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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:15    Titel:

Fragen an die VIOZ
zur Masterarbeit:
„Muslim-spezifische Integrationspolitik in den Städten Zürich, Basel und Bern?“
Lukas Schoch, Orientalisches Seminar der Universität Basel


(1) Wie sieht der Kontakt mit der Integrationsförderung Zürich aus?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Wir haben regelmässigen, guten Kontakt zur Integrationsförderung der Stadt Zürich. Über das ZFR (Zürcher Forum der Religionen) halten wir regelmässig Sitzungen (sowohl die VIOZ als auch die Integrationsförderung haben Delegierte im ZFR).
Falls nötig, haben wir auch ad-hoc Kontakte.

(2) Wäre eine Muslim-spezifische Integrationspolitik wichtig?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Die Integrationspolitik sollte auch die Eigenheiten der Muslime mitberücksichtigen aber eine muslim-spezifische Integrationspolitik wäre nicht sehr angebracht. Die meisten Probleme der eingewanderten Muslime sind allgemeine „Integrationsprobleme“. Genauso sollten auch die spezifischen Bedürfnisse der eingewanderten orthodoxen Christen, Hinduisten, Sikhs und Buddhisten mitberücksichtigt werden. Die schweizerische Bevölkerung muss endlich einsehen, dass wir eine multireligiöse Gesellschaft haben, sowohl die Einheimischen als auch die Eingewanderten.
Andere Probleme der Muslime (z.B. Grabfelder für die Muslime) sind keine „integrations-relevanten“ Probleme. Diese gelten auch für die gebürtigen Schweizer (z.B. Konvertiten).

(3) Welche Integrationsmassnahmen werden in Zürich speziell für Muslime getroffen?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Zwei Aktivitäten möchte ich hier hervorheben, welche sowohl der muslimischen Minderheit als auch der Mehrheitsgesellschaft positive Signale senden.
Jährlich werden die Imame und Leitungspersonen der islamischen Organisationen nach dem Fastenmonat Ramadan zu einem Empfang im Stadthaus eingeladen. Direkter Kontakt zum Stadtrat und zur Integrationsförderung, der Gedankenaustausch und die Erläuterung der wichtigsten Anliegen helfen uns, sowohl dem Staat, als auch den Muslimen.
Während des Fastenmonats laden die islamischen Organisationen den Stadtrat und die verantwortlichen der Integrationsförderung zum Abendessen ein. Die Teilnahme an diesem Essen und die Gespräche werden sehr geschätzt.

(4) Reichen diese Massnahmen Ihrer Meinung nach aus? Wird genügend unternommen?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Wir haben grundsätzliche Probleme in der Schweiz, welche gegen die Integration der Muslime wirken: Islamfeindliche Medienpräsenz und Angriffskampagnen der rechtspopulistischen Partei SVP gegen den Islam und Muslime. Gegen diese Probleme kann aber die Stadt Zürich auch nicht viel unternehmen.

(5) Was könnte zusätzlich noch unternommen werden?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Viele private Unternehmen haben Angst von den negativen Kundenreaktionen und deswegen stellen sie keine Kopftuchträgerinnen ein. Die Verwaltung könnte einiges tun, was wieder positive Signale in die Gesellschaft sendet. Zum Beispiel: Anstellung von Musliminnen mit Kopftuch (die Qualifikation vorausgesetzt). Dadurch hätte die Bevölkerung die Chance, diese Musliminnen am Schalter oder anderswo zu erleben und ihre Einstellung gegen Kopftuchträgerinnen zu ändern. Danach könnte die Privatwirtschaft auch leichter solche Musliminnen anstellen (Kopftuchträgerinnen bekommen keine Lehrstellen oder Arbeitsstellen!). Dies würde einen grossen Beitrag zur Integration leisten.

(6) Was können Sie als Dachverband unternehmen, um die Integration der Muslime zu verbessern?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Nach unseren Möglichkeiten organisieren wir unterschiedlichste Aktivitäten, z.B. interreligiöse Veranstaltungen, TOM (Tag der offenen Moscheen), wir empfehlen Musliminnen und Muslimen, sich in den lokalen Vereinen ihrer Gemeinden zu engagieren (Sportvereine, Frauenvereine,…), wir versuchen den Religionsunterricht in den Moscheen auf Deutsch einzuführen und die Predigte in den Moscheen auf Deutsch zu halten, Veranstaltungen mit den Parteien, Referate mit der Polizei (Brückenbauer Projekt), usw.

(7) In den Medien und in der Öffentlichkeit werden den Muslimen immer wieder verstärkte Desintegration und Integrationsunwilligkeit vorgeworfen. Wie beurteilen Sie diesen Vorwurf?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Dieser Vorwurf ist ganz und gar ungerechtfertigt. Die Musliminnen und Muslime sind zum grössten Teil sehr gut integriert (was aber nicht heisst, dass kein Verbesserungspotential vorhanden ist). Eine Muslimin, die in Zürich geboren und aufgewachsen ist, perfekt „Züri-Dütsch“ spricht, eine gute Ausbildung hat, ist nicht deshalb desintegriert, weil sie halt ein Kopftuch trägt (in vielen Gemeinden wird dies als Grund zur Ablehnung der Einbürgerung vorgebracht).

( 8 ) Denken Sie, dass es Muslime gibt, die vermehrt Mühe haben, sich zu integrieren? Oder gewisse Gruppen von Muslimen? Z.B. abhängig von sozialem Status (Bildung/Einkommen), Alter, Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religiosität?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Die Integrationsfähigkeit der Musliminnen und Muslime hängt natürlich von all diesen Parametern ab. Wenn die Menschen Mühe haben, sich schnell zu integrieren (fehlende Sprachkenntnisse, niedriger Bildungsstand), werden sie dennoch die Integration vollziehen können, wenn sie gut genug betreuet werden und genügend Zeit und Chancen haben. Mit der zweiten und dritten Generation löst sich dieses Problem wahrscheinlich allerdings von selbst.

(9) Wie und wo können sich diese Integrationsschwierigkeiten konkret zeigen?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Integrationsschwierigkeiten zeigen sich oft als Kommunikationsprobleme der Eltern mit der Lehrkörperschaft der Kinder, mit der Gemeindeverwaltung, mit den Nachbarn. Solche Probleme sind auch bei der Wohnungs- und Stellensuche festzustellen.

(10) Was wünschen sich Muslime in Zürich von der Aufnahmegesellschaft (Bevölkerung in Zürich), um besser integriert zu sein und sich auch besser integriert zu fühlen?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Die Aufnahmegesellschaft sollte den Willen haben, die muslimische Minderheit zu integrieren (nicht zu assimilieren), indem sie diese einfach als Menschen mit anderem Glauben, dem Islam, respektieren, ihnen gestatten, dass sie ihre religiösen Bedürfnisse im Rahmen der garantierten Religionsfreiheit befriedigen, bzw. ihnen diesbezüglich keine Verbote auferlegen und Diskriminierungen unterlassen.

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Zuletzt bearbeitet von M.M.Hanel am Fr 20 Sep, 2013 11:34, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:22    Titel:

Keine Gelder mehr, bei Christen-Morden?
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/25226820

Farhad AFSHAR:
«Ich bedaure es, dass Darbellay seine politische Position missbraucht und über religiöse Minderheiten herzieht», so Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen. Die Aktion zeuge von «mangelnder Kenntnis über den Islam» und heize die islamophobe Stimmung in der Schweiz weiter an. Entsprechenden Ländern die Ent-wicklungshilfe zu streichen, findet Afshar «unmenschlich»: «Wenn wir Entwicklungshilfe an Bedingungen knüpfen, schaden wir den Ärmsten der Welt.»
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:22    Titel:

Mit rationalen Argumenten gegen die Islamfeindlichkeit
Interview mit Gudrun Krämer


Die renommierte Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer nimmt über die Grenzen ihres Fachs hinaus an den öffentlichen Islam-Debatten teil. Für ihre Arbeit wurde sie 2010 mit dem Internationalen Forschungspreis der Gerda Henkel Stiftung ausgezeichnet. Nader Alsarras sprach mit ihr am Rande einer Veranstaltung in Berlin.


Prof. Krämer, über den Islam in Deutschland zu sprechen heißt meistens, und vor allem nach dem Buch von Thilo Sarrazin, über ein 'Problem' zu sprechen. Woran krankt Ihrer Meinung nach der Diskurs, wenn es um den Islam und Muslime in Deutschland geht?

Gudrun Krämer: Sie sprechen das "Problem mit dem Problem" völlig zu Recht an. Die Wahrnehmung ist in erster Linie durch Problemfelder gekennzeichnet. Man könnte darüber sprechen, welche Künstler muslimischen Glaubens die deutsche Kunstszene bereichern. Man könnte über Unternehmerinnen und Unternehmer sprechen, die – ob nun betont oder nicht - Muslime sind und die deutsche Unternehmerszene dynamisieren. Man könnte über deutsche Staatsanwälte, Lehrer, Professorinnen muslimischen Glaubens sprechen, und deren Beitrag zur deutschen Wissenschaft und Kultur herausstellen. Das wird aber offenkundig nicht als spannend genug empfunden.

Stattdessen geht es immer und immer wieder um dieselben Probleme, die sich letztlich auf ein Thema reduzieren lassen, nämlich das der Gewalt: Gewalt in der Familie, gegenüber Andersdenkende und Andersgläubige, sowohl in Deutschland und in den westlichen Gesellschaften als auch in der islamischen Welt.

Dem kann man schon entgegentreten. Und ich denke, es gibt eine Strategie, die von Muslimen wie von Nichtmuslimen getragen werden muss. Sie sollte das Normale, das Nicht-Gewalttätige, sichtbar machen und zwar, ohne besonders zu betonen: "Schaut her, sie sind nicht gewalttätig", sondern in einer Form, die das muslimische Leben in Deutschland als Selbstverständlichkeit und damit als Normalität deutlich macht. Das ist nicht unbedingt schlagzeilenträchtig, aber es wäre aus meiner Sicht eine wirksame Strategie.

WEITERLESEN:
http://de.qantara.de/webcom/show_article.php?wc_c=469&wc_id=1316
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:23    Titel:

MiGAZIN - http://www.migazin.de -

“Wir stehen wieder bei null”

Jeder dritte Deutschtürke mit Uniabschluss sieht seine Zukunft in der Türkei. Selbst die Schriftstellerin Hatice Akyün steht kurz vor dem Absprung. Gibt es ein Deutschland nach Sarrazin? Warum wird einem die Heimat plötzlich fremd? Und ab wann darf man resignieren? Ein Interview.

MiGAZIN: Frau Akyün, man hört, Sie wollten auswandern. Das ist nicht Ihr Ernst, oder?
Hatice Akyün: Meine Entscheidung habe ich noch nicht endgültig getroffen, aber es sind nicht mehr bloß Gedankenspiele. Ich mache mir ganz konkret Gedanken darüber.

MiG: Warum?
Akyün: Weil ich mich frage, ob es nicht woanders schöner ist. Die derzeitige Stimmung in diesem Land macht mir Angst. Ich habe eine Tochter, die wird jetzt vier. Ich möchte, dass sie in einem Land aufwächst, in dem sie akzeptiert ist. Ich möchte nicht, dass meine Tochter irgendwann aus der Schule nach Hause kommt und erzählt: Mama, die sagen, ich bin dumm, weil ich Türkin bin. Ich will nicht, dass sie das Gefühl bekommt, nicht zu diesem Land zu gehören.

MiG: Kaum ein anderer deutscher Autor Ihrer Generation schreibt mit so viel Liebe über sein Land wie Sie. Woher kommt dieser plötzliche Bruch?
Akyün: Weil man mir verbal ständig ins Gesicht schlägt. Jeden Tag. Wenn ich die Zeitung aufschlage oder den Fernseher anschalte, muss ich mir von irgendwelchen Politikern und Pseudowissenschaftlern anhören, warum Menschen wie ich nicht hierher gehören. Und da soll ich sagen: Hey, das ist doch mein geliebtes Land! Wissen Sie, was mir am meisten Sorgen macht? Dass es schon wieder ganz normal ist, von „Ausländern“ zu sprechen. Neulich wurde ich in einem Radiointerview vom Moderator als Ausländerin bezeichnet. Und das war gar keine Boshaftigkeit. Wir sind einfach mal 30 Jahre zurückgegangen.

:
:

MiG: Aber wenn Leute wie Sie abwandern, macht das die Sache auch nicht besser.
Akyün: Es ist auch keine leichte Entscheidung. Manchmal sage ich mir: Du hast als Person, die in der Öffentlichkeit steht, vielleicht die Chance, etwas geradezurücken, das Sprachrohr für viele im Land zu sein. Aber dann ist es immer wieder dasselbe, und wir stehen wieder bei null. Ich rede mir doch nur den Mund fusselig. Dazu kommt: Ich habe mich geändert, ich bin keine Rebellin mehr. Früher hätte ich mich hingestellt und gefragt: Wie können wir die Probleme gemeinsam lösen? Aber heute denke ich einfach nur: Ihr könnt mich alle mal. Ich muss ganz schnell weg hier.



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Ausgedruckt aus MiGAZIN: http://www.migazin.de

vollständigen Artikel lesen unter:
Artikel URL: http://www.migazin.de/2011/02/08/hatice_akyun-wir-stehen-wieder-bei-null/
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:23    Titel:

FRAGEN an VIOZ zum Thema INTEGRATION
9.5.2011
über GSIW beantwortet

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich bin ein Schüler der Kantonsschule Küsnacht und darf eine Arbeit über Migration schreiben.
Mich interessiert dabei vorallem die Beziehung der Migranten zur Religion.
Ich wollte nun Sie als Experten auf diesem Gebiet fragen, ob Sie Zeit mir ein paar Fragen zu beantworten?

Ich würde mich sehr freuen von Ihnen zu hören!
Mit freundlichen Grüssen
B. M.

Guten Tag Herr Hanel

Ich danke Ihnen vielmal für Ihr Entgegenkommen!

Hier die Fragen:

1. Hier stellt sich natürlich als Erstes die Frage, ob der Glaube eher als eine Migrationsunterstützung oder als ein Hindernis fungiert.
Was würden Sie allgemein darüber sagen?
Diese Frage ist mir vorallem im Zusammenhang mit dem Eintreffen wichtig, also wenn die Migranten gerade neu in die Schweiz migrieren sind und wahrscheinlich noch keinerlei soziale Kontakte haben.

M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
In erster Linie ist jeder Glaube unabhängig von Migration – wenn man mal davon absieht, dass eigentlich jede Religion ein Wegwenden vom Diesseits und eine Hinwendung zum Jenseits, also ein Auswandern vom materiell überbestimmten Reich ins Reich des spirituell Geistigen darstellt und befürwortet.
Der Glaube festigt das Selbstverständnis des Individuums und somit auch seine Position gegenüber seiner Umwelt, seinem sozialen Umfeld. Somit ist es nur verständlich, dass, wenn man sich in unbekanntes Gebiet begibt, welches nicht nur aufgrund der Fremdheit natürliche Unsicherheit erzeugt, sondern mitunter sogar feindschaftlich oder zumindest nicht mit angenehm empfundener menschlicher Zuneigung interagiert – man sich auf sicheres "Territorium" = der identitätsstiftende Bereich des spirituell, Religiösen zurückzieht.
Somit ist nicht die Anzahl (keinerlei oder vielerlei) der sozialen Kontakte maßgebend, um der Religion überdurchschnittliche Bedeutung zu gewähren, sondern die Qualität der Kontakte, welche jene soziale Geborgenheit vermitteln, um ein lebenswertes Leben zu erleben.
Daher steht es hier mit dem Glauben so wie mit allen Dingen – welche bekanntlich mindestens 2 Seiten haben. Was für den einen Nutzen birgt, eine Unterstützung – ist für den anderen ein störendes Hindernis.
Glaube fungiert also nicht als Unterstützung ODER Hindernis – sondern SOWOHL als Unterstützung, WIE AUCH als Hindernis!
Diese allgemeine Erkenntnis, ist also der erste Schritt für eine zu gelingende Kooperation zwischen jenen Parteien, welche am Migrations- und Integrationsprozess beteiligt sind.


2. Bringen religiöse Bräuche oder Feste, wie zum Beispiel der Ramadan ein grosses Zugehörigkeitsgefühl in der Gemeinschaft mit sich?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Ganz klar ist der religiöse Ritus ganz allgemein und somit religiöse Feste im speziellen die Gemeinschaft festigende Elemente – wobei allerdings Unterschiedlichkeiten in der Ausführung oder gar im Datum, einigende Wirkungen nicht nur aufzuheben, sondern ins Gegenteil zu verkehren vermögen. Ein weites Betätigungsfeld für die Feinde der Religion.


3. Wie sieht die Identifikation durch die Religion aus, gibt es viele Migranten, die sich durch den moslemischen Glauben identifizieren und so einen Halt finden?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Siehe die grundsätzliche Antwort zu Ihrer ersten Frage. Und es mag noch angefügt werden: je feindseliger, je abstoßender sich das Umfeld gibt, umso mehr werden die internen, einander anziehenden Kräfte zu Wirksamkeit gedrängt.

Ist die Religionszugehörigkeit wichtiger als das Nationalgefühl?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Nationalität oder politische Heimat ist für viele, wenn nicht sogar die meisten Menschen auf der Welt, auch für Muslime oft weit wichtiger, wie die verbindliche und verbindende übernationale Brüderlichkeit im Islam.


4. Einerseits finden, durch ein Ort wie in Ihrem Fall die Moschee, die Migranten zu ihren Glaubensbrüdern bzw. Schwestern. Aber anderseits kann das ja auch wieder zu einer Isolation von den Schweizern führen.
Wie sehen sie das?

M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Ja – so kann das sein, wenn, wie oben schon erläutert, das soziale Umfeld außerhalb der spirituellen "Zufluchtsstätte" als kalt, unfreundlich, überheblich, ungerecht oder dergl. empfunden wird.
Es muss aber nicht so sein, wenn – dieses empfundene Unwohlsein sich in "normales" menschliches Miteinander wandelt. Denn letztlich ist keine menschliche Gesellschaft "perfekt" – ob deren Mitglieder nun einer oder mehreren religiösen Gemeinschaften angehören. Der Schlüssel zum Verständnis ist das umfassende Verständnis von "Gelassenheit" und die verständnisvolle Umsetzung derselben. Das Schloss, welches das Tor zu solcher verträglichen, friedfertigen menschlichen Gesellschaft entweder öffnet oder verschlossen hält, kann "Sicherheit" genannt werden. Sicherheit in rechtlicher und sozialer Hinsicht.


5. Werden gläubige Migranten von den Glaubensgemeinschaften aktiv finanziell unterstützt?
Beim Moslemischen Glauben könnte zum Beispiel die Armensteuer dazu genutzt werden. Findet das statt?
Wie sieht die persönliche Hilfeleistung (finanziell, materiell mit Essen, Unterstützung in der Arbeitswelt, Wohnmöglichkeit, u.s.w) unter den Mitgliedern aus?

M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Im Rahmen der engen Möglichkeiten werden Migranten unterstützt.
Die islamische Vermögenssteuer oder Zakat wird hierzulande nicht eingehoben – es sei denn möglicherweise in ganz privatem Kreis.
Die persönliche Hilfestellung ist im Wesentlichen auf Beratung hin ausgerichtet – was natürlich auch in Bezug auf Arbeitsstellen oder Unterkunft Auswirkungen haben kann.


6. Führt das andere Gottesbild, dass ein Moslem, verglichen mit einem Schweizer, hat, zu Gesellschaftlichem Unverständnis oder Spannungen? Wenn ja zu welchen konkret?
(Natürlich hat nicht jeder Schweizer das gleiche Gottesbild, aber wahrscheinlich doch ein anderes als ein Moslem)

M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Mit Ihrer Relativierung im Klammersatz haben Sie ja klar gemacht, dass diese Frage nicht einfach so, allgemein gültig beantwortet werden kann.
Dennoch eine kurze Antwort versuchend, möchte ich bemerken, dass primär nicht ein unterschiedliches Gottesverständnis die Menschen nicht miteinander auskommen lässt, sondern ganz andere, auf's Irdische hin ausgerichtete Begehrlichkeiten.


7. Allgemein können Sie sich viele Situationen vorstellen, wo es mit Schweizern zu Spannungen kommen könnte durch die andere Mentalität, b.z.w. andere Religion?
(Frauenbild, Moralvorstellung,..)

M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Ich kann mir vorstellen, dass JEDE Situation Anlass zu Spannungen zu geben vermag. Dies aber nicht deshalb, weil, grob gesagt, ur- christliche oder vernünftig-säkulare Vorstellungen mit wirklich islamischen Vorstellungen kollidieren, sondern weil sich die Mitglieder der genannten gesellschaftlichen Gruppen nicht nur oberflächlich mit den wahren Werten der eigenen Religion oder Verfassung auseinander gesetzt haben, sondern noch weit weniger mit der Religion und Verfassung der vermeintlichen Gegner.


8. Im Koran wird ein Muslim dazu aufgefordert ein guter Bürger zu sein.
Ich denke Sie werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass sich ein aufrichtiger Moslem dem Koran verpflichtet fühlt.
Nehmen wir an, es komme zu einem Konflikt zwischen staatlichen Gesetzgebung und dem Koran, welcher Sache ist Ihrer Ansicht nach nun ein Moslem verpflichtet?

M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Im Qur'an wird der Muslim aufgefordert, ein guter Mensch und somit Mitmensch, resp. Mitbürger zu sein, einer, welcher einsieht, dass er als Geschöpf dem Schöpfer untergeben ist und deshalb möglichst respektvoll mit aller Schöpfung umzugehen und möglichst friedfertig über diese Erde zu wandeln hat.
Einer der wesentlichen Eigenschaften welcher ein Muslim zu entwickeln hat, ist die Gesetzes- und Vertragstreue zu freiwillig eingegangenem Bündnis.
Die von Ihnen gestellte Frage ist eine, welche die Muslime nicht mehr oder weniger betrifft, als die Menschen anderer Religionen, Staatsbürgerschaften oder irgendwelcher Bündnispartnerschaften und muss daher von jedem Individuum für sich selbst und für eine bestimmt Situation beantwortet werden. Dies umso mehr, als jedenfalls die Muslime in der Schweiz über keine natürliche oder rechtliche Körperschaft verfügen, welche in ihrem Namen zu sprechen befugt wäre. Die Geschichte zeigt uns darüber hinaus, dass die Gläubigkeit an sich noch kein Volk, keine Gemeinschaft je abgehalten hat, die schlimmsten Kriege gegeneinander zu führen (europäische Religionskriege), noch grausamste Vernichtungskriege gegen andere Ethnien (Indianer, Juden) oder säkulare, christlich-jüdisch geprägte Gesellschaften gegeneinander (Weltkriege) oder muslimische Gesellschaften gegeneinander (Irak-Irankrieg).
Der alte Konflikt, die alte Frage – wer denn nun der Herr der Welt wäre, der "Papst" oder der "Kaiser" wurde in der Geschichte schon mehrfach beantwortet … wurden diese Antworten je zur Kenntnis genommen und berücksichtigt?


Mit keiner dieser Fragen, wollte ich Sie verletzen und ich entschuldige mich, wenn ich nicht die angemessenen Vormulierungen gefunden habe.

Ich danke Ihnen, dass Sie sich Zeit genommen haben.
Mit freundlichen Grüssen
B. M.



Hier noch der Link zu einer Veranstaltung des "ZELT ABRAHAMS"
Nationalität und Religion – Was bin ich zuerst: Moslem/Christ/Jude oder Schweizer/Deutscher/Türke, …?

Do. 27. Mai 2010, Muttenz
Verfasser der Zusammenfassung M. HANEL
http://www.gsiw.ch/Nationalitaet_und_Religion.mht



Die gleichen Fragen
wurden auch noch durch den zweiten Imam eines muslimischen Vereins beantwortet

1. Hier stellt sich natürlich als Erstes die Frage, ob der Glaube eher als eine igrationsunterstützung oder als ein Hindernis fungiert.
Was würden Sie allgemein darüber sagen? Diese Frage ist mir vorallem im Zusammenhang mit dem Eintreffen wichtig, also wenn die Migranten gerade neu in die Schweiz migrieren sind und wahrscheinlich noch keinerlei soziale Kontakte haben. [/b]
Imam M. hat Folgendes geschrieben:
Das Thema ist sehr spannend, weil die Muslime zuerst nur Arbeitskraft in der Schweiz waren. Erst später wurden sie zu Migranten und als allerletzt Muslime. Es ist vor allem spannend, weil dies weitergeht, denn die Muslime werden immer mehr zu Schweizern. Wenn man die letzte Entwicklung betrachtet, kann man davon ausgehen, dass der Glaube kein Hindernis ist. In den Gemeinschaften werden oft Migrationsfragen aufgegriffen und es werden viele integrationsfördernde Aktivitäten geführt. Daher sehe ich es voll und ganz als Unterstützung. Die Gemeinschaft ist oft ein guter Ausgangspunkt und Ratgeber für die Migranten und Migrantinnen.


2. Bringen religiöse Bräuche, wie zum Beispiel der Ramadan ein grosses Zugehörigkeitsgefühl in der Gemeinschaft mit sich?
Imam M. hat Folgendes geschrieben:
Selbstverständlich. Wenn man in der Gemeinschaft unter hundert Menschen ist und alle befolgen den gleichen Ritus, entsteht ein starkes Zugehörigkeitsgefühl. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft bedeutet aber nicht, dass man ein schlechterer Bürger sein muss.


3. Wie sieht die Identifikation durch die Religion aus, gibt es viele Migranten, die sich durch den moslemischen Glauben identifizieren und so einen Halt finden?
Imam M. hat Folgendes geschrieben:
Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Wie gesagt, wenn sich jemand als Muslim bezeichnet und sich durch die Religion identifiziert, bedeutet dies nicht, dass er oder sie ein schlechterer Bürger ist. Der Islam verlangt von den Gläubigen auch gute Bürger zu sein.


4. Einerseits finden, durch ein Ort wie in Ihrem Fall die Moschee, die Migranten zu ihren Glaubensbrüdern bzw. Schwestern. Aber anderseits kann das ja auch wieder zu einer Isolation von den Schweizern führen.
Wie sehen sie das?

Imam M. hat Folgendes geschrieben:
Ich sehe das überhaupt nicht als eine Isolation, denn die „Migranten“ kommen einmal die Woche, oder auch wenn sie einmal am Tag in die Moschee kommen, halten sie sich nur für eine kurze Zeit dort auf. Die restliche Zeit sind sie mit ihren Nachbarn, Arbeitskollegen, Schulfreunden usw. zusammen. Daher, soll ein Moscheebesuch nicht gleich als eine Gettoisierung angesehen werden. Wenn man die Migranten, welche Ihre „Kultstätte“ besuchen, respektiert, dann kann man von der Integration sprechen. Wenn man dies aber nicht respektiert, oder gar verbieten möchte, dann ist die Rede von der Assimilation.


5. Führt das andere Gottesbild, dass ein Moslem, verglichen z.B mit einem Christen b.z.w mit einem Schweizer, hat, zu Gesellschaftlichem Unverständnis oder Spannungen?
Imam M. hat Folgendes geschrieben:
In der Frage haben Sie ausgesagt, dass ein Christ gleich ein Schweizer ist. Ich bin ein Schweizer aber kein Christ. Eher solche Sachen führen zu Gesellschaftlichem Unverständnis und Spannungen, und nicht das Gottesbild im Christentum und Islam.


6. Allgemein können Sie sich viele Situationen vorstellen, wo es mit Schweizern zu Spannungen kommen könnte durch die andere Mentalität, oder ist dies überhaupt kein Problem. (Ich bin mir völlig bewusst, dass nicht jeder Schweizer die gleiche Mentalität hat, diese Frage ist eher allgemein gemeint)
Imam M. hat Folgendes geschrieben:
Die unterschiedlichen Mentalitäten der Schweizer, ist das was die Schweiz seit Jahrhunderten ziert. Es liegt an den Bürgern ob sie daraus ein Problem machen wollen oder ob sie sich damit schmücken wollen.
Es ist klar, dass es immer solche gibt, welche diese Vielfalt ausnutzen, aber ich möchte an die Vernunft glauben und der Überzeugung sein, dass alle zusammen leben können. Ob Migrant oder Schweizer. Ob Christ, Jude oder Muslim. Letztendlich sind alle Menschen.


Ich wollte Sie mit keinem dieser Punkt angreifen oder gar verletzen und entschuldige mich, wenn ich keine angemesenen Vormulierungen gefunden habe.
Imam M. hat Folgendes geschrieben:
Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Ich habe keine Frage verletzend gefunden.


7. Im Koran ist von einer freiwilligen Armensteuer die Rede. Meine Frage ist, ob in der Schweiz mit diese Mittel auch Migranten aktiv finanziel unterstützt werden?
Imam M. hat Folgendes geschrieben:
Die Armensteuer geht hauptsächlich an die Arme der Drittweltländer. Bisher hatten wir nicht einen Fall, wo ein in der Schweiz lebender Muslim, sich als arm bezeichnet und auf eine solche Hilfe angewiesen ist.


8. Bei Ihren Antworten haben Sie mehrfach vermerkt, dass ein Muslim dazu aufgefordert werde ein guter Bürger zu sein.
Ich denke Sie werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass sich ein aufrichtiger Moslem dem Koran verpflichtet fühlt. Nehmen wir an es komme zu einem Konflikt zwischen staatlichen Gesetzgebung und dem Koran, welcher Sache ist Ihrer Ansicht nach nun ein Moslem verpflichtet?

Imam M. hat Folgendes geschrieben:
Dies ist nur eine theoretische Frage, darum möchte ich auf diese nicht näher eingehen. Wichtig ist, dass es keine Gesetzgebung im schweizerischen Rechtsystem gibt, welche im Konflikt mit dem Islam steht. z.B.: Islam verbietet das Trinken vom Alkohol. Das Gesetz sagt nicht, dass jeder Bürger trinken muss.
Also, ich möchte noch Mals betonen, dass solche theoretischen Fragen nur zu langen Diskussionen und Streit führen, anstatt sich auf die Realität zu konzentrieren. Denn diese ist ganz anders.



BEMERKUNGEN von Br. MARKUS

- 'moslemischer Glauben'
Zitat:
'moslemisch' ist die alt deutsche Form, die heutzutage eigentlich nicht mehr verwendet wird, da mit negativen Assoziationen verbunden.
Dies zum Beispiel deshalb, da die Moslems Wien belagerten und dies damals auch oft anstelle von 'Muselmannen' verwendet wurde.
Dennoch ist der Begriff per se sicher nicht böse gemeint, aber durch die zeitliche Zuordnung und die damaligen negativen Assoziierungen
heutzutage despektierlich.
'Muslimisch' sollte heutzutage jedem als gägniges adjektiv bekannt sein.


- 'Glauben'
Zitat:
wird heute aus christlich-theologischer Sicht auf alle Religionen axiomatisch angewendet,
da der christliche Glaube nur auf dem Dogma beruht (also nicht auch ratio und schon gar nicht auf wissenschaftlich annerkannten Quellen).
(Konkret, die Bibel gilt bei den Refomierten heute al menschlich historisch Dokument,
bei den Katholiken gilt primär das päpstliche Dekret, über der Bibel, siehe Zinsverbot, etc. ... aka Dogma der Rechtletung und Fehlbarkeit)
Daher ist der Begriff 'Glaube' aus muslimischer Sicht ungeeignet (da christ-theologisch definiert) und widerspricht de facto dem koranischen Gebot
zu Wissen und zu bezeugen, dass u.a. auch verhindert, dass Menschen die Religion nach ihrem 'Glauben' definieren
also diesmal auch im Kant'schen Sinne (Ich glaube weil ich nicht weiss) abzulehnen ist.


- 'Religionszugehörigkeit vs. Nationalgefühl'
Zitat:
Dieser Punkt kann nur in praktischen Fragestellungen beantwortet werden.
Waren die heiligen, die für ihre Überzeugung starben Landesverräter oder war Winkelried unchristlich, weil er sich für sein Land opferte?
Religion ist wie die Ethnie oder Hautfarbe etwas, was Teil des Menschen ist und als solches nur dann prioritär, wenn es per se die Unversertheit geht.
Ebenso ist die Nationalität relativ, da die Loyalität z.B. ebenso relativiert wird, wenn man fragt ob die Kantonszugehörigkeit dann minderwertiger wäre?
Eine Antwort muss also Kontextbezogen sein.
Allgemein könnte man es auch so ausdrücken, wenn Menschenrechten, Respekt und Ratio nicht betroffen sind, sind dem Nationalgefühl keine Grenzen gesetzt.
Dies deshalb, da der Islam sich zu diesen konkruent verhält, nicht ohne Zufall, da er diese umfasst und z.T. die Grundlage dafür war.
Im Grunde geht es aber auch beiden Kriterien schliesslich um die Werte (persönliche und soziale), die es Abzuwägen geht, manche nennen dies Gewissen.


- 'gegenüber Schweizern'
Zitat:
dies Bedarf am wenigsten Kommentar - Ja, für Migraten mag diese Abgrenzung stimmen, nicht aber im Grundsatz.
Man darf zudem durchaus Fragen, wie 'Schweizer' definiert bzw. verstanden wird.
Unser Land hat historisch 4 Landessprachen, Städter, Landbevölkerung, Süd- Nord entalität, historisch landwirtschaftlich bürgerlich aber heute global Players und Streetparade.
Was ist also Schweizerisch?


- 'Gottesbild'
Zitat:
Hier wäre vielleicht die Gegenfrage nach den Unterschieden sehr interessant.
Nimmt das christliche Gottesbild, so liegen mehr Gemeinsamkeiten in diesem als Unterschiede (Trinität)
Eschatologisch liegen die Eigenschaften Gottes u.a. deshalb sehr nahe, da diese (Eschtologie) im Islam als eigentliches Thema entstand.
So ist z.B. durch Maimonides dies im Judentum erstmals thematisiert (ca. 12 Jhdt., er lernte es von Ibn Tufail)
und dann kamen erst christliche 'Gottesbilder' im 13./14. Jhdt. in strukturierter Aufarbeitung.


- 'Frauenbild' ...
Zitat:
eventuell wäre ein kleiner Hinweis, dass der Islam als einzige Weltreligion die Gleichwertigkeit der Frau beinhaltet
(keine Erbsünde, kein Eigentum des Mannes, nicht unrein etc.)
und sich daher ein Widerspruch dahin gehend äussert, diese gleichwertigkeit in der Schweiz zu fördern, da diese aus islamischer Sicht nachhinkt.
Beispielsweise war in Pakistan, ein taat der sich der Sharia verpflichtet sieht,
war eine vor Jahren eine Frau Ministerpräsidentin, als es in der Schweiz noch nicht mal eine Ministerin (Bundesrätin) gab.
Oder, bis heute verdienen Frauen in 'Bundesbern' über 15% weniger als Männer in denselben Stellen.

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Wassalam
M.M. Hanel
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:25    Titel:

INTERVIEW SCHÄR zum Thema ÖFFENTLICH RECHTLICHE ANERKENNUNG
(Hanel in Basel und in Zürich für VIOZ)

Gibt es diese Bestrebung nach öffentlich rechlicher Anerkennung der Muslime auch?

M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Diese Bestrebung der Muslime nach öffentlich rechtlicher Anerkennung gibt es mittel- bis langfristig natürlich auch in Zürich. Eine entsprechende Umsetzung ist aktuell allerdings weder vorgesehen noch geplant.

Warum oder warum nicht?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Die Anerkennung als Körperschaft öffentlichen Rechts bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung und u.a. des Aufbaus einer professionellen Verwaltungsstruktur. Zurzeit haben wir als Dachorganisation das von uns angestrebte Niveau noch nicht erreicht.
Ein erster Versuch in Zürich im Jahre 2003 ist leider nicht gelungen. Wir von der VIOZ verfolgen die politische Situation ganz aufmerksam und bleiben mit den Behörden in Kontakt.

Was könnten sich Muslime in der Schweiz von einer öffentlich-rechtlichen Anerkennung erhoffen?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Die Muslime werden dann als zweitgrösste Religionsgemeinschaft in der Schweiz anerkannt, sie und ihre religiöse Aktivitäten werden besser sichtbar und dies würde als Zeichen der Integration wahrgenommen.
Die unbegründeten Ängste gegenüber den Muslimen in der Schweiz und ihrer Religion würden somit öffentlich reduziert.
Die zweite und dritte Generation der Muslime sowie der Rest der Gesellschaft würden davon sozial enorm profitieren.
Die öffetlich-rechtliche Anerkennung der Muslime würde das verständnisvolle und friedliche Zusammenleben unter der Bevölkerung in der Schweiz stark fördern.
Öffentlich rechtliche Anerkennung ist zwar kein Garant dafür, für die Muslime und ihre Religion eine größere Akzeptanz unter der Bevölkerung zu erwirken - was nur durch eine bessere Zusammenarbeit bei und durch gemeinsame Beteiligung an der Lösung von öffentlichen Anliegen möglich wird - so wird doch durch diese Anerkennung die Kooperation mit den Behörden und anderen öffentlich relevanten Stellen auf ein besseres, da verbindlicheres Mass gehoben, wodurch alle Bewohner im Land profitieren sollten.
Vor allem kann nicht nur auf die Bedürfnisse der Muslime aufgrund der engeren Vernetzung mit den behördlichen Stellen besser eingegangen, sondern auch die Anliegen der Schweizer Bevölkerung können in partnerschaftlicher, schweizerischer Konfliktlösungsmethodik auf allen politischen Ebenen besser berücksichtigt werden.

Die Luzerner Zeitung berichtet, die Islamische Gemeinschaft könnte durch die Anerkennung als Teil der Landeskirche von den Muslimen eine Art Kirchensteuern erheben. Wäre das im Kanton Zürich genauso?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Diese Frage bedarf eine sorgfältige Diskussion unter Berücksichtigung der Islamischen Vorschriften (Zakah als dritte Säule der islamischen Religion) und die Erfahrung der anerkannten anderen religiösen Gemeinschaften.
Die gesetzlichen Voraussetzungen wären wohl in etwa genauso. Wie, in welchem Ausmaß und ob überhaupt solch eine sogenannte Kirchensteuer eingehoben würde, ist von den muslimischen Vereinigungen und vom Dachverband noch nicht endgültig beraten und schon gar nicht entschieden worden.

Was wären die Nachteile einer öffentlicht-rechtlichen Anerkennung? Für Institutionen/für Mitglieder?
M.Hanel für VIOZ hat Folgendes geschrieben:
Nachteile einer öffentlich-rechtlichen Anerkennung, sind - wie dies auch von der katholischen Kirche in etwa empfunden wird, dass eine gewisse Autonomie verloren geht und eventuell auch, dass im Laufe der Zeit eine gewisse Abhängigkeit der Gemeinschaft und vor allem der bezahlten Funktionäre zum Staat, zum Status Quo entstehen könnte, welche sich negativ auf die Eigenständigkeit und auf den Rückbezug der Führungsgremien auf die Bedürfnisse der Basis auswirken könnten.
Bei einer grundsätzlich basisdemokratischen Ausrichtung sollten die zu erzielenden Vorteile die genannten möglichen Nachteile allerdings überwiegen.

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Zuletzt bearbeitet von M.M.Hanel am Fr 20 Sep, 2013 11:42, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:26    Titel:

AUTORITÄT im ISLAM


Interview von Franziska HOFER, UNI Bern mit M.Muhammad HANEL
http://www.gsiw.ch/Autoritaet_Interview.pdf
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:26    Titel:

Thema Islam im TOP TALK
http://www.toponline.ch/area-2.medium-2.rub-24.art-163590.tce

Schätzungen gehen davon aus, dass heute 440 000 Muslime in der Schweiz leben. Das entspricht einem Bevölkerungsan-teil von knapp sechs Prozent.

Seit einigen Jahren wird in der Schweiz vermehrt über den Islam und den Umgang mit Muslimen diskutiert. Im Zuge der Minarett-Initiative hat sich die Diskussion verschärft. In den Medien wird von einem zunehmenden Unbehagen der Bevölkerung gegenüber dem Islam gesprochen.
Markus Klinkner ist zum Islam konvertiert. Im TOP TALK am Montag, 19. September 2011 um 18.30 Uhr (mit stündlicher Wiederholung) gibt er einen Einblick in eine Religion, vor der Viele Angst haben.
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:27    Titel:

Islam in der Schweiz - Thema "ABNEIGUNG gegen den ISLAM
Interview von Hanel für VIOZ auf Anfrage von Frau Tanja W. Kantonsschule Örlikon gegeben.


1. Man kann spüren, dass es in der Schweiz eine gewisse „ Abneigung „ gegen den Islam gibt. Wie erklären Sie sich diese?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Jedes Phänomen hat verschieden Ursachen. Emotionale Phänomene - dazu gehört Zu- und Abneigung für oder gegen etwas, wurzeln sowohl in tatsächlich vorhandenen Fakten und eingebildeten, eingeredeten Vorstellungen, resp. Vorurteilen.
    • Das Fremde wird mehr oder weniger bewusst - grundsätzlich abgelehnt.

    • Der Islam wird als "Fremdes" gepflegt … von den Medien, der Politik, den Nicht-Muslimen, ja, selbst auch von den Muslimen (d.h. korrekte Informationen sind schwer zu erhalten und werden gerne durch "Halbwahrheiten" ersetzt, Muslime ziehen sich aus dem Diskurs, dem Gemeinsamen zurück, kennen ihre Religion tlw. nur ungenügend, usw.).

    • Der Islam muss als "böses" Feindbild gegen das "gute" Bild von sich selbst in einer bipolar ausgerichteten Polit-Welt ("wer nicht für "MICH" ist, ist gegen "UnS") herhalten, wird von einer führenden Elite missbraucht, um von groben Missständen (ökologischer, ökonomischer, sozialer Natur) in der von ihnen kontrollierten Welt abzulenken.

    • Muslimische Gesellschaften sind aus verschiedenen Gründen (historischen, machtpolitischen, usw.) tatsächlich in manchen Belangen, vor allem aus technischer Warte betrachtet, "zurückgeblieben" … wer allerdings die Länder der Muslime persönlich bereist, erkennt im Allgemeinen, welch Segen dieses "Zurückgebliebensein" in nicht technischen und politischen Belangen meist ist (Gastfreundschaft, Eile mit Weile, sozialer Zusammenhalt, usw.).

    • Der Islam lehrt grundsätzlich die Freiheit des Menschen und seine einzige Abhängigkeit nur gegenüber dem Schöpfer des Universums und aller Welten – diese Einstellung ist JEDENFALLS weltlichen Machthabern ein schweres Hindernis in Bezug auf die Ausbreitung ihres Einflusses.

    • Die meisten hier im Westen lebenden Muslime haben bislang das in bestimmten sozialen Schichten vorherrschende Bildungsdefizit noch nicht aufgeholt und vermitteln dadurch auch ein völlig falsches Bild von Islam und Muslimen, wie es von der Religion gefordert und andernorts umgesetzt ist.

    • Dieser Mix aus realen Fakten, Halbwahrheiten, Fokussierung auf das Negative welches in allen Gesellschaften vorkommt, aber gezielt dem Islam und der muslimischen Gemeinschaft zugeschrieben wird, niedere politische Ziele, öffentliches Desinteresse Probleme pragmatisch zu lösen, Unwissenheit und wenig Motivation, sich aktiv um Wissen zu bemühen, menschliche Schwächen, übertriebener Eigennutz, gezielt umgesetzte Strategie einen Sündenbock für eigenes Versagen zu brauchen, (auch islamisch) inakzeptable Politik in muslimischen Ländern, usw. – all dies führt dazu, den Islam und die muslimische Minderheit im Land auszugrenzen und zu dämonisieren. Dass Muslime nicht erfreut und in allen Fällen weise darauf reagieren, lässt die Kluft zwischen den Gesellschaften noch weiter aufbrechen.

2. Minarette, Beschneidung von Frauen und Kopftücher sind für viele Schweizer ein und dasselbe Thema. Muslime in der Schweiz haben ein offensichtliches Image-Problem. Wie wollen Sie dieses bekämpfen?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Sie sagen es. In der Diskussion über Islam und Muslime wird alles Mögliche und Unbegreifliche durcheinander geworfen und undifferenziert, durch die Medienberichterstattung noch gefördert, stets zum Nachteil der Wahrheit, des Islams und der Muslime dargestellt.
Diese geballte Desinformationskampagne erfolgreich zu bekämpfen ist für die muslimische Gemeinschaft in der Schweiz alleine – vor allem erfolgreich - nur sehr schwer möglich. Weder hat sie die dazu erforderliche Infrastruktur, auch nicht die Zeit, die es diese zu erwirken bedarf, noch die personellen Ressourcen, um allen Anfeindungen auf professioneller und adäquater Ebene erfolgreich zu begegnen.
Dennoch bemüht sich die muslimische Gemeinschaft all diese Fehldarstellungen zu korrigieren, wie z.B. durch das Argumentarium, welches vor der Minarettverbotsinitiative zusammengestellt wurde (Siehe: http://www.gsiw.ch/Argumentarium%20MinarettinitiativeFinal_2009-10-311.pdf )
Allerdings, aus Gründen, die oben schon dargestellt wurden … dringen diese Darstellungen kaum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

3. Wie könnte man die Beziehungen zwischen den Muslimen und den Schweizern verbessern?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
    - Durch gegenseitiges Kennenlernen auf nachbarschaftlicher, zwischenmenschlicher Ebene.
    - Durch aufrichtige Zusammenarbeit an gemeinsamen Anliegen auf lokaler Ebene.
    - Durch das Ablegen des Wunsches, den "Anderen" zu beherrschen.
    - Durch Wahrhaftigkeit in der Bewältigung der uns allen gemeinsamen Lebensaufgaben.
    - Damit aufzuhören, des "Bruders Splitter" entfernen zu wollen, obgleich man durch das "Brett vor dem eigenen Kopf" und dem "Balken im eigenen Auge" dazu gar nicht in der Lage ist.
    - Durch das Besinnen und die Konzentration auf die allgemeinen menschlichen Werte, welche die Menschheit nur vereint zu verwirklichen und zu leben vermag.
    - Durch vereinten, vernünftigen Widerstand gegen das Böse, welches von allen Menschen ja ganz klar erkannt wird.

4. Was halten Sie von den Kulturvereinen und Koranschulen, welche etwa in den 80er- Jahren gegründet wurden, damit die Muslime die religiösen Traditionen und die Sprache bewahren konnten? Sie solche Institutionen hilfreich, um sich im neuen Land zu integrieren?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Natürlich sind solche Institutionen hilfreich, sich im neuen Land zu integrieren. Integration bedeutet ja nicht die Aufgabe der eigenen Kultur und Lebenssicht. Sondern bedeutet, das als wertvoll empfundene Eigene, auf selbstbewusste, verständliche und geeignete Weise in die neue Lebenswelt einzubringen, zu integrieren.
Wird Integration allerdings nicht "so" gesehen (egal von welcher der beiden, am Integrationsprozess beteiligten Seiten), sondern als Assimilierung (also, Aufgabe des Eigenen zugunsten des mehrheitlich Befürworteten), dann führt die Besinnung auf eigene Kultur, Religion und soziale Normen zur Abschottung und zu, für alle Mitglieder der Gesellschaft, allgemein unzuträglichen Ausformungen.

5. „Ich finde, die Religion tötet den Kontakt zu anderen Menschen“. Dieses Zitat stammt von einem Moslem, welcher ich vor ein paar Wochen interviewt habe. Seines Erachtens sollten gar keine Religionen existieren und es werde nie Frieden auf Erden geben, solange es Religionen gibt. Was meinen Sie zu seiner Aussage? Was ist überhaupt der Sinn und Zweck einer Religion?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Nun – ein Moslem kann so etwas nicht wirklich meinen. Eine solche Aussage mag von einem Menschen kommen, der vielleicht als Moslem erzogen wurde, aber solche Erziehung nie verinnerlicht hat und nicht verstanden hat, dass der Islam angelegt ist, dem Menschen den Weg zu innerem und äußerem Frieden zu weisen. Diesen Weg allerdings frei und für alle begehbar zu halten … ist oft mit gewaltiger Anstrengung verbunden und er ist auch gegen mächtige, böswillige Widersacher zu verteidigen.
Der Schluss, dass es keinen Frieden geben wird, solange es Religionen gibt, ist nicht anders denn einfältig zu nennen.
Die letzten Kriege im 20. Jahrhundert, dem gewalttätigsten Jahrhundert innerhalb der bekannten Geschichtsschreibung, fanden nicht im Namen der Religionen statt, sondern wüteten zwischen politischen, a-religiösen Ideologien und Machtblöcken. Das gilt für die beiden Weltkriege, die stalinistischen und kommunistischen Gräuel in Russland und China, die menschenverachtenden Kriege der USA in Indochina, Vietnam … etc.
Und letztlich ist es Sinn der Religion, dem Geschöpf den Weg zur Glückseligkeit dadurch zu weisen, das rechte, natürliche Verhältnis zu seinem Schöpfer im Diesseits und im Jenseits auf möglichst leichte Weise zu erkennen und zu finden.


[center]Minarettinitiative[/center]

1. Die Schweiz ist das einzige Land in Europa, welches seit 2009 Minarette verbietet. Wie gross war die Enttäuschung bei Ihnen?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Sehr gross.

2. Hat die islamische Gemeinde in der Schweiz genug getan, um ein Verbot zu verhindern?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Ja natürlich! Eine bereits verhasste Minderheit hätte niemals, egal mit welchen Maßnahmen gegen die Kampagne erfolgreich antreten können. Vielmehr hat die Schweizer bürgerliche Bewegung zu wenig getan, die eigene Rechtssicherheit in der Schweiz zu verteidigen.

3. Sind Sie rechtlich gegen das Minarett- Verbot vorgegangen?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Nein – ein rechtlich gültiger Volksentscheid kann und sollte in der Schweiz nur durch einen ebensolchen oder eine andere, durch das Volk getragene juristische Maßnahme rückgängig gemacht werden. Die Mehrheit dafür muss erst erreicht und gewonnen werden.

4. Viele Schweizer befürchteten negative Konsequenzen für die Schweiz. Sind diese Ängste begründet?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Kommt darauf an, an welche negativen Konsequenzen man dabei denkt.

5. Inwiefern machte sich die Schweiz mit diesem Entscheid zur Zielscheibe von radikalen Islamisten?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Bislang konnte man ja nicht feststellen, dass die Schweiz Zielscheibe radikaler Islamisten wurde, nicht wahr? Abgesehen von einer gewissen Radikalisierung auf verbaler Ebene, die allerdings weiterhin verstärkt polarisierend wirkt, fand eben keinerlei Radikalisierung statt.

6. Denken Sie, dass die Anschläge auf das World Trade Center im Jahre 2001 die Abstimmungserbegnisse beeinflussten?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Selbstverständlich.

7. Ich habe viele Berichte gelesen, in denen über die Initiative diskutiert wurde. Mir ist dabei aufgefallen, dass der Begriff „Schweizer Geschichte“ oder „SVP“ häufiger gefallen ist als „Minarett“ oder „Islam“. Daraus folge ich, dass es bei der Abstimmung in erster Linie gar nicht um den Islam ging, sondern über die Schweizer Politik. Was denken Sie darüber?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Wie oben schon dargestellt, eignet sich das hochstilisierte Feindbild "Islam" hervorragend, um lokale Politik zu machen. Das zeigt sich auch auf internationaler Ebene, auf welcher z.B. ein völkerrechtswidriger Krieg gegen den Irak geführt wurde – ein Akt, welcher mit anderen, die Rechtsstaatlichkeit auf internationaler Ebene abgeschafft hat und womit vom eigentlichen Feind, dem eigentlichen Problem abgelenkt wurde … Misswirtschaft und gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Untergang – und auch in der Schweiz, wo mit Marginalien ebenfalls von den wirklichen Problemen ablenkend, lautstarke, populistische Politik betrieben wird.

8. Ist ein Minarett überhaupt notwendig? Es gibt in der Schweiz ja gar keinen Muezzin.
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Die Frage ist sehr eigenartig und verkürzend gestellt. Notwendig zum Überleben ist Brot und Wasser und eine Erdhöhle!
Ist solches Leben Ausdruck angestrebter, menschenwürdiger Lebensqualität?
In der Schweiz gibt es tausende Muezzins … doch sie üben ihre Profession in der Öffentlichkeit nicht aus!

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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:29    Titel:

Interview für PU Arbeit - STRAFEN in der RELIGION
für VIOZ gegeben.

Was ist die Scharia und was hat sie für eine Bedeutung im Islam?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Unter Scharia kann das gesamte Normensystem des Islams verstanden werden.
Wörtlich bedeutet SCHARIA: "Weg zur (lebensspendenden) Tränke". Womit also weniger, oder besser, nicht nur etwas Konkretes, sondern viel eher ein von Zeit und Umstände abhängiges Verfahren bezeichnet ist, welches zur Gebots- und Normenfindung führt und in erster Linie auf der letzten islamischen Offenbarung, dem Koran gründet.

Etwas pointiert aber durchaus korrekt, hat es Hilal Sezgin einmal in etwa ausgedrückt:
Unter Scharia wird fälschlicherweise im Allgemeinen "das islamische Gesetz" verstanden.
Scharia ist aber vielmehr ein Oberbegriff für die religiösen und sozialen Verhaltensregeln (also den Rechtskörper, sozusagen die rechtliche Verfassung), die Gott dem Menschen auferlegt hat und setzt sich zusammen aus Koran, Überlieferung und Rechtsurteilen, differiert je nach Glaubensrichtung, Rechtsschule und Interpretation.
Auf das Christentum übertragen, wäre die Scharia die Gesamtmenge aus den Zehn Geboten und den Enzykliken, den orthodoxen, katholischen und protestantischen Liturgien und Katechismen plus den regionalen Sitten, wie man beispielsweise einen Weihnachtsbaum zu schmücken hat.

Welchen Einfluss hat sie auf das heutige Rechtssystem?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Scharia – als lebendiges System, um zu Normen- und normativer Rechtsfindung zu gelangen, stand und steht auch heute noch in Wechselbeziehung zu allen anderen Rechtssystemen – sie wirkt befruchtend (also lebensspendend, heilsbringend) und sie wird auch befruchtet – und zwar von anderen Verfahren und Systemen, welche von universell geltenden Gesetzmäßigkeiten bestimmt werden. Als Beispiel könnte die moderne, in manchen westlichen Ländern eingeführte Namensregelung zwischen Ehepartnern genannt werden. Im Islam galt z.B. immer schon, dass die Ehefrau ihren Familiennamen behielt und nicht den Familiennamen ihres Mannes übernahm. Auch das, ebenfalls noch nicht sehr lange im Westen gepflogene Vermögensrecht, nämlich das der Gütertrennung zwischen Ehepartner, ist seit 1400 Jahren islamischer Rechts- und Vertragsbestandteil.

Was sind die Hadithen?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Die Ahadith (Pl.) sind die zweite verbindliche Quelle, aus welcher islamische Rechts- und Normenfindung ihre Substanz schöpft. Mit Hadith wird ein Bericht von einem oder mehreren Zeitgenossen des Propheten Muhammad (a.s.) bezeichnet, die einen Ausspruch, eine Gepflogenheit, eine Duldung oder eine Unterlassung überlieferten.

Welche Vor-/ Nachteile sehen Sie in einer Gemeinsamkeit von Staat und Kirche?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Wenn der Vergleich von Staat und Kirche mit einem entsprechenden Vergleich von Geist (Transzendenz) und Körper (Immanenz) gestattet ist – so ergibt sich die Erkenntnis von Vor- und Nachteilen wie von selbst. Dazu ist allerdings anzumerken, dass es eine Kirche als solche im Islam und islamischen Gesellschaften nicht gibt und als Institution auch nicht vorgesehen ist. Vielmehr könnte hier das Verhältnis zwischen Politik und Religion untersucht werden.
VORTEIL:
Nur in gemeinsamer, einander ergänzender und komplementärer Ausrichtung dieser beider Komponenten kann das Ziel wahrhafter, harmonisch gestalteter Verwirklichung individueller und gesellschaftlicher menschlicher Lebensaufgabe erreicht werden.
NACHTEIL:
Zwei natürliche, aufeinander angewiesene Elemente treten allzu oft, werden sie dem unbeherrschten menschlichen Ego zum Gebrauch überlassen, anstatt miteinander zu harmonieren, als einander ausschließende Konkurrenten auf. Auf solche Art der Einseitigkeit überlassen, zerstören sie in ihren, einander aufreibenden Aktivitäten nicht nur die positiven Impulse und Werte ihrer selbst, sondern auch den gemeinsamen, diesseitigen Urgrund, welchen sie zu blühender Entfaltung zu bringen gedacht sind.

Was gibt es für Strafen und wie werden sie begründet?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Grundsätzlich ist zwischen Strafen zu unterscheiden, welche erst im Jenseits und solchen, welche bereits im Diesseits zum Tragen kommen. Begründet werden die Strafen aus der Nennung in den und der Interpretation der oben - von Sezgin - genannten Quellen.

Würden Sie es begrüssen wenn Muslime in der Schweiz zum Teil nach der Scharia gerichtet werden? (Begründung)
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Scharia als Gesamtphänomen betrachtet, beinhaltet nur zum geringen Teil die Gerichtsbarkeit an sich, also islamische Rechtsprechung, welche wiederum nur dann den Zweck aller Gerichtsbarkeit zu erfüllen vermag, nämlich Recht in Form von Urteilen zu sprechen und wahrhafte Gerechtigkeit unter den Menschen herrschen zu lassen, wenn die gesellschaftlich vorherrschenden Allgemeinbedingun¬gen gemäß islamischer Vorschreibung gestaltet sind. Somit ist nur teilweise Rechtsprechung nach einem System innerhalb eines anderen Rechtssystems immer problematisch.
Da diese Frage auch ganz entscheidend die Frage der Souveränität im Staat tangiert, kann Ihre Frage an dieser Stelle nicht einfach mit Ja oder Nein beantwortet werden, sondern muss höchst differenziert betrachtet werden. Und nochmals: Scharia ist NICHT mit islamischem Strafrecht gleichzusetzen! Das Propagieren solch verkürzender und fälschlicher Darstellung sind mit die Hauptgründe, warum der Islam völlig missverstanden wird und auch als diabolisch empfundenes Feindbild wahrgenommen wird.

Aber kurz auf den Punkt gebracht, kann vielleicht gesagt werden: islamische Gerichtsbarkeit in der Schweiz ausgeübt, kann nicht im Interesse des nicht islamischen Souveräns sein und alleine schon aus diesem Grunde - auch nicht im Interesse der muslimischen Staatsbürger im Land! Dies ist die eine Sache.

Eine andere Sache ist die Umsetzung verschiedener Prinzipien, die in der Scharia festgelegt und begründet sind. Dazu gehören zum Beispiel die Möglichkeiten, gemäß Scharia die gottesdienstlichen Handlungen, wie z.B. das Gebet, das Fasten, etc. zu verrichten oder finanzielle Transaktionen gemäß den Normen der Scharia durchzuführen. Oben wurde schon u.a. auf das islamische Namensrecht verwiesen, welches gemäß Scharianormen auch in der Schweiz umgesetzt werden kann und auch nicht gegen geltendes Recht verstößt. Natürlich gibt es auch Bereiche, in welchen Muslime eine größere Berücksichtigung von Scharianormen wünschte. Zu nennen wäre hier z.B. die Produktion von, nach islamischen Normen unbedenklichen Fleischprodukten. Nach jüngsten Meldungen wären sogar Vertreter der SVP, welche ja nicht unbedingt als Befürworter der Scharia auftreten oder gesehen werden wollen, als unterstützende Kräfte zu gewinnen.
Siehe: http://www.bernerzeitung.ch/region/kanton-bern/Halal-made-in-Switzerland/story/25931845

Was hat der Koran für einen Einfluss?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Der Koran als absolut gesetztes Wort Gottes, als authentisch erachtete göttliche Offenbarung, ist die maßgebende Quelle und höchste Autorität in Hinblick auf islamische Normenfindung, Rechtsprechung und Gesetzgebung.

Wie beurteilen Sie die Strafen?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Strafen sind im Islam das zuletzt - nach allem anderen, erfolglosem Versuch - zum Einsatz zu gelangende Regulativ, um individuellen und gesellschaftlichen Ruin und Untergang zu verhindern zu trachten.

Sind die Strafen effizient?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Das hängt stets von der Weisheit der Richter, der Gerechtigkeit des angewandten Gesetzes, den sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen und der Menschlichkeit der Exekutive ab. Die besten Strafen scheinen jene zu sein, deren Androhung alleine vor dem Begehen der Straftat abhält.

Warum unterscheiden sich die Strafen in muslimischen und christlichen Ländern sehr stark?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Wenn, dann weil in den angesprochenen beiden Gebieten es zum Teil unterschiedliche Rechtsquellen gibt, unterschiedliche sozialpolitische Bedingungen, unterschiedlich erlebte historische Erfahrung. An dieser Stelle mag aber vermerkt sein, dass vielleicht die meisten muslimischen Länder ihre Verfassung und somit auch die Rechtsprechung von westlichen Vorbildern übernommen haben.
Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel. Anders herum gibt es die strengste aller Strafen, die Todesstrafe (oder die Folter von Verdächtigen, welche ohne Beweise, gegen alles modernes Recht gefangen gehalten werden) in "Gods Own Land" den christlichen USA ebenfalls auch heute. Das heißt ganz klar, dass es nicht ursprüngliche religiöse Gesetzgebung und/oder die Kraft der Legislative, sondern vielmehr die gesellschaftspolitische Ausrichtung der Exekutive ist, welche Recht und Strafen zu Unrecht und Unmenschlichkeit verkommen lassen.

Sehen Sie Zusammenhänge zwischen der Bibel und dem Koran in Sachen Strafen? Wo sind die Unterschiede?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Die Strafen, welche in der Bibel verzeichnet sind weitaus strenger und martialischer als jene, welche im Koran erwähnt sind. Der Koran kann also als "entschärfte" alttestamentarische Version gesehen werden und andererseits als wieder "verschärfte" neutestamentarische Version. Hat es sich doch überdies gezeigt, dass weder die Nichtumsetzung der alttestamentarischen Strafen in jüdischen Gesellschaften, noch die ebenfalls in der Praxis nicht umgesetzte neutestamentarisch eingeforderte Vergebung, Nächstenliebe und Barmherzigkeit in namentlich christlichen Gesellschaften zu einer entsprechenden Läuterung im Umgang der menschlichen Gesellschaften miteinander geführt hat. Als Beleg für diese Behauptung, welche allem Schönreden entgegensteht, sei erwähnt, dass das 20. Jahrhundert (und das 21. scheint dem in nichts nachstehen zu wollen) das quantitativ grausamste Jahrhundert in seinen Gemetzel war und allem mittelalterlichen Denken entrissene Rechtsphilosophie diesen Grausamkeiten nichts wirklich entgegenzusetzen hatte. Andererseits darf gesagt werden, dass in mittelalterlichen islamischen Landen, z.B. die als grausam empfunden Strafe des Handabhackens über Jahrhunderte kaum jemals exekutiert wurde.

Werden die Muslimen im westlichen Rechtssystem gerecht behandelt? Wenn nein wieso nicht?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Jedenfalls nicht ungerechter als in den meisten muslimischen Ländern – wiederum ein Beleg dafür, dass es nicht die Religion ist, welche zur Zeit über Recht und Unrecht auf der Welt bestimmt, sondern ganz andere Kräfte und Mächte.

Gibt es Vor- und Nachteile gegenüber dem Schweizer Rechtssystem?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Das hängt immer vom Wissen, der Einsicht der beteiligten Menschen und der jeweils gepflogenen und gesellschaftlich akzeptierten Praxis ab.

Was halten Sie von den Vorurteilen gegenüber dem Islam und seinen Strafen?
M.M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Was man von Vorurteilen eben halten muss.
Wer sich bezüglich Islamisches Recht und Scharia kompetent weiterbilden und Vorurteile in (Er)kenntnis wandeln möchte, sei das jüngst erschienene, vorzügliche Buch von Mathias ROHE zur Pflichtlektüre empfohlen.
DAS ISLAMISCHE RECHT: http://www.amazon.de/Das-islamische-Recht-Geschichte-Gegenwart/dp/3406579558


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A.Z. hat Folgendes geschrieben:
Was ist die Scharia und was hat sie für eine Bedeutung im Islam?
Die Scharia (asch-scharii’ah) bedeutet linguistisch „der Weg zur Wassertränke“.

Fachspezifisch ist sie die Gesamtheit der Islamischen Gebote praxisbezogenen Inhaltes, wie die Gebote zum rituellen Gebet, zum rituellen Fasten, Ernährungsgebote, Bekleidungsgebote, die Moralwerte, usw.

Der Islam besteht aus Scharia und ’Aqiidah (Iimaan-Inhalte wie die unerschütterbare Gewissheit an das Dasein des Schöpfers, an die Engel Gottes, an die Propheten und Gesandten Gottes, an die vom Schöpfer übermittelten Schriften, an den Jüngsten Tag und an das Vorauswissen und die Vorherbestimmung Gottes).

Welchen Einfluss hat sie auf das heutige Rechtssystem?
Die Scharia ist eine Hauptquelle zur Ableitung von Normen und Alltagsbestimmungen in allen islamischen Ländern.

Was sind die Hadithen?
Es sind die Tradierungen, welche die Aussagen und die Handlungen des Gesandten Muhammad (sallal-laahu 'alaihi wa sallam) beinhalten

Welche Vor-/ Nachteile sehen Sie in einer Gemeinsamkeit von Staat und Kirche?
Dies können wir nicht beantworten, da wir im Islam keine Kirche haben und diese Erfahrung nicht kennen. Aus der europäischen Geschichte wissen wir, dass es fast nur Nachteile gab.

Was gibt es für Strafen und wie werden sie begründet?
Frage ist unklar.

Würden Sie es begrüssen, wenn Muslime in der Schweiz zum Teil nach der Scharia gerichtet werden? (Begründung)
Frage ist unklar.

Z. B. gehören die Ehe-, Scheidungs- und Erbschaftsmodalitäten zu den Scharii’ah-Geboten. Diese müssen nach der Scharii’ah sein. Bau von Moscheen, Beten und Fasten z. B. gehören zur Scharii’ah, ohne die kommt kein Islam zustande, usw.

Was hat der Koran für einen Einfluss?
Der Quraan ist die Seele des Islam und seine Hauptquelle in jeder Hinsicht.

Wie beurteilen Sie die Strafen?
Welche Strafen?

Sind die Strafen effizient?
Welche Strafen?

Warum unterscheiden sich die Strafen in muslimischen und christlichen Ländern sehr stark?
Frage unklar, was heißt islamische und christliche Länder? Welche Länder meint man?

Sehen Sie Zusammenhänge zwischen der Bibel und dem Koran in Sachen Strafen? Wo sind die Unterschiede?
Ja, fast alle Strafen, die im Quraan erwähnt sind, findet man in der Bibel. Die Bibel hat vielmehr härtere Strafen

Beispiele sehen sie z. B. auf ( http://www.unmoralische.de/bibellex.htm ).

Werden die Muslimen im westlichen Rechtssystem gerecht behandelt? Wenn nein wieso nicht?
Prinzipiell ja, in Realität hat man mit Ausnahmen aufgrund von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Islamfeindlichkeit zu tun.

Gibt es Vor- und Nachteile gegenüber dem Schweizer Rechtssystem?
Frage unklar.

Was halten Sie von den Vorurteilen gegenüber dem Islam und seinen Strafen?
Die Diskussion verläuft im Westen negativ, da man wenig bzw. kaum vom Islam und von seinen Geboten weiß. Man definiert z. B. die Scharia als das Strafgesetz im Islam, was das Unwissen bzw. eine gewollte Desinformation belegt. Mehrsachlichkeit würde allen gut tun.

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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:30    Titel:

Interview für die Kantonale Fachstelle für Integrationsfragen, Neumühlequai 10, Postfach, 8090 Zürich

Was tun die islamischen Organisationen im Kanton Zürich und der VIOZ im Bereich Integrationsförderung?

Im Prinzip übernimmt VIOZ als private Vereinigung, welche ausschliesslich auf Spendengelder angewiesen ist, zum guten Teil Arbeiten, welche allgemein von der öffentlichen Hand getragen werden.

Religionsbezogene Arbeit

- Beratung der Behörden betreffend schulische Besonderheiten (Konsultationen, Analysen, Lösungen) / Gemeinden, Kanton
- Beratung der Behörden betreffend Bestattungswesen (Konsultationen, Analysen, Lösungen) / Gemeinden
- Beratung der Behörden betreffend Alterswohnen (Konsultationen, Analysen, Lösungen) / Gemeinden
- Beratung der Behörden betreffend Militärdienst (Konsultationen, Analysen, Lösungen) / Bund
- Seelsorgeleistungen (Krankenhäuser, Gefängnisse, “Blaulichtorganisationen”, Flughafen, Psychatrie, …) Koordination und Organisation von ingesamt über 40 ehrenamtlich wirkenden muslimischen Seelsorgern / Stadt und Kanton
- Mitarbeit in interreligiösen Organen zur Konsensförderung (IRT, ZFR, IRAS, Lehrhaus, …) Stadt und Kanton
- Ansprechpartner für die Oberstufen und Universität für Matur- und Dissertationsarbeiten, schulische Moscheebesuche bzw. Partner der ZH Schulen, um den Lehrplänen zu entsprechen / Gemeinden und Kanton
- Mitarbeit bei der Konzeption des neuen Schulfaches "Religion und Kultur", bei der Erstellung des Fach-Inhaltes und bei der Entwicklung der Schulmaterial
- Ansprechpartner für sämtliche ZH Behörden in muslimischen oder islamischen Belangen (Erhebungen, religiöse Stellungnahmen) / Gemeinden und Kanton
- Ansprechpartner der politischen Links und Mitte Parteien / Kanton
- Veranstaltungen / Diskussionsabende organisieren mit den Parteien (z.B. SP, FDP) über verschiedene gesellschaftspolitische Themen

Allgemeine Gesellschaftsaufgaben (Unterstützung und Leistungen betreffend ZH Migration)

- Beratungen für Migranten betreffend Deutschkursen (verschiedene Moscheen)
- Durchführung von Deutschkursen in den Moscheen (verschiedene Moscheen)
- Anlässe für Jugendliche zur Integration in die Gesellschaft / Stadt ZH und Kanton (Bsp. Ummah Day, VIOZ Jugendlager)
- Unterstützung von Schweizern mit Migrantionshintergrund (meist Erwachsenenbildung, z.B,. 'wie wählt man', Verständniserklärung von Formularen etc.) / Gemeinden, Kanton
- Kulturvermittlung für Migranten (z.B. Erklärungen zu hisigen Usancen, Prozessen und rechtsstaatlichen Strukturen) / Gemeinden Kanton
- Konsensentwicklung zur Wahrung des inneren Friedens und Gegenbewegung zu extremen Entwicklungen / Gemeinden und Kanton


Was könnten die islamischen Organisationen und die VIOZ im Bereich Integrationsförderung besser machen?

VIOZ ist im Landesvergleich eine der offensten und strukturiertesten kantonalen Dachverbände mit direktem Kontakt zu den hisigen Moscheen und sehr guten Erfahrungen mit den öffentlichen Vertretern.

Dennoch bedarf es einer Professionalisierung innerhalb der VIOZ, da die Aufgabenlast nach innen, wie nach aussen exponentiell wächst ohne, dass entsprechende Ressourcen erhöht werden können.

VIOZ 'stemmt' heute die obigen Aufgaben als Laienorganisation mit einem jährlichen Budget von unter CHF 10'000!
(und dies für eine 'Gemeinde', die in etwa 1/3 den grossen Landeskichen entspricht, zum grossen Teil aus Migranten besteht und in den meisten staatlichen Strukturen als neu/fremd erscheint. In erster Linie müsste VIOZ, um die Integrationsförderung besser, d.h. professioneller zu gestalten, ihren Zugang zu finanziellen und institutionellen Ressourcen verbessern.


Inwiefern wären die islamischen Organisationen und die VIOZ froh um Unterstützung von aussen?

- Da die Muslime im Kanton Zürich einen erheblichen Steuerbetrag an die Landeskirchen bezahlen, wären sie froh, wenn diese Beträge, wenn sie schon nicht direkt an die Muslime ausbezahlt werden können, wenigstens über konkrete, projektbezogene Subventionen dem Aufbau ihrer eigenen Strukturen zugesprochen werden. Momentan stehen den Muslimen und ihren Organisation nicht nur diese Beträge nicht zu Verfügung, noch werden mit diesen Geldern jene Maßnahmen gesetzt, welche die Muslime ihre Integrationsarbeit auf das erforderliche professionelle Niveau zu heben, um ihre Rolle als verantwortlicher und kompetenter, religiös ausgerichteter Partner in der Schweizer Gesellschaft auszufüllen.

Desweiteren wären die Muslime auch über finanzielle und institutionelle staatliche Subvention über die Kulturförderung froh. Denn zweifellos ist es historische und gesellschaftliche Tatsache, dass auch die jeweilige Kulturen der Muslime, werden sie im entsprechenden, d.h. professionellen Rahmen gepflegt, jedenfalls eine Bereicherung für die Schweizer Bevölkerung. Kirchen können für die Organisation der alle Menschen bereichernden kulturellen Anlässe durch die entsprechenden, nicht unbeträchtlichen staatlichen finanziellen Dotierungen auf ihre, eben auch durch diese Gelder bezahlten administrativen Strukturen zurückgreifen. Die Integration der Muslime geschähe jedenfalls weit unproblematischer, d.h. gesellschaftspolitisch konfliktfreier, wären sie durch Zuweisung der entsprechenden, nicht staatlichen Mittel (die traditionell eben auch den Kirchen zukommen) in der Lage, ihre kulturelle Präsenz über professionelle Präsentation in der Öffentlichkeit darzustellen.

- Froh wäre die VIOZ über grössere Akzeptanz als religionsbezogene Authorität (bzw. um Unterstützung bei der Unterbindung von Fremdbestimmung in islamischen Angelegenheiten oder bei der Vermeidung von willkürlichem Ausschluss- oder Beizug) in Fragen der Religion in den öffentlichen Gremien und Prozessen (bspw. bei Themen wie: ordentliche theologische Ausbildung für Imame, Seelsorger, Pädagogen und Theologen, Schulreglement, Religion und Kultur … ).
… zu oft heisst es 'man habe einen Muslim beigezogen' oder 'man habe sich über den Islam informiert' - dies mit katastrophalen Folgen, da weder der beigezogene Muslim repräsentativ oder theologisch im klassischen Sinne als legitim zu gelten hat, noch die bezogene Information als, von der breiten klassischen Quellenlage aus gesehen, als umfänglich und/oder ausreichend korrekt dargestellt zu bezeichnen ist.
- Froh wäre die VIOZ über Anpassungen kantonaler Strukturen in Bezug auf die muslimische Bevölkerung (beispielsweise gibt es bis dato keine Direktion, die sich der Seelsorge verpflichtet fühlt, obwohl diese als staatliche Aufgabe definiert ist).
- Froh wäre die VIOZ über Unterstützung bei den Anliegen des allgemeinen Lebenszyklus (Menschenrechte) von der Geburt bis zum Tod für die knapp 10% muslimische Bevölkerung in Zürich
(Gewährung der Rechtsgleichheit im Sinne von praktikablen und pragmatischen, jedoch nachhaltigen Lösungen. Hier ist nicht 'status quo de jure' sondern das 'unverzichtbare Erfordernis' gemeint, also bsw. Lösungen, die der heterogenen Verteilung der Muslime entsprechen und öffentliche Leistungen betreffen, die bereits heute bezahlt, aber praktisch unzugänglich sind, wie in Fragen der Grabfelder, Altersheime, Seelsorge, öffentliche Feste, ...)

Letztlich wäre es aus muslimischer Sicht ein interessanter Ansatz, die Frage umzudrehen und zu formulieren: Wie weit, in welchem Ausmass darf/soll/muss VIOZ Bestandteil des “Aussen”sein?
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:31    Titel:

Interview mit Frau S.A.M. zur ORGANSPENDE im ISLAM

1. - Meine Betreuerin hat mir mitgeteilt, dass Sie zum Islam konvertiert sind. Wie lange ist dies her und wie kam es, dass Sie sich dafür entschieden haben?

Ich bin seit 27 Jahren Muslimin. Meine Konversion zum Islam kam aus tiefer innerer Überzeugung – einer Überzeugung, die schon in meiner Kindheit vorhanden war und die sich im Islam – und für mich einzig in ihm – aufs Beste entfalten kann. Der Glaube an ALLAH, Gott, als den Einen, Einzigen Schöpfer und Erhalter allen Lebens ist zentraler Inhalt sowie die menschliche Ausrichtung auf und Bezugnahme zu IHM in jeglicher Lebenslage und ohne „wenn“ und „aber“. Die Religion des Islam gibt uns eine klare, detaillierte Anleitung, um aus jeder Lebenssituation heraus diesen Weg finden und gehen zu können.

2. - Gemäss einer offiziellen Erklärung akzeptiert auch der Islam die Möglichkeit der Organspende durch den Hirntod. Wie lautet die Begründung für das Einverständnis der islamischen Kirche in dieses moderne Konzept?


Wenn der (mögliche) Nutzen den (möglichen) Schaden überwiegt, wird die Organtransplantation von einer Mehrheit der Gelehrten für den Fall einer Lebensrettung erlaubt. Eine „islamische Kirche“ kennen Muslime allerdings nicht.

3. - Wie verträgt sich das Hirntodkonzept mit der islamischen Rechtsgrundlage? Was sind die Bestimmungen über die Organspende?

Nach muslimischer Auffassung tritt der Tod dann ein, wenn die Seele den Körper verlässt. Der genaue Zeitpunkt, wann dies der Fall ist, kann unseres Wissens nicht klar bestimmt werden. Hirntod ist also nicht zwingend mit dem Tod gleichzusetzen. Der Körper einer toten Person muss grundsätzlich mit derselben Sorgfalt behandelt werden wie der einer lebenden und darf nicht verletzt werden. Dennoch sind viele Gelehrte der Ansicht, dass unter dem Aspekt der Lebensrettung Organspenden erlaubt sind. Letztlich ist jeder Fall nach sorgfältiger Berücksichtigung der Umstände und der religiösen Vorgaben individuell zu beurteilen und zu entscheiden!

4. -Wie ist eine Zustimmung zur Organspende geregelt? Dürfen Angehörige für den Verstorbenen entscheiden?

Allgemein gilt: Ja – die Angehörigen dürfen entscheiden. Allerdings nicht gegen den expliziten Willen des Verstorbenen, welchen dieser entweder mündlich zu seinen Lebzeiten oder über ein Testament zum Ausdruck brachte. Und im Übrigen gilt, wie schon erwähnt wurde, dass jeder Fall individuell, über die Beiziehung von Gelehrten beurteilt und entscheiden werden sollte.

5.- Gibt es auch religiöse Regelungen bezüglich der Organspende?

Von diesen sprechen wir doch. Im Islam ist es grundsätzlich so, dass der sozusagen "rein weltliche" und der "rein religiöse" Bereich nicht unabhängig voneinander existieren, sondern beide miteinander verwoben sind und als komplementäre, von einander abhängige und einander ergänzende Einheiten den ganzheitlichen Bereich menschlichen Lebens darstellen. Die Regelung der Organspende kann – nebst der Bezugnahme auf den heiligen Qur‘an selbstverständlich nur aus dieser Thematik verwandten Themenbereichen der Vergangenheit (Lebenszeit des Propheten, dessen „Sunna“, Gebrauch, für die Muslime massgebend ist) abgeleitet werden.

6. - Wie steht die islamische Gesellschaft in der Schweiz zur Organspende? Gibt es viele muslimische Spender?

Dazu gibt es keine repräsentative Studie oder Umfrage. Doch aus privaten Quellen und persönlicher Erfahrung uns bekannter und nahestehender Ärzte wissen wir, dass in der muslimischen Gesellschaft (Schweizer Gemeinschaft) durchaus Organspenden gegeben und auch angenommen werden.

7. - Gibt es für den Muslimen/ die Muslima einen Unterschied zwischen Lebendspende und postmortaler Spende?

Man muss auf jeden Fall in beiden Fällen das grundsätzliche Verbot der Verletzung des menschlichen Körpers, resp. der geziemenden Behandlung desselben - der für uns ein von Gott anvertrautes Gut bedeutet – beachten. In diesem Sinne darf man schon auch einiges an persönlichem Opfer auf sich nehmen, um Schaden von jemandem anderen abzuwenden. Allerdings kann beim lebenden Menschen der mögliche Schaden natürlich grösser sein – weshalb hier sehr vorsichtig abgewogen werden muss.

8. - Besitzen Sie selbst einen Organspendeausweis?

Ja.

9. - In verschiedenen Büchern wird erwähnt, dass das Blut im Islam eine unreine Substanz darstellt. Was sind die damit verbundenen Probleme im Bezug auf die Organspende?

Dazu sollte man wissen, dass drei Dinge aufgrund einer Aussage des Propheten grundsätzlich als unantastbar, als sozusagen "sakrosankt" gelten. "Das Eigentum, das Blut und die Ehre des Menschen". Das Blut ist also in erster Linie unantastbar und nicht schmutzig. Weiters sollte man wissen, dass im Islam – dies ist für den Gottesdienst, z.B. das Gebet relevant – es zwei Arten von Unreinheiten gibt. Die "tatsächliche" und die "rituelle". Die Bezeichnung des Blutes als unrein bezieht sich auf den rituellen Aspekt. (Dies ist auch ganz klar aus der Prophetentradition abzuleiten, aus welcher wir wissen, dass der Prophet keinerlei Scheu hatte, das Lager mit seinen menstruierenden Frauen zu teilen, dabei auch taktile Zärtlichkeiten auszutauschen, ohne aber den eigentlichen Geschlechtsverkehr zu vollziehen.)

Als Verwehrtes genannt wird das Blut auch als Nahrungsmittel, wie Schweinefleisch oder Verendetes.

In Bezug auf Organ- oder Blutspenden, das ergibt sich aus obigen Erklärungen, hat die rituelle Unreinheit des Blutes in keinerlei Hinsicht Relevanz.

10. - Kennt der Islam eine Einheit von Körper und Geist, wie es im Christentum der Fall ist?

Ja, siehe unten.

11. - Kann man die Seele an ein bestimmtes Organ festmachen?

Nein. Wenn man in dieser Hinsicht mitunter vom Herzen spricht, so wird im Islam damit das spirituelle Herz gemeint.

12. - Was ist die Konzeption des Menschenbildes von Körper, Leib und Seele?

Der Körper, die Seele und die sogenannte Lebenskraft sind eine Einheit. Nach gewissen Gelehrten wird z. B. auch die Pein im Grab als eine Pein beschrieben, die auch LEIBLICH ist (man denke an den sogenannten „Astralleib“ oder „spirituellen Körper“ von welchem mitunter die Rede ist), auch wenn der physische Körper bereits in der Verwesung begriffen ist.

13. - Welche religiöse oder kulturelle Bedeutungen haften den inneren Organen an? Sind sie nur unbelebte Materie oder effektiv Teil der Person?

Den einzelnen inneren Organen haften keinerlei religiöse oder kulturelle Bedeutungen an. Organe sind natürlich keineswegs unbelebte Materie, sie leben einerseits durch ihren Stoffwechsel, sind andererseits belebt durch die („spirituelle“) göttliche Lebenskraft. Letztlich aber IST der Mensch nicht sein Körper, sondern HAT, besitzt einen Körper.

14. - Die Medizin beschränkt den Menschen gewissermassen auf seine Gehirnfunktionen, es wird gesagt, dass das Hirn Zentrum des menschlichen Handelns und Denkens ist. Wie stehen islamische Gelehrte zu dieser Position?

Im Islam wird allgemein nicht das Hirn, sondern das Herz als Zentrum aller menschlichen Wahrnehmung bezeichnet, wobei, wie oben schon gesagt, hier das spirituelle Herz gemeint ist. Obwohl man natürlich auch im Islam das Hirn als Zentrum des Denkens und – in Kombination mit dem Impuls des Herzen - auch des Handelns sieht, nimmt es daher jedoch nicht die zentrale Stellung ein, die ihm die moderne Medizin u. U. zuschreiben möchte.

15. - Gibt es Glaubenskonflikte mit der medizinischen Definition des Todes? Akzeptiert der Islam die Behauptung, dass ein Mensch bereits tot ist, wenn sein Gehirn nicht mehr funktioniert?

Ja, es gibt Konflikte mit der medizinischen Definition des Todes; die Behauptung, dass ein Mensch tot ist, wenn er hirntot ist, ist islamisch nicht haltbar (und auch medizinisch umstritten!).

16. - In der Medizin wird der Tod gleichgesetzt mit endgültigem Bewusstseinsverlust. Welche Bedeutung hat das Bewusstsein für die Integrität einer Person?

Die Integrität einer Person muss im Islam unabhängig von ihrem Bewusstseinszustand gewahrt werden. Ist das Bewusstsein einer Person stark beeinträchtigt oder ist die Person bewusstlos, gar verstorben, sind die Muslime dazu verpflichtet, die Integrität des Betreffenden in seinem Sinn zu wahren.

17. - Die verbleibenden körperlichen Funktionen, die an einem hirntoten Menschen beobachtet werden können sind gemäss Aussagen aus der Medizin rein biologisch begründbar, können jedoch keinesfalls als Leben gelten. Wie steht der Islam dazu?

Der Islam sieht die Seele („Nafs“, den Sitz der Persönlichkeit und des Willens und „Ruh“, die geistige Substanz) als „Grundsubstanz“ des menschlichen Lebens. Den absolut exakten Zeitpunkt, wann sich diese (Ruh) aus dem Körper entfernt, kennen wir nicht. Rein organisches Leben, so könnte man wohl definieren, ist solange gegeben, wie der Organismus stoffwechselt und die Verwesung nicht am gesamten Körper (Stichwort "Leichenflecken") festzustellen ist.

18. Wie wird der Sterbeprozess eines Menschen im Islam beschrieben?

Der Todesengel kommt zum Menschen und entnimmt dem Körper der Person die Seele. Entweder entweicht diese dem Körper „wie in Tropfen“, wenn der betreffende Mensch im Einklang mit göttlichen Geboten – und somit seiner eigenen lichtvollen Natur - gelebt hat. Hat er sich gegen sich selbst versündigt, wird sie ihm unter Schmerzen entrungen. Ein Engel trägt sie sodann in einem entweder weissen oder schwarzen Tuch zu ihrem Herrn.

Obwohl der Mensch im Sterbenszustand in einen Zustand der „Trunkenheit“ (Sakratul Mauti, Sure 50:19) gerät, sieht er, bevor die Seele den Körper verlässt, das, was vor ihm liegt deutlich vor sich.

Welche Relationen hier zu den körperlichen Abläufen des Sterbens bestehen, wissen wir nicht.

19. Reicht die Zeit zwischen Hirntoddiagnose und Explantation des Organs für die Seele, um sich endgültig vom Körper zu trennen?

Dies ist umstritten.

20.Wie sieht der Islam das Leben nach dem Tod?


Nachdem der Mensch ins Grab gelegt wurde, wird er von bestimmten Engeln einer Befragung nach seinem Glauben unterzogen, die er wahrheitsgemäss beantworten wird. Bis zum Tag der Auferstehung befindet sich der Mensch im Grab in einer Art „Zwischenzustand“, dem „Barzakh“. Es gibt die „Strafe“ der „Prüfung“ im Grab“, während der der Mensch an seinen Verfehlungen leidet. Jeden Morgen und jeden Abend wird ihm sein Platz im Paradies oder in der Hölle vergegenwärtigt. Allerdings kann man für die Toten Bittgebete sprechen, die ihnen ihre Situation erleichtern und für sie aus dem Qur‘ an lesen. Solche Bittgebete können sogar bewirken, dass ihre Situation sich ganz zum Guten wendet.

Am Tag der Auferstehung wird der Muslim in aller Regel der Abrechnung unterzogen, in der sein Glaube und seine Taten beurteilt werden. Sodann wird ihm „neues Leben“ verliehen, ein neuer Körper, mit dem er dann im Paradies oder in der Hölle weilt und mit dem der Mensch in Konsequenz seiner Einstellung im diesseitigen Leben entweder grosse Freude oder ebenso grosses Leid erfährt. Die Menschen in der Hölle werden als die beschrieben, die „ihre Seelen verloren haben“ (weil sie an ihrem wahren Lebenssinn vorbeigelebt haben). Die Wonnen des Paradieses oder die Qualen der Hölle werden im Islam ähnlich beschrieben wie im Christentum. „Doch niemand weiss, was an Augenweide für sie verborgen ist für ihre Taten“ (Sure 32:17)

21- In verschiedenen Religionen existieren Rituale, um mit dem Tod besser umzugehen. Es werden beispielsweise Gottesdienste oder bestimmte Feiern abgehalten. Welche Rituale oder kulturellen Traditionen existieren im Islam?

Die muslimischen Rituale sind einfach: Der Tote wird rituell gewaschen, parfümiert, auf bestimmte Art in Tücher gewickelt. Er soll nach Möglichkeit sogleich beerdigt werden, die Lage im Grab ist gegen Mekka gerichtet. Die Angehörigen beten das Totengebet, das aus zwei Gebetseinheiten besteht. Man ist gehalten, bei der Beerdigung gefasst zu sein, da unser Leben in dieser Welt ja nur eine „Etappe“ war, wir an eine Transformation, an ein „Danach“ fest glauben. Empfohlen ist auch, das Grab zu besuchen, da es uns „an den Tod erinnert“ und dort Gebete zu sprechen, aus dem heiligen Qur’an zu lesen. Das Grab soll einfach gehalten sein.

Über die verschiedenen Traditionen ist mir nichts bekannt. Grundsätzlich halten sich Muslime aber daran, die Zeremonien sehr einfach zu halten.


INTERVIEW zur ORGANSPENDE im ISLAM
von Larissa JÄGER, geführt mit Frau MOHAMED für VIOZ, schriftliche Mitarbeit M.M.Hanel.



www.gsiw.ch/Matura_Organspende.pdf


Larissa Jäger hat Folgendes geschrieben:
Sehr geehrter Herr Hanel


Wie versprochen schicke ich Ihnen hiermit den Teil meiner Maturarbeit über den Islam und Ausschnitte aus dem Interview mit Frau Mohamed.
Es freut mich, dass Sie meine Arbeit online veröffentlichen wollen.


Mit freundlichen Grüssen


Larissa Jäger

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Zuletzt bearbeitet von M.M.Hanel am Fr 20 Sep, 2013 12:01, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:31    Titel:

Interviewfragen zum Thema Minarettverbot für VIOZ beantwortet

Guten Tag Herr Hanel

Vielen Dank für Ihre rasche Antwort.

In unserer Arbeit beschäftigen wir uns hauptsächlich mit der Frage wie die Stimmung/Beziehung vor der Minarett-Initiative und dem 11. September 2001 der Schweizer Bevölkerung zum Islam und Minaretten war.
Zudem möchten wir erfahren, wie der Stimmungsumbruch (welche der 11.09.01 und die Minarett-Initiative herbeigeführt hat) bei der Muslimischen Gemeinschaft aufgenommen wurde. Auch die heutige Situation möchten wir analysieren.

Im Anhang sende wir Ihnen einen kleinen Fragebogen bezüglich der Minarett-Initiative.

Bitte fühlen Sie sich frei zusätzliche Bemerkungen hinzuzufügen.

Im Voraus möchten wir uns herzlich für Ihre Bemühungen bedanken.

Mit freundlichen Grüssen

A. G.
A. M.
S. K.

M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Ich gebe Ihnen Antworten, welche ganz allgemein vom Vorstand der VIOZ mitgetragen werden. Dort, wo sich die Fragen auf Persönliches beziehen, können die Antworten bei einem mündlichen Interview natürlich unterschiedlich ausfallen.


1. Wie schätzen Sie das Verhältnis von den Schweizer Bürgern zum Islam / den Minaretten vor dem 11. September 2001 ein? Wie würden Sie das heutige Verhältnis beschreiben?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Das Verhältnis der Schweizer Bürger zum Islam war vor dem 11. September 2001 noch von mehr echtem Interesse am "Anderen" geprägt. Das "Fremde" wurde noch viel mehr als bereichernde Herausforderung erachtet, über welches man in überwiegend positiver Aufnahmebereitschaft etwas zu wissen wünschte.

Nach besagtem Datum – hat die globale mediale Aufmachung und Darstellung dieses Verbrechens (wer letztlich auch immer wirklich dahinter stehen mag) dazu geführt, in völliger Undifferenziertheit im Islam und den Muslimen (obgleich man weder vom einen, noch vom anderen besonders Authentisches wusste) auch hierzulande etwas wirklich Bedrohliches und Gefährliches wahrzunehmen. Seit 10 Jahren haben sämtliche Medien – Ausnahmen bestätigen nur die Regel – ihr Bestes gegeben, diesen Eindruck, der den Westen bedrohenden Gefährlichkeit des Islams und der Muslime zu bestärken und im Denken der Menschen zu verdichten. Eine sehr einleuchtende Darstellung der Gründe und Hintergründe, warum sich die Situation nun aufgrund welcher Maßnahmen des Westens in Hinblick auf die Beziehung zwischen Muslimen und dem Westen verschlechtert hat … (eine Darstellung, welche übrigens von allen Muslimen, mit welchen ich bislang darüber gesprochen habe, mitgetragen wird) … finden Sie in den Veröffentlichungen von Jürgen TODENHÖFER. http://www.iphpbb.com/board/viewtopic.php?nxu=43715060nx17898&p=598#598


2. Was löste der Minarett-Streit / die Initiative bei Ihnen und in Ihrem Umfeld für Reaktionen aus?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Steigendes Unbehagen und Sorge in Bezug auf die Rechtssicherheit ganz allgemein und auf die Sicherheit der Muslime und deren Einrichtungen. Eine Sorge, die in den jüngsten Entwicklungen ihre Berechtigung fand.


3. Kam das Abstimmungsresultat für Sie überraschend? Wie haben Sie und Ihr Umfeld darauf reagiert?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Ja, es kam doch überraschend, da wir mit einer knappen Ablehnung rechneten. Wir hatten die Wirksamkeit jahrelanger Agitation oder durchaus unprofessionellen Agierens auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen unterschätzt.
Unsere Reaktionen, das sollte allgemein bekannt sein, waren von äußerster Zurückhaltung geprägt und auf Deeskalation hin ausgerichtet.


4. Hat sich Ihr Alltag nach der Annahme der Minarett-Initiative in der Schweiz verändert? Wenn ja, inwiefern?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Mein persönlicher Alltag nicht wesentlich. Dennoch waren vermehrt verbale, mitunter auch physische Attacken, besonders auf weibliche Mitglieder unserer Gesellschaft auszuhalten, Schändungen von muslimischem Eigentum und die Hemmschwelle sich negativ über Islam und Muslime in der Öffentlichkeit, den Medien und auf der Strasse zu äussern, hat die muslimische Gemeinschaft zu erdulden. Dies ist belastend, verletzend und frustrierend und einer problemlosen Integration der Muslime im Land nicht zuträglich.


5. Was löste die Initiative resp. der 11. September bei Ihnen aus?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Siehe die Antwort zu Frage 2. Der 11. Sept. löste tiefste Erschütterung aus und wird als Auslöser für all das schwere Unrecht angesehen, welches im Anschluss der Bevölkerung in verschiedenen muslimischen Ländern, z.B. dem Irak angetan wurde.


6. Wie sieht ihr politischer Standpunkt aus?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Als muslimische Organisation, deren Aufgabe es ist, gesellschaftspolitisch akzeptable muslimische Strukturen aufzubauen, besetzen wir keinen politischen Standpunkt. Mein persönlicher politischer Standpunkt, resp. meine Orientierung ist jedenfalls nicht Partei-, sondern Sach- und Anliegen gebunden.


7. Was hat das Minarettverbot ihrer Meinung nach verändert/bewirkt?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:

· die Rechtssicherheit im Land wurde geschwächt,

· Islam und Muslime wurden noch stärker diabolisiert und vermehrt ungebildeter, bewusster und unbewusster Ignoranz und Aggression ausgeliefert,

· Integrationsbemühungen erschwert,

· Muslime mussten feststellen, dass ihre bisherigen, diesbezüglichen Bemühungen völlig vergeblich waren,

· Interreligiöse Projekte werden zurecht in Frage gestellt,

· Hetzlektüre und -propaganda wurde hoffähig gemacht,

· auf wissenschaftlicher, universitärer Ebene wurden zwar vermehrt bessere Arbeiten publiziert, die allerdings keinerlei Effekt auf die Bevölkerung haben,

· Muslime beschäftigen sich noch intensiver damit, wie sie ihre berechtigten Anliegen professioneller darstellen und zu Gehör bringen können, …


8. Bekamen Sie die Einweihung der ersten Moschee in der Schweiz (Zürich) mit?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Jene Muslim, welche damals im Lande waren … natürlich.


9. Woher kommen Sie (ursprünglich)?
M.Hanel hat Folgendes geschrieben:
Österreich – doch die Mitglieder unserer Organisationen kommen aus Dutzenden von Ländern.

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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:32    Titel:

VIOZ INTERVIEW zur INTEGRATIONSARBEIT in ZÜRICH

1. Wie sieht der Kontakt mit der Integrationsförderung Zürich aus?

Wir pflegen gute Kontakte zur Integrationsförderung Zürich. Die Integrationsförderung ist in Zürich durch zwei Stellen vertreten, die Städtische und die Kantonale.
Einerseits wird der Kontakt individuell von den Gemeinschaften gepflegt (z.B. Anfragen der Integrationsstelle ob eine Moscheegemeinden z.B. Deutschkurse anbieten kann);
Andererseits ist der kantonale Dachverband der islamischen Organisationen (Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich - VIOZ) im stetigen Austausch mit den Integrationsstellen.
Hierbei spielen das Zürcher Forum der Religionen sowie die IRAS COTIS eine wichtige Rolle, beides Gremien, in welche Delegierte der VIOZ entsendet sind.
Andere kommunale, städtische oder kantonale Behörden (wie etwa AOZ) sind sporadisch in Kontakt mit den Moscheen oder der VIOZ.
Auf politischer Ebene ist VIOZ zudem am "Runden Tisch" aktiv beteiligt.


2. Wäre eine Muslim-spezifische Integrationspolitik wichtig?

Ganz allgemein sollte die Integrationspolitik nicht Muslim-spezifisch sein, jedoch die spezifischen Anliegen der Muslime auch mitberücksichtigen. Die Problembereiche sind ähnlich, z.B. das Finden geeigneter Gebetsstätte: Orthodoxe Christen (russisch, serbisch, ägyptisch,..) haben Probleme, um geeignete Kirchen zu finden, die Muslime haben Schwierigkeiten, geeignete Moscheeräumlichkeiten zu finden. Wie kann diesen Minderheiten geholfen werden, ihre Gebesstätte zu finden? Wir sehen, dass die Fragen schliesslich für verschiedene Migrantengruppen die gleichen sind.

Zusätzlich bemerkenswert ist, dass sämtliche in der Bundesverfassung erwähnten Grundrechte, ob Gleichberechtigung, ethnischer Rassismus oder Orientierung entsprechende Organe oder Gesetzgebungen haben - nur eines nicht, die in der Verfassung garantierte Kultus- und Religionsfreiheit.
Verschiedene Studien belegen die Wichtigkeit einer Integrationspolitik im Sinne von gegebenen gesellschaftlichen Notwendigkeiten (z.B. NFP58, Studien zur Lager der muslimischen Bevölkerung der Universität Zürich, u.a.)
Wichtig ist hierbei festzustellen, dass es sich nicht um Forderungen neuer Rechtsräume oder Ansprüche handelt, als vielmehr um die Gewährung bestehender Grundrechte, sowie die Erfüllung der als dem Staate zukommenden definierten Aufgaben.


3. Welche Integrationsmassnahmen werden in Zürich speziell für Muslime getroffen?

Die Integrationsförderungen unterstützen keine Religionsgemeinschaften oder kultische Handlungen bzw. Projekte und daher werden keine speziellen Integrationsmassnahmen für Muslime getroffen.

Im Zusammenhang darf noch festgehalten werden, dass es im Besonderen nicht die Aufgabe der Religionsgesellschaften ist, neben ihrem kultischen Zweck, sich besonderer Integrationsförderung zu widmen, sondern primär ist dies eine staatliche bzw. eine Aufgabe der jeweiligen Arbeitgeber.


4. Reichen diese Massnahmen Ihrer Meinung nach aus? Wird genügend unternommen?

Die Ingerationsbemühungen im Kanton und in der Stadt Zürich sind beispielhaft. Muslime können ihre Anliegen melden, und falls möglich, werden von den Behörden auch Lösungsmöglichkeiten gesucht. Es gibt sicherlich Entwicklungspotential bei der Lösung bestehender Probleme. Der Regierungsrat Zürich hat vor 2 Jahren eine Universitätsstudie in Auftrag gegeben um die Situation der Muslime zu analysieren. Diese Studie hat gezeigt, dass die Muslime gut integriert sind, jedoch in einigen Bereichen sind Verbesserungen nötig, z.B. islamische Seelsorge in den Spitälern. Weitere Studien zeigen, dass muslimische Mädchen mit Kopftüchern keine Lehrstellen bekommen. Solche Problembereiche sollten konkret angegangen und Lösungen gefunden werden.


5. Was könnte zusätzlich noch unternommen werden?

Für jeden Problembereich könnte der Staat Lösungssignale senden und Zeichen setzen. In den Gemeinden könnten zum Beispiel Mädchen mit Kopftüchern angestellt werden (Lehre oder Festangestellte, die Befähigung ist natürlich Voraussetzung). Somit würde mit der Zeit die Diskriminierung der muslimischen Mädchen auch in der Privatwirtschaft abgebaut und zum Verschwinden gebracht werden.

Eine spezielle Förderung für Muslime muss in zwei Bereiche unterschieden werden.
Im einen Bereich wären die Muslime die Empfänger gezielter Unterstützung, im zweiten Bereich wäre die Gesellschaft Empfänger der Integrationsbemühungen.
Dem ersten Bereich, auch dem Wohle der Gesamtgesellschaft förderlich, wäre zuzuordnen, die Grundstrukturen der islamischen Gemeinschaft zu unterstützen.
Die fast zu 100% ehrenamtliche, von Laien erbrachte Leistung kann den Integrationserfordernissen, neben dem Aufbau und dem Betrieb der Kultusstätten, Verwaltung, Kommunikation, Ausbildung, Kulturpflege, etc. für fast 10% der Bevölkerung nicht genügen und auch nicht ausschließlich aus freiwillig erbrachten Leistungen der Moscheegänger bestritten werden.

Hierbei gilt auch zu beachten, dass die islamische Gemeinschaft eine Minderheit ist, die auf keinerlei historisch gewachsene und daher stabile organisatorischen Grundstrukturen zurückgreifen kann und aufgrund der gegebenen Situation bislang noch mit einem unterdurchschnittlichem Ausbildungsniveau innerhalb der Gemeinschaft zu arbeiten hat.

Demgegenüber stehen Herausforderungen, die um ein vielfaches grösser sind, als bei den anderen zahlenmässig relevanten Religionsgemeinschaften in der Schweiz.
(z.B. müssen sich weder die Mitglieder Freikirchen, noch die Atheisten um Grabfelder sorgen …)

Im zweiten Bereich sind jene Aufgaben umfasst, deren Bewältigung von Kirche und Staat geteilt werden und sich die entsprechenden historisch entwickelten Strukturen auf die Kooperation zwischen Staatskirchen und öffentlich rechtlichen, politischen und privaten Körperschaften auf Gemeinde- und kantonaler Ebene stützen.

Z.B." kirchliche Staatsaufgaben" wie bspw. die Seelsorge sind so strukturiert, dass nicht anerkannte Gemeinschaften in allen relevanten Bereichen wie bspw. Ausbildung, Zugang/Zutritt zu Spitälern, Gefängnissen, Blaulicht etc. ungenügend berücksichtigt sind.
Bei den kommunalen Staatsaufgaben ergeben sich weitere Arbeitsbereich den Lebenszyklus betreffend.
Beispielsweise wären hier die Bereiche der Alters- und Krankenpflege, wie auch die Friedhofsproblematik zu nennen.
Diese fehlende Basisinfrastruktur zwingt Muslime (ob Migrationshintergrund oder nicht) ihren Altersabend, sowie ihre letzte Ruhestätte in Drittstaaten zu suchen (also ca. 5-10% der Bevölkerung).
Die angesprochenen historisch bedingten Strukturen bedürfen der sorgfältig aufeinander abgestimmten Öffnung, um ihre Funktion für die heutige Gesellschaft erfüllen zu können.


6. Was können Sie als Verband unternehmen, um die Integration der Muslime zu verbessern?

Wir versuchen ständig die Integration der Muslime zu unterstützen und voranzubringen. Unsere Aktivitäten sind sehr vielfältig; Wir sind in Kontakt mit der Erziehungsdirektion und übernehmen Vermittlerrolle in Konfliktfällen zwischen Lehrkörperschaft, Eltern und Schülerinnen und Schülern. Wir begleiten die Einführung des neuen Faches "Religion und Kultur" im Kanton Zürich; wir haben Delegierte in der "Expertenkommission" dieses Faches. Unsere Vertreter nehmen an vielen Gremien teil; z.B. Interreligiöser Runder Tisch des Kantons Zürich, GMS (Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz), IRAS-COTIS (Interreligiose Arbeitsgemeinschaft der Schweiz), Dialogplattform des Zürcher Regierungsrates, Dialogplattform des Justizministeriums, ZFR (Zürcher Forum der Religionen), Lehrhaus für Christentum, Judentum und Islam. Mit dieser Zusammenarbeit ist unser Dachverband auf verschiedenen Ebenen, religiös und sozialpolitisch vernetzt und überall, wo integrationsrelevante Themen aufkommen, wirken wir mit.


7. In den Medien und in der Öffentlichkeit werden den Muslimen immer wieder verstärkte Integrationsunwilligkeit vorgeworfen. Was meinen Sie zu diesem Vorwurf?

Dieser Vorwurf ist nicht haltbar. Einige Musliminnen und Muslime mögen immer noch gewisse Intergationsschwierigkeiten haben, jedoch die Mehrheit der Musliminnen und Muslime wollen sich integrieren, müssen jedoch im Alltag mit schweren Vorurteilen kämpfen. Im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern sind die Muslime in der Schweiz gut integriert, was wird auch von der Mehrheit der Behörden und Politikern so bestätigt wird.


8. Denken Sie, dass es Muslime gibt, die vermehrt Mühe haben, sich zu integrieren?

Einzelfälle kann niemand ausschliessen. Doch gerade in diesem Zusammenhang darf erneut daran erinnert werden, dass bestimmte Missstände oder gar Verbrechen, welche man in der Öffentlichkeit gerne mit den Muslimen in Verbindung bringt (Ehrenmord, Zwangsheirat, Drogenhandel, Diebstahl, Betrug, mangelhafte Bildung, etc.) eben gerade nicht durch islamische Religionstreue gerechtfertigt werden können. Hier sollten die staatlichen Integrationsbemühungen über entsprechende Kooperationsmassnahmen mit den islamischen Organisationen verstärkt werden.


9. Wie können sich diese Integrationsschwierigkeiten konkret zeigen?

Über eine immer intensiver werdende Abschottung von der Gesellschaft, zurückgezogen und "im eigenen Kreis" leben, Mühe haben in dieser Gesellschaft sich zurecht und ordentlichen Anschluss zu finden.
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BeitragVerfasst am: Mo 04 Jun, 2012 20:33    Titel:

«Hütet euch vor Extremismus»

Kreuzlingen – Kritiker werfen dem Islam vor, intolerant zu sein. Angeprangert werden mangelnde Gleichheit von Mann und Frau, Menschenrechtsverletzungen (Scharia) oder Unterdrückung von Andersgläubigen in vielen muslimischen Ländern. Imam Rehan Neziri gibt klare Antworten. - Clemens Pecher/Stefan Böker


INTERVIEW mit Rehan NEZIRI, Imam der Albanisch-Islamischen Gemeinschaft Kreuzlingen.


KreuzlingerZeitung: Sie gelten als liberal eingestellter Imam. Stört es Sie, immer wieder auf negative Phänomene des Islam wie Islamismus, Terrorismus und Integrationsunwilligkeit angesprochen zu werden?

Hier weiterlesen: http://www.kreuzlinger-zeitung.ch/Huetet+euch+vor+Extremismus/518319/detail.htm
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