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Der Erretter aus dem Irrtum

 
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M.M.Hanel
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BeitragVerfasst am: Do 26 Sep, 2013 12:32    Titel: Der Erretter aus dem Irrtum

REZENSION:
Abu Hamid Muhammad al Ghazali : Der Erretter aus dem Irrtum
Meine philosophische Bibliothek
ISBN 3-7873-0681-1

geschrieben von Schwester S.A.M.


Bismillahi Rahmani Rahim

Über die Schrift von Abu Hamit Muhammad al Ghazzali al Munqid min al Dalal: „der Erretter aus dem Irrtum“

In diesem Juwel aus der ins Deutsche übertragenen islamischen Literatur – übersetzt von Abd Elsamad Abd Elhamid Elschazli – kann der Leser einen tiefen und umfassenden Einblick in die in der Zeit M. al Ghazzalis vorhandenen Strömungen im islamischen Denken erhalten. Eigentlich alle der heute noch innerislamisch besprochenen theologischen Denkrichtungen und philosophischen Interpretationsmöglichkeiten werden schon von diesem grossen Gelehrten und Weisen mit tiefsinnigem wie scharfem Blick beleuchtet, analysiert und eingeordnet. Die aus der Tiefe des sich auf intensivster, authentischer innerer Suche befindenden und von aufrichtiger Hingabe getragenem, hochdifferenzieren und klaren Geiste gespiegelte Quintessenz und Zuordnung der möglichen Ausrichtungen und Schlüsse innerhalb des Islam lässt sich eigentlich geradewegs in die heutige Zeit übertragen und kann als seelisch - geistige Wirklichkeit zeitunabhängig nachempfunden werden. Abgesehen von den politisch – ideologischen Wirren, mit denen wir uns heutzutage im Zuge des Zerfalls jeder intakten islamischen Entität konfrontiert sehen, sind diese Fragestellungen sowie möglichen Entsprechungen darauf heute dieselben geblieben wie die vor tausend Jahren.

Imam al Ghazzali hat grössten Wert darauf gelegt, dass er seine Schlüsse aus der „Selbsterkenntnis in der Religion, die auf der eigenen Erfahrung beruht“ ziehen möge und dass dafür „nicht … die tradierte und nachgeahmte Erkenntnis als massgeblich für den Glauben“ angesehen würde (Einleitung S: XX).

Die Hoffnung auf Problemlösung könne einerseits „auf die Evidenzen gründen“, nämlich die „Sinneswahrnehmungen“ sowie die „Denknotwendigkeiten“. (S. 7). Dennoch werde „das Feld der Erkenntnis“ durch „Erkennen der Aprioritäten (Daruriyat) der Vernunft nicht endgültig ausgeschöpft“. Oder: „Wer also glaubt, dass die Enthüllung der Wahrheit nur von den niedergeschriebenen Argumenten abhängig ist, der hat die grosse Barmherzigkeit Gottes eingeengt.“ „Erkenntnis als ein zusammenhängendes Ganzes“ erfuhr er daher als „nur durch das Erleben möglich“ (E XXV) „die Grundlage aller religiösen Gewissheit“ sei gar nur auf „das Erleben in der Ekstase“ zurückzuführen (E. S. XIX) und das „Schmecken“ in diesem transzendent zu verstehenden Sinn „wie (eigentliches) Schauen und in die Hand nehmen, das sich nirgendwo anders als auf dem Weg der Mystik findet! (E. XXX)

Als Inhaber des höchsten theologischen Lehramtes in Bagdad hatte Imam Al Ghazzali den Weg über die Erkenntnis der Vernunft gewiss bis zu seinen Grenzen und in allen Tiefen erkundet. „Was ich durch theoretische Wissenschaft lernen konnte, hatte ich mir angeeignet. Es blieb, was nicht durch Zuhören und Lernen, sondern durch Schmecken und Handeln zu erlangen ist.“ (S. 41/42) Seine damalige Situation gegen Ende seiner Lehrtätigkeit dort beschrieb er folgendermassen: „Ich fand mich in Bindungen verstrickt, die mich von allen Seiten erfassten. Meine Arbeiten – unter ihnen als beste meine Lehrtätigkeit und der Unterricht – erschienen mir im Hinblick auf den Weg zum Jenseits als Beschäftigungen mit unbedeutenden und nutzlosen Wissenschaften…“ (E. XIV). Als Konsequenz dieser Wahrnehmung verliess Imam al Ghazzali, nachdem er den Unterhalt seiner Familie gesichert hatte, Bagdad, und reiste nach Damaskus, Jerusalem und Hebron, später pilgerte er nach Mekka. Während dieser Zeit lebte der Imam in Abgeschiedenheit, schloss sich z. T. tagelang in Minaretten ein um zu meditieren, verfasste aber auch sein umfassendes Werk „ Ihyia Ulumaddin“ (die Wiederbelebung der Religionswissenschaften). In Tus beschäftigte er sich intensiv mit der Mystik und eben dort kehrte er nach eingehender Überlegung sowie nach wiederholten Aufrufen dazu wieder zum Unterrichten zurück – unter Einbezug aller mittlerweile gewonnener Erkenntnis.

Imam al Ghazzali hat durch hingebungsvolles Ausloten aller menschlichen Möglichkeiten der Annäherung ans Göttliche auf höchstem Niveau letztendlich den Weg der Mystik, den Tasawwuf („Sufismus“) als die allen anderen Wissenschaften übergeordnete erkannt. „Ich erkannte, dass ihr Weg“ (der der Mystiker) „nur durch die Verbindung von Theorie und Praxis nachvollziehbar ist“. (S. 40) „Deshalb erkannte ich mit Sicherheit, dass die Mystiker Menschen der Erlebniszustände, nicht aber der blossen Reden sind.“…. „Und was für ein Unterschied, ob man die Definition der Gesundheit und der Sattheit, ihre Ursachen und Bedingungen kennt, oder ob man selbst gesund und satt ist….“ (S. 41)

Der Suchende und Irrende, der dürstende und hungrige unserer heutigen Zeit, der „Moderne“, freut sich über die Klarheit und sehnt sich unendlich nach dieser „Sattheit“, die der grosse Gelehrte erlangt hat und durch die hindurch seine Gedanken uns erreichen und erquicken. Zumindest auf geistiger Ebene bietet dieses Buch uns – auch dank den sehr aufschlussreichen Anmerkungen des Übersetzers - die Möglichkeit, den grossen Gelehrten durch alle Formen der Erkenntnis ein Stück weit zu begleiten; Ihm durch die scharfsinnigen Analysen des Verstandes hindurch bis zur Erkenntnis durch Erleben ein Stück weit nachzuempfinden!

Abu Hamid Muhammad al Ghazali : Der Erretter aus dem Irrtum
Meine philosophische Bibliothek
ISBN 3-7873-0681-1
_________________
Wassalam
M.M. Hanel
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