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Die IMPLIZITE ORDNUNG

 
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Do 26 Sep, 2013 11:58    Titel: Die IMPLIZITE ORDNUNG

Bismillah

Die implizite Ordnung
von Schwester S.A.M.

Als Kinder haben wir gespielt. Mit Puppen oder mit Soldaten, einzeln oder in Gemeinschaft haben wir uns in Welten der Möglichkeiten begeben, Situationen improvisiert, Unmögliches möglich gemacht, Mögliches in allen Variationen durchgespielt. Mit Legos, auch mit Steinen, Ästen und Zweigen, oder Überbleibseln ausgedienter Gebrauchsgegenstände kann man Phantasiegebilde bauen, hier noch ein Trakt, dort noch ein Fenster, eine Tür, da eine kleine „Festung“ in der man sich verbarrikadieren kann. Im Spiel mit anderen misst man ausserdem die eigenen Kräfte, testet, wie weit man gehen kann, wie man sich durchsetzt, welche Taktiken sich wie auswirken. Spielen ist wichtig um zu lernen, mit allen nur vorstellbaren Situationen und Verhaltensweisen zurechtzukommen, sie erst mal – zumindest in der Vorstellung – zu erfahren, das heisst, zu improvisieren, und so etwas über sich selbst, seine eigenen Verhaltensweisen, sein Potential zu erfahren, es wenigstens zu erahnen und vorsichtig zu erkunden. Im Spiel lernen auch junge Tiere, (wir können es zum Beispiel an jungen Katzen gut beobachten), wie sie sich im „Ernstfall“ sinnvoll und gewandt verhalten mögen. Dies wurde vom erhabenen Schöpfer so - wie alles andere auch – auf überaus weise Art eingerichtet: nichts könnten wir ohne das Spiel lernen, nie würden wir die nötige Leichtigkeit gewinnen, die für den Erfolg bei dem, was wir später den „Ernstfall“ (in dem es um Leben oder Tod/ Erfolg oder Untergang gehen kann) bezw. schlicht „Problemlösung“ nennen, vonnöten ist.

Nun kann man es aber mit dem „Spiel der Problembewältigung“ auch übertreiben. In der heutigen Welt haben wir uns Möglichkeiten geschaffen, die es erlauben, unser „Spiel“ fast endlos weiterzuspinnen, die Anwendung in derjenigen Wirklichkeit, die es jeweils anpeilt, immer länger hinauszuzögern. Die „Spielart“ wird verfeinert, Probleme werden geschaffen um wiederum Lösungen dafür zu finden, welche – vorerst - in (immer) weitere Entfernung zu rücken scheinen. Sehr anschaulich ist dies in der militärischen Entwicklung zu beobachten. Wir haben Kriegsgeräte zur Verfügung, die unsere Erde um ein Vielfaches auslöschen könnten, kämen sie zur Anwendung. Schon jetzt richten sie Schreckliches an, wo immer sie – in ihren „milderen Variationen“ - angewendet werden, dennoch wird immer weiter gesponnen, weiter verfeinert, perfektioniert, mit dem Endergebnis Handel getrieben. Die Möglichkeiten im Gesundheitssystem sind auch von grosser Vielfalt, technisch sowie chemikalisch hochentwickelt. Ob ihre Anwendung dem Menschen als Ganzem jeweils entspricht und zuträglich ist, ihn nicht oft im Gegenteil noch kranker macht, bleibt dennoch oft fraglich. Wenn wir in einem Grossbetrieb arbeiten, werden wir feststellen, dass bevor elementare Dinge – die eigentlichen Dienstleistungen – zur Anwendung kommen, eine Lawine von mündlicher, schriftlicher Vor- und Nacharbeit dahinter steht, die die Zeit und das Potential aller Menschen, welche insgesamt in den Prozess involviert sind, zu einem überwiegenden Teil beansprucht. Dieses gesamte „Drumherum“ hat zwar gesamthaft immer den „eigentlichen Fall“ vor Augen, handelt aber lange nicht direkt an ihm sondern redet, plant, überlegt und „spielt“ vorerst aus ungezählten Winkeln heraus ausgiebig die möglichen Variationen durch. Das eigentliche Objekt wird zwar - in weiten Kreisen - umkreist, wie eine Beute vom Raubtier umkreist wird – aber es scheint, dass die „Beute“ bezw. das im Zentrum stehende Objekt für den Einzelbeteiligten jedenfalls zunehmend an Bedeutung verliert und die „Freude am Umkreisen“ zum eigentlichen, zum Selbstzweck wird! Ist doch der einzelne Beteiligte sehr oft damit überfordert, das Ganze jeweils in all seinen Aspekten und Ausprägungen vor Augen zu behalten – und somit auch den Sinn und Zweck seiner eigenen Aktivität im Prozess ganzheitlich zu begreifen. Natürlich wird jeder Beteiligte seine jeweilige Rollenübernahme keineswegs als „Spiel“ empfinden sondern als Problembewältigung und daher als „Ernst“. „Ernst“ sowohl was das Endergebnis seiner eigenen Arbeit darin als auch was den Erwerb seines – und evtl. seiner Nächsten – Lebensunterhalt betrifft. Und natürlich wohnt jeder Sache tatsächlich ein „ernster“ Kern inne – im Sinne eines von Wirklichkeit, Echtheit, nur leider kreisen wir oft um die eigentliche Wirklichkeit herum ohne sie zu erreichen, mit einzubeziehen. Und so gesehen kann man sehr wohl eine in ihrer letzten Konsequenz sinnentleerte oder sinnverminderte Aktivität durchaus als „Spiel“ und „Zeitvertreib“ bezeichnen.

Im heiligen Qur‘ an heisst es in Sure
6:32: Das Leben in dieser Welt ist wahrlich nichts als ein Spiel und Vergnügen. Und wahrlich, die Wohnstätte des Jenseits ist für jene besser, die gottesfürchtig sind. Wollt ihr (das) denn nicht begreifen?
57:20: Wisset, daß das Leben in dieser Welt nur ein Spiel und ein Tand ist und ein Gepränge und Geprahle unter euch, und ein Wettrennen um Mehrung an Gut und Kindern. Es gleicht dem Regen (der Pflanzen hervorbringt), deren Wachstum den Bebauer erfreut. Dann verdorren sie, und du siehst sie vergilben; dann zerbröckeln sie in Staub. Und im Jenseits ist strenge Strafe und Vergebung und Wohlgefallen Allahs. Und das Leben in dieser Welt ist nur eine Sache der Täuschung.

Hier wird also das Leben in dieser Welt tatsächlich als „Spiel“ bezeichnet, „nichts als Spiel und Vergnügen“ sogar, und als „Sache der Täuschung“. Wir werden darauf hingewiesen, dass das Reale, Wirkliche, Eigentliche nicht in ihr, in dieser Welt zu finden ist. Dass jene Wirklichkeit (darüber hinaus) uns zwar zugänglich sein muss – denn sonst könnte es wohl auch nicht „strenge Strafe und Vergebung und Wohlgefallen Allahs“ geben, aber eben nicht per se in den Abläufen dieser Welt zu suchen und zu finden ist!

Es heisst im heiligen Qur’an nun auch:
Sure 21:16: Wir erschufen den Himmel und die Erde und was zwischen beiden ist nicht zum Spiel.

Wir schliessen daraus: Wenn wir uns nur mit dem Weltlichen, Spielerischen, Trügerischen mit dem Hin – und Herschieben von Gegenständen und Möglichkeiten befassen, dann verpassen wir den wahren Sinn unseres Lebens. Das, was uns „wirklich“ vorkommt, wird, ohne jenen Spiegel im EIGENTLICHEN zur Illusion!

In Sure 21 (die Propheten):
17. Hätten Wir Uns einen Zeitvertreib schaffen wollen, so konnten Wir ihn wohl mit Uns treiben, wenn Wir das überhaupt wollten.
18. Nein, Wir schleudern die Wahrheit wider die Lüge, und sie zerschmettert ihr das Haupt, und siehe, sie vergeht. Und wehe euch ob dessen, was ihr aussagt!

19. SEIN ist, wer in den Himmeln und auf der Erde ist. Und die bei Ihm sind, die sind nicht zu stolz, IHM zu dienen, noch werden sie müde;

Wir befinden uns also durchaus in einer sehr ernstzunehmenden Lage: sind wir nicht imstande, uns der Wahrheit anzuschliessen, uns IHM anzuschliessen, unsere Taten durch unsere Auseinandersetzung mit IHM, dem Inhaber der Wahrheit zu tränken, zu edeln - beziehungsweise sie durch Ihn veredeln zu lassen, werden wir in letzter Konsequenz zu jenen gehören, denen KEIN ERFOLG beschieden ist – auch wenn wir es erreicht haben mögen, den Gegenstand unserer Beschäftigung zu einem guten Ende in dieser Welt zu führen. Verlieren wir unser eigentliches Endziel aus den Augen, sind unsere Taten nichtig und werden von der Wahrheit „zerschmettert“, vergehen!

Wir werden auch darauf hingewiesen, dass „Himmel und die Erde und was zwischen beiden ist nicht zum Spiel“ geschaffen wurde – dass es also etwas gibt, das KEINE „Sache der Täuschung“, also auch kein „Spiel“, kein „Zeitvertreib“ ist!

Auch reicht es gemäss dem heiligen Qur’an nicht aus, als „Gutmenschen“ alles Irdische „richtig machen“ zu wollen, wird uns doch in Sure 18: 103 - 104 gesagt:

103 Sag: Sollen wir euch Kunde geben von denen, die im Hinblick auf (ihre) Werke (dereinst) am meisten verlieren?
104 (von denen) deren Eifer im diesseitigen Leben fehlgeleitet ist, während sie meinen, sie würden es recht machen (annahum yuhsinuuna sun`an)?


Wie „finden“ wir also dieses Eigentliche, das Wirkliche?

„Das/DER Reale“ bricht immer dann in unser Leben ein, wenn wir uns mit den „grossen Themen“ konfrontiert sehen, die uns als ganze Menschen ergreifen wie grosse Freude, Liebe – Trauer, Verzweiflung; Beschenktwerden (Dankbarkeit) – Verlust; Geburt - Tod. Lässt sich also vor allem dann erfahren, wenn wir uns überwältigt fühlen, unsere menschliche „Macht“ und „Kontrolle“ ihre klaren Grenzen offenbart. Wenn wir zum „Zuschauer“ werden eines Geschehens, das ausserhalb unseres Steuerungsvermögens liegt. Wenn wir verstummen, zur Ruhe kommen, aufgeben, uns ergeben, vom Tun ins Sein und damit in den Frieden finden.

Die Esoteriker bezeichnen diesen Urgrund, in den wir dann fallen dürfen zum Beispiel als „reine Bewusstheit“ oder als „das Selbst“. Im Bereich der Quantenphysik – in welchem man wirklich höchst interessante Parallelen zum tiefen menschlichen Erleben entdeckt! – kennt man den Begriff der „impliziten Ordnung“ (geprägt von David Bohm), die allem Geschaffenen zugrunde liegt, die „Nicht – Form, aus der Energie und Form erschaffen sind“!

Menschen haben diese „Nicht – Form“ seit Urzeiten als ein „Du“ erkannt, als etwas, das zwar alle Dinge durchdringt (Qur’an Sure 4: 126), aber doch auch „anders als die Schöpfung“ ist und haben diesem – in Anlehnung an die Offenbarungen - die Bezeichnung „Jahwe“ „Gott“, „ALLAH“ gegeben. ER wird - im Islam und zuvor in jeder anderen unverfälschten Religion – als DIE Kraft beschrieben, die allem Leben zugrunde liegt, allem was es an Formen und Inhalten, Möglichkeiten und Ereignissen gibt. ER alleine ist Inhaber von Macht und Kraft, von Wirklichkeit im eigentlichen Sinn. Nur aus SEINER Quelle können wir schöpfen. ER ist ALLAH, der Wirkliche (al Haqq) Der Lebendige (al Hayy) Ewigwährende(al Qayyum) und somit Ursprung und Heimkehr alles Wirklichen. Alleine in Bezug zu IHM gewinnen unsere Handlungen an beständigem Wert, an Echtheit, Wahrheit, Substanz. ER ist der Schöpfer unseres „Spiels“ sowie der Spielregeln. Erst durch die Befolgung Seiner Gebote – die ER uns durch Seine Propheten offenbart hat - bewegen wir uns auf dem Boden der ganzheitlichen Wahrheit und finden immer wieder aus dem heraus, was im Arabischen als „wahm“ bezeichnet wird und was als unsere Vorstellungswelt, die der Illusion, bezeichnet werden kann. In IHM alleine finden wir FRIEDEN.

Wir dürfen und wir sollen spielen, sollen unsere Möglichkeiten in von Gott erlaubten Bahnen ausschöpfen, sollen Probleme lösen, uns über uns selbst und die Welt unsere Gedanken machen. Dazu sind wir hier. Aber wir sollen dabei nicht unseren Bezug zum Schöpfer und den Ursprung allen Seins aus dem Blick verlieren. Sollen uns der relativen Beschaffenheit alles Weltlichen bewusst bleiben. Sollen nicht SCHEIN mit SEIN verwechseln. Sollen die Lösung für unsere Probleme nur sehr bedingt in unserer eigenen Hand wähnen. La hawla wa La Quwwata illa biLLah – das ist ein oft gebräuchliches „Dhikr“ („Mantra“) für Muslime.

Und letztendlich sagt uns der Qur’an in Sure 55, al Rahman: Alles, was auf ihr (der Erde) ist, wird vergehen. (26) Aber (nur) das Angesicht deines Herrn verbleibt, Eigner der Majestät und der Ehre. (27)
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
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