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Karola Khan, Leiterin Islamologisches Institut

 
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Sumaya M.



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Beiträge: 31





BeitragVerfasst am: Mi 30 Sep, 2015 11:33    Titel: Karola Khan, Leiterin Islamologisches Institut

Karola Khan ist schon lange innerhalb der Islamischen Institutionen im deutschsprachigen Raum aktiv. 1995 war sie Mitgründerin des bis heute bestehenden ersten Islamischen Kindergartens in Wiesbaden. Sie war Gründungs – sowie von 1996 bis 2000 Vorstandsmitglied der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen IRH, deren Projekt die Etablierung des Islamischen Religionsunterrichts in Hessen als ordentliches Unterrichtsfach gemäß GG Art 3 und Art. 7/3 wie üblich, trotz Erfüllung aller gesetzlichen Vorgaben, an der politischen Willkür unterschiedlicher Parteien gescheitert ist. Von 1998 – 2000 war sie im Redaktionsteam des muslimischen „Freitagsblatt“ und seit der Gründung des Islamologischen Instituts im Jahr 2000 ist sie Leiterin des Instituts, zuständig für die Verwaltung und das Sekretariat. Wer den Grundlagenkurs für authentische islamische Wissenschaften, einzigartig im deutschsprachigen Raum, besucht hat, kommt an Karola nicht vorbei. Sie beantwortet Fragen, leitet weiter, wiegt ab, koordiniert und organisiert. Seit der Gründung des Instituts haben mehrere tausend Kursteilnehmer mit verschiedenstem, auch akademischem Hintergrund die Kurse besucht. Die Islamische Zeitung hat mit Karola Khan gesprochen.

SAMW: Liebe Karola, as Salamu aleikum. Sie bieten die Islamologie-Kurse in verschiedenen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz…

Karola Khan: ... aber nicht überall gleichzeitig. Es kommen Städte dazu, andere fallen wieder weg. Im Moment sind wir in Hamburg, Berlin, Aachen, Mülheim, Stuttgart, München, Volketswil (bei Zürich), Salzburg und Wien. Da die Kurse sich durch die Teilnehmerbeiträge finanzieren müssen, brauchen wir eine Mindestteilnehmerzahl.

SAMW: Die Kurse bestehen aus Wochenendseminaren von jeweils zwei Tagen über ca. zwei Jahre?

Karola Khan: Das kommt darauf an, wie die Termine liegen, es sind vier Kurse, jeder Kurs dauert ungefähr sechs Monate. Den Ramadan und die Sommerferien müssen wir berücksichtigen. Der Kurs wird auch immer nur dann weitergeführt, wenn genügend Anmeldungen eingehen. Wir können uns nicht nur auf mündliche Zusagen stützen, wenn wir Termine machen, müssen wir für alle einhergehenden Kosten geradestehen, das ist ein Risiko, das wir gänzlich alleine tragen. Wir haben wie gesagt keine Sponsoren, keine Finanziers, die Raummieten steigen ebenso die Flugtickest und Fahrtkosten– und es gibt nur die Teilnehmer, die die Kurse tragen. Es gibt Städte, wo ständig Kurse laufen, so in Köln und nun in Mülheim; in anderen Städten ergeben sich Pausen bis genügend Teilnehmer angemeldet sind, dann geht es weiter. Garantiert werden immer nur die sechs Monate –ein Semester - länger wollen sich die Teilnehmer meist nicht binden. Danach meldet man sich erneut an.

SAMW: Wie sieht das prozentuale Verhältnis der Geschlechter zueinander im Kurs aus?

Karola Khan: Überwiegend sind es Frauen, in allen Städten. Im ersten Kurs in Frankfurt war das Verhältnis 50/50. Mittlerweile sitzt in manchen Kursen nur ein Mann, zwei oder drei... sie sind immer in der Minderheit.

SAMW: Traurig...?!

Karola Khan: Ja. Die Brüder, nehme ich an, gehen davon aus, sie wissen schon genug. Sie gehen ja zur Chutbah am Freitag, viele sind schon als Muslime geboren… Frauen sind öfters Konvertiten und die suchen halt ... Die Motivation ist meist, sich selbst zu bilden und auch, dass man den Kindern als Mutter etwas weitergeben kann.

SAMW: Der Kurs, so kann man auf der Homepage lesen, versteht sich als „Angebot an die neue Generation von Muslimen, die im Westen sozialisiert und verwurzelt sind“. Hier müsste also doch große Nachfrage bestehen?!

Karola Khan: Die Nachfrage wäre sicher da, wenn der Kurs bekannter wäre. Wir machen keine Werbung, das läuft seit 14 Jahren immer nur über Mund–zu Mund–Propaganda: Teilnehmer bringen neue Teilnehmer. Ansonsten gibt es keine Werbung. Wir haben anfangs bewusst keine Werbung gemacht, da wir fürchteten, den Bedarf an Dozenten nicht decken zu können. Die Dozenten können nicht das ganze Jahr hindurch jedes Wochenende unterwegs sein, denn sie arbeiten die ganze Woche über an anderen Arbeitsstellen.
In der Tat finden wir nur sehr schwer Dozenten. Wir nehmen keine im Westen ausgebildete „Islamwissenschaftler“, dies ist für uns keine ausreichende Qualifikation. Unsere Dozenten müssen an einer anerkannten Islamischen Universität auf Arabisch studiert haben. Solche Leute findet man zwar, aber dann mangelt es oft am Deutsch. Dann können manche wiederum Deutsch, können jedoch nicht lehren. Es reicht nicht, vom Blatt abzulesen, man muss laut und vor allem frei dozieren können. Manche, die kamen, sagten von sich aus, nachdem sie die Skripte gelesen hatten, das sei ihnen zu schwierig, das Niveau sei zu hoch. Manch einer hat sich nach einem Probeunterricht entschuldigt: die Teilnehmer hätten zu viele Fragen gestellt. Man ist dieses kritische Hinterfragen oft nicht gewohnt, weiß auf so manches keine Antwort. Viele studieren und lernen auswendig, ohne verstanden zu haben, was sie studiert haben. Natürlich haben solche ein Problem damit, wenn kritische Fragen gestellt werden. Wir hatten einen Dozenten mit Magisterabschluss in „islamischer Theologie“, für den unser Fachbuch Quraan-Wissenschaft vom Niveau her zu hoch war, und deshalb hat er es nicht gewagt in unserem Islamologie-Kurs zu lehren. Aber heute ist dieser Mann Professor an einem der neu geschaffenen Lehrstühle im deutschsprachigen Raum!

SAMW: Der Unterricht erfordert ja seitens der Lehrkräfte einerseits die islamischen fachlichen Kenntnisse, andererseits auch ein umfassendes menschliches Verständnis….

Karola Khan: Und die Beherrschung der deutschen Sprache. Eigentlich ist es auch von großer Wichtigkeit, dass man im hiesigen Kulturkreis verwurzelt ist, damit man den Hintergrund der Fragen verstehen kann, die von den Teilnehmern gestellt werden. Wenn jemand nur im Ausland groß geworden ist, versteht er viele Dinge nicht oder interpretiert sie falsch, und dann kommen Antworten, die die Fragesteller vor den Kopf stoßen.
Wir planen nun, (jemand muss es ja machen …) eine private islamische Fakultät aufzubauen, wo eine Ausbildung auf Deutsch und Arabisch angeboten wird. Denn man kann zwar vieles auf Deutsch erklären, jedoch um in die Tiefe zu gehen, ist es unausweichlich auf das Arabische zurückzugreifen. Vielleicht mithilfe von Fernkursen über anerkannte Islamische Universitäten. Dies hätte längst passieren müssen, wie gesagt, von den Organisationen kommt wenig - wir arbeiten jetzt dran und hoffen, dass wir nächstes Jahr loslegen können.

SAMW: Was bekommt man aktuell für einen Abschluss vom Islamologischen Institut?

Karola Khan: Man bekommt ein Zertifikat mit detaillierten Angaben über Studieninhalte und abgelegte Prüfungen mit Noten. Die Ausbildung ist vergleichbar mit einer beruflichen Weiterbildung, also kein akademischer Abschluss.

SAMW: Wie sehen Sie die Entwicklung des Islamischen Religionsunterrichts IRU in Deutschland?

Karola Khan: IRU ist ein Fachbegriff, der an genau definierte Bedingungen geknüpft ist. Es gibt bisher, außer in Berlin, nirgends echten Religionsunterricht nach den Vorgaben des Grundgesetzes. Wir, vor allem wir Muslime müssen das Kind beim Namen nennen, bei seinem korrekten Namen, denn die derzeitigen Schulversuche erfüllen alle nicht die Vorgaben unserer Verfassung. Es sind Versuche, den Muslimen ihr in der Verfassung verankertes Recht auf Religionsunterricht vorzuenthalten, mit den gleichen vorgeschobenen Gründen, und das seit mehr als 30 Jahren. Nicht wir Muslime sind unfähig, die Bedingungen zu erfüllen, sondern es fehlt schlicht der politische Wille. Nennen wir es also „Religiöse Unterweisung“ oder „Islamkunde“ oder auch „Mogelpackung“, aber bitte nicht „Islamischen Religionsunterricht“.

SAMW: In Österreich ist die Situation ähnlich?

Karola Khan: In Österreich gibt es die IGGiÖ, die als Religionsgemeinschaft den IRU gemäß der Verfassung organisiert, die IRPA/ Privater Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen, die unsere muslimischen Religionslehrer ausbildet, sowie der IHL/ Hochschullehrgang für Islamische Religionspädagogische Weiterbildung, der die Fort- und Weiterbildung der Islamischen Lehrkräfte leitet. Der akademische Leiter des Islamologischen Instituts Mag. Amir Zaidan hat mehr als 10 Jahre an der IRPA doziert und den IHL aufgebaut und 10 Jahre geleitet.

SAMW: Gibt es einen Rückhalt des Instituts in der arabischen Welt, wenn ja, welchen?

Karola Khan: Das Institut wurde von uns in Deutschland gegründet, und wir arbeiten seitdem alleine. Die Inhalte sind diejenigen Inhalte, die an den Islamischen Universitäten gelehrt werden. Wenn man sich den Lehrplan ansieht, erkennt man die Anlehnung an die normalen Curricula dieser Islamischen Universitäten. Es gibt auch keine Fixierung auf oder Bevorzugung einer Fiqh-Schule, alle Schulen werden dargestellt und jeder kann sich das herausnehmen, was er möchte: Es ist wichtig, die Vielfalt der Muslime darzustellen, klarzumachen, dass die Vielfalt existiert und dass sie gewollt und richtig ist; Wir hatten in den Kursen auch schon schiitische Studenten, alevitische, auch einige christliche Theologen sowie nicht-muslimische LehrerInnen, die wissen wollten, worauf sich ihre muslimischen Schüler berufen. Unsere Kurse sind offen für alle. Zielgruppe sind natürlich vorrangig die Muslime aber jeder, der interessiert ist, ist willkommen. Wir fragen nicht, wer Muslim ist, wer nicht, das muss auch bei der Anmeldung nicht offengelegt werden, denn es interessiert uns nicht. Viele Frauen kommen auch ohne Kopftücher, und wir fragen nicht nach ihrem religiösen Hintergrund. Wir wollen niemanden abschrecken. Wir wollen Wissen vermitteln an alle, die Interesse daran haben.

SAMW: Ihr arbeitet auch an der Übersetzung einiger Grundlagenwerke in die deutsche Sprache, ist das richtig?

Karola Khan: Was im Moment ins Deutsche übersetzt wird, ist der komplette Sahiih Al-buchaariy, das sollen acht Bände werden. Diese Übersetzung ist ganz anders als die bisher auf Deutsch erhältlichen. Wir übersetzen das gesamte Werk und nicht nur Auszüge. Das ist der eine Unterschied, der wichtigste Unterschied aber ist, dass nicht nur Sprache übertragen wird mit den bekannten Mängeln und Verzerrungen, sondern qualifizierte Fachleute der Islamologie übertragen den Inhalt unter Verwendung der adäquaten und vor allem islam-konformen Fachterminologie sowie unter Berücksichtigung aller Disziplinen der Islamischen Wissenschaften. Band 1 wurde herausgegeben, Band 2 ist momentan in Arbeit.

Ein weiteres Projekt des Institutes ist die Islamologische Enzyklopädie. Eine Enzyklopädie der Islamischen Wissenschaften auf Deutsch mit 12 Bänden. Hiermit wollen wir erstmals die Islamischen Wissenschaften auf akademischem Niveau einem deutschsprachigen Publikum zugänglich machen. Herausgegeben haben wir bisher 9 der geplanten 12 Bände. Die Arbeit an diesem Projekt begann vor mehr als 20 Jahren, noch bevor wir die Islamologie-Kurse begonnen haben. Fiqhul-‘ibaadaat war 1996 das erste Buch, Al-‘aqiidah 1997 das zweite. Diese beiden Bücher wurden kurz darauf (1999) überarbeitet, denn bei der Arbeit an diesen Werken hat Amir Zaidan, der Autor dieser Fachbücher, sehr bald gemerkt, dass die im Westen übliche Verwendung christlich geprägter Begriffe für islamische Inhalte den Islam nicht adäquat wiedergeben, gar verfälschen. So ist z.B. der Islam „die freiwillige Hingabe“ und nicht „die Unterwerfung“ mit dem Beigeschmach des Zwangs, auch der Begriff Gläubige für uns Muslime ist nicht passend, denn Muslime glauben ALLAAH und seinem Propheten, dies ist nämlich die Bedeutung von Iimaan „at-tasdiiq“. Es ist ein großer Unterschied zwischen „ich glaube an dich“ und „ich glaube dir“. Denn jemandem zu glauben, setzt voraus, dass man die Wahrhaftigkeit dieser Person kennt. Deshalb überprüfen die bewussten Muslime alle Tradenten von islamischen Inhalten auf Wahrhaftigkeit, Seriosität und Erinnerungsvermögen, insbesondere in Bezug auf Inhalte, die man weder durch Logik noch durch Experimente belegen kann. Diese Liste an falschen Begriffen ist leider immer noch sehr lang und ich wünschte mir, dass viel mehr Geschwister diesen Umdenkungsprozess in Bezug auf die islamischen Termini nach nunmehr 15 Jahren zur Kenntnis nehmen und sich dazu durchringen, die „liebgewordenen“ falschen Begriffe durch eine islam-konforme Terminologie zu ersetzen. Wir müssen erkennen, dass sehr viele Vorurteile und Missverständnisse darauf beruhen, dass wir Muslime eine unpassende Sprache verwenden.

Mit großem Unbehagen haben wir gemerkt, dass sogar in den vorhandenen Quraan-Übersetzungen, die auch wir zu Anfang benutzten, durch die Verwendung dieser falschen Terminologie viel an Fehlern enthalten ist. Obwohl bei dem Projekt der Enzyklopädie anfangs kein eigener Tafsiir geplant war, erkannten wir die Notwendigkeit, vor der Herausgabe der anderen Fachbücher zunächst eine eigene Quraan-Übersetzung zu erstellen. So kam es, dass das dritte Buch dieses Projektes ein neuer Tafsiir war. Im Jahr 2000 gaben wir unsere erste neuartige Übersetzung heraus, die erstellt war unter Berücksichtigung der islamischen ‘Aqiidah und der anderen für einen islam-konformen Tafsiir relevanten Fachdisziplinen, wie ‘Uluumul-quraan, Usuulul-fiqh, ‘Uluumul-hadiith usw. und unter Verwendung einer islam-konformen Fachterminologie, selbstverständlich wurden auch die Tafsiir- und Quraan-Kommentare führender Exegeten miteinbezogen. Im Vorwort wird in diesem Tafsiir erläutert wie wichtig es ist, auf die Fachbegriffe zu achten und es werden Beispiele für gravierende Fehler angeführt, die leider immer noch in den Quraan-Übersetzungen stehen, als Folge der Nichtberücksichtigung der ‘Aqiidah und Nichtbeachtung der Terminologie.

Nach dieser Vorarbeit starteten wir im Jahr 2000 mit dem Unterrichten der Islamischen Fachwissenschaften in den Islamologie-Kursen. Da es außer für die Module Fiqhul-ibaadaat und ‘Aqiidah kein Unterrichtsmaterial für die anderen islamologischen Fächer wie Hadiith- oder Quraan-Wissenschaft gab, mussten die Dozenten eigene Unterlagen für die jeweiligen Unterrichtsstunden erstellen, die als Kopien an die Teilnehmer verteilt wurden. Diese Skripte wurden im Laufe der Kurse immer wieder überarbeitet und ergänzt, denn aus den Fragen und Rückmeldungen der Teilnehmer konnte man ableiten, was wichtig, was unwichtig und was vielleicht unnötig ist und welche Themen und Fragestellungen unbedingt ergänzt werden sollten.

Nachdem für alle Disziplinen der islamischen Wissenschaften umfangreiche Skripte erstellt waren, wollten wir den nächsten Schritt gehen, und dieses Wissen nicht nur den Kursteilnehmern, sondern einem breiten Leserkreis zur Verfügung stellen. Ziel war ja von Anfang an, dass das Projekt der Islamologischen Enzyklopädie ein Waqf/Stiftung werden soll. Das Problem, als wir die Bücher drucken wollten, war dann die Finanzierung des Drucks. Da wir immer unabhängig waren und bleiben wollen, haben wir weder Sponsoren noch andere Geldgeber und auch keinen Verlag, der uns vorschreiben kann, was wir drucken sollen und was nicht.

Um Kosten zu sparen, machen wir alles, was wir selbst machen können auch selbst: neben dem Verfassen der Fachbücher, erledigen wir Korrektur und Lektorat, erstellen das Layout, geben im Selbstverlag heraus, übernehmen Organisation, Transport, Lagerung und den Vertrieb unserer Bücher. Um den Druck der ersten Bücher zu finanzieren haben wir unseren Islamologie-Teilnehmern unser Enzyklopädie-Projekt vorgestellt und um Beteiligung an diesem Waqf-Projekt gebeten. Wir haben eine Subskription für alle 12 Bände angeboten zu einem sehr günstigen Preis. Die Resonanz unsere Islamologie-Ummah war überwältigend. Viele Teilnehmer haben die Bücher im Voraus bezahlt und abgewartet und uns vertraut, dass wir die Bücher liefern. Sie haben sehr geduldig lange abgewartet bis sie das erste Buch erhielten. Mittlerweile sind 9 Bücher gedruckt und wir hoffen, dass wir die noch fehlenden drei Bände bis Ende 2016 liefern können.
Die Subskription der Enzyklopädie und auch von Sahiih Al-buchaariy ist immer noch möglich. Allerdings nicht mehr zu den Bedingungen wie zu Beginn, denn die Druck- und Papierpreise sind in den letzten Jahren explodiert und außerdem erhalten die neuen Besteller nun sofort 9 Bücher.

Seit Ramadan haben wir ein weiteres Projekt verwirklicht, unsere neue Internetseite. http://www.islam-wissen.com. Mit dieser Seite wollen wir eine Alternative bieten zu den unzähligen Seiten, die eine extreme Ideologie verbreiten und den Islam entstellen. Wir wollen authentisches islamisches Wissen verbreiten und deshalb findet man auch die gesamte Enzyklopädie online und Sahiih Al-buchaariy-Band wird ebenfalls online zugänglich gemacht.

SAMW: Wirkt sich das nicht nachteilig auf den Verkauf aus?

Karola Khan: Es kommt uns nicht auf den Verkauf an, sondern darauf, dass das Wissen weitergegeben wird. Schauen Sie, die Menschen leben mittlerweile quasi im Internet und deshalb müssen wir das Wissen auch dort zugänglich machen. Es gibt aber immer noch Menschen, die ein Buch lesen wollen, die werden dann ein Buch kaufen. Auch zum Lernen und zum Nachschlagen eignen sich Bücher besser, aber zur schnellen Information, zum Nachlesen bei einer aktuellen Frage ist das Internet unumgänglich.
Die Internetseite ist auch deshalb überaus wichtig, weil sie einen Gegenpol zu diesen „Rattenfängern“ setzt, die unsere jungen Geschwister auf den falschen Weg führen. Unseres Wissens ist bis anhin keiner unserer Teilnehmer auf diese Leute hereingefallen. Aber wir wissen – auch aus den Medien - von Schülern, die diesen „Wischiwaschi-Islamunterricht“ genossen haben, nach dem Motto, man kann ja alles machen, „Hauptsache Islam ist im Herzen …“, (Schwimmunterricht mit der Lehrerin im Bikini inbegriffen) mehrere bei den Extremisten in Syrien gelandet sind. Junge Menschen suchen einen Sinn in ihrem Leben, sie wollen ihre islamische Identität finden, sie brauchen Werte und vor allem wollen sie Grenzen kennenlernen, wenn wir sie ihnen nicht aufzeigen, suchen sie dies woanders, an den falschen Stellen im Internet bei den „Rattenfängern“.

SAMW: Authentisches Islamisches Wissen verhindert also das Abdriften in den Extremismus?

Karola Khan: Ja sicher. Deshalb ist es so wichtig, dieses Wissen weiterzugeben und deshalb wünschen wir uns auch mehr Zugriff auf unsere neue Internet- Seite http://www.islam-wissen.com. Man kann bei uns nicht nur die Bücher lesen, sondern es gibt eine Rubrik für Fatwas, man kann Fiqh-Fragen stellen und Auskünfte verlangen. Diejenigen, die Antworten geben, sind ausgebildete Fachleute der jeweiligen Fiqh-Schulen, kein Abu X oder Umm Y die aus dem Bauch heraus ihre Meinungen kundtun. Die Antworten werden auch veröffentlich (natürlich anonymisiert), so dass man im Fatwa-Archiv stöbern und sich informieren kann.

SAMW: Um nochmals auf den Inhalt der Enzyklopädie zurückzukommen - das ist sozusagen die Essenz der traditionellen Bücher. Der Kurs und damit die Enzyklopädie sollen, wie es ein Referent mal ausgedrückt hat, einen „Überblick über die Quellen und deren Verwendung“ bieten.

Karola Khan: Die Inhalte unserer Enzyklopädie müssen natürlich die gleichen sein, wie in den Standardwerken der Gelehrten. Wir haben nichts Neues erfunden, es wird jedoch etwas anders dargestellt, auf unsere Zielgruppe, die deutschsprachen Leser zugeschnitten. Im arabischen Raum wird oft in unendlichen Variationen immer das Gleiche wiederholt, damit es sich besser einprägt. Die Europäer, besonders wir Deutschen bevorzugen es etwas strukturierter, z.B. mit System wie 1. 2. 3. a) b) c)… Deswegen: bei der Enzyklopädie wird nichts übersetzt, sondern es wird auf Deutsch geschrieben. Die Quellen, die auch angegeben werden sind natürlich die arabischen Fachbücher, eine Zusammenfassung von allem, wobei der Schwerpunkt auf den Themen liegt, die für die Muslime im deutschsprachigen Raum wichtig sind. Im Fiqhul-mu‘aamalaat zum Beispiel ist diese Fatwa über die „Halalisierung“ von Riba/Zinsen drinnen. Die gesamte Fatwa, mit Übersetzung und Analyse und es wird wissenschaftlich gezeigt, dass diese Fatwa falsch ist.

SAMW: Gibt es insofern eine Zusammenarbeit mit den Muslimischen Organisationen, als sie euch in Eigenregie sozusagen- für den Kurs Leute vermitteln?

Karola Khan: Nicht die Organisationen. Es sind in der Regel unsere Teilnehmer, die uns kennen, die sich für die Kurse einsetzen. Bevor wir angefangen haben, haben wir alle großen Organisationen angeschrieben. Zuvor hatten wir ja schon mindestens 10 Jahre lang Da´wah-Arbeit gemacht, man hat uns gekannt. Als die Idee mit dem Institut kam, haben wir alle angeschrieben, unsere Vorstellungen dargelegt, den Lehrplan geschickt, um Mithilfe und Zusammenarbeit angefragt. Es kam keine Antwort, auch nach 2-3-maligem Anmahnen, Nachhaken – nichts.
Das soll allerdings nicht heißen, dass wir ein schlechtes Verhältnis haben mit den Organisationen, aber Kooperation in dem Sinn gibt es nicht. Wir kennen und respektieren uns.

SAMW: Wie ist das aber möglich nach vormaligem Miteinander?

Karola Khan: Was wir zuvor gemacht haben, waren Projekte innerhalb von lokalen Arbeitskreisen. Regionale Dinge wie Friedhofsprojekt, Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge. Ich nehme an, es ging und geht auch darum, unter welchem Namen ein Projekt läuft. Unsere Zielgruppe sind nicht nur bestimmte Ethnien oder bestimmt Fiqh-Schulen oder Angehörige bestimmter Organisationen, sondern wir sind offen für alle.

SAMW: Wie stellt sich für Sie als langjährige „Insiderin“ die Entwicklung der Islamischen Gemeinschaften in Europa in den letzten Jahrzehnten dar?

Karola Khan: Dazu kann ich wenig sagen, denn ich lebe mittlerweile ziemlich isoliert. Es ist mit unseren Projekten sehr viel Arbeit verbunden.

SAMW: Steigt das Interesse, an dem, was Ihr anzubieten habt?

Karola Khan: Es geht wellenförmig auf und ab, nicht kontinuierlich. Das kann auch daran liegen, dass wir keine Werbung machen. Die meisten, die kommen, sagen, wenn ich das gewusst hätte, wäre ich viel früher gekommen. Was wir für die Zukunft planen, ist Online-Unterricht, so kann man mehr Leute erreichen ohne zu reisen.

SAMW: Was wäre Ihr Aufruf, Ihr Anliegen an die Muslime?

Karola Khan: Dass sie mehr Wert auf Bildung legen. Allgemeinbildung sowie auch Islamische Bildung. Denn die Priorität vieler Geschwister liegt leider auf Konsum. Die Bereitschaft, in Bildung zu investieren, muss mehr werden. Für Markenkleider oder IPads, für Urlaub etc. wird Geld ausgegeben, für Bücher und Bildung eher weniger. Auch Da‘wah kann nur funktionieren, wenn wir das entsprechende Wissen haben, denn wir können nichts weitergeben, was wir nicht haben. Unser Problem ist das Unwissen unserer Ummah, dies erleichtert die Arbeit der „Rattenfänger“.

SAMW Noch etwas anzufügen?

Karola Khan: Nun, wichtig ist uns, dass unsere Projekte bekannter werden: die Islamologie-Kurse, die Islamologische Enzyklopädie, das Buchaariy-Projekt und die neue Internetseite islam-wissen.com damit noch mehr Menschen von dem dort angebotenen Wissen profitieren können.
Für die Kurse können sich außer Kursteilnehmern gerne auch Dozenten bei uns melden, denn wir brauchen Nachwuchs und wünschen uns Nachwuchs. Wir wünschen uns auch, dass die Islamischen Organisationen unseren Vorstoß als Ansporn ansehen, etwas Ähnliches anzubieten, Konzept, Lehrplan und Beratung bieten wir gerne an. Wir wollen kein Monopol in diesem wichtigen Bereich, wir wünschen uns, dass es viel mehr Bildungsangebote auf akademischem Niveau auf Deutsch gibt, denn den Bedarf können wir gar nicht allein decken.

SAMW: Liebe Karola, wir danken herzlich für das Gespräch!
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