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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Do 26 Jun, 2014 19:19    Titel:

Der Landbote; 04.02.2006

NACHGEFRAGT BEI...

Hasan Taner Hatipoglu, Vizepräsident der Vereinigung Islamischer Organisationen in Zürich


«Die Karikaturen sind eine gezielte Provokation»

Was empfinden Sie, wenn Sie die Karikaturen ansehen?
Ich persönlich empfinde nichts als Abscheu vor diesen Zeichnungen.

Was ist denn an Karikaturen für Muslime so abstossend?
Erstens gibt es ein religiöses Verbot, den Propheten abzubilden. In den Karikaturen wird nicht nur das Verbot missachtet, verschärfend kommt hinzu, dass er eine Bombe auf dem Kopf trägt. Diese herabsetzende Art der Darstellung hat nichts mehr mit künstlerischer Freiheit zu tun. Die Karikaturen sind eine gezielte und bewusste Provokation. Für Schweizer Bürger gibt es schliesslich auch Grenzen der künstlerischen Freiheit:
Die verunglimpfende Darstellung der Person Bundesrat Blochers an einer Ausstellung in Paris hat doch die Gefühle vieler Leute hier verletzt und sogar im Parlament zu heftigen Debatten geführt.

Dann können Sie die teils sehr heftigen Reaktionen vieler Muslime in der Welt nachvollziehen?
Ich billige nicht alle Formen der Reaktion, will sie aber nicht werten. Man hätte viele Proteste verhindern können, wenn man sich nicht hinter der Presse- und Meinungsfreiheit verschanzt und die Veröffentlichung der Karikaturen damit gerechtfertigt hätte. Ich möchte in diesem Zusammenhang auch an die heftige Reaktion auf den jüngsten Film über Christus erinnern. Darauf haben Christen sehr heftig reagiert, es kam in europäischen Städten zu Brandanschlägen auf Kinos.

Aber dass die Presse gewisse Freiheiten hat, das anerkennen Sie?
Man sollte einfach die Wertvorstellungen anderer Glaubensgemeinschaften respektieren. Dazu muss man weder Moslem noch Christ sein.

Stellen die Karikaturen ein Zeichen für wachsende Islamfeindlichkeit in Europa dar?
Die Karikaturen sind eine Beleidigung des Islams. Offensichtlich gefällt es immer mehr Leuten, dass der Islam gedemütigt wird. Warum dies so ist, weiss ich nicht.

Auch in der Schweizer Presse sind Mohammed-Karikaturen veröffentlicht worden. Ziehen Sie die betreffenden Medien vor den Schweizer Presserat?
Wir wollen jetzt nicht allein vorpreschen. Unter den hiesigen Muslimen – den liberalen wie den radikaleren – herrscht meines Wissens Einigkeit, dass die Vereinigung der Islamischen Organisationen etwas unternehmen muss. Wir möchten unseren Protest aber breiter abstützen und suchen dazu
auch den Kontakt zu anderen Religionsgemeinschaften. Zurzeit sind Gespräche im Gange.

Wie kann man in Zukunft solche Eskalationen verhindern?
Die Medien spielen hier eine Schlüsselrolle. Sie können viel zu einer sachlichen Diskussion unter den Religionen beitragen. Aber nicht, indem sie beleidigende Bilder in Umlauf bringen. Da sollten sie sich selber klare Grenzen setzen.

INTERVIEW: CHRISTINA PEEGE
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BeitragVerfasst am: Sa 09 Aug, 2014 15:31    Titel: Islamistische Gräueltaten

Täglich erreichen uns Meldungen über Gräueltaten islamistischer Gruppierungen wie IS (Islamischer Staat) im Irak oder Boko Haram in Nigeria.

Am 7. August erreichte mich eine Anfrage von der KIPA Redaktion, folgende Fragen zu beantworten.
Auf das berechtigte Verlangen der Journalistin wurde diese Dokumentation nun anonymisiert.



From: Kipa Redaktion
Sent: Thursday, August 07, 2014 9:29 AM
To: info@vioz.ch ; m.hanel@gmail.com
Subject: Anfrage Stellungnahme

Guten Tag


Darf ich Sie als Vertreter eines grossen islamischen Dachverbands um eine Stellungnahme zu folgendem Thema bitten?

"Ich stelle meine Fragen im Bewusstsein, dass muslimische Extremisten nicht stellvertretend für den Islam stehen und Muslime in der Schweiz nicht für Taten extremistischer Muslime verantwortlich gemacht werden können. Mir geht es darum, dem durch Extremisten vermittelten Islambild etwas entgegenzusetzen."

Täglich erreichen uns Meldungen über Gräueltaten islamistischer Gruppierungen wie IS (Islamischer Staat) im Irak oder Boko Haram in Nigeria.

• Was lösen diese Meldungen bei Ihnen als Muslim aus?

• Was glauben Sie, was solche Meldungen bei nichtmuslimischen Schweizern auslösen?

• Ich habe bisher keine offizielle muslimische Stimme in der Schweiz gehört, die sich von solchen Gräueltaten im Namen der Religion distanziert hätte. Warum schweigen die Muslime in der Schweiz dazu?

• Solche Meldungen prägen das Islambild vieler nichtmuslimischer Schweizer. Was setzen Sie dem entgegen? Was können Sie tun, damit nichtmuslimische Schweizer ein anderes Bild von Muslimen bekommen? (vgl. hierzu der Beitrag von Frank A. Meyer im Sonntagsblick vom 3. August: http://www.blick.ch/news/politik/fam/frank-a-meyer-totalitaere-religion-id3028202.html´.)


----------------------------------------------





M.Hanel hat Folgendes geschrieben:


Vielen Dank für Ihre Anfrage.

Einfache Fragen sind zu einer komplexen Thematik leider nicht ebenso einfach zu beantworten, sondern bedürfen einer äußerst differenzierten Untersuchung und Darstellung der Sachlage, der ebenso komplexen Zusammenhänge und die Bezugsetzung zur mainstream Berichterstattung, allgemeinem Bildungsniveau und Politik. Diese wenigen genannten Voraussetzungen alleine zeigen, dass eine umfängliche und kompetente Stellungnahme den Rahmen dessen sprengt, was für jene Medien, welche mit ihren Mitteilungen den Großteil der Bevölkerung erreichen, als interessant und berichtenswert gilt.

Dennoch erlaube ich mir ein offenes Wort an Sie und teile Ihnen gleichzeitig mit, dass ich diese Mitteilung an Sie als private Mitteilung sehe und ich diese in keiner Form für die mediale Veröffentlichung freigebe. Sollten es Ihnen nach der Lektüre meiner Zeilen immer noch darum gehen,- in Kooperation mit mir - dem durch Extremisten vermittelten Islambild etwas entgegenzusetzen, dann müssten wir uns wohl etwas Neues einfallen lassen.

Ihr morgen erscheinender, mir schon heute vorliegender Artikel*: “Dachverbände der Schweizer Muslime verurteilen Aggression im Namen des Islams” gibt ja nun ohnehin die Meinungen von H. Maizar und F. Afshar, resp. FIDS und KIOS, also den Sprechern der nationalen Dachverbände wieder, welche, davon gehe ich mit Gewissheit aus, von der absoluten Mehrheit der Muslime in der Schweiz und auch von der VIOZ geteilt werden.

Hinzufüge ich nur mein außerordentliches Bedauern über das Interesse der Schweizer Medien die “leisen Stimmen” der Schweizer Muslime ständig von den “grässlich lauten Stimmen” einer absoluten Minderheit von Muslimen im Ausland übertönen zu lassen.

Sollten Sie diesem Artikel nun noch eine Erwähnung der VIOZ, also ein Zitat einfügen wollen, bitte ich Sie mir dies kurz zukommen zu lassen.


Mitteilung:

Inzwischen haben sich die Wahrnehmungsfronten zwischen Muslimen und – ja, ich gestatte mir den Gebrauch dieses Wortes – medial indoktrinierten und ideologisierten europäischen Bevölkerungsmehrheiten dermaßen verhärtet, dass es für die meisten Muslime nicht mehr sinnvoll erscheint, ihre Standpunkte darzulegen und zu vertreten. Dies auch deshalb, weil sie dies in der Vergangenheit bereits zur Genüge getan haben, ohne dass diesem Umstand auch nur in irgendeiner wesentlichen Form Rechnung getragen wurde und/oder wird. Ich verweise dabei für die Schweiz nur an die Grundsatzerklärungen von VIOZ und anderen Verbänden. Vielmehr wurde es gang und gäbe, solche Erklärungen als Finten, Heucheleien, als “Taqqiya” u.ä. zu erklären, welchen man keinerlei Glauben schenken dürfe.
Oben erwähnter theologisch völlig ungebildeter und leider umso mehr ein gebildeter Frank A. Meyer ist einer jener sich “superschlau” dünkenden und ohnehin alles “besser wissenden” Proponenten kommenden sozialen Unfriedens und Unheils, welche die zwingenden Ergebnisse solcher Denkungsart sind. (Auch dieser lesenswerte und hervorragend recherchierte Artikel über den offenbar böswillig agierenden Abdel Samad wird daran nichts ändern. Ein Buch von Hamed Abdel-Samad: „Der islamische Faschismus“ Eine Karikatur des Islam http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20302&css=print ).

Auch Fragen, ..., wie Sie sie oben stellen -

Täglich erreichen uns Meldungen über Gräueltaten islamistischer Gruppierungen wie IS (Islamischer Staat) im Irak oder Boko Haram in Nigeria.
• Was lösen diese Meldungen bei Ihnen als Muslim aus?


sind nicht angetan, eine Kooperation mit der Presse anzustreben. WAS um Gottes Willen, sollen Meldungen über Gräueltaten bei MENSCHEN (egal welchen Glaubens) wohl auslösen? Hmm??? Solche Art von Fragen kann doch nicht wirklich ernst gemeint sein?

Auch die zweite Frage

Was glauben Sie, was solche Meldungen bei nichtmuslimischen Schweizern auslösen?

ist doch eher als Affront gegenüber der Vernunft und Menschlichkeit des/der Befragten aufzufassen und weniger als echtes Bedürfnis die Denk- und Sichtweise der Befragten und der nicht nichtmuslimischen Schweizer zu erforschen!?!

Wer sind die Leute, die wirklich glauben, dass Gräueltaten bei nichtmuslimischen und nicht nichtmuslimischen (= Muslimen) VERSCHIEDENE Reaktionen hervorrufen?
Doch offenbar Menschen, die doch tatsächlich meinen, Muslime empfänden unmenschlich und Nichtmuslime wären alleine menschlichen Empfindens fähig? Nein? Falsch interpretiert?

Warum in aller Welt also, sollten sich Muslime solchen Fragen aussetzen, sich diese stellen lassen, solche beantworten oder zu solchen, als Fragen verkleideten abstrusen Behauptungen Stellung beziehen?
Ganz andere Fragen wären zu diskutieren, will man den psychologischen, politischen und sozialen Zusammenhängen wahrhaftig auf den Grund gehen, die auf muslimischen Gebieten und dem Rest der Welt ihr unseliges Verderben entfalten.

Jürgen Todenhöfer ist einer der wenigen die man in den Medien auftreten lässt, welcher die RICHTIGEN Fragen stellt und sich auch nicht scheut, die richtigen, ordentlich recherchierten Antworten einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen.
Seine Thesen sind zu diskutieren, seine Schlussfolgerungen zur Kenntnis zu nehmen, zu falsifizieren/verifizieren, soll ein Dialog zum Frieden wieder möglich gemacht werden.
Da dies nicht nur nicht ausreichend und nachhaltig geschieht, sondern vielmehr mit allen Mitteln verhindert wird, warum sollten sich in Wort und Schrift weniger beschlagene Muslime überhaupt noch in die Debatte einbringen? Haben SIE Frau Stam einen guten Grund dafür vorzutragen?

Sie schreiben weiter:
Ich habe bisher keine offizielle muslimische Stimme in der Schweiz gehört, die sich von solchen Gräueltaten im Namen der Religion distanziert hätte. Warum schweigen die Muslime in der Schweiz dazu?


Nun, vielleicht liegt dies eben an oben genannten Gründen?

Haben die FIDS und die KIOS als “nationale” Dachverbände an das an der Spitze der antiislamischen medialen Stimmungsmache stehende Printmedium keine Stellungnahme verschickt?
(Sehen Sie das attachment http://www.gsiw.ch/Stellungnahme_der_Nationalverbaende.pdf und http://www.ref.ch/subpages/gesellschaft-politik/muslimische-dachverbaende-verurteilen-gewalt-im-namen-des-islams/ ). Habe ich diese Stellungnahme nicht im GSIW Newsletter und auf der GSIW Homepage http://www.gsiw.ch unmittelbar nach seiner Fertigstellung veröffentlicht?

Leider und allerdings habe ich auch die Aktualisierung der VIOZ Homepage abgegeben und deshalb war diese Stellungnahme dort nicht zu finden ... ja, tatsächlich ein bedauernswertes Versäumnis.

Doch hat FIDS diese Stellungnahme nicht auf ihrer HP veröffentlicht?

Bestimmt wäre es professioneller von den nationalen Dachverbänden gewesen, diese Verlautbarung als allgemeine Pressemitteilung heraus zu geben. Doch hätte dies wirklich etwas geändert?

Und – nochmals zur Klarstellung. Der BLICK, also der Empfänger dieser Stellungnahme vor einiger Zeit, führt nach wie vor die antiislamische mediale Kampagne in der Schweiz an, oder etwa nicht?
Wozu also Stellungnahmen überhaupt?
Damit sie, ich deutete es schon oben an, als lügnerische Feindpropaganda diskreditiert wird und als Wasser auf den Mühlen der wirklichen Lügner - jegliche Wahrheit zu unkenntlichen Bruchstücken zermalmt?

Sie fragen zuletzt, was “SIE” (meinen Sie etwa mich als Individuum oder als Pressesprecher oder Vorstandsmitglied der VIOZ, welcher gerade erst aus dem Urlaub zurückkam? da Sie “Sie” groß geschrieben haben) dem vergifteten Islambild der Nichtmuslime in der Schweiz entgegensetzen ...
Wie dem auch sei:

Muhammad Hanel schreibt und veröffentlicht seit beinahe 30 Jahren ( http://www.islamheute.ch ), veröffentlichte eine ganze Menge an Stellungnahmen (GSIW Forum http://www.gsiw.ch http://muslime.forumprofi.de/index.php ), Medienmitteilungen für VIOZ und GSIW, http://hanelislam.com/interviews/ bespricht und berät mit verschiedenen muslimischen und nicht-muslimischen Persönlichkeiten mögliche Vorgangweisen ... und erreicht doch keine anderen Ergebnisse als Aufforderungen, sich ständig zu wiederholen – ohne dass dadurch auch nur die geringste Verbesserung im Verhältnis der Muslime und Nichtmuslime in der Schweiz zu erreichen wäre ... was also (noch) tun?

Nach wie vor gilt: «Mir fehlt die respektvolle, transparente und nachhaltige Diskussion strittiger Themen der Classe politique mit entsprechenden Kräften aus muslimischen Reihen», sagt Hanel.
Quelle: Muslimisches Gräberfeld in Schlieren Limmattaler Zeitung http://www.gsiw.ch/Muslimgrabfeld_1_Jahr_danach_Schlieren.pdf .

In der Hoffnung dass meine längeren Ausführungen Ihre Fragen auf indirekte Weise beantwortet oder doch zu gewissem Nachsinnen angeregt haben und der Befürchtung, dass auch diese aufwändige Bemühung Liebesmüh’ vergeblich war,

verbleibe ich mit besten Grüßen
Muhammad M. Hanel




Hier noch der Beitrag, welcher in der KIPA erscheinen soll und der mir zu Verfügung gestellt wurde.

Dachverbände der Schweizer Muslime verurteilen Aggression im Namen des Islams

Zürich, 7.8.14 (Kipa) Die beiden grossen islamischen Dachverbände der Schweiz verurteilen aufs Schärfste jegliche Aggression im Namen des Islams. In ihren Stellungnahmen bedauern Hisham Maizar, Präsident der Föderation der islamischen Dachorganisationen Schweiz (Fids), und Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (Kios), dass Berichte über islamistische Terrorgruppen wie Islamischer Staat (IS) im Irak und Boko Haram in Nigeria die leiseren muslimischen Stimmen in der Schweiz übertönen. Diese rufen zu Besonnenheit und friedlichem Zusammenleben in der Schweiz auf.

"Wut und Entsetzen" lösten die Medienberichte über IS und Boko Haram bei ihm als Muslim aus, sagt Hisham Maizar auf Anfrage der Presseagentur Kipa. Die Ideologie dieser Gruppierungen sei "extremistisch, radikal und fundamentalistisch." Sie entweihten die Religion und stellten eine grosse Last für deren Anhänger dar.

Dass politische Gruppierungen aus der Religion eine Kampforganisation machten, erinnere ihn an die Mentalität der Kreuzzüge. Diese habe aus dem Christentum als Religion der Liebe eine Eroberungsreligion gemacht, schreibt Afshar auf Anfrage der Kipa. "Wie sehr müssen die wahren Christen damals angesichts des Fanatismus gelitten haben? So ergeht es den Muslimen, wenn sie mit Entsetzen sehen, was Kriegsverbrecher im Namen ihrer Religion des Friedens Verbrechen verüben", so Afshar weiter.

Intensivere Überzeugungsarbeit nötig

"Wer einen Menschen tötet, für den soll es sein, als habe er die ganze Menschheit getötet. Und wer einen Menschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Menschheit gerettet", zitiert Afshar aus dem Koran. In diesem Sinne hätten die muslimischen Dachverbände in der Schweiz immer wieder öffentlich Stellung bezogen, was leider in den Medien nur geringen Widerhall gefunden habe.

Die beiden Vorsitzenden der islamischen Dachverbände bedauern, dass es der islamischen Glaubensgemeinschaft in der Schweiz noch nicht hinreichend gelinge, den Islam in der Schweiz im Alltagsleben bekannt zu machen. Dies, obschon sie eng zusammenarbeiteten, aufklärende Vorträge hielten und besonders das Gespräch mit den Jugendlichen in ihren Gemeinschaften sowie mit Nicht-Muslimen suchten, so Maizar. Hier sei wohl noch intensivere Überzeugungsarbeit nötig. Von Seiten der Schweizer Bevölkerung erfordere dies Willen, Gesprächsbereitschaft und Geduld.

Vertrauen in Besonnenheit der Schweizer

Afshar vertraut dennoch auf die Besonnenheit der Schweizer Bevölkerung, die "durchaus zwischen Religionsgemeinschaften und irregeleiteten Fanatikern" unterscheide. Auch die Medien seien gefordert, nicht nur Nachrichten über die Gräueltaten, sondern auch Hintergrundinformationen über den Islam in der Schweiz und das Leben der Muslime zu vermitteln. (kipa/com/sy)

http://kipa-apic.ch/index.php?pw=&na=0,0,0,0,d&ki=257386



Hier der versöhnliche Teil

Sehr geehrte ...

Nach meinem gestrigen Mail, mit rel. scharfer Formulierung, die ich unbedingt in der Absicht zugelassen habe, um die DRAMATIK in der “Dramaturgie” rund um das Phänomen “ISLAM in den westlichen Medien” herauszustreichen und nicht um VIOZ in die Schlagzeilen zu bringen. Es ist schon gut, wenn die nationalen Verbände und der IZRS (nun über die az Medien, Anna Kappeler) zu Wort kommen, doch mir fehlt dabei die DIFFERENZIERENDE Auseinandersetzung mit der Problematik.

Dennoch möchte ich Ihnen sagen, dass es keineswegs meine Absicht war oder ist, durch meine scharfen Formulierungen jemanden persönlich zu verletzen – daher möchte ich gerne in diesem Nachgang Ihnen persönlich noch einige Zeilen zukommen lasse. Hoffe, dass Sie meine beiden Schreiben zueinander in Bezug setzen und mögliche negative Befindlichkeiten dadurch wieder aufzulösen vermögen.

In der Hoffnung dass folgende Darlegungen nun eine weitere, ausgleichende Facette zum Verständnis der Problematik beisteuern.


NACHGANG

Es ist nämlich in der Tat so, dass wir Muslime zwar Gräuel ebenso grauenhaft finden, in anderen Schattierungen unserer Reaktionen aber doch anders fühlen als Nichtmuslime, da wir - alleine durch die Tatsache, dass diese Dinge unter der Flagge des Islam geschehen - als potentielle "Mitschuldige" oder "Mitträger" gelten.

Dies löst in uns u. U. doch auch noch weitere Gefühle aus, nämlich z. B. der quälenden Hilflosigkeit und Wut gegenüber der unterschwelligen Unterstellung der Komplizenschaft einerseits sowie andererseits und vor allem auch in Bezug auf die Entstellung des Islam, in dem wir unsere Hoffnung und Erfüllung finden, unsere Moral und Ethik festmachen, der unser "Fahrzeug" in allen Lebenslagen ist, durch eine Gruppe grossenteils unreflektierter, undifferenzierter, ungebildeter und irregeleiteter Haudegen, Hasardeure, Mörder und Totschläger.
Zwar haben solche Ereignisse auch das Potential, uns zu alarmieren und somit unseren Willen zur Richtigstellung in Wort und Tat zu aktivieren.

Es ist jedoch durch auch überaus zermürbend und ermüdend, wenn man auf der einen Seite nicht gehört wird, auf der anderen wenig ausrichten kann.
Es ist eine grosse Prüfung unserer Geduld und unseres Glaubens im umfassenden Sinn - und ich glaube, es ist besser, das so ohne Umschweife einzugestehen.

In Nichtmuslimen denke ich, können, nein werden diese Meldungen Angst, Wut, Zorn und Hass auslösen, sie können aber auch (kombiniert damit) eine gewisse Befriedigung auslösen, welche leicht zustande kommt, wenn Menschen den "Übeltäter" ausserhalb ihrer selbst - und noch dazu weit weg - "festmachen". Man kann sich dann "in Sicherheit" wähnen, auf der "Seite der Guten" zu sein und den "Kampf gegen das Übel" allein durch inneres Von - Sich - Weisen und Sich - Empören praktisch schon gewonnen zu haben.

Hierin unterscheidet sich auch die Position von uns Muslimen gegenüber derjenigen von Nichtmuslimen: wir gehören - faktisch - (wie drückt man das besser aus?? "technisch"??) zur Gruppe der Muslime - und müssen die Sache daher - zumindest AUCH- von INNEN her angehen - eine grosse Herausforderung unseres Fühlens und Denkens als "GANZE Menschen"! (Nichtmuslime haben es also leichter, sich zu distanzieren... was allerdings genau besehen ein Trugschluss sein könnte...)

Weil diese Zusammenhänge doch auf der Hand liegen, fällt es uns mitunter schwer, sie uns einerseits immer wieder bewusst zu machen und andererseits sie bei Nichtmuslimen nicht als bekannt vorauszusetzen und/oder sie deshalb ständig publizieren oder bestätigen zu müssen.
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BeitragVerfasst am: Mo 24 Nov, 2014 11:53    Titel: Interview: Muslimisches Feiern von Weihnachten

Sehr geehrter Herr Hanel

Das Elternmagazin "Fritz+Fränzi" möchte im Rahmen eines grossen Dossiers zum Thema Religion auch den Aspekt berücksichtigen, was Menschen in der Schweiz, die muslimischen oder jüdischen Glaubens sind, an Weihnachten (an den Weihnachtstagen) machen. Sitzt man vielleicht, da man frei hat, mit der Familie zusammen? Oder sind das einfach Tage wie andere auch?

Was meinen Sie? Wäre es Ihnen möglich, mir bis Montag-Vormittag ein Statement von ca. 390 Zeichen (inkl. Leerzeichen) zu liefern? Das ist kurzfristig, ich weiss, aber es wäre sehr schön, wenn dies klappen würde.

Für Rückfragen erreichen Sie mich auch unter: 079 xxx xxx xx.

Herzliche Grüsse und danke,
Dr. Eveline von Arx, Redaktionleiterin
Samstag, 22.11.2014





M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Das Ausmass gelebter Religiosität ist auch unter Muslimen höchst unterschiedlich. Daher gibt es keine allgemein gültigen Antworten auf Ihre Fragen. Theologisch gibt es im Islam keine Veranlassung, die Geburt von "Gottes Sohn" zu feiern. Um bei muslimischen Kindern allerdings kein Gefühl der Benachteiligung aufkommen zu lassen, ist es mitunter auch üblich, diese am Festtag zu beschenken.

(390 Zeichen inkl. LZ)


Anmerkung:
Für weitere Informationen sehen Sie meine Interviews aus 2012 zu Weihnachten und Advent.
http://www.gsiw.ch/Advent_Islam3.pdf und
http://muslime.forumprofi.de/thema-anzeigen-interviews-gsiw-vioz-kios-bmk-...-t36-s60.html#313
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BeitragVerfasst am: Mi 30 Sep, 2015 10:50    Titel: WAS ging IHNEN durch den KOPF

Was ging Ihnen durch den Kopf ...?
Interview für 20 Minuten, M.HANEL (k.V.)

From: Bigliel Thomas
Sent: Wednesday, January 07, 2015 5:14 PM
To: m.hanel@gmail.com
Subject: Dringend: Medienanfrage 20 Minuten

Guten Abend Herr Hanel,

Vielen Dank für das nette Gespräch. Sicher haben Sie bereits von dem schrecklichen Attentat in Paris gehört. In einem Artikel lasse ich im Moment mehrere muslimische Stimmen zu Wort kommen. Gern würde ich auch Ihnen eine Stimme geben.

Wenn Sie folgende Fragen kurz mit einigen Sätzen beantworten könnte, wäre ich Ihnen sehr dankbar:

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen als Sie von dem Anschlag gehört haben?

Zitat:
HANEL:
Dass die mörderische, wahnsinnige Spirale der Gewalt uns eine Drehung näher gekommen ist.


Was bedeutet das für die Schweizer Muslime?

Zitat:
HANEL:
Dass ihr Leben in der Schweiz und in Europa sich weiter erschweren wird.


Haben sie Angst, dass der Anschlag den religiösen Frieden gefährden könnte?

Zitat:
HANEL:
Dieses Attentat bedeutet leider ganz klar eine wirklich ernsthafte weitere Gefährdung des sozialen und religiösen Friedens, da die Gesamtheit der Muslime völlig zu unrecht aufgrund von Verbrechen Einzelner in Sippenhaft genommen werden wird.


Gibt es Forderungen oder Wünsche, die Sie in diesem Zusammenhang haben?

Zitat:
HANEL:
Von den Medien fordere ich endlich eine differenziertere Berichterstattung hinsichtlich der verschiedenen Phänomene globaler Gewalt, von der Politik fordere ich endlich eine nachhaltige, kompetente und kooperative Befassung mit den tatsächlichen Lebensumständen der Muslime in der Schweiz und die Abkehr von populistischer Propaganda – und ich wünsche mir, dass diese Forderungen von Ihren Lesern nicht als anmaßend empfunden werden und durch gemeinsame Bemühungen die Dinge auf den rechten, uns allen genehmen staatsbürgerlichen Platz gerückt werden.


•Vielen Dank für Ihre baldige Rückmeldung.

Freundliche Grüsse, Thomas Bigliel

Thomas Bigliel
Redaktor Inland
20 Minuten AG

HANEL:
Eine Veröffentlichung erfolgte nicht – doch scheint der Tagesanzeiger einige Aussagen übernommen zu haben.
Siehe HIER


Muslime werden zu Unrecht in Sippenhaft genommen
http://hanelislam.com/2015/01/09/interview-fur-den-tagesanzeiger/

Sie sagten, dass es nach dem Anschlag von Paris unter muslimischen Organisationen in der Schweiz Befürchtungen vor Angriffen auf Moscheen bzw. religiöse Einrichtungen gibt. Empfehlen Sie gegenwärtig Ihren Mitgliedern, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen? Wissen Sie von Organisationen, die ihre Einrichtungen nun stärker bewachen oder von der Polizei bewachen lassen?

Zitat:
HANEL:
Ich sagte, dass diesbezüglich Befürchtungen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft wohl auftreten werden.

Dies vor allem auch deshalb, weil durch die schwerkriminellen Übergriffe auf muslimische Einrichtungen in Flums eine Hemmschwelle der Gewalt überschritten wurde, hinter welche nur mit vereinten gesellschaftspolitischen Kräften der Vernunft und Rechtsstaatlichkeit zurückgegangen werden kann.


Bislang gibt es eine von Ihnen angesprochene Empfehlung von Seiten des Dachverbands nicht und auch liegen uns bislang keine Informationen vor, dass muslimische Einrichtungen stärker bewacht werden oder um Polizeischutz angesucht hätten. Dass allerdings unter der muslimischen Gemeinschaft eine ganz allgemein höhere Wachsamkeit und leider auch Misstrauen Platz greifen wird, ist natürlich und verständlich.

Zitat:
Dieses Attentat bedeutet leider ganz klar eine wirklich ernsthafte weitere Gefährdung des sozialen und religiösen Friedens, da die Gesamtheit der Muslime völlig zu unrecht aufgrund der Verbrechen Einzelner oder marginaler resp. zweifelhafter Gruppen in Sippenhaft genommen werden wird.


Welche Einrichtungen könnten besonders gefährdet sein? Jene, die von aussen gut als Moscheen erkennbar sind?

Zitat:
HANEL:
Natürlich spielt die äussere Sichtbarkeit eine Rolle, doch keine primäre. Alle muslimischen Einrichtungen sind heutzutage leicht zu finden. Vielmehr macht mir Sorge, dass es zu tätlichen Übergriffen auf Muslime und speziell auf Frauen kommt, welche durch ihre Tracht als Musliminnen erkennbar sind.


Sie sagten, die besonnenen Kräfte, auch bei den Medien, müssten nun näher zusammenrücken, um eine Gewaltspirale zu verhindern. Was stellen Sie sich darunter vor? Was können die Organisationen und ihre Imame tun? Was können die Medien tun?

Zitat:
HANEL:
Diese Frage ist etwas komplexer um kurz beantwortet zu werden. Daher nur einige Ansätze:

Dass den Medien eine zentrale Rolle zukommt, welche assoziativen Bilder in den Köpfen der Europäer erscheinen, wenn sie die Stichworte “Islam, Koran, Muslime” hören, braucht nicht näher erläutert werden.

Dass die Medien, unterstützt durch bestimmte politische Fraktionen nach dem Motto “only bad news is good news” in den letzten Jahrzehnten alles in der Schweiz dazu beigetragen haben, die Muslime und den Islam in einem einseitigen, ungünstigen Licht (zurückhaltend ausgedrückt) darzustellen, ist ernsthaft nicht zu bestreiten.

Wenn Sie mich fragen, was ich von den muslimischen Organisationen und den Medien – resp. der Politik fordere und was ich mir wünsche, erlaube ich mir folgende Antworten:

Von den Medien fordere ich endlich eine differenziertere Berichterstattung (es geht m.E. nicht nur um einen “Informationsauftrag”, sondern auch um einen KOMPETENTEN “BILDUNGSAUFTRAG”, welchen die Medien (wieder) zu übernehmen haben) hinsichtlich der verschiedenen Phänomene globaler und nationaler Gewalt, von der Politik fordere ich endlich eine nachhaltige, kompetente und kooperative Befassung mit den tatsächlichen Lebensumständen der Muslime in der Schweiz und die Abkehr von populistischer Propaganda – und ich wünsche mir, dass diese Forderungen von Ihren Lesern nicht als anmaßend empfunden werden und durch gemeinsame Bemühungen die Dinge auf den rechten, uns allen genehmen staatsbürgerlichen Platz gerückt werden

Jeder (Muslime, wie Nichtmuslime) kehre zuerst vor der eigenen Türe und bringe seine persönlichen und kollektiven Misskonzeptionen und unzulänglichen Vorstellungen von sich selbst und “den Anderen” in Ordnung. Zudem ist kompetent unterstütztes gemeinsames Arbeiten, sind gemeinsam durchzuführende nachhaltige Projekte umzusetzen, welche nicht als “interreligiöse Wohlfühlaktionen” über die Bühne laufen, sondern als gesellschaftlich tatsächlich positiv verändernde Massnahmen erkennbar werden. Verkürzt gesagt, nicht “Integration durch Partizipation” was meines Erachtens zwar in die richtige Richtung weist, allerdings zu kurz greift, sondern vielmehr “Integration durch Kooperation”, in welche unterschiedliche Kreativität zu neuen Harmonien zu führen vermag.


Hier der LINK zum Artikel und dem, was von diesem Interview übriggeblieben ist:
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/anschlag-in-paris/Muslime-werden-zu-Unrecht-in-Sippenhaft-genommen/story/25574948?track

Ach – vielleicht bin ich etwas zu empfindlich, was die Sorgfalt im Umgang mit Worten betrifft.
Gibt es KEINEN Unterschied zwischen Befürchtungen (wie ich schrieb) und ANGST (wie im Artikel steht)?
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BeitragVerfasst am: Mi 30 Sep, 2015 10:59    Titel: Offene Fragen nach Pariser Massaker

TeleZüri mit M.HANEL, E. GYSLING et al

Offene Fragen nach Pariser Massaker


Beitrag wurde leider vom Netz genommen, versuche ihn wieder zu bekommen. Die erste meiner Anfragen blieb völlig unbeachtet.
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BeitragVerfasst am: Mi 30 Sep, 2015 11:06    Titel:

Steiniger Weg zur Anerkennung der Muslime
Interview für NZZ, M. HANEL


Sehr geehrter Herr Hanel

Wie besprochen, schicke ich Ihnen gerne meine Fragen per Mail zu.

Streben Sie mittel- bis langfristig eine öffentliche und allenfalls auch öffentlich-rechtliche Anerkennung an?
Zitat:
•HANEL:
Durchaus! Da die öffentlich rechtliche Anerkennung einer muslimischen Gemeinschaft in der Schweiz selbstverständlich einen wertvollen Beitrag zu gesellschaftlicher Stabilität und zum religiösen Frieden, beides prioritäre Ziele der hiesigen muslimischen Gemeinschaft, zu leisten vermag.


Falls ja: Gibt es konkrete Schritte in diese Richtung?
Zitat:
•HANEL:
Seit vielen Jahren gibt es, durch Farhad Afshar, Präsident der KIOS initiiert, theoretische Vorbereitungen diesbezüglich. (Die Dokumentation über diese Bestrebungen in den letzten Jahren) finden Sie hier: http://hanelislam.com/2014/03/16/1026/ )
Wie Sie wissen, hat Farhad Afshar ein entsprechendes Gutachten bei der Uni Luzern in Auftrag gegeben und über die KIOS bezahlt. Nun wird von der Basler Muslim Kommission (BMK) mit der von ihr vor kurzem ins Leben gerufenen Kommission ein Modellstatut erarbeitet und weitere operative Schritte vorbereitet. Noch ist es allerdings zu früh, darüber detaillierte Auskünfte zu geben.


Inwiefern stellt die ethnische Zersplitterung und auch die Aufteilung in verschiedene Konfessionen ein Problem dar?
Zitat:
•HANEL:
Verschiedene Sprachen und unterschiedliche politische Erfahrungen aus den ursprünglichen Heimatländern stellen natürlich eine grosse Herausforderung dar. Durch überzeugende Aufklärungsarbeit der “Schrittmacher” sollte diese Herausforderung gemeistert werden können – so Gott will. Konfessionelle Unterschiede, durch die Präferenz verschiedener islamischer Rechtsschulen gegeben, sollten letztlich durch die Umsetzung des Konsens der Rechtsgelehrten – ein anerkanntes islamisches juristisches Instrument – gebührende, umsetzbare und zufriedenstellende Berücksichtigung finden.


Anders gefragt: Wäre es denkbar, dass es letztlich mehrere verschiedene anerkannte muslimische Glaubensgemeinschaften gäbe, analog zu Christen (Reformierte, Katholiken, Christkatholiken) und Juden (zwei anerkannte Gemeinden)?
Zitat:
•HANEL:
Diese Möglichkeit besteht durchaus. Doch der Anfang wird zuerst durch eine Gemeinschaft gemacht werden und deren Erfahrungen werden den weiteren Entwicklungen ihre Richtung weisen.


Inwiefern werden die ethnischen Wurzeln der Schweizer Muslime langfristig überhaupt eine Rolle spielen? Ist es denkbar, dass hier geborene Muslime verschiedener Herkunft die gleichen Moscheen besuchen, in denen Deutsch als gemeinsame Sprache gesprochen würde?
Zitat:
•HANEL:
Ethnische Wurzeln werden alleine schon aus dem Interesse der Kulturpflege ihre Bedeutung nie zur Gänze verlieren. Dass die Muslime verschiedener Herkunft die gleichen Moscheen besuchen, ist heute schon vielerorts gelebte Realität und wird in der Zukunft eine Selbstverständlichkeit sein. Genauso wie auch in einigen Jahren die Freitagspredigten in den Schweizer Landessprachen vorgetragen werden, was in immer mehr Moscheen teilweise oder über Simultanübersetzungen schon fleissig und engagiert geübt wird.




Ich wäre sehr froh, wenn Sie mir bis am frühen Nachmittag ein Feedback geben könnten.
Vielen Dank und beste Grüsse

Simon Hehli,
Redaktion Inland Neue Zürcher Zeitung | Falkenstrasse 11 | Postfach | CH-8021 Zürich | Telefon +41 44 258 10 27 | Mobile +41 78 879 83 12 | E-Mail simon.hehli@nzz.ch | www.nzz.ch |

HIER der LINK zur Veröffentlichung des Artikels in der NZZ, in welchem auch Farhad AFSHAR zu Wort kam.
http://www.nzz.ch/schweiz/steiniger-weg-zur-anerkennung-der-muslime-1.18470222#

Von meinen Aussagen kam allerdings nur ein Halbsatz zur Veröffentlichung.
Hier noch als PDF
https://hanelislam.files.wordpress.com/2015/01/anerkennung_nzz1.pdf

Hier noch ein Beitrag aus 2014
http://hanelislam.com/2014/03/16/1026/
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BeitragVerfasst am: Mi 30 Sep, 2015 11:12    Titel: Öffentlich rechtliche Anerkennung

Artikel in Le TEMPS

Sehr geehrter Herr Hanel,

    - Wie vereinbart, hier sind meine Fragen über die Anerkennung der Muslimgemeinschaft in Basel-Stadt.
    - Ist die Basler Muslim-Kommission verantwortlich für das Gesuch?
    - Wann wollen Sie genau das Gesuch einreichen?
    - Warum nicht sofort?
    - Was sind die Vorteile dieser Anerkennung?


Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Antwort
(wäre es noch möglich vor 19 Uhr?)
Freundliche Grüsse
SANDRINE HOCHSTRASSER
Journaliste
Rubrique Suisse

Hier meine kurzen Antworten.

Zitat:
Die Basler Muslim Kommission will und wird die Organisation des Anerkennungsverfahrens übernehmen isA.

Der Zeitpunkt der Einreichung steht noch nicht fest und hängt ab von der diesbezüglichen Kooperation der Stadt Basel und deren muslimischen Bevölkerung.

Gut Ding braucht Weile, ordentliche, koordinierte und kompetente Vorbereitung.

Ein auf Sachlichkeit und rechtsstaatlich unzweifelhaftes und ordentlich ausgerichtetes Verhältnis der muslimischen Gemeinschaft zur Mehrheitsgesellschaft.

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BeitragVerfasst am: Mi 30 Sep, 2015 11:22    Titel: BMK & öffentlich rechtliche Anerkennung

BMK & öffentlich rechtliche Anerkennung
Interview für UNI Lausanne, M. HANEL

Sehr geehrter Herr Hanel

Momentan studiere ich Recht an der Universität Fribourg.
Ich schreibe meine Masterarbeit im Bereich der öffentlich-rechtlichen Anerkennung von jüdischen und islamischen Religionsgemeinschaften im Kanton Basel-Stadt.
In einem Teil meiner Arbeit untersuche ich, ob die BMK die Voraussetzung für eine kantonale Anerkennung im Kanton Basel-Stadt erfüllt. Ich wurde von Herr Karatekin gebeten, Sie diesbezüglich zu kontaktieren. Könnten Sie sich vorstellen noch heute ein Telefoninterview mit mir zu führen? Es würde nicht länger als 30 Minuten dauern.

Mit freundlichen Grüssen
Vania

Inwiefern kann der BMK eine genügend grosse gesellschaftliche Bedeutung zugemessen werden?

Zitat:
Durch ihr seit beinahe 20-jähriges Bestehen (Gründung 1997) und der Übernahme unterschiedlicher Aufgaben und Tätigkeiten* kommt der BMK eine grosse gesellschaftliche Bedeutung zu, besonders in den Bereichen Integration, gesellschaftlicher Dialog und Aufrechterhaltung des Religionsfriedens.

* Einige Aufgaben und Tätigkeiten der BMK.
– Ansprechpartner bei Fragen im Zusammenhang mit dem Islam gegenüber den Behörden, der Öffentlichkeit und den Medien.
– Schnittstelle zwischen islamischen Organisation und Behörden auf Bundes-, Kantonal- und Gemeindeebene.
– Förderung einer positiven Präsenz der Muslime und einer von allen Seiten akzeptablen Integration der islamischen Gesellschaft in die hiesige Gesellschaft.
– Kontakte zu muslimischen Organisationen im nationalen und internationalen Bereich
– Förderung und Führung des Interreligiösen Dialogs und des Runden Tisches.


Die Religionsgemeinschaft sollte eine gewisse Grösse aufweisen, damit man diese anerkennen kann. Was ist die effektive Mitgliederzahl der BMK?

Zitat:
Der BMK gehören 22 Mitgliedervereine und Stiftungen an. Die Mitgliederzahl, die derart der BMK verbunden sind und sich aus den Mitgliederzahlen der angeschlossenen Organisationen ergibt, beträgt in etwa 2200 Aktivmitglieder plus deren Familienangehörigen.


Inwiefern trägt die BMK zur Respektierung des Religionsfriedens und der Rechtsordnung bei?

Zitat:
Die BMK versteht sich als typisch schweizerische Organisation, ist als Verein nach dem ZGB organisiert und bezieht ihre Identität und Handlungsrichtlinien aus dem umfänglichen Bekenntnis zur Schweizer Rechtsordnung und gestaltet ihre Aktivitäten gemäss dieses Bekenntnisses.


Wie ist die Finanzverwaltung der BMK ausgestattet?

Zitat:
Die Finanzverwaltung ist gemäss den, für Schweizer Vereine gesetzlich geforderten Richtlinien gestaltet und erfüllt somit alle juristischen Erfordernisse. Die Einkommen der BMK setzen sich zusammen aus je 200.- CHF Mitgliedsbeiträge der Vereine, Spenden und Gönnerbeiträge. Hinzu kommen noch Einkünfte aus Veranstaltungen, welche allerdings gerade wieder für die Finanzierung dieser Veranstaltungen verbraucht werden.


Wie gestaltet sich der Austritt aus einer islamischen Religionsgemeinschaft? Was für einen Beitrag leistet die BMK dazu bei?

Zitat:
In diesem Zusammenhang verweise ich Sie auf ein Interview, welches ich der NZZ zum Thema gegeben habe.
http://hanelislam.com/2015/01/28/steiniger-weg-zur-offentlich-rechtlichen-anerkennung/

Ein muslimischer Verein in der Schweiz ist eine zivile juristische Person und daher der Schweizer Gesetzlichkeit unterworfen. Es stellt also grundsätzlich überhaupt kein Problem dar – weder juristisch noch theologisch – einem muslimischen/islamischen Verein oder einer muslimischen Gemeinschaft, welche nach öffentlich rechtlicher Anerkennung strebt oder diese bereits genießt, beizutreten und/oder diese wieder zu verlassen.


Was sind die Vorteile dieser Anerkennung?

Zitat:
Ein auf Sachlichkeit und rechtsstaatlich unzweifelhaftes und ordentlich ausgerichtetes Verhältnis der muslimischen Gemeinschaft zur Mehrheitsgesellschaft.

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BeitragVerfasst am: Mi 30 Sep, 2015 11:33    Titel: Dschihad & Muslime – ein Interview, das nicht on-air gin

Dschihad & Muslime – ein Radio Interview, das nicht on-air ging

Diese Anfrage vom SRF (Schweizer Rundfunk und Fernsehen) wurde beantwortet und doch ging das Interview nicht on-air.

Die Begründung:
Ich zog mein Einverständnis zurück, da nur ein einziger Satz gesendet worden wäre (siehe rote Kennzeichnung) und – das ist wesentlich – die die Wortwahl der Frage derart geändert wurde, dass meine Antwort einen Kontext untermauert hätte, den ich nicht mittrage(n kann, soll, darf und will).

Der 40 minütige Disput mit dem leitenden Redakteur, der unbedingt eine Freigabe erwirken wollte – blieb aus Gründen, de ich gerne in einem “MEDIENSEMINAR im Umgang mit MUSLIMEN” für Journalisten erläutere … ein LEHRSTÜCK!

Es gibt zwei Varianten. Die ursprüngliche (ganz unten) und die verkürzte darüber.

————————————————————————————————————–

Guten Tag Herr Hanel

Wie besprochen sende ich Ihnen einige Fragen zur Problematik, dass offenbar verschiedentlich Jugendliche aus dem Raum Zürich in den Dschihad gereist sein sollen.

– Wie steht die Vioz zum Dschihad, z.B. in Syrien im Allgemeinen?

Zitat:
Der Begriff Dschihad wird in seiner umfänglichen Bedeutung meist missverständlich und einseitig fokussiert gebraucht. Daher im Namen der VIOZ zur Erinnerung:

In erster Linie bezeichnet dieser Fachausdruck die Bemühung der Menschen ihre eigene Triebseele zu beherrschen – oder umgangssprachlich gesagt, den „inneren Schweinehund“ unter Kontrolle zu bringen.

Erst in zweiter Linie bezeichnet dieser Begriff eine kriegerische Auseinandersetzung.

Die VIOZ stellt hiermit erneut unmissverständlich klar, dass sie sogenannte „dschihadistische“ Ideologien und daraus resultierende Handlungen ganz allgemein und im Zusammenhang mit den Vorgängen in Syrien oder sonst wo auf der Welt grundsätzlich ablehnt.

Im Übrigen ist der Begriff im zeitgemäßen globalen politischen Kontext unter den muslimischen Gelehrten in Bezug auf die Gültigkeit seiner Umsetzung höchst umstritten.


– Offenbar sollen Jugendliche gezielt für den Dschihad angeworben werden, zum Teil soll diese Anwerbung auch in Moscheen stattfinden: Ist Ihnen dieses Problem bekannt?

Zitat:
Junge Menschen für kriegerische Auseinandersetzungen in der Moschee anzuwerben ist in der Schweiz bestimmt kein Unternehmen, welches mit dem Wissen der Moscheeverantwortlichen durchgeführt wird, ohne sofort gestoppt und verboten zu werden.

Eine Moschee ist allerdings nicht nur ein Ort religiöser Erbauung, sondern auch öffentlicher sozialer Treffpunkt an welchem über alles, sozusagen über Gott und die Welt gesprochen wird. Dass auch in Moscheen, wie an sonst jedem anderen beliebigen Ort Kontakte mit höchst unterschiedlichen Motivationen geknüpft werden können, (kann, darf und) sollte von keiner vernünftigen Person negiert werden.


– Die Moscheen sagen stets, sie wüssten nichts davon oder sie geben gar keine Auskunft, Imame oder andere Verantwortliche sind nicht erreichbar: Verschliessen sie da zu fest die Augen, bräuchte es ein Umdenken?

Zitat:
Es scheint wirklich so zu sein, dass die Medien über die aktuellen Vorfälle in der Schweiz früher und besser informiert sind, als die Muslime selbst. Eigentlich kein Wunder, da die Haltung der Imame, der Moscheevereinsführung und der VIOZ klar ist. Daher werden Personen, welche sich als Rekrutierer für ausländische Kriegs- oder terroristische Handlungen betätigen möchten, nicht augenfällig agieren.

Dass die Muslime sich vermehrt weigern, den Medien Auskünfte zu geben ist einfach erklärt. Die Medien beherrschen jedenfalls den kompetenteren Umgang mit der Sprache und üben zusätzlich durch ihr mehrheitlich selektives, willkürliches und verkürztes Zitieren ursprünglicher Aussagen ihre Macht gesellschaftlicher Beeinflussung auf eine Art und Richtung aus, welche die Muslime nicht zu unterstützen bereit sind.
(Nachträgliches Kommentar: ein Umstand, der sich gerade bei diesem Interview wieder bewahrheitet hat Sad )0

Ein Umdenken muss tatsächlich stattfinden. Und zwar in der ganzen Gesellschaft – es geht also vielmehr um das ÖFFNEN der Augen jener Tatsache gegenüber, dass nicht die Muslime oder deren Moscheen die erste Ursache für höchst schädliche Entwicklungen und in das Zentrum der Beachtung medialer und somit gesellschaftlicher Verdächtigung und Verursachung gerückt werden. Die Thesen von Jürgen Todenhöfer (nachträglich eingefügt: und die These, dass die militärischen Drohnen über muslimischen Ländern die besten Rekrutierer für den “islamistischen Dschihad sind,) dürfen in diesem Zusammenhang studiert werden!


– Von Fachstellen wird bemängelt, dass in den Moscheen keine Jugendarbeit gemacht wird, das wäre dringend nötig. In dieser Richtung gibt es tatsächlich noch kein Angebot?

Zitat:
Ja natürlich gibt es auf diesem Gebiet einen Mangel festzustellen und doch – die Muslime bemühen sich ständig, diesbezügliche Angebote zu entwickeln und umzusetzen – doch es mangelt den Muslimen einfach an jenen Ressourcen, welchen staatlichen oder kirchlichen Organisationen und Institutionen zu Verfügung stehen, um professionelle Jugendarbeit durchzuführen.


– Wenn nicht, wurde in Sachen Jugendarbeit schon etwas angedacht?
– - Wenn ja, was konkret?


Zitat:
Hierbei sind vor allem die Bemühungen und Veranstaltungen der Jugendlichen selbst zu erwähnen, die natürlich ihre eigene Zukunft gerne positiv selbst gestalten möchten. Ich nenne nur beispielhaft die Veranstaltungen studentischer Organisationen wie den Freitagsclub, die MSAZ oder die der Ummah. Auch muslimische Dachverbände wie die VIOZ oder VAM und selbst einzelne Moscheevereine bemühen sich z.B. mit Lagern für Jugendliche oder Familien in dieser Hinsicht aktiv zu werden. Doch – ich wiederhole mich – es fehlt ganz einfach an den Ressourcen, um hier wirklich zeitgemäß agieren zu können.


– Bezüglich fehlender Ressourcen würde ich sie dann gerne noch fragen, was ihre Ideal-Vorstellungen sind, um zu mehr Ressourcen zu gelangen.

Zitat:
Dafür gibt es verschiedene Ansätze.

Die öffentlich rechtliche Anerkennung muslimischer Gemeinschaften,
die finanzielle Unterstützung für diesbezügliche muslimische Projekte
oder ganz allgemein – und dies ist meine persönliche Präferenz – die offene und finanziell gesicherte KOOPERATION also ZUSAMMENARBEIT entsprechender Fachstellen mit kompetenten Vertretern aus der muslimischen Gesellschaft.


Für meinen Beitrag über Jugendliche, die in den Dschihad reisen, spreche ich auch noch mit verschiedenen anderen Personen: Zum Beispiel mit 2 Fachstellen, die sich mit radikalisierten Jugendlichen befassen und mit einer Professorin, die in diesem Gebiet Forschungen betreibt. Gerne würde ich dazu auch die Sicht der VIOZ darstellen.

Über einen Anruf würde ich mich sehr freuen. Wie gesagt, sind wir beim Radio auf Töne angewiesen. Ich würde ihnen die Fragen deshalb gerne am Telefon stellen und das Gespräch aufzeichnen, so dass ich ein Statement von ihnen verwenden kann.

Freundliche Grüsse
F.K.

ERSTE, URSPRÜNGLICHE VERSION

– Wie steht die Vioz zum Dschihad, z.B. in Syrien im Allgemeinen?

Zitat:
Da der Begriff Dschihad stets in seiner umfänglichen Bedeutung missverständlich gebraucht wird, ist es wohl im Namen der VIOZ erforderlich, eine erneute Klarstellung in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. In erster Linie bezeichnet dieser Fachausdruck die Bemühung der Menschen ihre eigene Triebseele zu beherrschen – umgangssprachlich gesagt, den „inneren Schweinehund“ unter Kontrolle zu bringen.

In zweiter Linie bezeichnet dieser Begriff eine kriegerische Auseinandersetzung eines legitimen islamischen Staatswesens im Falle eines Angriffs. Die VIOZ stellt erneut unmissverständlich klar, dass sie sogenannte dschihadistische Ideologie ganz allgemein und im Zusammenhang mit den Vorgängen in Syrien oder sonst wo auf der Welt grundsätzlich ablehnt. Im Übrigen ist der Begriff im zeitgemäßen globalen politischen Kontext unter den muslimischen Gelehrten in Bezug auf die Gültigkeit seiner Umsetzung höchst umstritten.


– Offenbar sollen Jugendliche gezielt für den Dschihad angeworben werden, zum Teil soll diese Anwerbung auch in Moscheen stattfinden: Ist Ihnen dieses Problem bekannt?

Zitat:
Junge Menschen für kriegerische Auseinandersetzungen anzuwerben ist ein Unternehmen, welches durchaus auch mit Unterstützung jeweiliger Regierungen auf dem Universitätscampus oder über die Medien passiert – Stichwort „Vietnamkrieg“ nach amerikanischem Vorbild. Eine Moschee ist nicht nur ein Ort religiöser Erbauung, sondern auch sozialer Treffpunkt an welchem über alles, sozusagen über Gott und die Welt gesprochen wird. Dass gezielte Anwerbungen in Zürcher Moscheen stattfinden, ist völlig auszuschließen. Dass auch in Moscheen, wie an sonst jedem anderen beliebigen Ort Kontakte mit höchst unterschiedlichen Motivationen geknüpft werden können, (kann, darf und) sollte von keiner vernünftigen Person negiert werden.


– Die Moscheen sagen stets, sie wüssten nichts davon oder sie geben gar keine Auskunft, Imame oder andere Verantwortliche sind nicht erreichbar: Verschliessen sie da zu fest die Augen, bräuchte es ein Umdenken?

Zitat:
Es scheint wirklich so zu sein, dass die Medien über die aktuellen Vorfälle in der Schweiz früher und besser informiert sind, als die Muslime selbst. Eigentlich kein Wunder, da die Haltung der Imame, der Moscheevereine und der VIOZ klar ist. Daher werden Personen, welche sich als Rekrutierer für ausländische Kriegs- oder terroristische Handlungen betätigen möchten, nicht augenfällig agieren.

Ein Umdenken muss tatsächlich stattfinden. Und zwar in der ganzen Gesellschaft – es geht also vielmehr um das ÖFFNEN der Augen jener Tatsache gegenüber, dass nicht die Muslime oder deren Moscheen die erste Ursache für höchst schädliche Entwicklungen und in das Zentrum der Beachtung medialer und somit gesellschaftlicher Verdächtigung und Verursachung gerückt werden. Die Thesen von Jürgen Todenhöfer dürfen in diesem Zusammenhang studiert werden!


– Von Fachstellen wird bemängelt, dass in den Moscheen keine Jugendarbeit gemacht wird, das wäre dringend nötig. In dieser Richtung gibt es tatsächlich noch kein Angebot?

Zitat:
Doch, doch – die Muslime bemühen sich ständig, diesbezügliche Angebote zu entwickeln und umzusetzen – doch es fehlen den Muslimen einfach jene Ressourcen, welchen staatlichen oder kirchlichen Organisationen und Institutionen zu Verfügung stehen, um professionelle Jugendarbeit durchzuführen.


– Wenn nicht, wurde in Sachen Jugendarbeit schon etwas angedacht?

– Wenn ja, was konkret?

Zitat:
Hierbei sind vor allem die Bemühungen und Veranstaltungen der Jugendlichen selbst zu erwähnen, die natürlich ihre eigene Zukunft gerne positiv selbst gestalten möchten. Ich nenne nur beispielhaft die Veranstaltungen studentischer Organisationen wie den Freitagsclub, die MSAZ oder Ummah. Auch muslimische Dachverbände wie die VIOZ oder VAM und selbst einzelne Moscheevereine bemühen sich z.B. mit Lagern für Jugendliche oder Familien in dieser Hinsicht aktiv zu werden. Doch – ich wiederhole mich – es fehlt ganz einfach an den Ressourcen um hier wirklich zeitgemäß agieren zu können.

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BeitragVerfasst am: Mi 30 Sep, 2015 12:17    Titel: Presseerklärung Al Huda

Presserklärung zum Verwaltungsgerichtsentscheid gegen den islamischen Kindergarten AL HUDA

WEITERZUG EMPFOHLEN
http://www.gsiw.ch/Weiterzug_al_Huda.pdf


Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich
info@vioz.ch
www.vioz.ch

PRESSEMITTEILUNG
WEITERZIEHEN EMPFOHLEN

Die NZZ schrieb am 27.5.2015 in etwa

Zitat Anfang
Das Zürcher Volksschulamt und der Regierungsrat haben zu Recht die
Bewilligung für einen islamischen Kindergarten verweigert

Das Verwaltungsgericht hat eine Beschwerde des Vereins «al Huda», der ein solches Projekt in Volketswil ZH realisieren wollte, abgelehnt.
Eine Privatschule müsse Gewähr bieten, dass die Schüler keinen pädagogischen und weltanschaulichen Einflüssen ausgesetzt würden, die den Zielen der Volksschule in grundlegender Weise zuwiderliefen, heisst es in dem am Dienstag im Internet publizierten Entscheid.
Es sei heikel, dass den Kindern nicht klar vermittelt werde, dass gewisse religiöse Vorstellungen etwa bezüglich Geschlechtsverkehr vor der Ehe oder Homosexualität nicht den heutigen Regeln der schweizerischen Gesellschaft entsprechen.
Zitat Ende

Dieses Urteil ist ein vernichtender Schlag gegen die Werte, welche in einem Land "christlich-jüdischer" Tradition hochgehalten werden sollten; Werte, welche sich im Wesentlichen nicht von jenen unterscheiden, die in einem Land islamischer Tradition bestimmend sind.

Das Urteil widerspricht dem Recht freier Religionsausübung in der Schweiz, welches natürlich auch eine inhaltlich konfessionell ausgerichtete Erziehung und entsprechende Wertevermittlung zu respektieren und zu schützen hat.

Zudem ist die Begründung nicht redlich formuliert. Denn selbstverständlich wird in einer jüdisch, christlich, islamisch konfessionell geführten Erziehungseinrichtung ganz klar vermittelt, dass die heutigen Regeln der schweizerischen Gesellschaft bezüglich Geschlechtsverkehr vor der Ehe oder
Homosexualität nicht den heutigen, immer noch gültigen Regeln der Religion entsprechen – um im Umkehrschluss zu argumentieren.
Weiter ist es wider ordentlichen Gerechtigkeitsempfindens, von einer konfessionell ausgerichteten Institution zu fordern, ideologische Inhalte als erstrebenswert hinzustellen, welche der eigenen religiösen Verfassung diametral entgegenstehen. Eine solche Forderung beraubt dem garantierten
Recht freier Religionsausübung jeglichen Sinn und überschreibt dieses Recht als leere Hülse der Bedeutungslosigkeit.

Und an blanke Gesinnungsdiktatur gemahnt es, dass in der, die Werte der drei offenbarungstreuen monotheistischen religiösen Traditionen ablehnenden Urteilsbegründung implizit gesagt wird, dass die Praxis vorehelichen Geschlechtsverkehrs und Homosexualität den pädagogischen und weltanschaulichen Zielen der Volksschulen in Zürich entsprechen und zuwider laufende Anschauungen nicht einmal mehr in privat geführten Institutionen gelehrt werden dürfen.

Dem Trägerverein des islamischen Kindergartens kann nur der Weiterzug in die nächst höhere juristische Instanz empfohlen werden oder einen, dem Niveau der Urteilsbegründung entsprechend angepassten, neu formulierten Antrag einzureichen.

Muhammad M. Hanel
Mediensprecher VIOZ
m.hanel@gmail.ch
Medienstelle@vioz.ch
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BeitragVerfasst am: Mi 30 Sep, 2015 12:34    Titel: Eine Professur auf Probe - Abbas POYA

Eine Professur auf Probe - Abbas POYA

NZZ INTERVIEW – (auf Seite 2 die Veröffentlichung)
http://www.islamheute.ch/Poya.pdf

Sehr geehrter Herr Hanel
… wende ich mich mit meiner Anfrage an Sie:
In der heutigen Ausgabe unserer Zeitung machten wir bekannt, dass ab Herbst an der Universität Zürich eine Gastprofessur für Islamische Theologie eingerichtet wird. Für drei Jahre ist diese Professur privat finanziert und gesichert, übernehmen wird sie Abbas Poya, der momentan eine Forschungsgruppe an der Universität Erlangen leitet.
Die Professur soll die islamische Theologie in den Kontext europäischer Gesellschaften setzen. Es geht darum, dass der akademische Nachwuchs die interreligiöse Koexistenz zu verstehen lernt. Der Gastdozent wird auch für den Dialog mit der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen; auch wenn der Fokus nicht auf dem hiesigen Zusammenleben von muslimischen
Zuwanderern und Alteingesessenen liegt.

http://www.nzz.ch/zuerich/ein-afghane-lehrt-islamische-theologie-in-zuerich-1.18597584

Gerne hätte ich in diesem Zusammenhang einige Fragen an Sie gerichtet:

- Begrüssen Sie diese Initiative?
Zitat:
HANEL:
Natürlich begrüsst die VIOZ jede kompetente Stimme, welche das Gespräch über den Islam, über und mit den Muslimen und der Schweizer Öffentlichkeit korrekt und sachlich zu führen weiss.


- Auch in Zürich stehen immer wieder schwierige Fragen zum Zusammenleben der Religionsgruppen an: Die staatliche Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft (2003 abgelehnt); die Frage, wie die Gesellschaft gegen Extremismus vorgehen kann. Was könnte
ein Experte wie Herr Poya, der sowohl Islamische Theologie als auch Islamwissenschaften studiert hat, in diesen Debatten beitragen?


Zitat:
HANEL:
Ich denke, dass seine vordringlichste Aufgabe sein kann, ja vielleicht sogar sein sollte, sprachliche und wissenschaftlich fundierte Klarheit in die Debatte über den Islam, Islamismus, Fundamentalismus, Gewalt und Terror zu bringen, um die mit diesen Begriffen geschmiedete fatale Assoziationskette endlich zu brechen.
-

Brauchen wir in Zürich mehr öffentliche Personen, die sich fundiert zu Fragen des interreligiösen Zusammenlebens äussern können?

Zitat:
HANEL:
Möglicherweise gibt es bereits genug Personen, die sich fundiert zu islamischen Fragen und des interreligiösen Zusammenlebens äussern können – eventuell wäre die Frage daher zu stellen, weshalb diese Personen nicht genug öffentlich gehört werden.


- Knapp 100'000 Menschen in der Zürcher Bevölkerung sind Muslime. Erachten Sie es da als wichtig, dass der Islam auch an der Universität vertreten ist – oder spielt das für die VIOZ
keine grosse Rolle?

Zitat:
HANEL:
Im Islam geniesst umfassende Bildung an sich höchsten Stellenwert. Universitäre Bildung, bei aller dabei möglichen Kontroversität ist für die Muslime, also für die VIOZ von sehr grosser Bedeutung.
Wir freuen uns durchaus auf eine Einladung der Universität, um Prof. Poya persönlich kennenzulernen.


Besten Dank für ein kurzes Feedback …
Freundliche Grüsse
André Müller
Neue Zürcher Zeitung
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BeitragVerfasst am: Mi 30 Sep, 2015 16:51    Titel: Burka Initiative

Sehr geehrter Herr Krebs (AZ Medien)


Aus Österreich und aus dem Krankenbett nur kurz:

- Stellen Gesichtsschleier in der Schweiz ein Problem dar?
Zitat:
Nein - kein objektives Problem, da für die amtliche Identitätsprüfung der Niqab vorübergehend gelüftet wird und auch - Gott sei Dank - keine muslimische Frauen bislang auf Demonstrationen als vermummte Steinewerfer ausgemacht werden konnten.


- Was für eine Gesinnung steckt hinter der Initiative?
Zitat:
Es darf mit Recht angenommen werden, dass es sich hier um eine weitere populär populistische Aktion gegen Islam und Muslime handelt.


- Wie steht die VIOZ zur Initiative?
Zitat:
Da es bedauerlicherweise KEINE direkten Kontakte zu den Initianten und den unterstützenden Parteien gibt, um die verschiedenen dringenden Angelegenheiten persönlich, wie es unter verantwortungsbewussten Staatsbürgern eigentlich sein sollte, zu besprechen - mit großem Bedauern und etwas Unmut. Ich vermisse es sehr, dass die politischen Parteien es bislang nicht wagten, auf den seit Jahren vorgetragenen Vorschlag einzugehen, regelmässige Treffen zu vereinbaren, an welchem je ein offiziell nominierter Vertreter der relevanten politischen Parteien und mindestens ein muslimischer Vertreter die anstehenden Problematiken besprechen und sukzessive Lösungsvorschläge einbringen, gemeinsam debattieren und anschließend ihren Gesellschaften zur Begutachtung vorlegen. DAS wäre ein der Schweiz würdigeres Vorgehen, als ständig aus der eigenen Ecke dem sozialen Frieden querzuschießen.


Hier zum Artikel
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BeitragVerfasst am: Di 08 Dez, 2015 18:22    Titel: Nach den Pariser Anschlägen - Meinung der VIOZ

IM DUNSTKREIS DER SALAFISTEN

Sehr geehrter Herr Hanel,


nach den Anschlägen von Paris wird wieder viel über die Koran-Verteilaktion Lies! geschrieben. Ich stehe der aktuellen, zumeist pauschal verurteilenden Berichterstattung teilweise kritisch gegenüber und versuche mir zurzeit ein objektives, möglichst unvoreingenommenes Bild über das Projekt zu verschaffen. Infolge dessen bin ich auch an Ihrer bzw. der Meinung des VIOZ interessiert. Ich erlaube mir, Ihnen meine Fragen schriftlich zu übermitteln. Sie erreichen mich jederzeit per Mail oder unter der Nummer 079 77 ....


M.HANEL hat Folgendes geschrieben:
Sehr geehrter Herr Sturzenegger

Vielen Dank für Ihre Anfragen, die ich mir wie folgt zu beantworten erlaube - vor einer allfälligen Veröffentlichung ersuche ich um die Zusendung Ihres Artikels für die Freigabe meiner Zitate - die Erfahrung hat leider gelehrt, dass selbst richtig zitierte Äusserungen letztlich NICHT die Absicht des Zitierenden wiedergeben, ja sie in ihrer Bedeutung pervertieren, wenn sie in einen anderen Fragekontext gestellt werden. Und ich bin nicht gewillt, solche Mechanismen zu unterstützen.


Die Lies-Koranverteilaktion wird in vielen Medienberichten als Hort von radikalem Gedankengut und Rekrutierungsort für Jihad-Reisende beschrieben. Ist diese Kritik Ihrer Meinung nach berechtigt?

M.HANEL hat Folgendes geschrieben:
Selbstverständlich ist jede kritische Meinung in unserer freien rechtsstaatlichen Gesellschaft, in der wir - Gott sei Dank - leben, zulässig und wohl vorgetragen, sogar sehr erwünscht. Eine Koranverteilaktion ist juristisch zulässig und zu tolerieren. Die eigene Religion bekannt zu machen, ist eine Handlung, welche die Gläubigen aller Religionen allgemein als eine legitime und verdienstvolle ansehen.
Freilich macht es einen Unterschied, WER etwas WIE tut und aus WELCHER Motivation heraus.



Steht der VIOZ hinter der Verteilaktion? Unterstützt er diese?


M.HANEL hat Folgendes geschrieben:
Die VIOZ (DIE Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich) steht weder hinter dieser Verteilaktion, noch unterstützt sie diese, da die beteiligten Personen, deren Qualifiaktionen und Motive ihr nicht bekannt sind und die VIOZ auch in keinerlei Hinsicht involviert wurde, und des weiteren tatsächlich davon auszugehen ist, dass diese offensive Vorgangsweise sich gesellschaftlich kontraproduktiv auf ein, auf gegenseitiger Akzeptanz gründendes, nachhaltiges Verständnis auswirkt.


Was ist Ihrer Meinung nach das Ziel der Aktion?


M.HANEL hat Folgendes geschrieben:
Das positive Ziel der Aktion ist in erster Linie, den Inhalt der Offenbarungsschrift der Muslime den nichtmuslimischen Lesern direkt bekannt zu machen, damit diese sich eine, wenigstens belegbare eigene Meinung bilden können. Ob die verwendete Koranausgabe dazu optimal geeignet ist, bleibt eine offene Frage. Zweitens ist allerdings auch klar, dass die verteilende Gruppe beabsichtigt, ihre eigene Sicht und Interpretation des Islam mittels des Gesprächs unter die Leute zu bringen. Darüber zu entscheiden, ob diese Meinungen jenen der Mehrheit der islamischen Rechtsgelehrten entspricht oder nur die Sicht einer Minderheit widergibt oder theologisch als äusserst beschränkt korrekt oder gar als juristisch zu ahnden zu gelten haben, weil sie zu illegalen Akten zu verführen ausgelegt sind, kann nur die direkte Konfrontation mit den und die Diskussion der einzelnen Aussagen klären.


Ist der Verein in der Schweiz organisiert oder werden sämtliche Entscheide von Deutschland aus gesteuert?

M.HANEL hat Folgendes geschrieben:
Das ist uns nicht bekannt und Spekulationen darüber sind nicht zulässig. Doch die Wahrheit mag wie meistens, im "sowohl als auch" liegen.




Zitat:
Mit freundlichen Grüßen
Hanel


Hier der LINK zum Artikel im Schweizer Tagesanzeiger

Im Dunstkreis der Salafisten
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Zuletzt bearbeitet von M.M.Hanel am Fr 25 Dez, 2015 19:16, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: Do 24 Dez, 2015 16:47    Titel:

INTERVIEW für VIOZ
KLINKNER/HANEL

Hier der Link zur Veröffentlichung
http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Zuerichs-Religion-aus-dem-Hinterhof/story/29202470


Wie ist die VIOZ aufgestellt? Wie viele Arbeitsstellen stehen zur Verfügung?


Zitat:
Jede Mitgliedsorganisation beschliesst in seinen eigenen Strukturen (hauptsächlich Vereine, einige Stiftungen) die Mitgliedschaft im VIOZ-Dachverband und bestimmt 2 Delegierte aus ihren Reihen um diese bei VIOZ zu vertreten (aktives und passives Stimmrecht in den Organen der VIOZ).

Die knapp 60 Delegierten wählen aus ihrer Mitte den VIOZ Vorstand (zur Zeit 9 Personen)

Die Zahl der so indirekt vertretenen Einzelpersonen beläuft sich aufgrund unserer Schätzungen auf über 20'000 Personen (ca. Anzahl der Moscheevereinsmitglieder x 4 (Familienmitglieder)) im Kanton Zürich (leider gibt es keine exakte Erhebung) .

VIOZ selbst hat mit einem Budget von ca. CHF 10'000 pro Jahr praktisch keine Mittel für Stellen zur Verfügung, versucht aber seit einigen Jahren über eine 30%-Stelle (Sekretariat) eine Kerninfrastruktur aufzubauen.

Wen repräsentieren Sie?

Zitat:
VIOZ repräsentiert ihre muslimischen Mitgliedsorganisationen (alle Mitgliedsorganisationen zählen sich sich zu den 4 sunnitischen Hauptrichtungen oder zur schiitischen Lehre) und die Interessen des Islam.

Dies sind zur Zeit ca. 32 muslimische Organisationen im Kanton Zürich und da diese selbst mehrere Moscheen betreiben, haben VIOZ Mitglieder insgesamt über 40 Standorte im Kanton Zürich (von ca. 50 total).

VIOZ hat daher möglicherweise die wohl höchste Organisationsdichte der ansässigen Weltreligionen (über 80% aller Gebetsstätten, die trotz unterschiedlicher Rechtsschulenzugehörigkeit dennoch als einheitliche Religionsgesellschaft anzusehen ist).

Zudem repräsentiert VIOZ dadurch die Mehrheit der Muslime, für die das mehr-oder-weniger Praktizieren der Religion eine Alltagsrelevanz besitzt (bspw. das Verrichten des Freitagsgebets bedingt eine "Moschee").

Muslime, die keine muslimisch-religiösen Bedürfnisse haben (wie Bestattung, Seelsorge, Feiertage, Unterricht, ...) brauchen keine öffentliche Vertretung.


Wie würden Sie den Zweck des Verbandes beschreiben? Welche Ziele verfolgen Sie

Zitat:
Neben den in der Beilage aufgeführten Zwecken, muss VIOZ grundsätzlich fast alle Arbeitsbereiche einer anerkannten Gemeinschaft abdecken.

Daher ist es aufgrund der fehlenden öffentlich-rechtlichen Anerkennung ein Ziel, die religiöse Praxis innerhalb von Moscheen, aber auch die damit verbundenen gesellschaftsrelevanten Erfordernisse zu leisten.

Daher engagiert sich VIOZ bspw. auch dafür, die Ausbildung von Imamen, bzw. ein Theologiestudium in der Schweiz zu etablieren, Qualitätsstandards in den Gemeinschaften zu fördern oder ist Ansprechpartner bei übergeordneten Themen wie Sicherheit, Altersbetreuung oder Militärdienst.


Stehen der muslimischen Gemeinde in Zürich genügend Mittel zur Verfügung, um eine zielführende Kommunikationspolitik zu betreiben?

Zitat:
Wenn man die ehrenamtlichen Leistungen zu diesen Mitteln zählt, ist die Kommunikation in Sachen Ressourcen nicht das grösste Sorgenkind.
Pragmatische Lösungen und die elektronischen Medien erleichtern heutzutage einen grossen Teil der Kommunikation.
Die Kommunikationspolitik ist in der VIOZ anhand von Zuständigkeiten und Richtlinien definiert und kann im Rahmen der ehrenamtlichen Leistungen umgesetzt werden.
Selbstverständlich wären weitere Schritte mit mehr Mitteln wünschenswert, jedoch benötigt bereits die Projektbeantragung mehr Ressourcen als wir verfügbar haben.


Wo stehen Sie im Vergleich mit der jüdischen Gemeinde (in punkto Professionalisierung und Finanzen)?

Zitat:
Wir stehen in vielen Dingen am Anfang, bzw. weit hinter den öffentlich-rechtlichen anerkannten Gemeinschaften.

Neben fehlenden Einnahmen für eine Professionalisierung, sind die Gemeinschaften zudem neben dem 'normalen Betrieb' in vielerlei Aufbauarbeiten gebunden.

Demographisch ist die muslimische Gemeinschaft über 10 mal grösser als die jüdische, bzw. die 3 jüdischen Gemeinschaften in Zürich.
Zudem sind nur knapp 1/3 der Muslime Schweizer. D.h. 2/3 sind im Integrationsprozess überdurchschnittlich beschäftigt und gebunden.Statistisch sind wir die jüngste Gemeinschaft und unsere Gemeinschaft empfängt jedes Jahr Neuankömmlinge auf Grund der Migration.

Die muslimische Gemeinschaft ist zudem die ethnisch und national heterogenste Gruppe aller Religionen.
Zudem, das möchte doch Berücksichtigung in der Evaluation der Gesamtsituation der Muslime in der Schweiz finden, leistet die muslimische Gemeinschaft im Kanton Zürich Abgaben an die Kirchen von bis zu knapp CHF Mio 10 an die Landeskirchen (via allg. Steuern und Unternehmenssteuern).

Die muslimische Gemeinschaft steht in vielerlei Hinsicht vor den grössten Aufgaben der Religionsgemeinschaften, da sie nicht etabliert, bzw. systematisch öffentlich inkludiert ist und innerhalb der Vereine Integrationsleistungen erbringen muss.


Muss die muslimische Gemeinde in Zürich mehr finanzielle Mittel generieren? Falls ja, wie?

Zitat:
Ja, da die Gemeinschaften Träger der Gesellschaft sind und bereits heute vermehrt in gesellschaftrelevante Lösungen eingebunden werden.

Da eine öffentlich-rechtliche Anerkennung gesellschaftlich zwar sinnvoll, aber politisch nicht umsetzbar scheint, plädieren wir für die Bilateralen - also den typischen Schweizer Weg.

Es müssen verschiedene Projekte, die einen gesellschaftlichen Nutzen haben, bilateral vereinbart und budgetiert werden.
Es wäre daher sehr sinnvoll, eine Koordinationsstelle bei VIOZ anzusiedeln, die personell und fachlich diese Projekte koordinieren und abwickeln könnte.
Neben diesen sollten Dienstleistungen, die heute kostenlos durch Laien erbracht werden durch deren Weiterbildung und Qualitätsstandards vermehrt weiterverrechnet werden.

Eine innermuslimische Finanzierung ist neben den Aufbauarbeiten der bereits heute teilweise überforderten Gemeinschaften und den bereits zu leistenden Kirchensteuern unrealistisch.


Mir erscheint, dass in den Medien vor allem Parteien zu Wort kommen, die nur einen kleinen Teil der muslimischen Gemeinde repräsentieren (IZRS und Forum für einen Fortschrittlichen Islam). Wie beurteilen Sie das?

Zitat:
Man muss sich fragen, warum das primäre Interesse der Medien daran liegt, einander diametral entgegengesetzte, mitunter vorgeblich islamische Standpunkte undifferenziert mit islamischen Ansätzen in der Öffentlichkeit aneinander prallen zu lassen, anstatt jene Standpunkte zu kolportieren, welche von der absoluten Mehrheit der Muslime in der Schweiz vertreten werden. Das beobachtbare Ergebnis solch, übrigens weltweit medialen Vorgehens scheint jedenfalls eine völlige Verzerrung des Islambildes, Desinformation und eine steigende Ablehnung von Islam und Muslimen zu sein.

(Siehe dazu auch die Wünsche an die Medien, weiter unten).


Wie beurteilen Sie den Vorwurf, dass das VIOZ als repräsentatives Organ der religiösen muslimischen Gemeinde, verstärkt den Gang an die Öffentlichkeit suchen sollte?

Zitat:
Das war vor einigen Jahren möglicherweise ein berechtigter Einwand, der heute eher uninformiert wirkt.
Seit der Anti-Minarett-Initiative haben sich die muslimischen Verbände stetig zu Wort gemeldet, was man bspw. auf VIOZ.ch leicht nachvollziehen kann.
Jedoch, nicht vermehrt, aber qualitativ besser, bzw. pro-aktiver können die Verbände noch werden.
Statt eigene Punkte und Themen zu proklamieren, wird zu oft noch passiv nur auf Anfragen oder Schlagzeilen reagiert.


Ihre Webseite hat sich zuletzt stark verändert und wartet unter anderem mit einem Statement zu den Anschlägen in Paris auf. Ist das die Folge einer offensiveren Kommunikationspolitik?

Zitat:
Ja, wir haben gelernt, dass gerade für die Medien eine rasche Reaktion wichtig ist und es erforderlich ist, unsere Botschaft wahrnehmbarer zu machen und deshalb hat VIOZ ihren Internetauftritt neu konzipiert.


Haben Sie Forderungen an Politik und Medien?

Zitat:
Wir sehen uns heute mit wachsenden Forderungen seitens der Politik, Behörden und Gesellschaft konfrontiert und eine Einbindung in etablierte Strukturen ist praktikabel.
Wo dies aus formellen oder anderen Gründen nicht möglich ist, benötigt man entsprechende Schnittstellen, wie bspw. der polizeiliche Brückenbauer oder Projektlösungen, wie bspw. im Bereich der Seelsorge.
Um die Fülle der Aufgaben zu koordinieren, wäre eine Koordinationsstelle auf muslimischer Seite analog den bestehenden behördlichen und kirchlichen Koordinationsstellen ein wichtiger Schritt.

Eine solche Koordinationsstelle wäre in der Lage verschiedene gesellschaftsrelevante Einzelprojekte zu beantragen und deren Umzusetzen zu begleiten.

In Bezug auf die Medien ist der Wunsch allgemeiner. Sachlich fundierter, professioneller und differenzierender Journalismus auf der Basis von theologischem Expertenwissen, um einen fundierten kritischen Dialog mit, statt über Muslime in ihrer Vielfalt führen. Also vielmehr einen kompetenten Bildungs- und Informationsauftrag, als einen, eher politisch zu nennenden Manipulationsauftrag zugunsten grundsätzlich religionsfeindlicher Kräfte auszuüben, wie dies momentan den Anschein macht.


Sturzenegger, Martin
20. Dez.
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
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