Schweizer Muslime Online - GSIW Forum werbefrei Foren-Übersicht Schweizer Muslime Online - GSIW Forum werbefrei
Öffentliche muslimische Meinungsbildung zu Islam relevanten Themen in der Schweiz
 
 StartseiteStartseite   FAQFAQ   ShopsShops   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Private NachrichtenPrivate Nachrichten   LoginLogin 

Tariq RAMADAN über MURSI, ERDOGAN & Co

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Schweizer Muslime Online - GSIW Forum werbefrei Foren-Übersicht -> ARTIKEL & AUFSÄTZE
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
M.M.Hanel
Administrator


Anmeldedatum: 16.07.2010
Beiträge: 502
Wohnort: Schweiz




BeitragVerfasst am: Di 01 Okt, 2013 12:29    Titel: Tariq RAMADAN über MURSI, ERDOGAN & Co

http://dtj-online.de/tariq-ramadan-mursi-erdogan-arabischer-fruehling-10862


Tariq Ramadan über Mursi, Erdoğan und den Arabischen Frühling

In einem Interview mit der türkischen Tageszeitung Habertürk äußert sich Tariq Ramadan ausführlich zu dem ägyptischen Putsch, die Rolle von westlichen Staaten und warum er das Angebot, bei der Regierungsbildung mitzuwirken, abgelehnt hat. (Foto: rtr)
Von DTJ-ONLINE | 30.09.2013 12:41

Die Muslimbruderschaft hat es in Ägypten nicht geschafft, sich an der Macht zu halten. Die AKP regiert in der Türkei seit über einem Jahrzehnt. Doch in letzter Zeit häuft sich die Kritik, die sich insbesondere auf Premierminister Erdoğan konzentriert. Heute stellte er das Demokratiepaket vor, mit dem er seine Kritiker besänftigen will. Der Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan (Foto) spricht über die Lage in Kairo und Ankara und die Rolle des Westens in der Islamischen Welt.

In muslimischen Ländern kann sich die Demokratie nicht richtig etablieren. Sind Islam und Demokratie unvereinbar?

Wir müssen die Debatte über die Theorie von ihren Auswirkungen auf die Praxis getrennt betrachten. Nach Auffassung des Islam steht die Autorität der religiösen Persönlichkeiten nicht über der Autorität des Staates. Das sind zwei unterschiedliche Bereiche. Daher handelt es sich nicht um ein Grundsatzproblem. Wir müssen eigene Demokratiemodelle finden.

Also herrscht das Problem in der Praxis...

Wenn man versucht, wie im Irak eine westliche Demokratie aufzuzwingen, funktioniert das nicht. Man muss sie in die Kultur und Geschichte integrieren. Das Problem liegt nicht an der Unvereinbarkeit des Islam mit der Demokratie, sondern eher an der postkolonialen Tatsache des Militärs und der wirtschaftliche Entgleisung. Das ist es, was wir in Ägypten erleben...

Sie kommen aus einer Familie, die zu den Gründern der Muslimbruderschaft gehört. Wie sieht Ihre Haltung zum Putsch aus?


Ich war von Anfang an gegen die Idee des Arabischen Frühlings. Es gibt seit 2003 eine Strategie, die zuerst im Irak umgesetzt wurde. Die Demokratisierungsrhetorik von G.W. Bush bedeutet eigentlich Destabilisierung. Ihre Protagonisten setzen das auf drei Wegen um: Sie kontrollieren den Zugang zu Energiequellen wie Öl und Erdgas, indem sie das politische System zerstören. Dabei halten sie ihre schützende Hand über Katar und Saudi Arabien. Zweitens: Mit der Destabilisierung der Region schützen sie Israel und erleichtern somit die Besetzung der West Bank. Während des ganzen Prozesses wurden die Palästinenser ganz vergessen. An dritter Stelle kommt die wirtschaftliche Dimension, über die man nicht ausreichend diskutiert: Nachdem die Region politisch destabilisiert wurde, werden ihr Förderprogramme der IWF und Weltbank aufgezwungen. Dieser Prozess begann bereits im Jahr 2003. Nun sehen wir demonstrierende Menschen in Tunesien und Ägypten. Um es offen auszusprechen: Ich habe Zweifel darüber, ob wir uns auf dem Pfad der Demokratie befinden.

Und was ist mit dem zivilen Charakter der Proteste? Gehen Menschen nicht aus freiem Willen auf die Straße?


Die Leute, welche über das Freedom House und Albert Einstein Institut die Menschen in den sozialen Netzwerken anleiten, kommen aus staatlichen Einrichtungen. Die US-Regierung hat zugegeben, dass sie im vergangenen Sommer Blogger aus Syrien ausgebildet hat. Außerdem hat sie die Steuerung von 13 Millionen Menschen, welche sich vor dem 30. Juni an den Protesten beteiligt haben, eingestanden. Fazit: Es ist nicht schwer, Menschen auf die Straße zu locken.

Sie behaupten also, dass alles im Voraus geplant wurde?


Vor zwei Jahren habe ich der Muslimbruderschaft gesagt, dass dies eine Falle ist und sie bei den Wahlen nicht mitwirken sollten. Ich sagte ihnen: „Geht einen Schritt zurück und positioniert euch, falls möglich, als Gegenkraft“. Zuvor hat der Westen den Hamas-Sieg auf dem Wege der Wahlen unterstützt. Doch als sie an die Macht kam, wurde sie mit der Aussage ‚Schaut euch diese Terroristen an‘ zur Zielscheibe erklärt. Transparenz und Demokratie reichen nicht. Man muss auch darauf achten, vom wem die Steuerung ausgeht. Mein Großvater hat zwar die Muslimbruderschaft gegründet, doch von Beginn an habe ich eine kritische Haltung gegenüber der Bewegung eingenommen. Sie haben zahlreiche Fehler gemacht.

„Nach dem Gespräch war ich enttäuscht von Mursi“

Welche Fehler hat Mursi gemacht?

Sein erster Fehler war die Teilnahme an den Wahlen. Vor den Wahlen traf ich mich mit Mursi an der Oxford Universität. Von seinen Antworten war ich enttäuscht. Er verteidigte immer noch die alte Rhetorik und führte die Scharia als Referenz an. Als ich fragte, welche Folgen das für die Praxis hat und ob es einen zivilen Staat geben soll, konnte er keine klare Antwort geben.

Hatte er in der Frage „Scharia und Demokratie“ keine klaren Vorstellungen?


In der Frage, welche Schritte und Maßnahmen mit welcher Priorität zu gehen seien, war er verwirrt. Doch das war lange vor den Wahlen.

Und seine späteren Fehler?

Nach der Machtübernahme hat er es nicht verstanden, dass er keine Bewegung, sondern einen Staat führt. Er hätte seine Arme den Säkularisten, Kopten und Frauen öffnen müssen und keinen Machtkampf mit Militärs eingehen dürfen. Zudem war er zu naiv. Das Militär befand sich immer im Vordergrund. Ich bekam eine Einladung, mich an der Regierung zu beteiligen, doch wurde ich davor gewarnt: „Geh auf keinen Fall dort hin, das Land wird immer noch vom Militär kontrolliert.“

Wer hat Sie gewarnt?

Sowohl die Schweizer Regierung als auch Berater von Sarkozy. Die sogenannte Revolution war eigentlich ein Putsch der Mubarak-Gegner-Fraktion im Militär. Nachdem Tantawi Mubarak gestürzt hatte, folgte Sisi. Sisi ist ja nicht vom Himmel gefallen. Er ist in den USA ausgebildet und hat zudem gute Kontakte zu Israel. 3-4 Monate vor dem 30. Juni hat man die Strom- und Erdölzufuhr ausgesetzt - einen Tag nach den Protesten wurde sie wieder fortgesetzt! Das Ziel war, Mursi in eine schwierige Situation zu versetzen. Menschen sind auf die Straßen gegangen, um gegen die Scharia zu protestieren. Wer wollte denn die Scharia? Die Salafisten. Wer steckt hinter den Salafisten? Saudi-Arabien. Wer steckt hinter Saudi-Arabien? Natürlich die Amerikaner!

Ist es aber nicht etwas zu oberflächlich alles über den Konfessionskonflikt zu erklären?

Ja, auf jeden Fall ist es oberflächlich, doch es funktioniert! Assad ist ein Diktator und er muss gestürzt werden. Doch jeder neigt dazu, dies mit Konfessionsunterschieden zu erklären. Der Iran, die Hisbollah und Syrien auf der einen Seite und die Saudis, Katarer, Ägypten und Türkei auf der anderen Seite...

Über eine Intervention in Syrien wird diskutiert...

Ob eine Intervention stattfinden wird, bin ich mir nicht sicher - es könnte eine Inszenierung sein, um Zeit zu gewinnen. Wenn es tatsächlich eine Intervention geben sollte, könnte dies das Militär in eine schwierige Lage bringen und Assad schwächen. Ich glaube nicht, dass sie das tun werden.

Wird das Chaos zunehmen?

Zwischen den angeblich unversöhnlichen Lagern EU und USA auf der einen und Russland und China auf der anderen Seite herrscht „Einigkeit darüber, sich nicht zu einigen“. Bis vor acht Monaten sahen sie Assad nicht als Feind. In den letzten 40 Jahren haben weder Assad noch sein Vater gegen Israel gehandelt. Assad war für sie der perfekte Feind: Wortstark, doch wenn es darauf ankommt, zu handeln, passiert nichts. Acht Monate lang haben sie Assad gedrängt, Reformen durchzuführen. Alles, was momentan in Syrien passiert, hat mit Ägypten zu tun. Die bis zum Tode opferbereite Opposition in Syrien sind die syrischen Muslimbrüder.

Was ist mit der Al-Qaida?

Die Salafisten und Radikalen haben sich erst später angeschlossen. Mit ihnen hat man versucht, die Islamisten zu schwächen. Vor zwei Wochen haben wir anhand eines Berichts in Le Figaro erfahren, dass Militärausbilder aus USA, Israel und dem Libanon oppositionelle Kräfte in Syrien ausbilden. Während sie die Muslimbruderschaft schwächen, unterstützen sie radikale Kräfte, um eine neue Opposition zu schaffen. Sie versuchen, die Islamisten zu spalten, um eine Opposition zu schaffen, die den Interessen der USA, Israels und der EU dient.

Ist es denn tatsächlich möglich, solch eine Opposition zu schaffen?


Nein, natürlich nicht. In Libyen haben sie so eine Opposition gebildet – und was ist passiert? Wer alles befand sich denn in der Übergangsregierung Libyens? Der französische Philosoph Bernand Henry Levi hat mit der Unterstützung von Sarkozy und den USA diese Gruppe gegründet. Das zeigt doch nur, dass alles von hinter den Kulissen gelenkt wird.

Apropos Henry Levi. Der türkische Ministerpräsident Erdoğan behauptete, dass Levi auch hinter dem Putsch in Ägypten stünde und musste dafür viel Kritik einstecken. Glauben Sie, dass er dabei eine Rolle gespielt haben könnte?

Ich glaube nicht, dass dies hinter den Kulissen geschieht, da er es ganz offen unterstützt. Welches Land hat dem ägyptischen Militär das Versprechen, "Wenn Ihr einen Putsch verwirklicht, wird die USA die finanzielle Unterstützung nicht einstellen", gegeben? Natürlich Israel und die Araber! Sie können zwar einen kleinen Angriff auf Syrien verwirklichen, doch das beste Szenario für die USA ist die Fortsetzung des internen Konflikts.

Was für eine Zukunft erwartet die Muslimbruderschaft? Ist der Islamismus überholt?

Es gibt einige Denker, die behaupten, dass der Islamismus am Ende sei. Ich bin nicht dieser Meinung. Auch wenn die Menschen zweifeln, haben sie immer noch eine große politische Macht. Der Islamismus nähert sich nicht dem Ende, doch benötigt er eine tiefe Hinterfragung. Der politische Islam muss weniger politisch, mehr ethisch sein. Die Intellektuellen und Politiker haben keine Vision.

Hat der Westen die Muslimbruderschaft abgeschrieben?

Einige Tage vor dem Putsch dachte Mursi, dass die USA ihn unterstützen würden - doch die USA haben die Muslimbruderschaft nie unterstützt. Sie wollen auf lange Sicht keine Islamisten. Sie nutzen sie kurzfristig und achten eigentliche auf die Interessen Israels. Für Israel ist Muslimbruderschaft gleich Hamas. Hamas bedeutet Widerstand. Und um den Widerstand zu beseitigen, haben sie erst Mubarak, dann Sisi unterstützt.

Der Westen unterstützte lange den moderaten Islam und die Türkei wurde als Vorbild gezeigt. Ist jetzt auch damit Schluss?


Dass die AKP sich nicht als Islamisten, sondern als muslimische Demokraten bezeichnen, war eine neue Rhetorik. Erdoğan hat die Wirtschaft gestärkt und entwickelte seine eigene Strategie, um den Status quo zu verändern. Mit Israel hat er Beziehungen aufgebaut und sich die „Null-Probleme-Politik“ an den Landesgrenzen angeeignet. Er hat zwar versucht, in die EU einzutreten, doch wurde die Türkei abgelehnt, weil sie ein muslimisches Land ist. Daraufhin wandte er seinen Blick in den Osten und Süden. Dann haben sie erst verstanden, dass sie es auch mit ihm aufnehmen sollten.

Wie blicken Sie jetzt auf die Türkei?


Es ist nicht zu leugnen, dass die AKP-Regierung in der In-und Außenpolitik ziemlich klug vorgeht. Sie hat es geschafft, mit dem Militär abzurechnen. Dennoch antworte ich auf Fragen, ob ich die Türkei als Modell zu sehen ist, mit Vorsicht. Denn es herrschen interne Probleme mit Blick auf persönliche Freiheiten, Meinungsfreiheit und die Unabhängigkeit der Medien. Erdoğan sagte einst zu Mubarak „Das Leben ist vergänglich, unser Dasein ist befristet“. Jetzt wird in der Türkei das Präsidialsystem diskutiert. Nach 12 Jahren des Transformationsprozesses muss Erdoğan sich eingestehen, dass es nun an der Zeit ist, zu gehen.

Von der ‚Null-Problem-Politik’ sind wir an die ‚wertvolle Einsamkeit’ gelangt. Wie sehen Sie die türkische Außenpolitik?

Die enge Beziehung mit der EU war sehr klug. Gegen das Militär haben sie auf die EU-Karte gesetzt. Und gegen die EU haben sie den Zug mit China, Indien und Afrika gemacht. Die Null-Problem-Politik an den Grenzen war ebenfalls sehr intelligent. Doch aufgrund der Entwicklungen in der Region war dies keine realistische Strategie.

Wurden keine Fehler gemacht?


Nein, es war unmöglich, solch eine Politik zu verwirklichen. Wie können Sie eine konfliktfreie Zone bilden, während der ganze Nahe Osten destabilisiert wird?

Quelle: Haberturk.com


------
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
Nach oben
M.M.Hanel
Administrator


Anmeldedatum: 16.07.2010
Beiträge: 502
Wohnort: Schweiz




BeitragVerfasst am: Fr 04 Okt, 2013 09:28    Titel:

Islam in Europa: Ein Botschafter zwischen Ein- und Zweideutigkeit

Der Genfer Autor und Starredner Tariq Ramadan polarisiert – und spaltet auch die reformwilligen Muslime

Von Beat Stauffer

Er in der muslimischen Welt der weitaus bekannteste Schweizer Intellektuelle – und er polarisiert: Tariq Ramadan (47). Das liegt an seiner charismatischen und eigenwilligen Persönlichkeit, vor allem aber an seinem Lebensprojekt: Eine Annäherung des Islam an europäische Grundwerte zu suchen, ohne aber auch nur ein Jota islamischer Identität aufzugeben.

http://www.onlinereports.ch/News.109+M5550f267b7c.0.html



"Der Islam ist eine europäische Religion, ob euch das gefällt oder nicht"
http://derstandard.at/?url=/?id=2826527

Wien - "Der Islam ist eine europäische Religion, ob euch das gefällt oder nicht", sagt der umstrittene Islamwissenschafter Tariq Ramadan im Standard-Interview. Christen wie Muslime in Europa müssten diese Realität gemeinsam akzeptieren.



Die Welt
18. Dezember 2007, 04:00 Uhr
Von Tariq Ramadan

Unrecht im Namen des Propheten

Die gemäßigten Muslime schweigen nicht - Eine Antwort auf Ayaan Hirsi Ali

http://www.welt.de/welt_print/article1472495/Unrecht_im_Namen_des_Propheten.html



Mittwoch 16.01.2008
Die Freunde und die Feinde des Islams
Tariq Ramadan debattiert mit Marine Le Pen…Von Jörg Lau | 10:55

http://blog.zeit.de/joerglau/2008/01/16/tariq-ramadan-debattiert-mit-marine-le-pen_979

… und beide müssen sich dafür rechtfertigen: Ramadan wurde von islamischer Seite unterstellt, er begebe sich in einen Klub, wo “Alkohol in Strömen fliesse” - Le Pen wurde in rechtsradikalen Kreisen unterstellt, sie mache den “Agenten der Islamisierung Frankreichs” hoffähig. Ramadan verteidigt sich hier auf seinem Blog.

Le Pen ist die Tochter des Parteigründers des Front National und seine wahrscheinliche politische Erbin als Parteiführerin.

Le Pen stellte den drohenden europäischen “Identitätsverlust” in den Vordergrund. Sie gestand die Diskriminierung muslimischer Einwanderer am französischen Arbeistmarkt ein und schlug als Lösung vor, die Töchter eben nicht Fatima zu nennen, sondern ihnen französische Namen zu geben.

Ramadan gerierte sich als Verteidiger genuin europäischer Werte, indem er für die Rechte der Einwanderer eintrat:

“We need to stop Islamizing the problem, and we need to stop talking about minorities,” he said. “I tell Muslims: You are not a minority, you are citizens. You can have a different culture and a different name and still adhere to the same laws and democratic values.”

Eine interessante Pointe: Der Gottseibeiuns der französischen Islam-Debatte wehrt sich gegen die “Islamisierung” des Problems und wird zum Fürsprecher demokratischer Werte.

Zum Kopftuch an französischen Schulen sagte er folgendes: “It’s against human rights to ban it; it’s against Islam to impose it.” Das ist eine vernünftige Position.

Hier der Bericht der Herald Tribune.
Hier ein Interview beider Beteiligter mit der Tribune de Geneve.



Umstrittener Vordenker des Islam
http://www.dradio.de:80/dkultur/sendungen/kritik/840674/

Nina zu Fürstenberg: "Wer hat Angst vor Tariq Ramadan?", Herder-Verlag, Freiburg i. Br. 2008, 192 Seiten
Der Philosoph und Islamwissenschaftler Tariq Ramadan gilt als umstrittene Persönlichkeit. Für viele ist er ein Hoffnungsträger für die Anpassung des Islam an die europäische Gesellschaft, anderen dagegen ein Wolf im Schafspelz mit dem Ziel der Islamisierung Europas. Die Autorin Nina zu Fürstenberg bietet eine gute Einführung in seine Thesen und in die Diskussion um einen europäischen Islam.

Um es vorwegzunehmen: Angst braucht niemand zu haben vor Tariq Ramadan. Der 46-jährige gebürtige Schweizer mit ägyptischen Wurzeln ist kein Anführer einer militanten Terrororganisation. Vielmehr ist er ein Intellektueller, dessen Waffe das geschliffene Wort ist. Seit vielen Jahren ist diese charismatische Persönlichkeit umstritten.

Das amerikanische "Time"-Magazin beispielsweise hat ihn zu einem der wichtigsten Persönlichkeiten unserer Zeit erkoren. Andere misstrauen ihm und werfen ihm eine Islamisierung des Westens vor. Woher kommt also dieser Widerspruch?

Das Verdienst der Autorin Nina zu Fürstenberg ist es, dieses Dilemma in ihrem jetzt erschienen Buch dem Leser nahe zu bringen. Sie fasst die Diskussionen um den muslimischen Vordenker zusammen und stellt ihn und seine umstrittenen Thesen vor.

Dazu geht sie zurück zur Herkunft von Ramadan. Denn das Misstrauen vieler Gegner liegt in der Herkunft Tariq Ramadans begründet. Er ist der Enkel des Gründers der strengkonservativen ägyptischen Muslimbrüder, Hassan al-Banna. Ramadan wehrt sich jedoch vehement gegen diese Vereinahmung und bringt zum Ausdruck, dass er sich von den Ansichten seines Großvaters distanziert.

Zum anderen sind es Ramadans Thesen für die Errichtung eines europäischen Islam, die ihm nicht nur Anhänger, sondern auch viele Gegner im eigenen Lager bescheren. Im Gegensatz zu vielen liberalen muslimischen Intellektuellen vertritt Ramadan konservative Ansichten. Er möchte zurück zu den Quellen des Islam, zu Koran und Sunna, der Tradition des Propheten, um diese neu und zeitgemäß zu interpretieren.

Seiner Ansicht nach sind alle Ansätze für eine Erneuerung des Islam im Koran enthalten. Dies unterscheidet ihn nicht von anderen konservativen Denkern. Doch auch hier findet er seine Gegner, da er vielen wiederum zu liberal ist.

Denn in wichtigen Fragen hat er eine dezidierte Meinung. Er möchte Körperstrafen aussetzen, den "Idschdihad", das freie Denken, wieder einführen, und die "Scharia", das islamische Recht, durch eine innerislamische Debatte erneuern und von dem Ballast, der sich über Jahrhundert angesammelt hat, loswerden.

Zudem hat er das traditionelle Konzept des "Dar al-Harb", das "Gebiet des Krieges", durch das "Gebiet des Zeugnisses", des "dar as-Shahada", ersetzt. "Dar al-Harb" wurde durch die islamischen Rechtsgelehrten im Mittelalter erfunden und bezeichnete jene Länder, die nicht unter muslimischer Dominanz standen. Für Muslime war es verpönt, sich dort aufzuhalten, da sie ihren Glauben nicht vorschriftsgemäß ausüben konnten.

Bis heute prägt dieser Begriff das Selbstverständnis der Muslime im Westen. Tariq Ramadan bezeichnet diese Gebiete als "Ort der Zeugnisablegung" für die Muslime, in dem sie ihren Glauben und ihre Prinzipien leben können. Damit gibt er wahrscheinlich den wichtigsten Anstoß für die Integration der Muslime im Westen.

Auch wenn man mit den Thesen von Tariq Ramadan in vieler Hinsicht nicht einverstanden sein kann, so hat er mit ihnen dennoch eine Diskussion angestoßen. Europa braucht mehr dieser muslimischen Vordenker, damit Muslime sich Gedanken über ihre Zukunft in Europa machen und Antworten auf wichtige Fragen bezüglich ihrer Position in den hiesigen Gesellschaften machen.

Das Buch "Wer hat Angst vor Tariq Ramadan?" ist trotz seines leicht reißerischen Titels eine gute Einführung in das Denken dieser muslimischen Persönlichkeit und zugleich eine grundlegende Einführung in die Diskussion um einen europäischen Islam.

Rezensiert von Abdul-Ahmad Rashid
Nina zu Fürstenberg: Wer hat Angst vor Tariq Ramadan?
Herder-Verlag, Freiburg i. Br. 2008,
192 Seiten, 16,95 Euro




TARIQ RAMADAN in DORTMUND
4.4.09

Schweizer Studenten waren dort. Hier der Bericht:
(leider sehr schlechte Qualität – mit Kopfhörer aber geht es)
http://video.google.de/videoplay?docid=697510923444444056
Die Rede wurde mit einer web-cam aufgezeichnet.


Hier der Link zum VIDEO:
Der Bericht:

Tariq RAMADAN spricht am 4.4.09 am Uniday in Dortmund zu Studenten

Drei Dinge bestimmen den Umgang mit dem Islam und den Muslimen

• Furcht
• Misstrauen
• Instrumentalisierung
dieser Furcht und des Misstrauens durch politische Parteien (auf beiden Seiten)

Unsere Identität als Muslime erlangen wir durch das Bekenntnis zu verantwortlichem Staatsbürgertum, was bedeutet sich bewusst darüber zu sein, dass jeder Einzelne das "Seine" für die Gesellschaft beizutragen in der Lage ist. Es bedeutet sich loyal zum Gesetz und kritisch gegenüber den Gesetzgebern zu verhalten. Diese beiden Eigenschaften, Loyalität und die kritische Einstellung gegenüber dem Missbrauch oder einseitiger Instrumentalisierung Gesetz machen einen mündigen Staatsbürger.

Gerade Studenten kommt die Aufgabe zu, zu erkennen, dass Furcht nur dem Unbekannten entgegengebracht wird – und Muslime niemals gefährlich sind, außer für die Ungerechtigkeit und die Ungerechten.
Misstrauen wird dem entgegengebracht, welches nicht eindeutig erkannt wird. Doch Muslime sind keine Fähnchen im Wind, deren Einstellung nicht klar und eindeutig wäre. Vertrauen wird durch innere Sicherheit (über das Verständnis von Tauhid), Beständigkeit, Treue und den Einsatz von Intelligenz, Vernunft und Verstand als Beitrag zum Gemeinwohl der Gemeinschaft erworben.

Der Muslim weiß darüber hinaus, dass er nicht nur für das Wohlergehen der muslimischen Gemeinschaft, sondern für das Wohl all seiner Brüder und Schwestern im "Menschsein" zu sorgen beauftragt ist. Sind wir nicht alle Kinder Adams? Als Muslime und besonders als Muslime, welche das Privileg haben Zugang zu Bildung zu haben, sind wir uns bewusst, dass unser Ziel und Streben nicht nur äußere Bildung gilt, sondern vor allem der spirituellen Erziehung unseres eigenen Selbst, wodurch wir erst in die Lage versetzt werden, den wahren Dienst an der Gemeinschaft, den universellen Dienst am Nächsten, der Menschheit als ganzes zu erfüllen.

Seid ein Geschenk an die Gemeinschaft, den Staat in dem Ihr lebt, wie der Staat ein Geschenk fü Euch ist.

Wir haben auch die Pflicht Wissen über die Geschichte der Region zu erwerben, in welcher wir leben – und dies nicht nur aus dem Grund, um nicht zu vergessen und nicht vergessen zu lassen, dass europäische Kultur, europäisches Verständnis nicht nur auf dem christlich- griechischen Erbe aufbaut. Muslime waren IMMER eine intellektuelle Bereicherung und dürfen nicht nachlassen, dies auch in Gegenwart und vor allem in Zukunft zu sein.

Und – Muslime – seid nicht politisch naiv und lasst eure kindliche Ehrlichkeit nicht Grund dafür sein, politisch missbraucht zu werden.

Wir Muslime wollen eine rationale Debatte, keine emotionale! Deshalb sind wir auch niemals antisemitisch. Wir sind anti-Ungerechtigkeit!

Und an unsere Schwestern sei ein kurzes Wort gerichtet – ob ihr nun den Hijab, den Khimar tragt oder nicht. Macht klar, dass Ihr euch nicht einem weltlichen Herrn unterwerft, sondern dies zu eurem Prozess gehört, euch dem Herrn aller Welten – Gott – zu unterwerfen.

Um all dies zu erreichen merkt auch die 3 "L"s
LANGUAGE (lernt die Sprache, um Euch verständlich) zu machen – LAW (das Gesetz zu achten ist uns zum Gebot gemacht, um dadurch in Gerechtigkeit uns zu entwickeln) – LOYALITY (Treue – die Würde, das eigene Wort unter allen Umständen zu halten, Gesetzestreue ist eines der wesentlichsten Eigenschaften, um zu persönlicher Integrität zu gelangen – und erst dann ist man in der Lage seinen wertgeschätzten Beitrag zur Wohlfahrt der Gemeinschaft zu leisten).

Integration erreichen wir also durch Kontribution – also gesellschaftlich relevante Beiträge. So – Muslime, tragt bei zur Entwicklung der Ethik, in der Medizin, der Ökonomie usw. auf allen Gebieten, strebt nach Wissen, um der Menschheit zu dienen.

Erinnert Euch der Vergangenheit, verliert sie nicht aus den Augen und bedenket die Zukunft, habt sie im Auge.

Und last but not least möchte ich Euch die 7 "C"s ans Herz legen.

1. Confidence = Vertrauen in die eigene sozial, religiöse Identität
2. Consistancy = Beständigkeit, Kohärenz, Widerspruchsfreiheit, Durchgängigkeit
3. Communication = Kommunikation als zentraler Aspekt (= "Nervensystem der Umma"), gegenseitige Information
4. Creativity = Kreativiät, Einsatz der schöpferischen Begabung
5. Contribution = Beitrag, Zuwendung (an die Gemeinschaft, den Staat)
6. Contestation = Einspruch, Widerspruch gegen Ungerechtigkeit
7. Compassion = Barmherzigkeit, Mitgefühl, Erbarmen

In Österreich erwähnte er noch:
Critizism = Kritische Einstellung, vor allem SELBSTKRITIK (siehe Punkt 6 Contestation)
Citizenship = Staatsbürgertum (siehe Punkt 5 Contribution)

Vortrag in WIEN 2007 (MJÖ)
http://www.youtube.com/watch?v=M7GAAGFo2Eo&feature=related 1/3
http://www.youtube.com/watch?v=et6fzdPwcUw&feature=related 2/3
http://www.youtube.com/watch?v=7n0SomJK7y8&feature=related 3/3
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
Nach oben
M.M.Hanel
Administrator


Anmeldedatum: 16.07.2010
Beiträge: 502
Wohnort: Schweiz




BeitragVerfasst am: Fr 04 Okt, 2013 09:29    Titel:

[center]RADIKALE REFORM
das neue Buch von TARIQ RAMADAN


Die Botschaft des Islam für die moderne Gesellschaft


Rezension von Muhammad Hanel[/center]


Bevor ich beginne, einige Stimmen zum Buch:

Diederichs Verlag:
Allen Fanatikern und Reaktionären zum Trotz entwickelt Tariq Ramadan eine Lesart des Koran, die nicht nur Freiheit und Würde des Einzelnen betont, sondern auch Glaube und Vernunft versöhnt.
An zahlreichen Beispielen demonstriert er die Grundsätze einer modernen islamischen Ethik, die den Menschen aus den Fängen eines gewissenlosen Fortschritts befreit.

M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
... darum, "viel Ehr", denn Fanatiker und Reaktionäre machen leider Gottes die Mehrheit in unseren Gesellschaften aus, lassen wir die "Lauen" mal außen vor ... die sich letztlich ja doch nur zu einer dieser beiden Gruppen schlagen.
(Ich war seit meiner Lektüre von Hermann Hesses "Siddharta", immer schon ein Fan von Diederichs Verlag Smile )


Der Spiegel
Einer der wichtigsten Vordenker des Islam
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Erstaunlich diese Erkenntnis des Spiegels - soll uns Bruder Tariq nun suspekt gemacht werden? Wink Wäre ich Tariqs Großvater - ich wäre bei aller Bescheidenheit, Zurückhaltung und Demut - doch stolz auf ihn.


New York Times
Der Prophet der Mäßigung
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Auch wenn er kein Prophet ist, (s)bricht er der rechten Tradition des Islam - dem Weg der Mitte - die scharfe (intellektuelle) Lanze (der Lisan). Shocked Was mag das wieder heißen?


Nina zu Fürstenberg
Ramadan ist ein unbequemer Querdenker, der sowohl uns als auch die traditionellen islamischen Gruppierungen und den politischen Islam vor neue Herausforderungn stellt.
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Gräfin spricht ein wahres Wort gelassen aus. Hochachtung, Gräfin!


Beginnen wir, wie sich das gehört, mit dem Beginn, dem Titel.
Intellektualität zeichnet sich aus durch Genauigkeit und Prägnanz. Sie ziemt sich für den Schreiber, doch nicht minder für den Leser, will er - natürlich auch sie - den rechten Nutzen aus der Lektüre ziehen.

Nicht lautet der Titel, "Die Botschaft eines modernen Islam für die heutige Gesellschaft" oder dergleichen, nein!

Die BOTSCHAFT des ISLAM für die moderne Gesellschaft - sie lautet IMMER gleich, denn sie steht und bleibt unverändert verzeichnet im BUCH, Al-Furqan und in den Büchern. Das Verständnis allerdings, welches dieser Botschaft entgegengebracht wird, das ist durchaus der Entwicklung und Veränderung anheim gegeben. Vor allem für eine moderne Gesellschaft, einer sozusagen globalen Gesellschaft, die sich aus vielen Gesellschaften entwickelt und sich mit diesem "Letzten Testament" konfrontiert sieht.

Der ISLAM und die MUSLIME, zum "Gott sei bei uns" (- paradoxerweise möchte man fast sagen, "im wahren Sinn des Wortes", nicht dem "traditionellem Sinne" nach -) für die moderne Gesellschaft geworden, sind KEINE Bedohung für westliche Demokratien. Doch "Demokraturen", "Raubtiersysteme, kapitalistischer, kommunistischer, absolutistischer und anderer -istischer Natur" - sie, ganz zu Recht fürchten sie um ihren Fortbestand!

Und eines sei doch auch gleich zu Anbeginn gesagt.

Tariq Ramadan ist KEIN Vertreter eines "Euro-Islam" - solche zweifelhafte Ehr' belassen wir doch unserem lieben Bassam Tibi - noch wünschte man, dass er zu einem solchen würde.

Tariq Ramadan ist europäischer Muslim! Das ist alles.

Der Allmächtige gab ihm nicht nur gewaltiges Erbe, sondern auch die Gelegenheit in geistiger Ungezwungenheit und Freiheit dieses Erbe zu hegen und zu pflegen und keiner Herrschaft als Tribut und Fron zu überlassen. DAFÜR SEI GEDANKT!

Auch wenn man meinen mag, TR plädiere für eine "Transformation des Islam", so widerspreche ich und meine:
Tariq Ramadan plädiert für eine Transformation menschlichen Verständnisses bezüglich ewiger Wahrheiten.
Ich meine, TR maßt sich weder an, den ISLAM - eine - der Schöpfung von Gott verliehene - Grundveranlagung - zu verändern, noch fiele es ihm jemals ernsthaft ein, das Buch Gottes zu verändern und ganze Passagen daraus außer Kraft setzen zu wollen, wie dies ja - so hört man - nicht nur von sogenannt modernen Muslimen ("Euro-Muslimen"? Embarassed ) gewünscht wird.

Nein, TR nicht nur Kind seines Stammes, sondern auch Kind dieser Epoche, greift (sich) selbst-bewusst zurück auf seine Talente, Fähigkeiten, Kenntnisse und Begabungen, um den Weg zum Ewigen - der IMMER ein neuer und nicht endender Weg war, ist und bleiben wird - im stets heller werdenden Lichte zeitlichen Denkens, welches aus der Flamme der Erfahrungen aus Vergangenheiten, der Leiden, Verluste und Siege der individuellen, wie auch kollektiven Geschichte dem Aufmerksamen erstrahlt, zu beschreiten.

DARIN liegt sein Verdienst - das EWIGE, niedergelegt und nahegebracht in der Offenbarung Muhammads, des letzten Propheten - widerhallend in jeder wahren Tradition - bekennend und gleichzeitig erkennend, dass Gegenwärtiges gar nicht anders kann, als Abglanz dieses Ewigen zu sein und deshalb nicht in Widerspruch zu ihm steht, ja stehen kann, sondern in geziemende Form und Position gebracht werden will. Dies ist sein Bemühen, seine große Anstrengung, sein Verdienst.

Dies soweit zum Klappentext.

Nun will ich beginnen dieses Buch zu lesen, um Euch und Ihnen anschließend daraus zu berichten.

M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Mit erprobtem Gespür hat Diederichs Verlag erneut mit Tariq Ramadans "Radikale Reform" ein Werk veröffentlicht, welches den Ausweg aus der umfassenden Agonie muslimischer Gemeinschaften im Bemühen nach zeitgemäßer Umsetzung islamischer Rechtsauffassung aufzeigt. Dieses Werk wird aber auch dazu beitragen, die maßlose, respektlose Arroganz mancher, nur bipolar, auf diabolische Weise denkender (nicht nur westlicher oder nicht muslimischer) Menschen zu entlarven.
Ramadans Reform ist tatsächlich zutiefst radikal, da sie fordert, die Quellen der Grundlagen islamischen Rechts (Scharia) und der Jurisprudenz (Fiqh) frisch zu überdenken, ein neues Gleichgewicht zu schaffen und – den Autoritätsschwerpunkt innerhalb des Islam zu verschieben.
Damit wird diese Reform auf einigen, nicht zu knappen Widerstand aus dem Lager "Ewiggestriger" treffen – doch auch Galileo Galilei musste solchen an eigenem Leibe verspüren – und heute haben seine einstigen Gegner zutiefst zu bereuen.
Das Grundprinzip seiner Reform muslimischen Verständnisses liegt darin, der Existenz des Göttlichen, Seiner Ein- und Einzigkeit (Tauhid) und Seiner Verständigung mit der menschlichen Welt durch zwei Bücher - die Schrift und das Universum – zu einem neuen, zeitgemäßen, aktuellen und weiterführenden Bezug zu verhelfen.
In dieser Erweiterung jener Quellen, aus welchem islamisches Recht schöpft, liegt nicht eine treulose Abkehr von den religiösen Traditionen. Nein, ganz im Gegenteil. Diese Ansicht, dieser Weg (Scharia) ist im Qur'an selbst deutlich angelegt. Ja, die ersten offenbarten Verse (Ayat) selbst, weisen schon von Beginn der Offenbarung diesen einst begangenen, doch längst vergessenen Weg.
"Radikale Reform" eine Pflichtlektüre nicht nur für Muslime, welche ihren Heilsweg in einem entschlossenem Dschihad sehen, die Tradition auf glaubenstreue Art zu hinterfragen, Sinn entleerte Praktiken zu überdenken, Ziele neu zu definieren und die etablierte (geschützte) Macht der Gelehrten sowie deren Autorität herauszufordern und der Gemeinschaft (Ummah) tatkräftig und kundig neuen, wahrhaftigen Lebensgeist einzuhauchen.
Tariq Ramadans Buch, seine Ansätze erinnern an: "Sie tanzen an des Vulkanes Rand – doch mindert dies des Tanzes Freude?"
Und jene, die meinen Tariq Ramadan wäre ein "Wolf im Schafspelz" seien gefragt: "Verwechselt ihr das nicht mit: "Homo hominis lupus est?""


Siehe auch die Kommentare zu den arabischen Fachbegriffen. http://www.islamheute.ch/RadikaleReform.xls
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
Nach oben
M.M.Hanel
Administrator


Anmeldedatum: 16.07.2010
Beiträge: 502
Wohnort: Schweiz




BeitragVerfasst am: Fr 04 Okt, 2013 09:30    Titel:

Islam in Europa: Ein Botschafter zwischen Ein- und Zweideutigkeit

Der Genfer Autor und Starredner Tariq Ramadan polarisiert – und spaltet auch die reformwilligen Muslime

Von Beat Stauffer

Er in der muslimischen Welt der weitaus bekannteste Schweizer Intellektuelle – und er polarisiert: Tariq Ramadan (47). Das liegt an seiner charismatischen und eigenwilligen Persönlichkeit, vor allem aber an seinem Lebensprojekt: Eine Annäherung des Islam an europäische Grundwerte zu suchen, ohne aber auch nur ein Jota islamischer Identität aufzugeben.

http://www.onlinereports.ch/News.109+M5550f267b7c.0.html
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
Nach oben
M.M.Hanel
Administrator


Anmeldedatum: 16.07.2010
Beiträge: 502
Wohnort: Schweiz




BeitragVerfasst am: Fr 04 Okt, 2013 09:30    Titel:

Niederländische Rechtspopulisten betreiben antiislamische Hetze!

http://www.keskin.de/show/2710808.html

27.08.2009: Die lange Zeit für ihre Weltoffenheit und Liberalität berühmte niederländische Demokratie gerät zunehmend auf die schiefe Bahn: antiislamische und migrantenfeindliche Hetzkampagnen haben in den letzten Jahren an Häufigkeit und Intensität zugenommen.
Das jüngste Beispiel liefert die rechtspopulistisch motivierte Diffamierungskampagne gegen den als intellektuellen Vordenker eines liberalen Euro-Islam geltenden Tariq Ramadan. Ramadan wurde die Gastprofessur an der Erasmus-Universität Rotterdam entzogen, da er angeblich zu große Nähe zum iranischen Mullahregime gezeigt habe. Den Anlass bildete eine von ihm moderierte Sendung auf dem englischsprachigen iranischen Nachrichtensender Press TV, der von der Regierung in Teheran finanziert wird.


Rotterdam wollte Tariq Ramadan bereits im Mai dieses Jahres loswerden

Quelle: http://www.volkskrant.nl/binnenland/article1282592.ece/Rotterdam_wilde_in_mei_dit_jaar_Tariq_Ramadan_ook_al_lozen

Von Janny Groen und Annieke Kranenberg, 28. August 2009-08-29

AMSTERDAM –
Die Stadt Rotterdam hat schon vor der Affäre um Press.tv versucht, Tariq Ramadan loszuwerden. Wie der Schweizerisch-Ägyptische Professor sagt, hat die Erasmus-Universität Rotterdam (EUR) zu verstehen gegeben, daß Bürgermeister Aboutaleb dem politischen Tumult um seine Person definitiv ein Ende habe setzen wollen.

Während eines Gesprächs mit Rektor Steven Lamberts – bei dem auch ein Hochschullehrer der sozialwissenschaftlichen Fakultät anwesend war- sei ihm, so Ramadan, „ein diskretes Angebot“ gemacht worden. Wenn er die Stadt verlassen würde, dann könnte er weiterhin in der EUR bleiben und zugleich mit der Imamausbildung in der VU (Vrije Universiteit) Amsterdam loslegen.

Erstaunt
Von Marokko aus erklärte Ramadan, er sei „erstaunt“ über den innigen Gleichklang zwischen Universität und Politik. Lambertz habe, so Ramadan, wörtlich gesagt: „Dies ist nicht das Ende der Geschichte. Angesichts der bevorstehenden Wahlen werden sie dich aufs Neue angreifen.

Kurz zuvor war Ramadan wegen angeblich homophober Äusserungen ins Gerede gekommen. Nach einer hitzigen Debatte im Stadtrat konnte er dann bleiben. Zwei VVD-Stadträte traten zurück. Aboutaleb lag der Vertrag damals schon deutlich erkennbar im Magen: „Den jetzigen Vertrag können wir aussitzen, aber mein Rat ist: nicht noch mal!“

Während des Gesprächs im Mai wurde, so Ramadan, erneut klar, daß Aboutaleb ihn loswerden wolle. „Der Rektor sprach über den Bürgermeister so, als wenn er ihn eben erst getroffen hätte.“

Ramadan sagt, er sei auf das Angebot nicht eingegangen, da er in den Graswurzelebene tätig sein wolle.

Nicht gut
Lamberts sagt, daß Aboutaleb „ganz und garnichts“ mit dem Gespräch zu tun habe. „Er wusste von nichts. Ich habe in der Tat gesagt: auf die Dauer geht das mit Dir und der Stadt nicht gut, und ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, ihn für die Universität und die Niederlande zu behalten.“

Die Freie Universität Amsterdam hatte, so Lamberts, sehr wohl Interesse an seinem Vortrag.

Bürgermeister Aboutaleb lässt wissen, er sei im Rahmen seiner Vorstellung bei Institutionen der Stadt in der Erasmus-Universität zu Besuch gewesen, doch mit Ramadans Arbeit dort habe er sich niemals beschäftigt. Weiter will er dazu nichts sagen.

Wissenschaftler haben vergangene Woche bereits ihre Sorgen, über das gemeinsame Auftreten von Universität und Stadt bei der Kündigung am 18. August geäussert.
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
Nach oben
M.M.Hanel
Administrator


Anmeldedatum: 16.07.2010
Beiträge: 502
Wohnort: Schweiz




BeitragVerfasst am: Fr 04 Okt, 2013 09:31    Titel:

Anonymous hat Folgendes geschrieben:
Tariq Ramadan: „Islam ist eine österreichische Religion“


Ramadan, einer der wichtigsten islamischen Intellektuellen im Westen, sieht im "Presse"-Interview die Opferrolle als wichtigste Quelle islamischer Gewaltbereitschaft und fordert neues muslimisches Selbstbewusstsein.


Die Presse: In Ihrem jüngsten Buch, „Radikale Reform“, empfehlen Sie den Muslimen einen Wechsel von der Defensive in die Offensive.


Tariq Ramadan:
Wir müssen von einer „Reform als Adaption“ zu einer „Reform als Transformation“ kommen. Wir sind nicht da, um uns einer Welt anzupassen, in der es Krisen gibt, sondern wir sind dazu da, diese Welt zum Besseren zu verändern. Und ich sage, dass man sich nicht nur auf die Textgelehrten verlassen kann, sondern dass man auch Kontextgelehrte braucht. Wir brauchen Leute, die sich in allen Gebieten der Wissenschaften auskennen, damit wir bessere Grundlagen für eine globale islamische Ethik haben.


Zunächst gehen Sie aber ganz bewusst zurück zu den Fundamenten, zum Koran und der Prophetentradition. Sie nennen sich ja selbst einen „Reform-Salafisten“.


Ramadan:
Der Punkt ist: Wenn Sie sich heute mit dem Islam und mit den Muslimen beschäftigen und ihnen erklären, dass der Text, der Koran, nicht so wichtig ist, werden die Ihnen nicht einmal zuhören, geschweige denn folgen. Für praktizierende Muslime ist klar, dass sie bei allem, worüber sie heute debattieren, zunächst zurückgehen müssen zu den Quellen, also zum Koran und in die Fußstapfen der ersten drei Generationen. Die Frage ist nicht, ob man zu den Quellen zurückgeht, sondern wie: Mit einem literalistischen, wörtlichen Verständnis oder mit der Überzeugung, dass manche Dinge kontextualisiert werden müssen. Unsere Zeit braucht Veränderung. Das gilt für alle Bereiche, nicht zuletzt für die Wirtschaft, die jetzt so eine schwere Krise durchlebt. Wir schützen die Banken, wir schützen die Konzerne, aber wir schützen nicht die normalen Leute.


Würden Sie sagen, dass Ihr Ansatz für eine neue islamische Wirtschaftsethik antikapitalistisch ist?


Ramadan:
Ich würde zumindest sagen, dass eine solche Ethik eine fundamentale Änderung unseres Verständnisses vom freien Markt beinhalten muss. Man kann nicht für Demokratie sein und zugleich ein ökonomisches System ohne Regeln und Demokratie befürworten. Jetzt haben wir ein System, in dem der Mensch der Wirtschaft dienen muss. Wir brauchen aber ein System, in der die Wirtschaft den Menschen dient.


Antikapitalistisches Denken richtet sich gegen das Privateigentum. Die Verteidigung des Privateigentums ist aber einer der Pfeiler islamischen Rechtsdenkens.


Ramadan:
Ja, aber wir müssen einen ethischen Umgang mit dem Eigentum finden: keine Ausbeutung, keine Spekulation. Es gibt im Islam das Zinsverbot. Ich weiß nicht, ob wir auf einen Schlag weltweit das System der Zinsen abschaffen können. Aber wir sollten über eine Strategie nachdenken, mit der wir Schritt für Schritt herauskommen. Wir können auch nicht zulassen, dass transnationale Konzerne wie Coca-Cola oder Nike darüber entscheiden, was Staaten zu tun haben.


Viele Europäer können sich nicht vorstellen, dass die positiven Veränderungen ausgerechnet aus der islamischen Welt kommen sollen.


Ramadan:
Mir geht es nicht nur um Veränderungen in den westlichen Ländern, sondern auch in muslimischen Mehrheitsgesellschaften. Wir brauchen dort ganz grundsätzliche Änderungen, wenn es um die Frage der Diktatur geht, und um den Mangel an Freiheit.


Die Literalisten lehnen Ihre Forderung nach Einbeziehung des historischen Kontexts ab, den Liberalen sind Sie zu nah am Koran.


Ramadan:
Ja, ich stehe in der Mitte. Der Offenbarungstext gibt mir eine Richtung, die Geschichte gibt mir eine Realität. Ich will aber nicht nur eine Richtung, und ich will nicht nur die Realität. Ich will beides. Ich habe kein Problem damit, von beiden Seiten angegriffen zu werden. Aber ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass die einzige Möglichkeit, liberal zu sein, die westliche Art von Liberalität ist. Das ist falsch. Die beste Möglichkeit, dem Westen zu helfen, ist, kritisch zu sein gegenüber seinem Lebensstil, seiner Art, mit wirtschaftlichen Fragen umzugehen.


Sie sagen, dass staatliche Gesetze von einer religiösen Offenbarung abgeleitet werden sollen, und verneinen das säkulare Prinzip.


Ramadan:
Nein, das stimmt nicht. Ich sage, dass wir alle von religiösen Ideen inspiriert sind, in Westeuropa eben vom Christentum.

Aber niemand käme auf die Idee, dass der Katechismus der katholischen Kirche die Grundlage der Gesetze sein soll.


Ramadan:
Ich definiere Scharia als Weg zur Gläubigkeit. Es ist meine Inspiration. Ich habe kein Problem mit der Gewaltentrennung. Alles, was der menschliche Geist hervorbringt und nicht im Widerspruch zu Zielen wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde steht, ist meine Scharia. Darum habe ich ein Problem mit jenen, die den Islam nicht als europäische oder westliche Religion integrieren wollen. Ich möchte, dass die Österreicher verstehen, dass der Islam eine österreichische Religion ist.


Aber wir haben große Probleme mit dem politischen Islam.


Ramadan:
Wir haben nicht ein Problem mit dem politischen Islam. Wir haben ein Problem mit der politischen Lage in vielen islamischen Mehrheitsgesellschaften. Schauen Sie sich die arabischen Länder an: keine Freiheit, keine Demokratie. Diktatur. Wo es keine Freiheit gibt, kommt es zu einem sehr engen Verständnis des Islam.


Der Islam weist in allen seinen Erscheinungsformen Züge der Gewalt auf. Das wird damit entschuldigt, dass die Muslime Opfer seien.


Ramadan:
Ich sage den Muslimen immer, dass sie mit der Opfermentalität aufhören müssen. Wir sind zuallererst selbst für unser Scheitern verantwortlich.


Mehr islamisches Selbstbewusstsein würde eine Verstärkung seiner expansiven Tendenzen bedeuten.


Ramadan:
Das genaue Gegenteil ist der Fall. Der schnellste Weg zu extremistischer Gewalt ist das Opferbewusstsein. Schauen Sie sich die einschlägigen Videos an. Da heißt es: Ihr tötet unsere Brüder dort, jetzt töten wir euch hier. Wer Selbstbewusstsein hat, braucht keine Gewalt. Ich sage zu meinen Schülern: Das hier ist euer Land, bringt euch ein, geht zur Wahl, bildet euch. Selbstvertrauen zu haben heißt nicht stolz oder gar arrogant zu sein.

Der Islam ist mit dem Westen so schwer kompatibel, weil er nicht durch das reinigende Bad der Aufklärung gegangen ist.

Ramadan:
Ja, man ist im Westen den Weg gegen die Vorstellung einer höchsten Autorität in den Händen der Kirche gegangen, um die Aufklärung zu erreichen. Das ist fein. Aber die Aufklärung kam ja von irgendwo her. Das war das Aufeinandertreffen von Christentum und Islam im Mittelalter. Die Frage ist: Haben die Muslime die Kraft, durch einen Prozess zu gehen, der es ihnen wieder, wie seinerzeit, ermöglicht, die zeitgenössischen Herausforderungen zu bestehen? Gleichzeitig würde ich gern dem Westen sagen: Tut nicht so, als sei die Aufklärung das Ende der Geschichte. Ihr habt im Namen der Rationalität getötet. Der Holocaust kommt nicht aus einem religiösen Bewusstsein.


Sie würden allen Ernstes sagen, dass der Holocaust das Produkt eines Systems ist, das auf der Aufklärung und Rationalität basiert?

Ramadan: Natürlich war das rational. Im Namen der Rationalität kann man Faschist werden und töten. Faschismus ist nicht irrational, sondern sehr rational: richtig oder falsch, mein Land. In diesem System gibt es keinen Gott, nur ein sehr enges System der Rationalität. Die Aufklärung hatte nicht nur gute Konsequenzen. Wir sollten verstehen, dass die wirkliche Essenz der Aufklärung ein selbstkritisches Bewusstsein ist.


Es ist unübersehbar, dass es gerade in den muslimischen Mehrheitsgesellschaften große soziale Probleme gibt.

Ramadan:
Für die arabischen Gesellschaften würde ich ihnen zustimmen. Was wir in asiatischen Ländern wie Malaysia sehen, ist aber sehr ermutigend. Für die Probleme in den muslimischen Mehrheitsgesellschaften ist wiederum die Opferrolle die Hauptursache: Wenn wir den Westen für unsere Probleme verantwortlich machen, aber selbst nicht genug für unsere Armen tun, ist das heuchlerisch.


Sie gelten als das nette Gesicht des Fundamentalismus.

Ramadan:
Diesen Vorwurf hat man schon in den 30er- und 40er-Jahren gegen die Juden erhoben: „double talk“ – dass sie also nicht wirklich denken, was sie sagen, und nicht wirklich sagen, was sie denken. Jetzt passiert dasselbe mit dem Islam. Für viele Menschen ist das, was ich sage, zu schön, um wahr zu sein. Also müssen sie mir unterstellen, dass ich eigentlich etwas anderes denke. Die Wahrheit ist: Der Westen sagt nichts über Steinigungen in Saudiarabien, solange er von dort sein Öl bekommt. Und die Saudis propagieren islamische Werte, obwohl sie eine Diktatur errichtet haben und ihre Prinzen Alkohol trinken und Sklaven halten. Ich kritisiere beide. Und weil sie darauf nichts entgegnen können, werfen mir beide „double talk“ vor.
________________________________________
© DiePresse.com

_________________
Wassalam
M.M. Hanel
Nach oben
M.M.Hanel
Administrator


Anmeldedatum: 16.07.2010
Beiträge: 502
Wohnort: Schweiz




BeitragVerfasst am: Fr 04 Okt, 2013 09:35    Titel:

„Nicht anpassen, sondern verändern“


Die USA strecken die Hand aus: Der Philosoph und Islamwissenschaftler Tariq Ramadan darf nach fünfjähriger Sperre wieder in die USA einreisen. Diese Umkehr zeugt von neuem Denken in Washington, wo man mit dem Islam in einen neuen Dialog treten will. Da macht es sich schlecht, einen der prominentesten Vordenker des europäischen Islam auszuschließen. Unter George W. Bush hatte es 2004 gereicht, dass Ramadan einer palästinensischen Organisation, die unter anderem die islamistische Hamas unterstützen soll, rund 1000 Euro spendete. Dem 47-jährigen Schweizer ägyptischer Herkunft wurde die bereits bewilligte Einreise verweigert. Ramadan musste damals auf eine Professur an der katholischen Universität Notre Dame in Indiana verzichten. Seit 2006 ist er Gaststipendiat an der Universität Oxford.


Weiterlesen:
http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/art141,3009453
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
Nach oben
M.M.Hanel
Administrator


Anmeldedatum: 16.07.2010
Beiträge: 502
Wohnort: Schweiz




BeitragVerfasst am: Fr 04 Okt, 2013 09:36    Titel:

Aufklärung zwecklos

Der Radikalreformer Tariq Ramadan redet über den guten Islam

http://www.zeit.de/2010/17/Ramadan

Wenn es mit der Welt einmal zu Ende geht, so lautet ein Bonmot von Heinrich Heine, dann muss man ins verschlafene Holland auswandern, denn dort passiert alles erst fünfzig Jahre später. Heine hatte recht, aber anders als er dachte. In den Niederlanden gehen die Uhren nämlich nicht nach, sie gehen vor, dort brechen Konflikte auf, die woanders erst in Umrissen zu erkennen sind. Ein Schlüsselkonflikt ist der radikalisierte Islam.

Vor sechs Jahren wurde in Amsterdam der Filmemacher Theo van Gogh von einem Muslim auf offener Straße buchstäblich hingerichtet; die aus Somalia stammende Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali hat nach jahrelangen Morddrohungen dem Land zermürbt den Rücken gekehrt. Die Niederlande scheinen tief gespalten: Das »Wir« der Aufgeklärten steht geschlossen gegen die Front der »anderen«. Es ist die Logik der Eskalation.

Wie kann man diesen Teufelskreis der Verfeindung unterbrechen? Das Groninger Lolle-Nauta-Forum hatte dieser Tage Rat suchend Ian Buruma und Tariq Ramadan in die Universitätsidylle eingeladen, und allein der Umstand, dass so unterschiedliche Denker Seite an Seite auftraten, war eine dramatische Botschaft an die Adresse der zerstrittenen europäischen Intellektuellen. Die Botschaft lautete: Freunde, es ist sinnlos, Muslime zu beschimpfen und sie mit den säkularen Waffen der historischen Aufklärung niederzuringen. Auch wenn man tausendmal im Recht ist – die Muslime erreicht man damit nicht, man nährt nur den Hass und vertieft das Schisma. Stattdessen komme alles darauf an, die europäischen Muslime aus ihrer Isolation zu locken und sie mit der liberalen Demokratie auszusöhnen.

Das sagte nicht nur der Kulturwissenschaftler Ian Buruma, das sagte auch Tariq Ramadan, Schweizer Bürger und Islamwissenschaftler in Oxford, Enkel von Hassan al-Banna, dem Gründer der ägyptischen Muslimbruderschaft und als Intellektueller das, was man gemeinhin »umstritten« nennt. Vor sechs Jahren verbot ihm Präsident Bush die Einreise in die USA, weil er einer Organisation Geld gespendet hatte, die Beziehungen zur Hamas unterhielt und von der US-Regierung später als terroristisch eingestuft wurde; im Januar hob Außenministerin Hillary Clinton das Verbot wieder auf. Der mildeste Vorwurf gegen Ramadan lautet, er sei ein Wolf im Schafspelz und rede mit gespaltener Zunge. Für die Welt ist er, so schreibt das Blatt im Kulturkampfdeutsch, eine »lächelnde Bombe«.

Aber in Groningen zählte nicht der Verdacht, sondern das Argument, und Ramadans wichtigstes lautete: Jeder Versuch, gläubige Muslime von außen »aufzuklären«, sei zwecklos, weil sie dies als Übergriff verstehen würden, als feindseligen Akt von Ungläubigen. Der Islam müsse sich vielmehr »von innen« reformieren, er müsse aus eigener Kraft, aus seinen eigenen Traditionen eine Antwort auf die Moderne finden. Ian Buruma, der ein eindringliches Buch über den Mord an Theo van Gogh geschrieben hat (Die Grenzen der Toleranz, Hanser Verlag), sah es ähnlich. Die Ideale der Aufklärung, sagt er, liefen Gefahr, zu einem westlichen Kampfmythos zu verkommen, zu einem nationalen »Wert«, der die Spirale aus Hass und Verfeindung bloß weitertreibe. Nicht irgendwelche Werte, allein Recht und Gesetz bildeten das Band, das eine moderne Gesellschaft zusammenhalte.

Auch Ramadan predigt seinen Glaubensbrüdern strikten Rechtsgehorsam, auch er weiß, dass Fundamentalismus und Demokratie unvereinbar sind. Deshalb müsse der Islam sich eine andere Geschichte über seine Stellung in der Moderne erzählen, nicht die Geschichte vom Kampf, sondern die von einer multiplen Identität, bei der man sowohl engagierter Bürger eines Gemeinwesens wie auch gläubiges Mitglied einer Religionsgemeinschaft ist. In diesem Sinn gehören Buruma und Ramadan zu einer neuen Avantgarde. Auch sie haben multiple Identitäten, und sie sagen: Muslime, macht es uns nach, versteht euch als Bürger, verlasst die soziale Isolation. Eine grundlose Hoffnung? Eine andere, so hieß es in Groningen, haben wir in Europa nicht.




"Der Islam ist eine deutsche Religion"
Tariq Ramadan über die Kunst, zugleich Muslim und Europäer zu sein

http://www.zeit.de/2010/49/Islam-Muslime-Europa




Tariq Ramadan: Migranten sind keine Opfer
Von Jörg Lau 3. Dezember 2010 um 12:11 Uhr

http://blog.zeit.de/joerglau/2010/12/03/tariq-ramadan-migranten-sind-keine-opfer_4393

Ich habe mit Tariq Ramadan ein Interview über die europäische Islam-Debatte geführt. Ich finde die Klarheit, mit der er ein Bekenntnis der Muslime zu Europa fordert und auch um Verständnis für die Irritation der Alteingesessenen wirbt, bemerkenswert. Über die Jahre habe ich mich immer wieder mit Ramadan auseinandergesetzt. Ich finde seine Entwicklung seit der Istanbuler Erklärung von 2006 ziemlich erfreulich.




»Der Mainstream hört mir zu«
Interview: Christian Meier und Robert Chatterjee

Der Islamwissenschaftler Tariq Ramadan über Salafismus, seinen »kritischen Dialog« mit Fatwa-Papst Yusuf al-Qaradawi und die Vorwürfe seiner Kritiker.

http://www.zenithonline.de/894.html
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Schweizer Muslime Online - GSIW Forum werbefrei Foren-Übersicht -> ARTIKEL & AUFSÄTZE Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.



Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB2.de


Impressum