirkung’ der Religionen zusammen und für den Weltfrieden – im Namen Gottes - entfalten.
Da, leider nur zu oft – ohne uns Muslime - über den Islam gesprochen wird, nehme ich die heutige Gelegenheit wahr, Sie persönlich einzuladen, ihre Fragen an uns zu stellen, sowie mit uns Muslimen zu sprechen und besuchen Sie uns in unseren Moscheen – wie würden uns freuen.
Sie erreichen mich und die Vertreter der Zürcher Muslime ganz einfach über www.vioz.ch.

Herzlichen Dank , Gott vergelt‘s
Assalamu’alaikum
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
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BeitragVerfasst am: Do 26 Sep, 2013 11:08    Titel:

Ist der Islam eine Religion des Friedens - friedensstiftend oder friedensvernichtend?
Resit TÜMEN, Bad Säckingen

Obwohl Gewalt in vielen Teilen der Welt zu finden ist, welche von Europa bis Arabien und in den pazifischen Raum reichen, bei welcher viele Religionsgemeinschaften und Kulturen eine maßgebende Rolle spielen, verbindet die westliche Welt, mehr als jede andere Religion, den Islam mit dem Szenarium der Gewalt. Jedenfalls nach dem 11. September steht diese Religion unter Generalverdacht und die islamische Welt unter zunehmendem Druck. In einer Mischung aus Hass, Wut und Ignoranz halten viele Menschen im Westen den Islam für eine friedenszerstörende Religion und Muslime für eine potenzielle Gefahr für die Allgemeinheit. Der geistige Berater des amerikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush, Frank Graham, nennt den Islam "eine richtig bösartige und verlogene Religion." Und die amerikanische Fernsehkommentatorin Ann Coulter mein: „Wir sollten in ihre Länder (muslimische Länder) einmarschieren, ihre Führer totschlagen und die Bevölkerung zum Christentum bekehren.“

Warum hegen diese Leute solch schwere Abneigung gegenüber dem Islam?
Es ist heute schwierig über Frieden zu sprechen und Friedensbilder zu malen, heute in einer Welt, wo ungerechtfertigtes Töten Tradition geworden ist und im Namen der Religion Gotteshäuser verbrannt werden, die - einer anderen Religionsgemeinschaft gehören.
Ich werde im Ansatz versuchen mit diesem Essay die Frage zu beantworten, ob der Islam eine Friedensreligion ist oder gar den Frieden zerstört und es gar unmöglich macht, eine friedliche Koexistenz der verschiedenen Religionsgemeinschaften zu gewährleisten.

"Ein Muslim ist jemand, vor dessen Zunge und Hand man sicher ist" (Sahih Al-Buharyy). So forderte der Prophet Mohammed, wie in vielen weiteren seiner Aussprüchen, die Ummah (Gemeinschaft) auf, friedensstiftend zu wirken und gutmütig zu handeln. Doch warum kommt es immer wieder zu ausgeübter Gewaltbereitschaft einiger Muslime? Warum kommt es immer wieder zu sogenannten Ehrenmorden? Kann man diese Übeltaten religiös legitimieren?

In den Medien wird immer eine einseitige Sicht der Geschehnisse vermittelt, nämlich, dass die Muslime dem Westen den Krieg erklärt haben und gegen ihn zu agieren, eine religiöse Pflicht sei und alle Nichtmuslime als Ungläubige zu betrachten seien. Diese Sichtwird durch mancherlei terroristische Aktivitäten offenbar bestätigt. Eine andere unilaterale Sicht ist, dass Armut, soziale Verhältnisse, Frustrationen und Ungerechtigkeiten, zu Gewaltbereitschaften führt, die sich in den Köpfen junger Muslime entwickelt und tatsächlich friedensvernichtend wirken. Doch beide Sichten geben kein korrektes Gesamtbild wieder.
Es ist Tatsache, dass der Islam instrumentalisiert wird und manche gewaltorientierte „Gläubige“ unter dem Vorwand der Religiosität eine Politik der Polarisierung und des Terrors anstreben, die in dieser Form religiös niemals legitimiert werden kann. Denn Gott sagt im Koran: „Wahrlich, Gott liebt nicht die Verbreiter von Verderbnis“ (Sure 28/Vers77).
Desweiteren im 32. Vers der Sure al-Ma'ida (32) erklärt Allah, dass, wenn jemand einen Menschen ungerechtfertigt tötet, es so ist, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Jeder Mord ist eine völlige Missachtung der moralischen Lehre des Korans und ist nicht mit der Botschaft vereinbar, die der Prophet Mohammed vermittelt hat. Unrechte Gewalt ist nie religiös. „Es gibt keinen islamischen Terrorismus, so wie der Terrorismus der nordirischen IRA nie christlich oder katholisch war. Wer sich als Terrorist teuflischer Methoden bedient, kann sich nicht auf Gott berufen. Es gibt lediglich, einen islamisch maskierten Terrorismus, und der führt, wie christlich und demokratisch maskierte Angriffskriege, nicht ins Paradies, sondern in die Hölle.“ Gewalt ist kein religiöses Problem. Der Mensch mordete bevor es Religionen gab. Die Deportation von Juden in der NS-Zeit und die ethnische Säuberung Palästinas sind historische Fakten und Hinweis darauf, dass der Mensch mit oder ohne Religion, das erbarmungsloseste Geschöpf ist. Mit allen Mitteln müssen wir gemeinsam gegen diesen maskierten Terrorismus agieren und nur gemeinsam können wir schaffen, ihn zu besiegen. Die Muslime müssen sich wie ihr Prophet, für einen Islam der Toleranz einsetzen und die Religion als eine wertvolle zivilgesellschaftliche Ressource anwenden. Es wird berichtet, dass der Prophet gesagt hat: „Der beste Muslim ist derjenige, der den Menschen am nützlichsten ist“. Diese Aussage des Propheten Mohammeds ist eine deutliche Forderung an die Muslime, zivilgesellschaftlich zu arbeiten und sich für das Gemeinwohl zu engagieren. Dies ist nur ein Argument dafür, dass der Islam als Katalysator dient, im Kampf gegen Gewalt, Fanatismus, Bosheit, Neid und Fundamentalismus zum Einsatz zu bringen ist. In einem weiteren Hadith, sagt der Prophet: "Wenn einer mit dir den Kontakt bricht, erhalte ihn dennoch aufrecht; wenn jemand dir gegenüber grausam ist, vergebe ihm; wenn jemand boshaft zu dir ist, erwidere ihm in gütlicher Weise." Der Islam ist keine despotische oder absolutistische Weltsicht und kann, daher auch nicht mit irgendeiner Ideologie gleichgesetzt werden, denn einzig und allein Gott ist absolut und kein menschliches Verständnis Seiner Weisungen.

Aber wann kann man Gewalt anwenden, wann ist es zulässig Gewalt zu rechtfertigen? Diese Seite, ist die Kehrseite der Medaille der ganzen Geschichte. Es gibt Gewalt legitimierende Passagen, die von Extremisten benutzt werden, um in Selbstermächtigung andere mit Gewalt zu überziehen. Doch wenn man den historischen Kontext mit einbezieht, stellen diese Passagen immer noch uneingeschränkte Gewalt legitimierende dar?

Um diese Problematik anschaulich darzustellen, zitiere ich verschiedene Koranverse , die gerne von Nichtmuslime in der Öffentlichkeit artikuliert werden, die sehr undifferenziert betrachtet, eine Legitimation unrechtmässiger Gewalt darstellen.
„Ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie finden mögt.“ . Dieser Vers wird am häufigsten in westlichen Medien herangezogen und als eine Aufforderung zur völligen Vernichtung der Nichtmuslime bezeichnet. Doch bei solchen Versen muss der historische Kontext mitberücksichtigt werden. Dieser Vers gilt nur im Zusammenhang mit einer Kampfhandlung, die bereits im Gange ist und ist keine Legitimation Andersgläubige willkürlich „auf dem Pfad Gottes“ zu töten. Ferner werden auch Studien herangezogen, die behaupten, dass mit zunehmender Religiosität die Gewaltbereitschaft der Muslime zunimmt. Leider ergibt sich aus den Berichten nicht, wie das Merkmal Religiosität in der Studie operationalisiert bzw. gemessen wurde. Höchstwahrscheinlich beruhen solche Studien auf Selbsteinstufung der Probanden, so dass ein umgekehrter Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden kann. Die „Kraftausübung“ im Islam wird im Koran und der Sunna (Gepflogenheitend des Propheten) speziell behandelt. Es ist vorteilhaft einige Aspekte zu erwähnen. Im Islam ist Krieg nur als Selbstverteidigung erlaubt und nur in Grenzen zu führen, um Frieden und Freiheit im vollen Maße wiederherzustellen. Es dürfen auf keinen Fall Frauen, Kinder und alte oder schwache Menschen angetastet werden. Bäume, Äcker und Ressourcen unter anderem dürfen nicht zerstört werden. Ein Friedensausruf darf unter keinen Umständen verweigert werden, wenn der Feind sich ergibt. Wenn wir das islamische Kriegsrecht ernst nehmen, gilt ein Krieg in unserer Zeit, der willkürlich Menschen tötet, Frauen und Kinder massakriert, um den Kriegsherren Zugang zu den Bodenschätzen in fremden Gebieten verschaffen, als strikt verboten. Als Abu Bakr, der zweite Kalif, das islamische Heer in den Kampf entsandte, gab er dem Armeeführer folgenden Befehl mit auf den Weg: „ Begeht keinen Verrat und weicht nicht vom rechten Weg ab. Auch sollt ihr Kinder, alte Menschen und Frauen weder verletzten noch töten. Zerstört oder verbrennt keine Palmen und fällt keine Obstbäume. Schlachtet weder Schaf noch andere Herden oder Kamele, es sei denn zu eurer Nahrung. Wenn ihr bei Mönchen vorbeikommt, die sich dem Klosterleben gelobt haben, so überlasst sie dem Leben, dem sie sich hingegeben haben.“5
Ohne Übertreibung, kann behauptet werden, dass diese koranische Bestimmungen des Kriegsrechts, die im Koran und der Sunna zu finden sind, seinesgleichen auf der Welt - dazumals und selbst heute noch - sucht. Überdies, der von den Islamophobisten meist zitierte Vers kommt in der Sure 8 vor. „Und kämpft gegen sie, bis es keine Unterdrückung mehr gibt und alle Anbetung Gott allein gewidmet ist.“ Nach einer anderen Übersetzungsversion, die gerne bevorzugt wird, steht an der Stellt Unterdrückung „Verführung zum Unglauben“.
Doch wiederum betont diese Passage die Selbstverteidigung, als die einzige Rechtfertigung für Krieg, bis Gott ohne Furcht vor Verfolgung angebetet werden kann und niemand gezwungen ist, sich in Ehrfrucht vor einem anderen Menschen zu verbeugen. Auch wenn die Gläubigen aufgefordert sind, sich zu verteidigen, müssen sie sich wie bereits erwähnt, aller Gräueltaten, das Töten von Nichtkombattanten eingeschlossen, enthalten. Weil wir heute in einem Land leben, wo Sicherheit und Religionsfreiheit herrscht, können sich Gläubige Gott allein widmen, ohne dafür um Erlaubnis bitten oder Verfolgung fürchten zu müssen, und somit hat obiger Vers unter diesen Umständen keinerlei Umsetzungsrelevanz.

Basierend auf das Missverständnis einiger Verse, wird außerdem das Wort „Djihad“, welches immer noch gerne mit „heiliger Krieg“ übersetzt wird, missinterpretiert.
Das Wort „heiliger Krieg“ ist kein koranischer Begriff. Wenn jemand, jemals den Koran vollständig gelesen hat, würde unmittelbar merken, dass das Wort „heiliger Krieg“ im Koran überhaupt nicht auftaucht. Der Krieg ist eine manchmal erforderliche und notwendige Aktion in der Geschichte der Menschheit, welche von Gott und seinem Gesandten niemals heilig gesprochen wurde. Kriege sind nie heilig. Wie kann ein Krieg heilig sein, wo Menschen deportiert und massakriert werden?
Der Begriff „Heiliger Krieg“ kommt aus der Zeit der Kreuzzüge und wurde vermutlich von den Kreuzrittern benutzt, um ihre Expansionsstrategie göttlich zu legitimieren. Doch was heißt eigentlich „Djihad“?
Die wörtliche Bedeutung des Wortes „Djihad“ ist Kampf. Abgeleitet von seinem Stammwort, bedeutet es, sich anstrengen, bemühen. In einer Überlieferung Prophet Mohammeds erklärte er, dass der größte „Djihad“ eines Individuums der ständige Kampf gegen sein eigenes niederes Selbst ist. Das niedere Selbst umfasst alle destruktiven und negativen Eigenschaften einer Person. Der Muslim hat die wichtige Aufgabe, allen schlechten Eigenschaften des Egos mit Kraftaufwand entgegenzuwirken. Nicht nur schlechten Eigenschaften hat er entgegenzuwirken, sondern er muss sich auch anstrengen (Djihad), positive Eigenschaften sich anzueignen. Im Grunde besteht das ganze Leben eines Muslims nur aus „Djihad“. Denn er ist im ständigen Kampf, hat sich ständig gewaltig zu bemühen ein guter Gläubiger zu sein, der schlechte Attribute, mit positiven Eigenschaften ersetzt. Abgesehen von diesen geistlichen Bedeutungen, wird auch Kampf im Sinne eines militärischen Feldzugs als „Djihad“ bezeichnet. Doch, wie schon viele Male erwähnt, darf ein Krieg nur zum Verteidigungszweck gegen jegliches Unrecht geführt werden.

Der berühmte Islamwissenschaftler Mustafa Islamoglu definiert „Djihad“ wie folgt: „Djihad ist nichts anderes als die Aufhebung der Barriere zwischen den Menschen und dem Islam.“ Das heißt, der Mensch nähert sich Gott an, der sich anschließend von Lichte Gottes leiten lässt.

Der Islam verurteilt sowohl die Gewalt der Diktatoren, als auch die terroristischen Aktivitäten jeglicher Terrororganisation. Jeder Mensch besitzt einGewaltpotenzial, das sich ganz plötzlich entfalten kann, auch mit oder ohne transzendente, religiöse Ausrichtung. Jeder ist mit negativen Antrieben ausgestattet. Gleichzeitig versucht der Mensch nach Frieden und Konfliktlosigkeit zu streben. Auch wenn manchmal einiger dieser Ziele ein Trade-Off darstellen, muss der Mensch und erst recht ein Muslim, stets nach Güte und Versöhnung trachten. Die Zugangsmöglichkeiten aller Menschen zu Bildung und die Realisierung eines tugendhaften, menschenwürdigen Lebens sind die wichtigsten Schritte zu einem möglichst friedlichen Leben. „Friede sei mit euch“ ist der traditionelle Gruß der Muslime. Damit grüßte Prophet Muhammed sowohl die Muslime, als auch die Nichtmuslime. Der Islam, jedenfalls in seiner Ursprünglichkeit, ist friedensstiftend und stets der natürliche Feind jeglichen Unfriedens und aller Unruhestifter.
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Wassalam
M.M. Hanel
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