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MEINUNGSVIELFALT

 
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Do 26 Sep, 2013 12:34    Titel: MEINUNGSVIELFALT

Bismillahi Rahmani Rahim

Meinungsvielfalt


Mein von mir sehr verehrter Lehrer der ersten beiden Grundschulklassen pflegte, wenn jemand sich mit „ich han g’meint….“ (ich habe vermutet, gemutmasst) herauszureden versuchte, diesen mit der Entgegnung zu massregeln:

„Wer MEINT chunnt nöd in Himmel“ („wer meint/mutmasst, kommt nicht in den Himmel!“).

Da es mir bereits in sehr jungen Jahren ein grosses Anliegen war, einmal in den „Himmel“ zu kommen, die Widrigkeiten dieses Erdenlebens zugunsten eines angenehmeren Daseins hinter mir zu lassen, hat mich diese Hypothese damals sehr zum Nachdenken gebracht, kam sie doch von einem Mann, der für mich eine Autorität darstellte und dem ich viel an Kompetenz und „Durchblick“ zuschrieb. Bis zum heutigen Tag hat sie mich begleitet und sich im Lichte verschiedener Interpretationsmöglichkeiten gezeigt.

Auf dem „Markt der Meinungen “ tummeln sich in der Tat mannigfaltige Exemplare, von beachtenswerten, durchaus erhellenden und inspirierenden Einsichten über (für jeweils „Aussenstehende“) schwer nachvollziehbare Konstrukte bis hin zu (für eine grosse Mehrheit der Menschen wohl) ziemlich abstrusen, kuriosen Ansichtsweisen. Schon in den verschiedenen Medien bekommt man Sichtweisen zu lesen, die einen ins Staunen (oder ins Fürchten) geraten lassen. Spricht man persönlich mit Menschen ganz verschiedener Couleur, kann man auf manches – für einen selbst zuweilen ziemlich befremdliche - „Kleinod“ an Wirklichkeitswahrnehmung und deren Interpretation stossen.

Ein grosser Teil der "Volksmeinung" dreht sich um gesellschafspolitische Belange - betrifft also unser Verständnis von uns selbst und unserer Aufgabe in der (gesellschaftlichen) Welt. Im Groben besehen gibt es da die politischen Ansichten von (ganz) „rechts“ bis (ganz) „links“; die „Grünen“ gehören mittlerweile auch schon zur alten Garde; dazugekommen sind einige Kleinparteien, eine der jüngsten und „quirligsten“ wohl die „Piratenpartei“ , die ihre „Politik“ vorwiegend auf Basis des Internet macht, auch in diesem ihre eigentliche Basis hat. (z. B. „der Spiegel“ Nr 17. 2012) Dann wäre da noch die "Occupy - Bewegung", natürlich auch im Internet repräsentiert, jedoch besetzt diese Bewegung, wie der Name schon sagt, vorwiegend öffentliche Plätze um ihre Protestkundgaben öffentlich sichtbar zu machen. Politiker, Journalisten und andere Meinungsmacher versuchen, diverse Ansichtsweisen z. B. in den Printmedien zusammenzufassen und zu "Ideologien" zu bündeln, in diesen einzuordnen und mit ihrer Hilfe entsprechende „Politik“ zu machen. Mehr Raum für Individualität bieten die elektronischen Medien, die Plattform für persönliche Ansichten und Betrachtungsweisen jedes Einzelnen sind sowie Austausch in breitestem Rahmen und maximale Transparenz möglich machen. Problematisch wird hier jedoch zum einen die Bündelung der geäusserten „Meinungen“ zu kollektiven Beschlüssen sowie das Finden eines gemeinsamen Nenners – ist die Vielfalt doch sehr verästelt und vielschichtig. Ausserdem ein unerfreulicher Aspekt ist die Möglichkeit des Kontrollierens und Überwachens jedes Teilnehmers – so „öffentlich“, so nachverfolgbar und auch überwachbar wie im Internet (einschliesslich Smartphones)waren wir noch nie. (Siehe u. a. Beobachter Nr 9, April 2012)

Die „Blase“ der Meinungen scheint sich analog zur Menge aller anderer „Güter“ des modernen Marktes aufzublähen und hat unverhältnismässige, realitätsfremde Masse angenommen. Es hat gar den Anschein, dass all die vorhandenen „Meinungsgebilde“ und „Meinungsbildungsplattformen“ eher als „Beschäftigungsprogramm“ denn als Lösungsmöglichkeiten für die Probleme der heutigen Welt dienen. Kein Wunder – ist es doch eine altbekannte Tatsache, dass man alles und jedes durch zu viele Worte „zerreden“ kann, dass diese sich in Taten manifestieren müssen, wollen sie nicht in Luft verpuffen.

Wie entstehen Ansichten/ Lebensauffassungen? Einmal durch eigene Erfahrungen, prägende Erlebnisse, das spezifische Umfeld, durch das Gedankengut, das an einen im Laufe des Lebens herangetragen wird. Dann durch die Vernetzung alles eben genannten sowie durch „Spiegelung“ am eigenen Wesen, Wissen und Wahrnehmen; dadurch, alles eben Genannte für einen selbst in einen sinnvollen, stimmigen Zusammenhang zu stellen. Man ist als "privater Meinungsbildner“ jedenfalls bestrebt, sich selbst eine – auf sein jeweiliges Umfeld abgestimmte und dem eigenen Horizont entsprechende- kleine Welt zu schaffen, innerhalb derer möglichst vieles dessen, womit man im Leben konfrontiert wurde, seinen „Platz“ bekommt. Womit man sodann „Meinung“ und „Ansicht“ als eine Art „persönliches Navigationsgerät“ erstellen kann, das einen zum Ziel führen soll. „Meinungsbildung“ ist somit in seinen Grundzügen natürlich ein notwendiger Bestandteil des Menschlichen. Dennoch ist es ein menschliches Konstrukt, das überaus mangelhaft, zerbrechlich und gefährdet ist, man könnte es vielleicht mit dem Netz vergleichen, das die Spinne baut. Im Qur’an Sure 29 Vers 41 wird über dieses folgendes gesagt:

Das Gleichnis derjenigen, die sich anstatt Allahs Schutzherren nehmen, ist das der Spinne, die sich ein Haus genommen hat; das schwächste Haus ist fürwahr das Haus der Spinne, wenn sie (es) nur wüßten!(29:41)

Hier stellt sich die Frage des Stellenwerts unserer Meinungen, ziehen viele Menschen doch noch so gerne mit ihnen gewappnet „zu Felde“ und hoffen, durch ihre Hilfe siegreich zu sein. Diese „Schutzfunktion“ wird hier klar in Abrede gestellt - gilt doch die oben genannte Ayat für ALLES, dem wir Schutzfunktion ausser ALLAH zuschreiben! Wohl sollen unsere Ansichten und Betrachtungsweisen uns dienen, dürfen uns quasi beim „Navigieren“ helfen, als „Fahrzeug“ jedoch taugen sie keineswegs. Ansichten und Meinungen sind – für sich alleine genommen - immer relativ, umfassen bloss einen winzigen Teil der gesamten Wirklichkeit – wenn überhaupt etwas davon…. Wir finden uns, wollen wir alleine auf ihrer Basis „Oberhand gewinnen“, schnell einmal in einer Lage wieder, die der des „Herakles“ der Griechische Sage im Kampf gegen die „Hydra“ gleicht (und jene griechischen Sagen haben viel Weisheit in sich – sieht man von der Vergöttlichung von Wesenheiten ab!): Jedes Mal, wenn er dem Drachen einen Kopf abschlug, wuchsen erst mal zwei neue dafür…..!!

Was ist es also, das vielleicht auch Herakles letztendlich siegen liess, zum entscheidenden „Kopf“ vordringen liess? Was ist es, das uns durch alle Dimensionen hindurch – im Inneren wir im Äusseren – im irdischen wie im metaphysischen Bereich „siegreich“ sein lässt – in den „Himmel kommen“ lässt?

Hierauf eine Antwort zu finden war seit Menschengedenken das Anliegen der Religion(-en). An vielen Stellen im heiligen Qur’an wird der „Glaube“ – im Sinne einer tiefen inneren Gewissheit, eines WISSENS (arabisch IMAN) gepaart mit „rechtschaffenem Handeln“ als dasjenige Element genannt, welches uns als sicherer Richtungsweiser sowie als „Prüfstein“ unserer „Theorien“ – getragen von den göttlichen Geboten zum Ziel aller Ziele führt. Gott hat jedem Menschen sowohl diesen Glauben ins Herz gelegt, als auch die entsprechende Handlungsweise erläutert – es heisst im Qur’an dazu:

Und als dein Herr aus den Kindern Adams, aus ihren Rücken, ihre Nachkommenschaft nahm und sie gegen sich selbst zeugen ließ: "Bin Ich nicht euer Herr?" Sie sagten: "Doch, wir bezeugen (es)!" (Dies,) damit ihr nicht am Tag der Auferstehung sagt: "Wir waren dessen unachtsam", (7: 172)

Und diejenigen, die überzeugt sind (amanu =Iman haben) und gute Werke tun - wahrlich, wir werden ihre schlimmen Handlungen von ihnen nehmen, und wahrlich werden wir ihnen vergelten wohlgefälligstes desjenigen, was sie getan haben.(Sure 29:7)

Zum einen die Ausrichtung auf unseren Herrn und dann das Voranschreiten in Seinem Weg, gute Werke zu tun – so beschreibt der heilige Qur’an an vielen Stellen den Weg zum Glück, zum Wohlgefallen Gottes und zum Paradies!

Wohl war es DAS, was mein verehrter Lehrer – Gott sei ihm gnädig – gemeint hat: Meinung versus („Glaube“- IMAN - und) „richtigem Wissen/Handeln“?!

Es ist die Dimension des Metaphysischen, IMAN – inneres Wissen und Gewissheit über unsere eigentliche Bestimmung- , die sowohl allem anderen Wissen und „Meinung“ als auch entsprechendem Handeln erst ihre wirkliche Qualifikation als Richtungsgeber verleiht. Es ist alleine dieses innere Wissen, das sowohl unsere Meinung bereichert und inspiriert als auch ihrer Umsetzung in der Realität die richtige Form, das richtige Mass gibt. Heutzutage aber ist die gesamte Menschheit wie „verhext“ in die Lage eines "hilflosen Herakles" geraten. Anstatt zu wesentlichem vorzudringen, lassen wir uns – unter der Führung von „Politikern“ , Predigern, Demagogen und anderen Theoretikern in endlose Diskussionen verwickeln, schaffen es nicht, Konzepte umzusetzen, beginnen wieder von vorn – während die „Köpfe der Hydra“ sich fröhlich ins Unübersehbare vermehren und gleichzeitig aber im Hintergrund sehr wohl Tag für Tag Fakten geschaffen werden, die in keiner Weise mit allem Ge - und Besprochenen zu tun haben, Kräfte am Wirken und am Werken sind, die sowohl islam- wie auch generell menschenfeindlich sind. Nicht nur werden Verträge und Abmachungen verletzt und nicht eingehalten, über vieles, das jegliche Substanz auffrisst, wird fast nicht gesprochen. Es kommt einem fast so vor, als ob die vielen Worte weltweit nur dazu herhalten sollen, Taten zu verschleiern und vom eigentlich Problematischen abzulenken. (Wer diese Tatsache nicht erkennen mag und als „Verschwörungstheorien“ abstempelt, sieht wohl nicht genau genug hin!) Wir sollten uns wohl fragen: WO ist der blinde Fleck, wo sind die „blinden Flecken“, die es offensichtlich geben muss, über die uns alles entgleitet, die alle unsere Bemühungen ins Nichtige laufen lassen?!

„Siegreich“ ist, gemäss uraltem und menschheitsübergreifendem Wissen derjenige, der sich nicht ablenken lässt vom Eigentlichen. Weder durch sein eigenes Selbst noch durch „äussere Gegebenheiten“. Wollen wir wirklich siegen, müssen wir weise und zielgerichtet sein, müssen sowohl im Spirituellen als auch im Irdischen gut verwurzelt sein und zu bleiben verstehen. Müssen uns dessen bewusst sein, dass vieles, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, nichts anderes als Ablenkung vom Eigentlichen bewirkt und als „Fata Morgana“ somit auch unseren Untergang fördern kann. Auch hier enthalten die griechischen Sagen eindrückliche Geschichten, wie z. B. die des Odysseus und der Sirenen oder des Perikles, der, weise im inneren sowie clever im Handeln zur (abgrundhässlichen) „Medusa“ durchzudringen und ihr den SPIEGEL vorzuhalten vermag, wodurch er sie, nachdem sie sich selbst erkannt und so vor Schreck erstarrt ist, mir Leichtigkeit durch einen Schlag - von sich selbst - zu erlösen vermag….

Möge es uns in gleicher Weise gelingen, uns unseren Weg aus dem Gewirr und Gesäusel der sich reproduzierenden Meinungen heraus zu finden und unser Ziel zu erreichen. Der heilige Qur’an sowie die Sunna unseres Propheten sind uns Muslimen dabei Richtschnur und Anleitung, der IMAN in unserem Herzen sozusagen Wegzehrung.
Wer „meint“ kommt nicht in den „Himmel“ – wer glaubt, Iman hat und das richtige Handeln, hätte eigentlich um einiges bessere Chancen….

Du wirst dann die Ungerechten vor dem beben sehen, was sie bewirkt haben; denn es fällt auf sie gewiß zurück. Diejenigen aber, welche glauben und das Rechte tun, werden in Paradiesgärten sein und bei ihrem Herrn alles finden, was sie begehren. Das ist die große Huld!(42:22)

Wa la Haula wa la Quwwata illa Billah – und es ist keine Macht und keine Kraft ausser bei ALLAH.
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
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