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BRUNHILDE IM WANDEL

 
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Sumaya M.



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Beiträge: 32





BeitragVerfasst am: So 17 Jul, 2016 02:30    Titel: BRUNHILDE IM WANDEL

Schon zu Urzeiten hat es mit Mühsal begonnen: der islamischen Legende gemäss sollen Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies hundert Jahre lang umhergeirrt sein, bevor sie sich glücklich wiederfanden.

Ich bin ein grosser Fan von Märchen und Sagen. Im Gegensatz zu Romanen, welche Erguss der Phantasie des Erzählers sind, beleuchten diese aus einem urtümlichen Wissen heraus die Gesetzmässigkeiten des Menschen in der Welt. Wir haben aus dem deutschen Raum u.a. die berühmte Sage der „Nibelungen“, die bis in die jüngste Vergangenheit hinein in verschiedenen Formen erzählt und bearbeitet wurde, zuletzt von Richard Wagner in seinem Werk "Der Ring der Nibelungen". Das Stück behandelt, verkürzt gesagt, die Problematik der menschlichen "Macht" in der Welt auf der Grundlage des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern und im Wechselspiel zwischen Liebe, Leidenschaft, enttäuschten Hoffnungen und Korruption. Sie beginnt damit, dass der Zwerg Alberich, herb enttäuscht durch die Zurückweisung seiner Liebe durch die Rheintöchter deren Gold raubt und mit dem daraus geformten Ring sowie einer Tarnkappe, hergestellt durch seinen Bruder Mime, die Weltherrschaft erlangt. Zentrale Protagonisten bis zum Schluss sind u. a. Siegfried, Brunhilde, Gutrune und Gunther. Erstere ist neben Schönheit mit einer schier übermenschlichen Kraft ausgestattet, die sie aber, wie sie weiss, nach Eingehen der Ehe der männlichen Stärke unterordnen muss – weshalb sie auch DEN starken und ehrenvollen, ihrer würdigen Mann ausfindig machen will. Die andere, Gutrune, deren Stärke ebenfalls Schönheit aber in Kombination mit einer sanfteren, lieblicheren Natur, ist. Siegfried wäre derjenige, welcher die Stärke hätte, Brunhild zu besiegen, er drückt sich jedoch davor, bricht nach manchen Versionen sein Versprechen, heiratet anstelle Gutrune und unterstützt Gunther, Gutrunes Bruder, welcher die Brunhild begehrt auf betrügerische Weise, nämlich indem er ihn, mit Mimes Tarnkappe unsichtbar geworden, in allen kritischen Situationen vertritt … Brunhild sinnt auf Rache, als sie dies erfährt. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Die Sage erzählt, ganz kurz gesagt, die Geschichte der Zerstörung aller Werte, welche in Gang gerät, wenn unsere "Statthalterschaft"(arabisch Wilayah) in der Welt nicht auf einem gesunden, sondern gestörten und in sein Negativpotential gekippten Verhältnis der Geschlechter zueinander gründet. Wenn Liebe nicht Erfüllung findet sondern zur unkontrollierten Raserei wird, Ritterlichkeit der Hochstaplerei Platz macht, Loyalität zur gemeinsamen Fahrt in den Abgrund wird, wenn männliche und weibliche Stärke sich nicht gegenseitig annehmen, ergänzen und ausbalancieren sondern bekriegen und hintergehen. Dass dieses polare Paar nämlich Grundlage nicht nur jeglicher Schöpfung sondern auch jeglichen Prozesses in ihr ist, steht ausser Zweifel. Die Sage erzählt daher auch davon, wie die Faszination der Herrschaft über die Welt Kräfte zu binden vermag, die ursprünglich in Schönheit und Harmonie zur Vervollkommnung des Menschen Hingabe ans Göttliche gedacht wären, fehlgeleitet der unaufhaltsamen Zerstörung dienen.

In praktisch allen Völkern und Kulturen galt deshalb das Gegensatzpaar des Männlich - Weiblichen als vor allem anderen zu schützendes und ehrendes Element, als Grundlage jeglichen Gleichgewichts unseres Lebens. Das dem Taoismus entstammende „Yin – Yang“ zeichnet hier ein stimmiges Bild vom sich gegenseitig Ergänzenden, welches das jeweils andere auch wieder in sich selbst trägt. In allem Lebendigen enthalten steht das "Yang" für männlich, dem Himmel zugewandt, dynamisch, inspiriert, gebend, hell, das "Yin"als weiblich, der Erde verbunden, intuitiv, empfangend, „dunkel“. Der Schweizer Psychiater C. G. Jung hat in jüngster Zeit ein entsprechendes Seelenbild entworfen, in dem die "Anima" und der "Animus" in ihrem jeweils gegengeschlechtlichen "Wirt" wohnen und diesem so als Menschen seine Ganzheit verleihen.

Auch im Islam wird in dieser männlich - weiblichen Einheit die Grundlage jeglicher Manifestation innerhalb der Schöpfung gesehen, es wird ihr ein maximales Potential an Gottesannäherung - im Sinne einer Verschmelzung der gottgewollten Zweiheit mit dem Ziel der Hingabe an die universelle Einheit - ALLAH - zuerkannt. Der Prophet Muhammad, Friede sei auf ihm, bezeichnete die Ehe als die "Hälfte des Glaubens". Es liegt auf der Hand, dass dieses allem zugrunde liegende polare Paar in seinem Gleichgewicht unbedingt geschützt, gehütet und wohl geordnet werden will - was eine Vielzahl der islamischen Regelungen unterstreichen, allen voran naturgemäss diejenigen für Ehe und Erbschaft. In der Ausgewogenheit dieser Pole liegt die Saat für jegliche Gesundheit einer Gesellschaft, in ihrem Ungleichgewicht der Kern jeder Krankheit und Fehlentwicklung.

Nicht umsonst steht also die Geschichte von Adam und Eva im Zentrum des Schöpfungsmythos, nicht umsonst wohl wird auch in der Sure 2:102, wo die Grundlage der Zauberei - eines wirkmächtigen Instruments der Spaltung des Verfluchten Satan - behandelt wird, gerade das "Schaffen von Zwietracht zwischen dem (Ehe-) Paar" erwähnt, offensichtlich Voraussetzung für jegliches Zerstörungswerk, dessen Variationen und Möglichkeiten wir heute in einem zuvor ungekannten Ausmass beobachten können:

Und sie folgten dem, was die Teufel unter der Herrschaft Sulaimāns (den Menschen) verlasen. Nicht Sulaimān war ungläubig, sondern die Teufel waren es, indem sie die Menschen in der Zauberei unterwiesen und in dem, was auf die (beiden) engel(haften Männer) in Babel, Hārūt und Mārūt, herabgesandt worden war. Und sie (beide) unterwiesen niemanden (in der Zauberei), ohne zu sagen: „Wir sind nur eine Versuchung; so werde (darum) nicht ungläubig.“ Und so lernten sie von ihnen (beiden) das (Zaubermittel), womit man Zwietracht zwischen den Ehegatten stiftet. Doch können sie damit niemandem schaden, außer mit Allahs Erlaubnis. Und sie erlernten, was ihnen schadet und nicht nützt. Und sie wußten doch, daß, wer es erkaufte, am Jenseits wahrlich keinen Anteil hätte. Fürwahr, wie schlimm ist das, wofür sie ihre Seelen verkauft haben, wenn sie (es) nur wüßten!(2:102)

Gerade der Europäische Raum, der Okzident, in dem wir hier leben und der seinen Einfluss mittlerweile weltweit geltend macht, weist eine sehr spezielle Geschichte dieses Ungleichgewichts auf. Der Historiker Egon Friedell, (gest.1938), der jedem Zeitalter einen ihn formenden "Geist als treibende Instanz" zuschreibt, diagnostiziert bereits für den Beginn der Neuzeit (14. Jahrhundert) eine „heraufkommende allgemeine Psychose, Desorientierung und Pessimismus, Hemmungsneurosen, Mangel an Fixierungspunkten, Perversität auf allen Gebieten, Logik des Widersinnigen, Ethik des Unsittlichen und Ästhetik des Hässlichen.“ „Brauch, Sitte, Rede und Geste“ veränderte sich und zwar wurde „alles, was sozusagen die innere Melodie des Lebens ausmacht,… unfeiner, derber vulgärer, direkter. Ausserdem: „Bedrückung durch den Wucher, furchtbare Stürme, riesige Heuschreckenschwärme, Erdbeben, Misswachs und Dürre sowie Aberglaube“. Die Menschen erwarteten den Antichristen und das Jüngste Gericht. Zugleich verlor die Kirche zunehmend ihre Glaubwürdigkeit als religiöse Instanz – und liess somit die Menschen in tiefer existentieller Unsicherheit und Verwirrung zurück. An jenem Punkt der europäischen Geschichte, so Friedell, hätten die Menschen „verlernt, beim natürlichen Licht Gottes im Buch der Welt zu lesen…bei dem künstlichen Licht der Vernunft, das sie sich bald selbst anzünden sollten, vermochten sie es noch nicht.*) In der Folge aber begann dieses Ringen um die „Allmacht der Vernunft“ – einer Vernunft, die, aus Perspektive der polaren Zweiheit gesehen, dem männlichen Prinzip entspricht, die dem Menschen zunehmend Religionsersatz werden sollte, ihm zur Orientierung genügen sollte und mit deren Hilfe er Souveränität und Macht durch sich selbst in der Welt zu erlangen wünschte.

Die mit dieser Perspektive einhergehende vermeintliche „Überlegenheit“ des Männlichen gegenüber dem Weiblichen wurde später zum Beispiel durch derartige Auswüchse des ehrbaren Kirchenvaters Thomas von Aquin: (1225-1275) widergespiegelt:

„Hinsichtlich der Einzelnatur ist das Weib etwas Mangelhaftes und eine Zufallserscheinung; denn die im männlichen Samen sich vorfindende Kraft zielt darauf ab, ein ihr vollkommen Ähnliches hervorzubringen. Die Zeugung des Weibes aber geschieht auf Grund einer Schwäche der wirkenden Kraft wegen schlechter Verfassung des Stoffes."

„Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen“.

"Die Frau ist von Natur aus mit weniger Tugend und Würde ausgestattet als der Mann. Denn immer ist das ehrenwerter, was handelt, als das, was erleidet“


Hexenverbrennungen im 16. Jh, die Debatte über eine mögliche Nichtexistenz der Seele bei Frauen bildeten den Gipfel einer Fehlinterpretation und Verteufelung des Weiblichen, wie wohl einzigartig in der Geschichte unseres Planeten. Zwar erfuhren Frauen auch in anderen Kulturen zuweilen Missachtung und Unterdrückung, man kann dies an Beispielen wie der Praxis des Lebendigbegrabens von Mädchen im arabischen, vorislamischen oder die der Witwenverbrennung im hinduistischen Raum nachvollziehen; solche Praktiken sowie die Haltung dahinter wurden sowieso durch den Islam grossräumig unterbunden und allgemein relativiert mangels eines vergleichbar aufdringlich zur "Alleinherrschaft" entschlossenen "männlichen Gegenparts“.

Jedes Ungleichgewicht, so lehrt einen das Leben, schlägt irgendwann, gelingt es nicht, es rechtzeitig auszubalancieren, in sein Gegenextrem um bezw. verursacht ein synchron damit einhergehendes Ungleichgewicht des Gegenpols. Spätestens um das Zeitalter der Aufklärung herum zeigt nun auch das malträtierte Frauenbild öffentlich sein Gesicht, kehrt während der französischen Revolution seine entstellte Fratze von innen nach aussen. Zum Beispiel im Bild der auf dem Altar tanzenden Prostituierten. Möglicherweise aber auch in Form der ausufernden Grausamkeit, des Tobens jener Zeit. Synchron mit der Verbreitung des Papiergelds wird der Prozess der Trennung und somit Entstellung der Frau - Mann/Yin- Yin - Yang - Polarität immer schneller und ins immer Hässlichere vorangetrieben. Das Männliche, zunehmend vom Göttlichen abgekoppelt und geistentleert, sich im manischen Herstellen von Techniken, Strukturen und Regelungen ergehend, welche heute keine Kleinsteinheit der menschlichen Gesellschaft mehr verschonen. Ja, wir besitzen mittlerweile im aller privatesten Raum unseren individuellen Überwacher und Beurteiler - der Computer und das Internet macht's möglich. Das Weibliche als unbefriedete, gefährlich freilaufende Kraft, die sich zwanghaft für den Betrug an ihr rächt, sich in Konkurrenz zum Männlichen begibt, sich wahllos und permissiv paart, das, was sie gebiert, (zu) wenig beachtet. Oder die als Pendent zur männlichen Manie ins Depressive abgleitet.

Es ist leicht zu erkennen, dass sich in diesem Bild unsere ganze "Kultur" widerspiegelt. Unsere moderne Konsumgesellschaft mit den auseinanderdriftenden Familieneinheiten, der beliebigen Partnerwahl, der um öffentliche Anerkennung buhlender Transgender - Homo - gar Pädosexuellen - usw. Szenen, der latent schwelenden Aggression und Gewaltbereitschaft einerseits, Resignation und Gleichgültigkeit andererseits, einer bodenlos, uferlos wuchernden, wahnhaften Dialektik um ihrer selbst willen, sowie, möglicherweise auch der Trennung und willkürlichen Neuzusammensetzung im Bereich der Klein - und Kleinstteile der Schöpfung - chemischer Elemente z. B. in Form neuer Medikamente, auch Nahrungsmittel, (-Zusätze), biologischer in der Gentechnik und -medizin, Atome in allen gefährlichen Prozessen der Kernspaltung sowie letztendlich der Einsatz der Quanten für eine Vielzahl an elektronischen Einrichtungen, ohne die unser Alltag schon fast nicht mehr vorstellbar ist. Jüngste Entwicklungen bergen erschreckende Visionen. Die auf sich selbst gestellte, abgekoppelten 'Vernunft' fordert die Schöpfung auf neuartige, schaurige Art "geistig" heraus. Niemand kann bis anhin noch sagen, wo die Entwicklungen auf der Basis von Neuzusammensetzung verschiedenster Einzelteile und – teilchen noch hinführen werden, mit Sicherheit aber zeichnet sich jetzt schon ab, dass sie dem Menschen nichts Gutes verheissen.

Nicht von ungefähr ist praktisch alles an Kultur, Wissen und Erkenntnis, das Europa bis heute erreicht hat, zu einem grossen Teil durch den Tiegel des arabisch - islamischen Raums gelaufen. Die Aufspaltung „Ratio - Emotio“, im Abendland entfesselt wie nirgends sonst, war dort lange kein Thema. Eine gesunde weiblich - männliche Polarität eingebettet in die Fundamente von Allahs Offenbarung und in die Ausrichtung auf IHN, erhaben ist ER, boten ideale Grundlage zur ausgewogenen Resorption, Reflektion und Weitergabe allen Wissens. Ansätze zu einer vergleichbaren "Vergöttlichung" der Vernunft, der menschlichen Ratio, übrigens, wie die der Mu’tazila (der „Abgetrennten“), einer Splittergruppe innerhalb der islamischen Theologie im 11. Jh, wurden hier von einem ihrer eigenen Schüler, Abu Hasan al Asch’ari im Sinne der Islamischen Ganzheitlichkeit zurückgewiesen. Gott segne die Arbeit unserer Gelehrten und der Gesellschaften, in denen solcherart Einsicht wachsen und gedeihen konnte.

Im heiligen Qur’an , zu Beginn der Sure al Baqara, werden diejenigen, die bemüht sind, ihr „Lichtlein“ ohne Anbindung ans Göttliche und dessen Rechtleitung am Brennen zu erhalten, übrigens derart beschrieben:

17. Sie sind jenem Manne vergleichbar, der ein Feuer anzündete; und als es alles um ihn erhellte, nahm Allah ihr Licht hinweg und ließ sie in Finsternissen; sie sehen nicht. 18. Taub, stumm, blind: also werden sie nicht zurückkehren.19. Oder: wie schwerer Wolkenregen, worin Finsternisse und Donner und Blitz; sie stecken ihre Finger in die Ohren, in Todesfurcht vor den Donnerschlägen, während Allah die Ungläubigen umringt.20. Der Blitz benimmt ihnen fast das Augenlicht; wann immer er auf sie zündet, wandeln sie darin, und wenn es über ihnen dunkel wird, stehen sie still. Und wäre es Allahs Wille, Er hätte ihr Gehör und ihr Gesicht fortgenommen. Allah hat die Macht, alles zu tun, was Er will.(2.17-20)

Wollen wir als Muslime heute wieder eine bereinigte Grundlage unseres Denkens und Handelns erlangen, kommen wir nicht darum herum, unseren Stand in der heutigen Zeit genauestens unter die Lupe zu nehmen, unsere „Koordinaten“ geschichtlicher, theologischer, seelischer Art zu bestimmen und unser Handeln entsprechend auszurichten. Wohl noch nie war dieses Unterfangen so herausfordernd wie heute. Noch nie hat es auf geistiger Ebene vergleichbare Wirren, Verunsicherung, Konfusion gegeben, enstanden durch empirisches Unrecht, Leid und Chaos. Durch ihren natürlichen und direkten Bezug zu allem Geschaffenen ist Frau hier Bindeglied zu allem Schwachen, Vernachässigten, Gequälten, Bedrohten. Durch ihre praktische, der Erde verbundene Anlage Zuständige für Heilung und (Neu-) Ordnung. Der Frau obliegt (in heutiger Zeit auf besondere Weise) das Gros des dem Leben auf diesem Planeten dienlichen Handelns; an ihr bleiben auch jene seelischen Schicksalsanteile "hängen", die Mann gerne von sich weist indem er sich - auf Kosten oder durch Zuhilfenahme von Frauen einen Ausweg daraus schafft. Möglicherweise deshalb ist ein gewichtiger Aspekt des Weiblichen auch der der „Erlösung“. Erlösung des Menschlichen aus allen möglichen Ecken seines Leides, seiner Abgetrenntheit, seiner inneren Einöde und Verwüstung durch schieres Mitgefühl.

Die Zeit ruft danach, sich als einsichtige Menschen allgemein, als Muslime im Besonderen wieder auf Grundlagen zu besinnen, die Boden für ein elementares Wiederganzwerden - in Theorie und Praxis - bergen. Die der natürlichen Veranlagung (im Islam heisst diese FITRA) des Menschen entsprechen. Allem voran durch die unumgängliche Wiederverbindung mit dem Göttlichen. Es ist der Din al Islam - das "Transaktionssystem" des Islam - in dem jedes einzelne Element der Schöpfung den ihm bestimmten Platz bekommen, gesunden kann. Gleichzeitig haben wir ein breites Feld an Erkenntnissen zu unserer Verfügung, um den Herausforderungen der Gegenwart in Theorie wie Praxis zu begegnen. Auf die ausgewogenen Verbindung der Männlich - Weiblichen Einheit als Grundlage jedes Prozesses muss hierbei ein besonderer Fokus gelegt werden. Hierin liegt die Basis jeder Gesundung. Keine Ideologie, keine Politik, auch keine Theologie kann fruchten ohne diese gesunde Grundlage, kein noch so erhabener geistiger Ansatz wird im Empirischen umsetzbar sein, wird geerdet ohne sie. Es gilt hier, auf menschlicher Ebene zusammenzuarbeiten, zusammenzuwirken, so weit wie nur immer möglich. Dann vielleicht, wird durch Allahs Gnade und Barmherzigkeit der Weg dafür bereitet, dass sich das Versöhnliche durch alle Dinge zieht und Durchbrüche im kleinen sowie, so ER will, grösseren Rahmen erlangt werden. Wird Wissen hingegen nicht oder nur unvollständig in der Praxis verankert, bleibt den angedachten Ideen und Strukturen nur, sich auf immer höherem Podest und im Tanz um sich selbst ad absurdum zu führen, ja sich gegen uns zu wenden; Vernachlässigtes, nicht Integriertes beginnt sein Eigenleben zu führen, bekommt neue, unkontrollierte, unberechenbare Macht - der Kreis des Übels bekommt noch erschreckenderes "Futter", anstatt dass ihm entgegengewirkt wird.

So kann vielleicht die Hoffnung Wirklichkeit werden, die Carl Gustav Jung so formulierte: "....dass der Vorsprung, den im Abendland unsere Ratio, unser einseitig differenziertes Bewusstsein über unsere Instinktnatur errungen hat und der sich in einer hochentwickelten Zivilisation, in einer alles bezwingenden Technik ausdrückt, die jede Beziehung zur Seele verloren zu haben scheint, dadurch wettgemacht wird, dass wir die schöpferischen Mächte unseres ewigen Seelengrundes zur Hilfe rufen, sie wieder in ihre Rechte einsetzen und zur Höhe unserer Ratio emporheben“. „Die Wandlung" das wusste auch Jung, "kann aber nur beim Einzelnen anfangen … und wird sich dieser gewandelte Einzelne dann …. nur mehr in der tiefsten ethischen Verpflichtung erkannt haben, dann wird er „einerseits ein überlegen Wissender, andererseits ein überlegen Wollender und nicht ein hochmütiger Übermensch sein“! **)

In seiner Abschiedspredigt war eine zentrale Botschaft unseres geliebten Propheten Muhammad:

Behandelt die Frauen gut!

Was bedeutet dies für die (einsichtigen) Männer unserer Zeit, für die Erben einer auf Verachtung des Weiblichen basierenden "Kultur", für diejenigen, die den Weg aus der Misere anstreben? Im Hinblick auf eine möglicherweise entscheidende Rolle der Frau in der Gegenwart gilt es mehr denn je, uns zu hören, sich mit uns zu verbinden, unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen und uns unsere Rechte zu geben. So und nur so kann der Islam in Europa wirklich Fuss fassen, kann sein heilendes Potential hier wie anderswo fruchtbar werden. Wir rufen daher auf:

Kommt - vermehrt - zu Sinnen! Verabschiedet Euch weder auf die geistige Spielwiese noch gebt Euch dem allzu Profanen hin, dreht Euch nicht im Kreis um den Spiegel Eurer Betrachtungen und entzieht Euch uns nicht. Seid uns lebendiges, offenes, neugieriges Gegenüber. Schafft, gebt Raum, Zeit, Geld, Aufmerksamkeit für uns Frauen, nicht im Sinne eines Zeitvertreibs sondern nehmt uns ernst! Unterschätzt uns nicht und erkennt die immense Bedeutsamkeit unserer Qualitäten gerade für die Zeit in der wir leben. Nehmt uns wahr in unserer Schönheit, Weisheit, Überlegenheit. Gebt uns Anerkennung und vergebt unsere Fehler und Schwächen, habt Erbarmen mit den am meisten von der Zeit Gebeutelten, Geforderten. Glaubt an unser Potential zur Heilung und lasst uns darin gemeinsam wirken. Vertraut auch auf die uns eigene Art, Lösungen und Wege zu erkunden. Liebt uns und ehrt uns und hört um Gottes Willen damit auf, uns zu benutzen! Die Zeit ist auf „unserer Seite“! Wisst, dass ihr dringend auf uns angewiesen seid. Wir brauchen Euch um uns zu entfalten. Ihr uns, um - gemeinsam - zu überleben.

"Brunhilde" hat den Ring seinem Ursprung zugeführt, für sie hat sich der Kreis geschlossen. Alles deutet darauf hin, dass sich derzeit auch ein zeitlicher Zyklus schliesst und in den Schoss einer (Neu-) Empfängnis und - Geburt zurückkehrt. In den „Schoss“, wo sowohl Vollendung als Neuschöpfung möglich ist. Wo Tod und Leben, Ende und Beginn in Eintracht Geborgenheit finden.

In letzter Konsequenz ist es nur die eine mächtige und gleichzeitig erlösende Kraft, welche alle anderen - ansonsten verloren umherirrenden Kräfte und Bestrebungen zu umfassen vermag, welche alleine das ganze Potential zur Heilung in sich birgt. Es ist die Energie, mit deren alles begann, die Liebe. Allerdings die Liebe in ihrer höchsten Form, des Muslims, des Gottergebenen, zu Allah und Seinem Gesandten. Sodann, auf ihrer Basis diejenige zueinander um Seinetwillen und das Handeln darin. In ihrem Schutz alleine liegt der gangbare Weg.

Keine Macht und keine Kraft ausser bei Allah und ER soll uns genügen.

Allahumma Salli 'ala Sayydina Muhammad wa 'ala Aalihi wa Sahbihi wa Sallim.

*) gestützt auf Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit Band 1 Seiten 96 ff, S. 106 ff, S 118 ff
**)aus Jolande Jacobi: die Psychologie von C. G. Jung
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