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Die LIEBE zu ALLAH

 
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Do 26 Sep, 2013 10:56    Titel: Die LIEBE zu ALLAH

Bismillah

DIE LIEBE ZU ALLAH
geschrieben von Schwester S.A.M.

Warum betet der gläubige Mensch zu Gott? Warum fasten wir, warum sind wir sorgfältig bemüht, Nützliches von Schädlichem zu trennen, „Gutes zu tun und Schlechtes zu verwehren“? Was soll unsere Ausrichtung auf Gott, im Arabischen auf Allah „bewirken“, was ist unsere „Triebfeder“ dafür?

Wollen wir einen „Umsturz“, wollen wir „die Welt retten“, wollen wir uns selbst und unsere Nächsten zu besonders „reinen“, besonders „guten“, „besonders besonderen Menschen machen“?
Falls wir dies wollen, liegen wir als Gläubige, als Muslime falsch. Nicht will der Muslim (der sich Gott Überantwortende, Hingebende) etwas anderes, als Gottes Wohlgefallen erlangen – und was motiviert einen dazu, jemandes Wohlgefallen anzustreben, wenn nicht Liebe? Ist nicht die Liebe das Bindeglied überhaupt, welches Menschen miteinander und sodann gemeinschaftlich in der göttlichen Vollkommenheit vereint? Ist nicht Liebe die Triebfeder, welche uns zu grossen Taten anspornt – in ihrer allerniedrigsten Form ist es die Selbstliebe, die den Menschen „beflügelt“, antreibt – und man sieht es an der Eigenliebe am deutlichsten, was jegliche Beschneidung und Beschränkung der Liebe auf geringeres denn Allah anrichten kann – sie bewirkt, nach vorübergehender Expansion, letztendlich eine Art „Implosion“, den Zusammenfall aller Energie „aufgrund zu geringem Innendrucks“ – zieht Depression nach sich und überlässt das Individuum der totalen Vereinzelung, dem Untergang.

Alles was lebt, strebt nach Vervollkommnung seines Wesens. Jede Blume, jeder Baum, jedes Tier und jedes Mineral, auch jedes für das Gros des Lebenden schädliche Element. Alles strebt wie von „Geisterhand“ geführt in eine ihm entsprechende und das Gesamte bereichernde bezw. ausbalancierende Vollkommenheit hinein. Als Mensch, dessen Herz mit der Gnade der Erkenntnis Gottes gesegnet ist, kann man sagen: die gesamte Schöpfung verherrlicht den Schöpfer und ist ihm untertan, gehorsam.

Im Gegensatz zu aller anderen Schöpfung ist der Mensch zusätzlich in Besitz von Erkenntnis- und somit Unterscheidungsfähigkeit zwischen „gut“ und „böse“ was seine eigene Ausrichtung betrifft. Im muslimischen Glauben wird diese Erkenntnisfähigkeit, wie, z. B. Imam Abu Hamid Al Ghasali ausführlich dargelegt hat, dem Organ des Herzens zugeordnet und er hat dem Herzen „schärfere Erkenntnisfähigkeit als dem Auge“ zugesprochen. Die Grundlage dafür wiederum ist Liebe, welche Imam al Ghazali als „Hinneigung zu dem, dessen Wahrnehmung Lust bereitet“ definiert und aus der Erkenntnis, dass das „innere Gesicht stärker ist als das äussere“ folgert er, dass „die Lust des Herzens zu den erhabenen göttlichen Gegenständen, die es erschaut, …..vollkommener und grösser und die Neigung der gesunden Natur und Vernunft zu ihnen stärker sein“ muss, als diejenige Lust und Neigung, die durch die fünf Sinne erweckt wird.
(Abu Hamid Al Ghasali, „das Elixier der Glückseligkeit“.)
http://www.amazon.de/Elixier-Gl%C3%BCckseligkeit-Diederichs-Gelbe-Reihe/dp/3720530531

Sowohl in der Sprache des heiligen Qur‘an als auch in der der grossen muslimischen Mystiker gibt es im Arabischen für das, was wir im Deutschen unter „Liebe“ zusammenfassen, verschiedene Ausdrücke.
Um einen kleinen Einblick darein zu erhalten, in welcher Intensität sich die Muslime mit dem Thema der Liebe befasst haben, wollen wir uns Muhyiddin Ibn Arabi zuwenden, dem „Wiederbeleber der Religion“ auch der „grösste Meister“ (Scheich al Akbar) genannt. Er hat die Formen der Liebe neben der Einteilung in die Kategorien der göttlichen, spirituellen und natürlichen (physischen) Liebe in vier Qualitäten herausgearbeitet, welche auch im heiligen Qur’an genannt und umschrieben werden.

Als Qualitäten nannte er,

- die „jähe Liebesleidenschaft“ al Hawa, die ihr „Gefäss“ (das menschliche Herz) aus dem verborgenen Wesen heraus erreicht wie ein „herabfallender Stern“. Sie hat drei mögliche Auslöser: den Blick (al Nasar), das Hören (Sama) und die Gefälligkeit (die einem erwiesen wird – welche die schwächste Form darstellt, da sie durch Verächtlichkeit schnell getrübt werde.)
Hawa ist jedoch auch diejenige Liebesneigung, die danach verlangt, mit dem Gesetz in Einklang gebracht zu werden, stellt sie doch eine Gefahr für den Menschen dar (Sure38:26), sich durch eine momentane Regung von der umfassenden Weisheit des göttlichen Gesetzes zu entfernen. Kein „Spielball unserer Liebe“ sondern „Gegenstand der göttlichen Liebe“ sind wir aufgerufen zu sein und wir sind aufgefordert, diese „jähe Liebesneigung“ hintanzustellen, wenn sie „einer Seinsweise entspricht, die nicht im Einklang mit den göttlich festgesetzten Vorschriften steht“. Dennoch ist diese Gefühlsregung nicht per se zu verurteilen, habe der Mensch doch die Wahl, sie nach seinem Ermessen „an vielfältige Gegenstände zu knüpfen“ und „an zahllosen Wesen auszulassen“!

- Die ursprüngliche Liebe, al Hubb, die etymologisch mit dem Wort „Samen“ verwandt ist, sich also auf eine ganz elementare Form der Liebe bezieht. Durch sie „verfeinert das Wesen seine unmittelbare Liebesneigung (Hawa), indem es sich einzig dem Weg Gottes unter Ausschliessung aller anderen anschliesst.“ Sie führt die Liebesneigung aus ihrer möglichen „Verästelung“ dem ursprünglichen Fluss der klaren und reinen(Gottes- ) Liebe zu.
Der Begriff „Hubb“ ist wohl diejenige Beschreibung der Liebe, die im Qur’an am öftesten Gebrauch findet (z. B. 2:165; 3:10 u.v.m.) und sie umschreibt jegliche Anbindung des Menschen Innersten an Gegenstände, Zustände, Personen, alles Weltliche, Vergängliche sowie auch an Gott. Es ist die Form der Liebe, die in ihrer Lauterkeit den Prüfstein für die Echtheit der Treue zu Gott darstellt denn „im Augenblick der Wiederauferstehung… wird ihnen einzig die Liebe zu Gott blieben….weil ihre Liebesneigung, übertragen auf die jenseitige Welt, sich nunmehr auf Gott allein richtet“.

- Die überschwängliche Liebe al Ishq. Diese wird von Ibn Arabi sozusagen als „Steigerungsform“ der ursprünglichen Liebe (Hubb) dargestellt. Sie „hat das Vermögen, den Menschen vollkommen zu durchdringen und ihn für alles ausser dem geliebten Wesen blind zu machen Die innerste Wirklichkeit einer derartigen Liebe ergiesst sich noch in die kleinsten Elemente des Körpers, seiner Organe, des Geistes. Sie strömt in ihm wie Blut in den Adern und dem Gewebe...tränkt alle Gelenke des Körpers und bringt es fertig, sich seinem Dasein anzugleichen, indem sie alles seine Aspekte… in ihrem Innersten berührt, bis nichts mehr in ihm bestehen kann, das noch auf etwas anderes verweist ...“ Es ist die Form der Liebe, die der Zulaykha, der Frau des Putiphar in ihrer Liebe zu Joseph zugeschrieben wird, (Sure 12) sowie auch dem berühmten Sufi al Halladsch, der in seiner ekstatischen Durchdrungenheit die Worte „ana al Haqq“ äusserte („ich bin die Wahrheit“), derentwegen er letztendlich hingerichtet wurde.

- Die Treue, die Verankerung der Liebe, al Wadd. Die Bedeutung des Wortstamms ist „einer Sache beständig innezuwohnen“ (Wadd = Pfahl), sie „in der Erde zu verankern". Sie besteht in der „Beständigkeit“ (auch Verankerung) „der ursprünglichen Liebe (Hubb), der überschwänglichen Liebe (Ishq) und sogar auch der jähen Liebesneigung (Hawa)“. „Wenn das (zur Liebe veranlagte) Wesen beständig ist …. Wenn es ungeachtet angenehmer oder unerfreulicher Begleitumstände unablässig unter deren Einfluss steht, wenn sich dieses Wesen an der Trennung oder Entfernung vom Geliebten … weder stört noch sich an ihr freut, wenn es …unentwegt in der Abhängigkeit vom Geliebten wohnt… dann werden alle diese (vorhergenannten) Haltungen von dem Namen der „Beständigkeit in der Liebe“ (Wadd) erfasst."
(Zitate aus Muhyydin Ibn Arabi, „Abhandlungen über die Liebe“, Seite 106 - 115)
http://www.amazon.de/product-reviews/3905272741/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1
Siehe die Rezension zum Buch von Muhammad Hanel:
http://www.iphpbb.com/board/ftopic-43715060nx17898-215.html#1031

Sowohl unser Prophet Muhammad (Friede und Segen Gottes sei auf ihm) als auch viele nachfolgende Muslime waren beseelt, ergriffen und in ihrem Handeln bestimmt von der Gottesliebe. Muhammad hat sie an unzähligen Stellen erwähnt und dem Muslim die Liebe zu Gott sowie zu seinem Gesandten und den uns nahestehenden Menschen nahegelegt.

Grosse Mystiker, wie zum Beispiel die berühmte Rabia al Adawiyyah, waren von dieser Gottesliebe durchdrungen und erfüllt. Obengenannte Rabia sei durch Basra gelaufen mit einer Fackel in einer Hand und einem Wasserkessel in der anderen und erklärte, „ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer ans Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in Hoffnung aufs Paradies anbete, sondern nur noch um Seiner ewigen Schönheit willen!“

Wenn wir die Liebe im Islam behandeln, sollten wir wohl noch die „Rahma“ erwähnen, die im Deutschen gängig mit „Barmherzigkeit“ übersetzt wird und welche dem entspricht, was die Griechen als drittes Element der Liebe (neben Eros und Agape) als „Caritas“ bezeichnet haben. Diese ist das fürsorgliche, behütende, auch immer verzeihende und das Gegenüber nährende Element der „Liebe“ welches entweder vom Schöpfer ausgeht und Seinen Geschöpfen zugewandt ist, (Gottes zweiter Name nach „Allah“ ist im Islam „Al Rahman“ – der „Barmherzige“) oder dann von Geschöpf zu Geschöpf fliesst. „Rahma“ ist eine Qualität der Liebe, die etwas Schwachem, Schutzbedürftigem zugewandt wird, kann deshalb nicht vom Menschen auf seinen Schöpfer bezogen werden und wurde wahrscheinlich auch aus diesem Grunde vom „grossen Meister“ Ibn Arabi an dieser Stelle nicht erwähnt.

Über die längste Zeit in der muslimischen Geschichte hinweg wurde dem Element der Gottesliebe sowie auch dem Bereich der islamischen Wissenschaften, die diese zu ihrem Kernanligen gemacht haben, dem Tasawwuf („Sufismus“) höchste Wertschätzung und Sorgfalt entgegengebracht. Nie wäre man wohl auf die Idee gekommen, dieses Kernstück des Glaubens nicht an erste Stelle jeglichen Tuns und Denkens zu setzen und diejenigen, die sich innerhalb der Gemeinschaft um seine „Pflege“ kümmern, rundweg zu verunglimpfen. Nie wäre man wohl darauf gekommen, einen (religiösen) Dialog oder Disput führen zu wollen, in dem die Liebe zu Gott und zu Seinem Gesandten nicht zentrales Thema wäre, nie hätte man sich bei Handlungen und Entscheidungen – wohl sogar bis in die „sündenbefleckten Herrscherhäuser“ hinein – ganz ohne den Parameter der Gottesfurcht und Gottesliebe im eigenen Herzen orientiert. Obwohl dieser Parameter heutzutage im grossen, sicher im politischen Bereich schwer ins Wanken geraten ist, kann man dennoch auch heute noch in den muslimischen Ländern und Gemeinschaften starke Spuren dieser liebenden menschlichen Verbindung zu Gott spüren, die jedem Ding, jedem Ereignis aus seiner Wertschätzung als Ausdruck göttlichen Willens heraus Akzeptanz zu schenken vermag. Gottesliebe verleiht dem Menschen das Gefühl des Aufgehobenseins in einem – bei aller temporären Unvollkommenheit - letztendlich vollkommenen Sein. Sie lässt im Menschen Geduld und Dankbarkeit in allen Lebenslagen wachsen, Freude am Anblick Seiner Schönheit, die er in aller Schöpfung zu erkennen vermag, Barmherzigkeit mit aller Schöpfung. In der stetigen erneuten Hinwendung zu Seiner Vollkommenheit wird der Mensch dazu in die Lage versetzt, immer vollkommeneres Benehmen (Ihsan) zu entwickeln und dieses auf alles Lebendige anzuwenden.

Nur unter dieser Voraussetzung ist auch die Scharia – der „Weg zur Tränke“ - zu verstehen und zu begreifen. Sie ist Wegleitung des Gott – liebenden Menschen zu seinem Herrn und zur Quelle des eigenen, reinen Seins. Stellt den „Rahmen“ dar, den ein Mensch braucht, der sich den erhabensten der Wege gewählt hat – weil Gott sich ihn dazu auserwählt hat. Sie ist als liebende göttliche Anleitung für solche Menschen gedacht, die IHN lieben und um dieser Liebe willen nach Seiner Nähe, nach der „Quelle“ allen Seins dürsten und dafür bereit sind, sich selbst, ihre Triebseele und ihre momentanen Regungen hintanzustellen.

Keinesfalls kann die muslimische Scharia als „Gesetzeskodex“ begriffen werden, die alleine mit weltlichem Ziel gesellschaftliche Belange zu regeln wünscht, welche die Muslime gar für „Weltherrschaftsansprüche“ instrumentalisieren möchten, andere Menschen damit „zwangsbeglücken“ wollten..

Nicht ist Islam Ideologie und darf niemals als solche begriffen werden. Nicht werden wir Muslime Erfolg haben, solange wir uns nicht wieder vorrangig um unsere Liebe zu Gott und unserem Gesandten kümmern, um die Qualität unseres Verhaltens IHM gegenüber sowie gegenüber unseren Mitmenschen. Nicht werden wir heil werden und nicht werden wir siegen – über keinen unserer Feinde, zuallerletzt über unser eigenes Ego, wenn nicht durch die Liebe zu Allah, die unseren Atem, unser Sprechen, unser Sehen, unser Hören, Fühlen und Handeln zu durchdringen hat.
Mögen wir uns als Muslime darin unterstützen, den Mut zur Liebe zu Allah und seinem Gesandten wiederzubeleben, zum Sprechen und Handeln darin und so dieses grosse und heilbringende Potential auch wieder nach aussen zu tragen.
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
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